Es wird Wahlen geben wenn…
Wir erinnern uns an das Jahr 2007, als das Militär erklärte, dass es nur Wahlen geben würde, wenn die Wähler vorher der neuen Militärverfassung zustimmen würden. Und an die offensichtlichen Versuche des Militärs, die Wahlen zuungunsten der People Power Party zu beeinflussen. Was schließlich durch ein Geheimpapier sogar öffentlich bekannt wurde. Damals war es nur deshalb nicht zu einem Verfahren gegen die Generäle gekommen, weil sie sich in die Verfassung eine Amnesty für vergangene und zukünftige Straftaten erteilt hatten, die in Verbindung mit dem Coup von 2006 stehen.
Ist die Situation heute ähnlich?
Ohne Zweifel sehen wir heute eine ähnliche Situation. Nur ist das Militär eher noch bestärkt in seinem Hegemonieanspruch, da es keinerlei Aktivitäten von „befreundeten“ Staaten gegeben hat, die Aktionen der Generäle zu kritisieren oder in Frage zu stellen. Wie vorsichtig waren sie noch 2007, als die
Thai Rak Thai aufgelöst wurde und die erste Hundertschaft von Politikern mit Berufsverbot bestraft wurde. Man bemühte sogar Zeugen, die später zugaben, von der Democrat Party zu Falschaussagen angestiftet worden zu sein, was aber niemals zu einem Justizverfahren führte.
Dann kam die Auflösung der Demonstration mit Kriegswaffen im Jahr 2009. Das kostete ca. 2 bis (unbestätigt) sechs Tote und ca. 200 mit Schussverletzungen behandelte unbewaffnete Zivilisten. Ohne dass es zu einem Aufschrei der Welt gekommen wäre. Anschließend folgte die erste Vernichtung der oppositionellen Medien, eine immer schärfere Zensur, ebenfalls ohne nennenswerte Reaktionen aus dem Ausland. Dann kam die quasi-Enteignung von
Thaksin Shinawatra in einem politische Feme-Prozess, anschließend das Massaker von ca. 93 Menschen und die Verletzung von fast 2000, ebenfalls ohne nennenswerte Folgen. Und jedes Mal, wenn ein Aufschrei ausblieb, trieben es die Generäle noch toller. Auch jetzt wurde die Zensur weiter angezogen, Verhaftungen und Anklagen gegen Oppositionelle intensiviert. Dann die gnadenlos offensichtliche Bevorzugung der Democrat Party durch die Justiz, indem zwei Auflösungsverfahren wegen angeblicher Verfahrensmängel nieder geschlagen wurden, nicht ohne dass die Absprachen zwischen Verfassungsrichtern und Democrat Party-Anwälten in YouTube zu sehen gewesen wäre. Verfahrensmängel, die übrigens bei vorher verhandelten Fällen gegen andere Parteien nicht berücksichtigt worden waren, wie Matichon aufgezeigt hatte.
Da eine deutliche Steigerung in der Brutalität und Gleichgültigkeit gegenüber der Weltmeinung zu erkennen ist, kann man sich ausmalen, was als Nächstes kommen wird, wenn nicht sichergestellt ist, dass die Partei des Militärs die nächsten Wahlen gewinnen wird. Es steht zu bezweifeln, dass sich das Militär noch einmal die Arbeit machen wird, eine Organisation wie die Volksallianz für Demokratie für ihre Zwecke einzuspannen. Zu schwierig ist die langfristige Kontrolle, und das „aus dem Verkehr ziehen“ kann leicht schiefgehen, wie man an dem Attentat gegen Sondhi L. gesehen hat. (Bei Seh Daeng dagegen hatte es ja ganz gut geklappt.)