Chak2" said:
Gott ist doch ein Sänger....

;-D
@hello_farang: Hast du schon mal was von der Kumbha Mela in Indien gehoert bzw. gesehen? Da treffen sich jedes Jahr, zu bestimmten Sternkonstellationen, Millionen von Hindus. Ist die Ansammlung unzaehliger Menschen der automatische und ultimative Beweis zur "Gottes frage"? Ist das Auftreten von hunderten und tausenden von Menschen zur Hadj in Mekka der Beweis das "Gott" Araber ist?
Noch mal zum Thema:
Ich greif mal in die ´Zauberkiste´ der hinduistischen Philosophie um zu dem Thema einige interessante, vielleicht erklaerende Einsichten zu praesentieren:
Auf der niederen
Stufe der Erkenntniss erscheint Gott als Weltschoepfer, als von den Menschen getrennt, durchaus auch als Person. Dieses Gottes- und Weltbild ist dem
Fassungsvermoegen des breiten Volkes angepasst.
Auf der hoeheren Stufe der Erkenntnis versteht der Erkennende, dass sich hinter der Vielheit der Gottheiten, der Vielheit der materiellen Dinge und der Vielheit der Menschen letztlich der einzige wahrhaft und wirklich existierende
Brahman befindet, mit dem
alles identisch ist und der
letztlich unerkennbar ist.
Im
Brahmanismus wandelt sich die Bedeutung vom Gebet zum Objekt des Gebets, zum allgemeinen schöpferischen Weltprinzip, zum Urgrund allen Seins, zur Weltseele.
Brahman steht hinter oder jenseits aller Erscheinungen, jenseits von Raum und Zeit, jenseits von gut und böse.
Brahman umschließt alles. Aus
Brahman ist alles hervorgegangen und in Brahman kehrt alles zurück. (Interessant ist die unterschwellige Dialektik. Die Dinge sind in und außerhalb von
Brahman
Brahman und
Atman sind eines: Das
kosmische Prinzip Brahman und das
psychische Prinzip Atman sind völlig wesensgleich (aham brahma asmi = ich bin Brahman). Es gibt überhaupt nur eine wahre Wesensheit in der Welt, die im Weltganzen betrachtet
Brahman, im Einzelwesen erkannt,
Atman heißt. Das Weltall ist
Brahman,
Brahman aber ist der
Atman in uns.
Erkenntnis:
Die Erkenntnis, daß
Brahman und
Atman eines ist, ist die höchste Wahrheit. Sie ist allerdings nicht mit dem Verstand begreifbar, (sondern nur in mystischer Ekstase erlebbar*1.). Diese letzte
Wahrheit kann nicht mit dem Verstand erkannt werden. Sie ist überhaupt nur wenigen Menschen zugänglich und auch diesen nur nach einem langen Prozeß der Selbstdisziplin, (Entäußerung, Askese, Auferlegung von Anstrengungen und Qualen, völliger Abziehung der Aufmerksamkeit und des Wollens von der äußeren Welt*1.) etc. (*1.:laut Schankara und einigen fruehen hinduistischen Texten - es gibt spaetere davon abgehende Ansichten!)
Interessanter Weise gibt es nicht-hinduistische
Mystiker, nenne sie ´Seher´, ´Schamanen´ etc. die aehnliche Darstellungen ihrer ´Erkenntnisse´ machten.
folgend einige Begriffe aus dem Sanskrit, die auch in buddhistischen Texten immer wieder auftauchen, die so Einiges an Verstaendniss zu dem Thema
Wer ist Gott beitragen koennen:
Maya:
Mit dem Verstand bleiben wir immer in der Welt der Maya stecken. Maya ist die Welt der Dinge in Raum und Zeit, die Vielheit. Sie ist nur Trugbild, Schleier, Illusion. Ihre Kenntnis ist nur Scheinwissen. Der Zugang zum Wesen der Welt liegt in unserem Inneren verborgen.
Karma:
Ursprünglich rituelles Werk eines Menschen. Später die Summe aller nicht vergoltenen Taten von Lebewesen, die auf die Zukunft wirken. Und zwar nicht nur im Sinne einer materiellen Kausalität.
Samsara:
Seelenwanderung. Es gibt auch eine ethische Kausalität. Das Karma eines Lebewesens entscheidet darüber unter welchen Umständen die Seele nach dem Tode des Körpers sich einen neuen Körper schafft, ob die Seele auf niederer oder höherer Ebene wiedergeboren wird.
Mokscha:
Erlösung. Da das Leben als Leiden angesehen wird, gilt die immerfortige Wiedergeburt
nicht als erwünscht. Erstrebenswert ist, durch richtigen Lebenswandel und damit durch die Erkenntnis der Wahrheit die Kette der Wiedergeburten zu durchbrechen, die individuelle Existenz zu überwinden und in Brahman aufzugehen, wie ein Fluß im Meer aufgeht. Dafür ist notwendig, daß alle Taten vergolten sind, kein Karman mehr übrig ist, das zur Wiedergeburt drängt.
Interessant sind hier vier fundamentale Unterschiede zur Gruppe der 3 Buchreligionen jüdisch/christlich/islamischen:
# 1.)
In der brahmanischen Religion gibt es keine feste unüberwindliche Trennung zwischen Gott und Menschen. Hier ist nicht Gott der Herr und der Mensch der Knecht, hier sind Gott und Mensch letztlich identisch. Was zu behaupten für die oben genannte Religionsgruppe ein unerhörter Frevel ist und im fruehen Christentum wie heute noch im Islam u.U. mit dem Tode bestraft wird.
# 2.)
In der brahmanischen Religion ist Gott keine Person, das heißt kein Über-mensch, sondern eine unpersönliche geistige Kraft. (Allerdings wurde im Hinduismus der ´Brahmanen´ Priester später aus Brahman ein persönlichen Gott gemacht.)
# 3.)
In der brahmanischen Religion gibt es keine ewige Fortexistenz der individu-ellen Einzelseelen. (Einige Spielarten des Hinduismus glauben allerdings daran. Hier knuepfen auch die Grundlagen des Buddhismus an)
#4.)
Der Gedanke der Seelenwanderung und der Vergeltung in späteren Leben (Plural) unterscheidet sich wohltuend von der Vorstellung, daß die Taten in einem vergleichsweise sehr kurzen Zeitraum anschließend mit ewiger Ver-dammnis oder ewiger Glückseligkeit (Hoelle - Paradies) vergolten werden. (Ganz abgesehen mal von der
Prädestinationslehre, die behauptet, daß ein "Lieber" Gott Seelen schaffe, die von vornherein zur ewigen Verdammnis, bzw. zur ewigen Folter vorherbestimmt seien.