Soweit ich den Hintergrund verstanden habe, ist es wohl so, dass dieses Brautgeld eine Art Kompensation dafuer ist, dass die Tochter als Altersversorgung entfaellt und kuenftig fuer die eigene Familie verantwortlich ist.
Da hast Du wohl etwas missverstanden.
Die Tochter wird - in der Sichtweise der Eltern - keineswegs als Altersversorgerin "entlassen", diese Verpflichtung besteht - wieder aus Sicht der Eltern - ein Leben lang. Was sich ändert, ist, dass
Du (als Schwiegersohn)
jetzt zusätzlich mit in der Pflicht bist.
Ursprünglich war es so, dass Mädchen im Haushalt der Eltern blieben, bis sie heirateten. Dabei waren sie in der Regel auch deutlich jünger als sie es heute bei einer Eheschließung sind. Die Eltern hatten in dieser Phase eine kostenlose Haushaltshilfe oder (auf dem Land) Magd bzw. Reisfeldarbeiterin, die sie allerding verköstigen mussten. Der Sinsod ist von der Idee her die Kompensation für den Verlust der kostenlosen Arbeitskraft und die Abgeltung des angefallenen Kostgeldes. Daraus wurde im Laufe der Generationen dann so etwas wie eine "Tradition", bei der auch dann die Höhe eine Rolle spielte und zum Ansehen der Familie beitragen sollte.
Nun hat sich aber die thailändische Gesellschaft in den letzten 20 bis 30 Jahren grundsätzlich geändert. Mädchen bleiben kaum noch zu Hause, sobald sie die Schule abgeschlossen haben. Sie verdienen selbst ihr Geld, verköstigen sich selbst und senden den Eltern Geld (was allerdings auch stark zurückgeht). Durch diese Änderung der gesellschaftlichen Strukturen hat sich aber die Ausgangslage geändert. Der ursprüngliche Grund für den Sinsod existiert eigentlich nicht mehr, denn wenn man ihn als Kompensation ansieht, so zahlt die Tochter ja all die Jahre ohnedies fleißig Geld, wozu dann noch eine weitere Kompensation? Die Elterngeneration will aber nicht darauf verzichten. Das führt zwangsweise zu Spannungen (nicht nur mit Farangs).
Unter Thais ist es immer noch normal, dass man bei der Eheschließung coram publico den Sinsod zahlt. Der Brautvater öffnet das Kuvert und zählt theatralisch Schein für Schein nach, schöööön langsam, damit alle sehen können, wie hoch seine Tochter und vor allem er eingeschätzt wird. Alle wahren ihr Gesicht und dann wird aber meist das Geld vom Brautvater im Hinterstübchen wieder zurückgegeben. Das Geld ist meistens auch gar nicht vom Bräutigam, sondern von Freunden ausgeborgt. Ich habe dem Bruder meiner Frau auch für so eine Farce einmal einen größeren Betrag geliehen. Es ist eine Farce, weil alle wissen, dass das Geld nicht wirklich den Besitzer wechselt, aber bei Thais ist der Schein bzw. das Gesichtwahren eben ein wichtiger Faktor.
In der "HiSo" gelten natürlich ganz andere Gesetze, da wird ja Geld mit Geld verheiratet, aber diese Gesellschaftschicht hat eher selten Berührungspunkte mit Farangs, und wenn doch, dann nur mit Millionären (von denen ja nur wenige im Nitty vertreten sind).