Taoman: Das verblüffende war bzw. ist das ohne Zutun, rein durch loslassen und ein tiefes intuitives positives Vertrauen ins Ungewisse plötzlich alles von alleine auf wundersame Weise geschieht. Dies ist faszinierend und beglückend zugleich.
Im Taoismus ist dies als das "wu-wei" Prinzip bekannt, was oft mit dem Prinzip des "Nicht-Eingreifens" übersetzt wird. Das Nicht-Eingreifen in das kosmische Geschehen ist kein Ausdruck von Passivität, sondern von wachsamer Anteilnahme an den natürlichen Prozessen, die sich zum Beispiel in der Umwelt, in der Gesellschaft, und in zwischenmenschlichen Beziehungen manifestieren. Der Leitgedanke ist dabei, dass die kosmischen Prozesse von sich aus eine Balance anstreben und das aktive Eingriffe daher nicht notwendig oder sogar abträglich sind. Aus der Sichtweise des taoistischen Meisters ist aktives Gegesteuern nur dann notwendig, wenn die Dinge unmittelbar außer Balance geraten sind. Das Einzigartige dabei ist, dass das Subjekt nicht -wie in den meisten westlichen philosophischen Systemen- als unabhängige mit freiem Willen ausgestattete Entität auftritt, sondern nur ein Teil des Ganzen (=des Tao) ist, und sich als solches wahrnimmt. Der Taoismus hat daher eine deterministische Sichtweise des Universums.
Da der Begriff des Tao kein Begriff ist, sondern eine Art transzendentale Essenz des Daseins, ist der Taoismus letztendlich eine Form des Pantheismus, jedoch weniger im Sinne von Spinoza´s "deus sive natura" -denn Gott als Person gibt es im Taoismus nicht- sondern eher im Sinne der präsokratischen Philosophen.
Kali: Zu sich selbst finden, heisst auch zu seinem Glauben finden.
Oder auch nicht. Was als gemeinhin als "Glauben" bezeichnet wird ist in Wirklichkeit ein Spektrum von verschiedenen epistemischen Standpunkten zwischen den Extremen des blinden Dogmatismus und intelligenter Spekulation (z.B. durch Induktion, Extrapolation, etc.). In jedem Fall ist "Glaube" eine Gedankenkrücke, eine Stütze für Gedankensysteme mit empirischen oder theoretischen Löchern. In den meisten Fällen ist eine Krücke natürlich besser als gar nichts, denn sie erlaubt dem Kriechenden einen aufrechten Gang. Wer allerdings das Gehen einmal erlernt hat, kann auf Krücken verzichten.
Dies soll keine generelle Kritik am Theismus sein und auch keine Kritik an Glauben selbst, denn Glauben -im Sinne von Hypothese- ist in der dialektischen Entstehung von authentischem Wissen notwendig. Es ist keineswegs so, dass alle Atheisten und Agnostiker das Gehen erlernt haben, sondern in vielen Fällen sind es einfach nur Kriechende die zu stolz sind Krücken zu benutzen.
Taoman: Deshalb geht es mir nicht um "Glauben" sondern um "Wissen" welches auf "eigener Erfahrung" beruht.
Einzig das zählt.
Taoman: Ich persönliche betrachte den Buddhismus, Zen, Taoismus auch nicht als Religion. Für mich sind es intelligente Lebensformen/Möglichkeiten welche aus dieser Sichtweise auch kein Dogma beinhalten.
So hatte der Buddha es auch vorgesehen. Allerdings ist die Dhamma nur bedingt kompatibel mit dem Taoismus. Schon mal drüber nachgedacht?
An anderer Stelle sehe ich ebenfalls einen Widerspruch:
Taoman: Wenn ein Christ Gott erfahren hat verstehe ich es im Sinne Meister Eckhard und diese Erfahrung ist für mich dann das gleiche was man unter Nirvana im Buddhismus versteht.
Die mystische Gotteserfahrung ala Meister Eckhart ist sehr verschieden vom buddhistischen Nirvana, denn Nirvana heisst nichts weniger als die Auslöschung der samsarischen Existenz. Soweit geht Meister Eckhart gar nicht. Allerdings gibt es einen Verbindungspunkt. Die mystische Annäherung an Gott erfordert die Aufgabe und Besiegung des Egos, was nur durch authentische spirituelle Praxis zu erreichen ist. Die spirituelle Praxis der Buddhisten, wie im achtfachen Pfad beschrieben, hat im Prinzip dasselbe Ziel, jedoch unter versucht sie dies mit anderen Methoden zu erreichen.
Gruß, x-pat