Was bedeutet Japanifizierung?

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Je mehr Japan seine Wirtschaft "stimuliert", desto mehr stagniert sie.

Japans drei Jahrzehnte depressiver Stimulierungsprogramme

Bildliche Darstellung - Tabelle 1: https://www.aier.org/wp-content/uploads/2020/06/japan-1.png
Zitat: "Tabelle 1 stellt die Leistungen Japans in den letzten drei "verlorenen Jahrzehnten" (1990-2020) und den vorangegangenen drei Jahrzehnten mit robustem Wachstum (1960-1990) gegenüber. Die Staatsverschuldung ist in den drei Jahrzehnten seit 1990 um 5,8% p.a. gewachsen, während die öffentliche Verschuldung um 4,2% p.a. zunahm; inzwischen ist das reale BIP aber nur noch um 1,0% p.a. gewachsen, der NIKKEI um nur 0,4% p.a., und die Industrieproduktion ist sogar geschrumpft. Soviel zu Japans "Stimulus". Das keynesianische Rezept war noch schlimmer als nutzlos. Es war sogar schädlich. Doch je mehr es scheitert, desto mehr bestehen seine Anhänger auf noch höheren Summen für die Defizitfinanzierung.
[...]
Viele Ökonomen glauben, dass öffentliche Ausgaben und Geldausgabe Wohlstand oder Kaufkraft schaffen. Dem ist aber nicht so. Unsere einzige Möglichkeit, reale Güter und Dienstleistungen zu erschaffen, ist Schaffung von Wohlstand - durch Produktion. Beim Tauschhandel kommt niemand auf den Markt, der erwartet, etwas zu kaufen, ohne auch etwas anzubieten. Eine Geldwirtschaft ändert nichts an diesem Schlüsselprinzip. Was wir ausgeben, muss aus dem Einkommen kommen, das seinerseits aus der Produktion stammen muss. Das Say'sche Gesetz (Link: https://www.aier.org/article/says-law-versus-keynesian-economics/) lehrt, dass nur das Angebot die Nachfrage begründet; wir müssen produzieren, bevor wir nachfragen, ausgeben oder konsumieren. Nachfrage ist nicht ein bloßer Wunsch nach Ausgaben, sondern Wunsch plus Kaufkraft.
"
Weiter hier - https://www.aier.org/article/japans-three-decades-of-depressive-stimulus-schemes/
 
berti

berti

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Joho (Khorat)
um auf Deine Frage zu kommen: Japanifizierung ist wie Elektrifizierung, nur mit Japanern
 
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Genau berti, es kann nur um Strom gehen, denn es muss fließen, fließen und rauschen wie das Wasser an den Niagarafällen...

Covid-19 Hilfspakete im Verhältnis zum BIP https://www.statista.com/chart/21672/financial-responses-to-the-covid-19-pandemic-as-a-share-of-gdp/

Japan - 21,1%
USA - 13,0%
Schweden - 12,0%
Deutschland - 10,7%
Frankreich - 9,3%
Spanien - 7,3%
Italien - 5,7%
Großbritannien - 5,0%
China - 3,8%
Südkorea - 2,2%

Thailand BIP 2019: 520 Milliarden USD = 16.380.000.000.000 THB
Link: https://tradingeconomics.com/thailand/gdp#forecast

Thailand letztes Covid-Hilfspaket: 1.900.000.000.000 THB = 11,6% vom BIP
Allerdings gab es ja bereits vorher Hilfen in Höhe von rd. 900.000.000.000 THB, sodass der prozentuale Hilfsanteil am BIP real eher 17,1% beträgt.

Nun stimmen die o.a. Zahlen ja nicht, denn es wird bereits prognostiziert, dass das BIP in Thailand um 7 bis 10% zurückgehen soll (die Tourismuszahlen werden jetzt von ursprünglich noch 16 Mill. bereits mit nur noch 9,8 Mill. geplant)
Daraus ergibt sich dann folgendes Bild.
Thailand BIP 2020: 480 Milliarden USD = 15.120.000.000.000 THB
Die Hilfspakete bleiben (hoffentlich) bestehen, was bedeutet, dass das Verhältnis Hilfspaket zu BIP folgendermaßen aussieht:
Basis 1.900.000.000.000 THB = 12,6% vom BIP
Plus den zusätzlichen Hilfen von rd. 900.000.000.000 THB = 18,5% zum BIP

Und nuuuu???
 
HeinrichSaal

HeinrichSaal

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Japanifizierung bedeutet, nach einem Trinkgelage und nicht mehr des Laufens faehig, ohne jegliche Aufforderung von einer Geisha in ein Taxi verfrachtet zu werden, nebst Instruktionen an den Fahrer, wo sich dieses zu Hause befindet. :rolleyes:
 
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Ich bin mir nicht so ganz sicher, ob hier im Forum wirklich von allen verstanden wird, was so an wundersamen Dingen auf der Welt vor sich geht (weil womöglich die ARD und das ZDF nicht darüber berichten und der 'Video-Produzent Helmut mit seinen Kumpels' von solchen Dingen im schlimmsten Fall gar keine Ahnung haben - hat denn z.B. einer von denen mal das folgende Thema angesprochen: 'Police advice for foreigners')?

Hier mal so ein kleiner Leckerbissen aus was sich das BIP so 'zusammensetzen (muss)':
Zitat: "Erhöhung des BIPs durch Dro_gen und Pro_stitution - Das Bruttoinlandsprodukt 'gibt den Gesamtwert aller Güter, d. h. Waren und Dienstleistungen, an, die während eines Jahres innerhalb der Landesgrenzen einer Volkswirtschaft als Endprodukte hergestellt wurden, nach Abzug aller Vorleistungen', sagt Wiki. Es ist auch eines der Kriterien zur Auswertung einer Volkswirtschaft und zum Vergleich mit den anderen Ländern. Was für die Berechnung des BIPs mitgerechnet wird, hängt von den jeweiligen Ländern ab. Das macht die beliebten Ländervergleiche strittig. Aus diesem Grund verlangt seit 2013 Eurostat (europäisches Amt für Statistiken), dass alle Länder in ihren Berechnungen auch Dro_genkonsum und Umsatz der Pro_stitution miteinbeziehen. Es seien Produkte bzw Dienstleistungen, mit denen freiwillig gehandelt wird. Länder wie die Niederlande integrieren sie ausserdem schon lange in ihrem BIP.
Das französische Amt für Statistiken INSEE hat sich also dafür entschieden, ab 2018 den Konsum von Dro_gen mitzurechnen, und die BIPs von den Jahren ab 1947 neu zu berechnen. Der Unterschied sollte sich aber in Grenzen halten, eine Erhöhung von ein paar Milliarden ist erwartet, unbedeutend in einem gesamten BIP von 2.200 Milliard. An der Wachstumsprognose Frankreichs sollte diese leichte Erhöhung nichts ändern.
Die INSEE weigert sich aber weiterhin, die Pro_stitution mitzurechnen, weil dies eine Dienstleistung sei, die nicht immer freiwillig angeboten wird.
"
Link: https://www.bonjour-frankreich.com/forum/nachricht-6434.html
Weiterer Link: https://www.nouvelobs.com/economie/...-trafic-de-drogue-dans-son-calcul-du-pib.html
Zitat daraus (übersetzt): "Dies ist eine Entscheidung, die mit Sicherheit eine Debatte über die Relevanz des BIP als wirtschaftliches Messinstrument wiederbeleben wird. Das INSEE hat beschlossen, den Dro_genhandel in das Bruttoinlandsprodukt einzubeziehen. Eine Entscheidung, die im Übrigen zu einer 'leichten Erhöhung' führen sollte.
Das Nationale Institut für Statistik und Wirtschaftsstudien (INSEE) wird 'den Dro_genkonsum und die damit verbundenen Aktivitäten auf dem Staatsgebiet berücksichtigen', teilte die öffentliche Einrichtung am Dienstag in einer Pressemitteilung mit, die einer Reihe von Änderungen in der Rechnungslegung des Instituts gewidmet ist.
'Ein paar Milliarden'
Diese Aufnahme, die 'auf Wunsch' des europäischen Statistikinstituts Eurostat vorgenommen wurde und mit der die französischen Statistiken an die der 'anderen europäischen Länder' angeglichen werden sollen, wird zu 'einem sehr leichten Anstieg des BIP-Niveaus' führen, fügt das INSEE hinzu.
"
Wer es lieber in Deutsch mag: Artikel in der FAZ (lesenswert)
Link (Achtung: 5 und _ im Link): https://www.faz.net/aktuell/wirtsch...dro_gen-und-waffen-fuer-das-bip-13090550.html
Zitat: "So senken wir die Schuldenquote: Ab September werden auch illegale Aktivitäten zum Bruttoinlandsprodukt hinzugezählt. Forschungsausgaben werden anders verbucht. Das erhöht die Wirtschaftsleistung."

Das alles könnte einen ja jetzt auf den Gedanken bringen, dass die Dro_gen und der Handel damit, demnach von Staats wegen unbedingt gebraucht werden, um das BIP des entsprechenden Landes zu steigern, was aber im Umkehrschluss gleichbedeutend mit der Tatsache sein muss, dass eine Vernichtung dieses üblen Zeugs oder lediglich eine Unterbrechung des Handels damit gar nicht gewünscht sein kann, vor allem schon mal gar nicht von den Lieferanten, die damit ja einen immensen Reichtum für sich selber erwirtschaften (in wessen Taschen fließt das dann eigentlich, mal so generell gefragt?).

Tja, so ist das...
 
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Japan hat ganz einfach gesagt fertig: https://economics.rabobank.com/publications/2020/june/japan-even-more-stimulus-yet-not-enough/
Zitat:
Japan - Selbst noch mehr Stimulus ist immer noch nicht genug
- Japans Regierung hat eine zweite fiskalische Bazooka geladen
- Das gesamte Konjunkturpaket beläuft sich jetzt auf schätzungsweise 43% des BIP
- Die BoJ hat sich auch mit einer neuen Kreditfazilität für Banken und einem Anstieg der Anlagenkäufe beteiligt
- Zusammen sollen diese Maßnahmen einen starken Anstieg der Konkurse und der Arbeitslosigkeit verhindern
- Unterdessen leidet die Wirtschaft enorm, und wir gehen immer noch davon aus, dass sie in diesem Jahr um 4,8 % schrumpfen wird
- Japans Wirtschaft wird auch mit den Nebenwirkungen der Konjunkturpakete, wie höherer Unternehmensverschuldung und weiterer Zombifizierung zu kämpfen haben

Wenn man den o.a. Bericht im Geiste weiter denkt und sich dabei vor Augen führt, dass der Hauptanteil der ausländischen Unternehmen in Thailand aus Japan kommt, dann sollte es wohl für jedermann recht einfach zu verstehen sein, was das für die Zukunft von Thailands Wirtschaft bedeutet...
Übrigens ist die vielfach beschworene Wirtschaftsmacht der Zukunft, Indien, seit oder durch Covid nun fast vollkommen in der Versenkung verschwunden.
 
Spencer

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Japan hat ganz einfach gesagt fertig
Japan ist im Rating auf A gelandet ( bedeutet : "wirtschaftliche Gesamtlage ist zu beachten )
Ich bin gespannt wie lange sich Deutschland noch AAA halten kann ?? !!

Türkei : B+ (bedeutet : finanzielle Situation ist notorisch wechselhaft)


 
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Japan ist im Rating auf A gelandet ( bedeutet : "wirtschaftliche Gesamtlage ist zu beachten )
Ich bin gespannt wie lange sich Deutschland noch AAA halten kann ?? !!

Türkei : B+ (bedeutet : finanzielle Situation ist notorisch wechselhaft)
Ja Spencer, du magst damit recht haben, dass das Wort 'fertig' bzgl. der japanischen Situation etwas krass klingen mag, allerdings entspricht das doch genau der realistischen Situation (ich erinnere nochmals an den von Ökonomen viel gepriesenen 'Shooting-Star' in Bezug auf die zukünftige Wirtschaftsmacht, sogar noch vor China: Indien). Japan kämpft doch bereits seit fast 40 Jahren gegen seinen wirtschaftlichen Niedergang und das Ganze wird doch nur noch durch die extreme Verschuldung und die Bank von Japan, die mittlerweile bereits rund 80 Prozent der Wertpapiere aufgekauft hat, am Leben erhalten. Allerdings sollte sich keiner täuschen lassen, dass die Situation in China besser aussieht. China hat nach der Finanzkrise 2008 die Welt gerettet, steht aber jetzt selbst vor dem Abgrund und hat keine Mittel mehr um nochmals so eine Rettungsaktion durchzuführen. Und wenn wir unseren Blick jetzt gen Westen wenden, dann sehen wir, dass die Verunreinigten Staaten seit dem 5. Mai d.J. allein eine Billion USD Schulden auf ihre bereits bestehenden 25 Billionen drauf gepackt, sodass sie jetzt die 26 Billionen überschritten haben. Uns bleibt nur noch ein Ruf übrig, der da lautet: Bingo.
Aber wie sieht es denn sonst noch aus auf unserer Welt? Es herrschen Lug und Trug, nichts anderes zählt mehr: Tag ist jetzt Nacht, Nacht ist Tag und schwarz ist weiß, plus umgekehrt. Der schlimmste Fehler, den man heute machen kann, ist es doch die Wahrheit laut auszusprechen.
Und nun mal was zur Bunten Republik, bzw. der EU
Beiläufig angemerkt: Man hat ja nicht nur eine verurteilte Kriminelle auf dem Vorsitz des IWF belassen, sondern man hat ihr jetzt sogar den Vorsitz der EZB übertragen, gibt es dort noch irgendwelche Fragen?
Zur Maskerade der Bewertung Deutschlands durch die Agenturen mit 'AAA' sei zu sagen, das dadurch nur eins gewährleistet wird: Der Fortbestand der EU und genau deshalb wird diese Bewertung niemals verändert.
Und als weitere Information zur EU, sei nur das folgende noch anzumerken: Nicht Italien ist das Problemland Nr. 1, sondern die 'Grande Nation' ist das schon seit langer Zeit. Frankreich, das seit mehr als 10 vollkommen bankrott ist, und das nur mit den Finanztransfers aus Deutschland noch über Wasser und am Leben erhalten werden kann.
Wie hoch ist denn die tatsächliche Verschuldung Deutschlands in real, gegenüber den offiziell genannten etwa 2 Billionen? Ohne Zugriffsmöglichkeiten kennt doch keiner die genauen Zahlen und im Verschleiern ist die BRD doch genauso Weltmeister, wie ein anderes Land (plus viele andere), das wir beide kennen (über die USA findet man vieles, wenn man weiß nach was man suchen muss, also sehr viel gute und zahlreiche Informationen im Netz, man muss dann halt nur noch verstehen, die Punkte zu verbinden und natürlich, auch die Sprache muss einem geläufig sein).
 
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Eine Momentaufnahme zur wirtschaftlichen und finanziellen Situation von Thailand, die man allen Traumtänzern und sonstigen Ignoranten nur als Leseempfehlung ans Herz legen kann.

Link: The pressure cooker that is Thailand

Thailand, der Schnellkochtopf

Thailand befindet sich derzeit in einer Zwickmühle, da es mit den wirtschaftlichen Schwächen aus der Zeit vor dem 19. November 2001, einem Mangel an längerfristigen Antworten auf die wirtschaftlichen und sozialen Krisen der Pandemie und der Ungewissheit darüber zu kämpfen hat, wie lange die Menschen noch durchhalten können, bevor sie in Armut fallen, Arbeitsplätze verlieren oder kleine Unternehmen schließen.
Dies ist das Bild einer thailändischen Gesellschaft, das sich aus einer kürzlich von der Weltbank geführten Diskussion über gefährdete Bevölkerungsgruppen in diesem Land mit mittlerem Einkommen ergab, dessen Erfolg bei der Bewältigung des Covid-19-Problems weltweit bekannt ist.
Weniger bekannt sind jedoch die in Thailand vorherrschenden Bedingungen, die seine Immunität gegen Schocks wie die Pandemie enorm geschwächt haben und nun drohen, große Entwicklungsfortschritte in einem Land, dessen Armutsrate von 65,2% im Jahr 1988 auf 8,4% im Jahr 2019 gesunken ist, wieder rückgängig zu machen.
Zu diesen Bedingungen aus der Zeit vor dem 19. November gehören die sehr hohe Verschuldung der Haushalte zusätzlich zu den seit 2007 sinkenden Sparquoten, eine große Zahl von Menschen, die von Sozialversicherungshilfen abhängig sind, und sehr beunruhigende Indikatoren für das Wohlergehen von Kindern.
Ende 2019 betrug das Verhältnis der Haushaltsverschuldung zum Einkommen 148,8%, das ist die höchste Rate seit 2015, wie die Zahlen der Bank von Thailand zeigen. Dies ergibt eine Haushaltsverschuldung im Verhältnis zum BIP von 79,1%, die damit zu den höchsten in der Region zählt.
Seit dem Beginn des Sozialversicherungssystems für Bargeldhilfstransfers im Jahr 2017 war die Deckung auf 71,5% der ärmsten ein Fünftel der Thailänder im Jahr 2019 angewachsen, wie die Daten der Weltbank zeigen. Schon vor der Pandemie waren 35% der Familienvorstände armer Haushalte arbeitslos.
Von 2015 bis 2019 war der Anteil der Kinder mit Behinderungen (13%), Verschwendung (8%) und Übergewicht (9%) nach UNICEF-Daten gestiegen. Insgesamt 18% der Kinder im oberen Sekundärschulalter hatten keine Schule besucht. Nur 57% verfügen über grundlegende Lesefähigkeiten und 51% über grundlegende Rechenfähigkeiten, wie Daten des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen zeigen.
Diese chronischen Schwächen gibt es zumindest seit den letzten fünf Jahren, einer Zeit, die von wirtschaftlichen und politischen Veränderungen und Krisen, einschließlich der Putsche, geprägt ist.
"Covid hat für Thailand zwar Probleme verursacht, aber die wirtschaftlichen Probleme Thailands gingen Covid bereits voraus. Thailand ist der Nachzügler in der Region und steckt in einer Falle bei mittleren Einkommen", sagte Patrick John Barron, Weltbankberater für Fragilität, Konflikte und Gewalt, am 27. Oktober bei der Diskussion über gefährdete Gruppen während des Covid-19. "Das deutet auf wesentlich größere strukturelle Probleme im Land hin, die unbedingt angegangen werden müssen."

Es ist ein langfristiger Fahrplan erforderlich

Entwicklungsanalysten haben an dieser Stelle ein gemeinsames Rezept: Thailand sollte auf die kränkelnde Wirtschaft den gleichen systematischen Ansatz anwenden, den es auch bei der Kontrolle von Covid-19-Infektionen angewandt hat.
"Wir fallen wahrscheinlich unserer eigenen [Seuchenbekämpfungs-]Erfolgsgeschichte zum Opfer", sagte Somchai Jitsuchon, Forschungsdirektor für integrative Entwicklung am Thailand Development Research Institute. "Wahrscheinlich haben wir uns dem Gesundheitsproblem zu stark angenommen, wir sollten uns irgendwie auch um die wirtschaftlichen Anliegen kümmern", sagte er.
Dass die thailändische Regierung auf Experten für öffentliche Gesundheit gehört hat, steht außer Zweifel. Aber Herr Somchai sagt, die Regierung müsse jetzt einen langfristigen Wirtschaftsplan haben, da es Covid-19 noch einige Zeit geben werde - und die lokale Öffentlichkeit, die gegen die Öffnung der Grenzen ist, endlich dazu bringen, sich auf die Idee einzulassen, dies zu lockern, um der Wirtschaft Luft zum Atmen zu geben. "Jetzt ist es an der Zeit, ein Gleichgewicht zu finden, wie wir uns öffnen und vor allem wie stark wir uns öffnen sollten", erklärte er.
Wie Herr Somchai bereits sagte, nimmt die Einkommensungleichheit in Thailand enorm zu. Die Grafik, die er bei der Weltbank-Veranstaltung verwendete, zeigte Projektionen seines Gini-Koeffizienten, ein Maß für die Einkommensverteilung, welches 2018 36,4 betrug und 2020 bereits über 50 liegt.
Es wird erwartet, dass die thailändische Wirtschaft in diesem Jahr um 7,7% schrumpft, was damit der größte Rückgang in Südostasien ist. In letzter Zeit sind dazu auch seine Wachstumszahlen zurückgegangen, von 4,2% im Jahr 2018 auf nur noch 2,4% im Jahr 2019.
"Das Gesamteinkommensniveau hat einen großen Schock erlitten und erholt sich auch größtenteils nicht [seit dem Ende des Lockdown im Mai]. In einigen Fällen verschlechtern es sich sogar", sagte Thomas Parks, Leiter der Asia Foundation für Thailand, und zitierte die Ergebnisse einer Umfrage unter Kleinst-, Klein- und Mittelunternehmen (KKMU) in der verarbeitenden Industrie und im Tourismus im Juni und September.
Nur 8% der Beschäftigten berichten von Einkommensverbesserungen seit Mai. Von März bis Mai sanken die individuellen Einkommen um 47% und die der informellen Arbeiterinnen und Arbeiter - die mehr als die Hälfte der Beschäftigten ausmachen - um 63%.
23% der KKMU im Tourismussektor und 21% der von der Asia Foundation im Juni befragten Kleinhersteller "bleiben wahrscheinlich für immer geschlossen oder stehen seit September kurz vor ihrer Schließung", fügte Herr Parks hinzu.
Umfragen von UNICEF von April bis Mai bestätigen ähnliche Trends, darunter sind 90% der Befragten, die von einem Rückgang des Haushaltseinkommens berichten. Der UNICEF-Spezialist Tomoo Okubo fügte hinzu, dass 88% der Haushalte verschuldet sind und mehr als ein Drittel berichtet, dass sie im Vergleich zu den Zeiten vor der Pandemie bei jeder Mahlzeit weniger Nahrungsmittel zu sich nahmen.
Was in Ostasien funktioniert hat, waren riesige öffentliche Hilfsausgaben, um die Volkswirtschaften in einer Größenordnung in Gang zu bringen, was derzeit nur Staaten tun können, sagt Birgit Hansl, die Ländermanagerin der Weltbank für Thailand: "Wir würden der Regierung dringend raten, darüber nachzudenken."
"Wenn wir uns anschauen, welche Länder sich schnell erholen, dann sind dies China und Vietnam", betont sie. "Und das liegt an den öffentlichen Ausgaben, den massiven öffentlichen Ausgaben zu diesem Zeitpunkt und den ebenfalls massiven Infrastruktur-Ausgaben, während wir [in] Ländern, die einen geringeren Einfluss auf die öffentlichen Investitionen in Infrastruktur-Ausgaben haben, darunter Thailand, aber auch Länder wie die Philippinen und Malaysia, mit einer sehr viel langsameren Erholung rechnen."
Thailands beispielloses Pandemie-Hilfspaket beläuft sich auf insgesamt 2,2 Milliarden Baht. Das entspricht 12,9% des BIP, was nach Angaben der Weltbank zu den größten in Südostasien zählt.
Analysten identifizieren jedoch weitere Probleme wie die Menschen, die bei den im Juni beendeten Bargeldhilfszahlungen für informelle Arbeiterinnen und Arbeiter nicht berücksichtigt wurden, eine zu langsame Auszahlung der Mittel und die lauwarme Reaktion der Banken auf das Paket mit den zinsgünstigen Krediten.
Mechanismen wie der 400-Milliarden-Baht-Fonds zur Wiederbelebung der Wirtschaft werden durch ein Missverhältnis zwischen den Zielen des Fonds und den von staatlichen Stellen eingereichten Vorschlägen behindert, sagte Somchai. 70 bis 80% der Vorschläge "haben überhaupt nichts [mit der Umstrukturierung] zu tun".
"Die thailändische Regierung hält immer noch an ihrer Idee fest, zu versuchen, alltägliche, kurzfristige Probleme zu lösen. Sie konzentriert sich mehr auf eine Abschwächung", sagte Herr Somchai. "Es gibt viele Sektoren, die nicht wiederbelebt werden können, die nicht mehr zurückkommen können. (Aber) es liegt noch kein Plan auf dem Tisch", fügte er als mittel- und langfristigen Wirtschaftsfahrplan hinzu. Regierungs-Beamte, die sich um die Gesundheitssituation und die Wirtschaft kümmern, reden nicht miteinander, sagte er.

Öffentliches Engagement

Genauso wichtig wie ein Wirtschaftsplan ist die öffentliche Akzeptanz dieses Plans, ein entscheidender Faktor für die Reaktion Thailands im Gesundheitsbereich. Fast ein Jahr nach Thailands erstem Covid-19-Fall neigt die öffentliche Meinung "viel zu sehr zu der sogenannten Null-Übertragung im Inland", sagt Somchai.
"Die thailändische Wirtschaft wird sich irgendwann wieder öffnen müssen. Es wird mehr Widerstand gegen den Staat geben, wenn es der Wirtschaft weiterhin so schlecht geht", sagte Patrick John Barron, Weltbankberater für Fragilität, Konflikt und Gewalt der Weltbank.
Herr Somchai schlägt vor, dass die Regierung ihre Kapazitäten zur Überwachung und Erprobung verstärkt und Mittel für die künftige Beschaffung von Impfstoffen bereitstellt. Dann, so sagt er, könne sie den Thailändern versichern, dass es ein solides, sichereres System gibt, das mehr wirtschaftliche Aktivitäten und offene Grenzen ermöglicht.
Die Armutszahlen sind zwar gesunken, aber es gibt noch andere besorgniserregende Armutstrends. Die Armutsraten in den ärmsten Provinzen Thailands, die alle in Grenznähe liegen, betragen 49,1% in Mae Hong Son und 39,3% in Pattani. Das zeigen die Zahlen des NESDC. Seit 2018 "wiesen die meisten Provinzen Armutsraten auf, die höher waren als 2014", sagte Nadia Belhaj Hassine Belghith, leitende Ökonomin der Weltbank.
Sie fügt hinzu, dass der Rückgang der nationalen Armutszahlen in den Jahren 2017 und 2018 eigentlich nicht auf bessere Lohneinkommen zurückzuführen sei, sondern überwiegend auf Einkommen aus staatlicher Sozialhilfe. Von 2015 bis 2017 kehrte sich der Rückgang der Armut um, da die Markteinkommen sanken, aber "das Sozialhilfeeinkommen puffert die Haushalte", sagte sie.
Das bedeutet, dass Thailands Armutsquote von 8,4% im Jahr 2019 ohne Sozialhilfe sehr viel höher gewesen wäre, erklärt Frau Belghith. (Sie sagt, dass 7,2% der reichsten 20% der Bevölkerung ebenfalls auf der Liste von Sozialhilfen stehen, was "Probleme gezielt anzugehen" widerspiegelt).
Die Erfolge Thailands bei der Senkung der Armutsrate "bleiben daher sehr fragil", sagte Frau Belghith. Sie verlassen sich auf "öffentliche Hilfe und nicht auf dynamische Veränderungen in der Wirtschaft", fügte sie hinzu und betont, dass Thailands wachsendes Haushaltsdefizit (minus 2,3% im Jahr 2019 und voraussichtlich minus 4,1% in diesem Jahr) "die Nachhaltigkeit der Sozialhilfeprogramme infrage stellt".
"Ja, es geht darum, [Gesundheit und Wirtschaft] auszubalancieren, aber es geht auch darum, Prioritäten zu setzen", sagte Frau Hansl, "und die Dinge vielleicht ein bisschen anders zu machen als in den vergangenen Jahrzehnten, was in den vergangenen Jahrzehnten sehr gut funktioniert hat, aber im Moment vielleicht nicht mehr funktioniert."


Johanna Son, die seit mehr als drei Jahrzehnten regionale Themen verfolgt, ist Herausgeberin und Gründerin der Berichte 'Reporting Asean'.
 
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