«Danke für eure Opfer»
In der Provinz Pathum Thani warf Regierungschefin Yingluck Shinawatra ihr politisches Gewicht in die Waagschale, um wütende Anwohner zu zähmen. Bagger rissen dort eine Strasse auf, um eine weitere Ablaufrinne für Flutwasser zu schaffen – an Bangkok vorbei.
«Ich danke euch allen für euer Opfer. Wenn wir warten würden, bis die Wasserschleusen in Nordbangkok beschädigt sind, würden die Wassermassen nach Bangkok fliessen. Die Ausländer würden das Vertrauen verlieren, dass wir unsere Hauptstadt nicht schützen können», sagte sie und versprach den Betroffenen volle Wiedergutmachung.
Die Bangkoker Innenstadt ist auf Kosten der umliegenden Bezirke und Provinzen geschützt worden, daraus haben die Behörden keinen Hehl gemacht: Sie bauten im Norden der Hauptstadt riesige Flutwälle und pumpten das Hochwasser Richtung Osten und Westen. Die Innenstadt mit Banken, Firmensitzen, Hotels und vielen Ausländern sollte unter allen Umständen trocken bleiben.
Bangkoks Zentrum mit aller Karft schützen
Schon vor zwei Wochen entlud sich die Wut der Landbevölkerung, als die Pläne bekannt wurden. Auf ihren Feldern sei das Flutwasser auf vier bis fünf Meter gestiegen, klagte Cha-em Limswat.
«Sie wollen Bangkok auf Kosten von Ayutthaya (Stadt 70 Kilometer nördlich von Bangkok) schützen», sagte sie der «Bangkok Post». Zusammen mit etwa 300 weiteren Anwohnern demonstrierte sie gegen die Errichtung eines weiteren Flutwalls.
Katastrophe als Spiegelbild der politischen Krise
Die Regierungschefin könnte einen hohen Preis dafür zahlen. Ihre Machtbasis sind die Landbevölkerung und die kleinen Leute am Rand der schicken Stadtzentren. In einem zwischen Arm und Reich politisch tief gespaltenen Land besiegte sie im Juli eine Regierung, die die Unterstützung der alteingesessenen Eliten genoss.
«Das Chao Phraya-Bassin zu überfluten, um Bangkok zu retten, ist ein Spiegelbild der politischen Krise Thailands», schrieb der Politologe Thitinan Pongsudhirak in der britischen Zeitung «Guardian». «
Da werden wieder die Armen und Unterdrückten gegen die urbanen Eliten ausgespielt.» Er betonte:
Es hätte dem Gerechtigkeitssinn gedient, wenn ein Teil der Fluten auch durch Bangkoks Zentrum gerauscht wäre.
Thailand: Elite im Trockenen, Normalbürger unter Wasser - International - Tagesschau - Schweizer Fernsehen