Davon bin ich nicht überzeugt. Nenne Beispiele.
Um Beispiele nennen zu koennen, muesste ich mich INTENSIV mit der thailaendischen Sprache befassen, wozu mir derzeit aber die Zeit und auch die Musse fehlt. In meiner Jungend war ich ein echter Buecherwurm, habe also so viel gelesen, dass unsere Stadtbuecherei auch langsam an ihre Genzen kam.
Finde durchaus Gefallen an
gutgeschriebener Literatur, wobei die verwendete Sprache wie ein guter Wein sein sollte. Leicht, bekoemmlich, wohl schmeckend, nicht zu schwuelstig und zu schwer. "Bedeutende" Werke sind somit auch sehr relativ und subjektiv. Ausgezeichnet mit dem Literaturpreis, aber nun ja, eventuell ist es doch eher eine kulturelle Pflichtuebung, also ein Akt der Dekadenz, als tatsaechlich wohltuend.
Wie bei der Kunst. Individuell empfundene Spannbreite kann von genial bis laecherlich reichen. Sehr schoen veranschaulicht finde ich die Thematik im Film "Der Club der toten Dichter".
Mein eigenes persoenliche Verhaeltnsi zur deutschen Sprache ist eher gemischt. Habe Deutsch nie als eine besonders schoene Sprache empfunden und eigentlich spreche ich sie auch nicht sonderlich gerne. Eher reines Mittel zum Zweck ohne jedoch besondere Freude daraus zu erzielen. Zu schwuelstig, da bereiten mir simplere Sprachen wie Spanisch oder Englisch weitaus mehr Freude. Meiner Ansicht nach kann man viel mehr Freude daran haben in spanischer oder englischer Sprache zu kommunizieren, die Sprachen sind einfach irgendwie lebhafter. Ich finde, in keiner Sprache kann man besser fluchen als in Englisch. Somit dann auch synchronisierte Filme, die haeufig sprachlich gestelzt und gekuenstelt rueberkommen. In Deutsch aber natuerlich auch in Thailaendisch. Viele in die thailaendische Sprache synchronisierte Filme sind ein einziger Ohrenschmerz, wobei von den Machern oftmals gezielt darauf abgezielt wird ins Laecherliche zu ziehen, weil sich die breite Masse eher davon angesprochen fuehlt.
Jetzt nun auch diesen Umstand auf die Literatur uebertragen, rein vom geschaeftlichen Standpunkt auch. Wieviel potentielle Kundschaft existiert fuer gute und anspruchsvolle thailaendische Literatur? Was koennte einen Autoren dazu bewegen ein literarisches Meisterwerk in thailaendischer Sprache zu erstellen? Wer waere ueberhaupt in der Lage es wirklich zu schaetzen und zu geniessen?
Oftmals wird in der Literatur auch auf die alten Klassiker Bezug genommen und zeitgenoessische Literatur scheint mit diesen irgendwie nicht mithalten zu koennen. Werden Literaten der Neuzeit mit einem Herrn von Goethe in Sachen schrifstellerischer Genialitaet in Vergleich gebracht und en par gesetzt. Keine Ahnung, weil ich dafuer an der Thematik eifach nicht genug interessiert bin, um mich intensiv damit zu befassen. Literatur als Wissenschaft. Absolut nicht meine Welt, da mich, den simplen Leser, Literatur lediglich intellektuell befriedigen und mir Freude bereiten soll. Ob ein Werk von Kritikern nun hochgelobt oder verrissen wird ist dabei ohne jegliche Bedeutung. Der indviduelle Spassfaktor hat dagegen weitaus mehr Gewicht. Somit gibt es dann auch fuer mich kein literatisches MUSS, sondern ein literarisches MUSS ist fuer mich lediglich ein Umstand der Dekadenz.
Man kann sehr viel Spass mit der thailaendischen Sprache haben, wie auch mit der englischen oder auch spanischen. Mit der deutschen eher weniger, aber das ist nur meine ganz persoenliche Ansicht, die aber fuer mich selbst wesentlich ist.
Somit wuerde ich es auch nicht vermissen keine Gelegenheit zu haben Deutsch in Thailand sprechen zu koennen, da fuer mich persoenlich die thaialendische oder auch englische Sprache absolut ausreichend waere. Hier in Thailand ziehe ich Thailaendern gegenueber Thailaendisch deutlich dem Englischen vor, waehrend ich Englisch am liebsten nur mit Muttersprachlern spreche. Meine eigene Sprache wird umso holpriger je holpriger die Kenntnisse meines Gegenuebers sind.
Deshalb war und ist es auch fuer mich ein Greul, hier in Thailand gezielt innerhalb der Familie zu versuchen gezielt Deutsch oder Englisch zu sprechen. Eine Art Qual, da man nicht so sprechen kann wie man eigentlich moechte. Der Versuch eines Laufens mit zusammengebundenen Beinen.
Hier in Thailand ist Thailaenisch einfach die ideale Kommunikationsform, wie Deutsch in Deutschland, Englisch in England, Amerikanisch in den USA etc. etc. Die Sprache ist wie das Land und die Kultur. Es gehoert einfach zusammen, es ergaenzt sich, stellt Harmonie her. Dieses kompromitieren zu wollen macht keinen Sinn, es kommt einer intellektuellen Vergewaltigung gleich. So jedenfalls mein Empfinden. Thailand ohne die thailaendische Sprache waere nicht Thailand. Welche Qualitaet dieses Kommunikationsmittel letztendlich hat ist sicherlich immer eine rein subjektive Frage. In der thailaendischen Sprache gibt es keine Konjunktionen, keine Verbbeugungen etc. macht sie dieses jedoch zweitrangig. Sind die wissenschaftlichen Sprachen vielleicht nur lediglich ueberkandidelt und daher dann auch die Versuche in der deutschen Sprache durch Reformen zu simplifizieren, was aber wiederum bedeuten koennte, dass die deutsche Sprache ihren Spirit verliert und nicht mehr im Einklang der gewachsenen Historie steht.
Wenn man da so einsteigt eine ueberaus komplexe Thematik, die erhebliches potential fuer Denkarbeit bietet. Koennte man drangehen, wenn man die Musse haette. Was koennte man aus der thailaendischen Sprache herausholen, wozu ist sie faehig, wo hat sie ihre Grenzen. Material fuer eine Dissertation, aber nun ja im Grunde wozu waere so ein Doktortitel letztendlich gut. Letztendlich unter dem Strich auch nur ein Attribut fuer Dekadenz und sonst nichts und nichts wirklich Substantielles. Also mai bpen rai. Es passt schon. Jedensfalls so aus meiner Perspektive als einfacher Bangkoker mit nicht allzu grossen Ansprueche. Grosse Ansprueche belasten nur, speziell dann, wenn sie sich partout nicht erfuellen lassen, aus welchem Grund auch immer.
Dieses Post zeigt jetzt aber auch wiederum, welches Potential die deutsche Sprache doch fuer Schwurbler und Pfuscher hat. Deja-vu, lieber Thomas, deja-vu, gell?
