Sioux" said:
Verstehst du, zurueckboxen. Kaempfen, an sich glauben.
Darauf kommt es an. Und das kannst du auch.
Das weiss ich und das mach ich - schon immer.
Lieber wäre mir aber, das ewige fighten hätte mal ein Ende.
Dazu mal ein passender Text :
Peter Maiwald
Die Steinstadt
1. Sonett
Kam her und sah der Sehnsucht ins Gesicht
von klugen Männern und von klugen Frauen
Sie suchten in der Stadt ein Stück von sich
und konnten nichts, was ihnen gliche, schauen.
Es ist die Stadt aus Wasser und aus Stein,
doch sah ich niemand in der Kälte weinen.
Sie lachen, springen lachend in den Wein
und treiben in der Früh zu ihren Heimen.
Geht durch die Stadt, wenn ihr noch Augen habt
und Arme, warm und frei, jemand zu halten.
Das Geld hat viele Häute abgeschabt.
Die Mädchen schminken ängstlich ihre Falten.
Sah starke Leute hoch die Hände heben
zu zeigen, ihre reichen nicht zum leben.
2. Sonett
Maral: sie wohnt in grossen vollen Zimmern,
alleine, sagt sie, und doch nicht allein.
Nachts hört man, wenn man wacht, ein Spielzeug wimmern.
Am Fenster spricht von seinem Fund ein Stein.
Die Holzfiguren wissen viel Geschichten.
Die Bücher fallen ständig sich ins Wort.
Die Teller tönen leise von Gerichten.
Maral: das ist ein märchenhafter Ort.
Es haben viele ihn zusammgetragen.
Von vielen Leben zeugt Holz, Stein und Glas.
Hier lebt Maral, und die sie kennen sagen:
Sie lebt bedrückt. Nicht viele haben das.
Sie schreibt den Kindern traurig was zum Größerwerden
und träumt von Marals Raum für alle auf der Erden.
3. Sonett
Die Strassenfront der großen Geldkasernen:
So schützt vor seinen Leuten sich ein Feind.
Er lässt die Kinder Ruhe, Ordnung lernen,
und es ist seine Ruhe, die er meint.
Doch ist ein Kämpfen. Jeder gegen jeden.
Es ist kein Kampf, der um das Ganze geht.
Die Vielen schlagen sich um Stücke Eden
und wissen, daß sie sich nur schlugen, spät.
Die Männer sind dem Postenstreit ergeben.
Die Frauen jagen sich um jeden Preis.
Die Kinder wachsen auf zum Überleben.
Sie gehn mit Wunden woher keiner weiß.
Sie lesen mit Erschrecken, wer sich nicht gehalten
die Morgenzeitung aus Geschäfts- und Trauerspalten.
4. Sonett
Den schätz ich seines großen Zornes wegen,
der jäh kommt, und weil er die Menschen liebt.
Ihn kann ein Unrecht, Schwäche, Blut bewegen,
daß es die Richter, Helfer, Kläger gibt.
Als ich ihn traf, war seine Wut zerschlissen,
und seine Liebe war ein müder Leib.
Er sprach von seinen Reden wie zerrissen.
Er war erschöpft und sagte von sich: bleib.
Ich bin erschrocken neben ihm geblieben.
So Mühe macht das bloße Aufrechtgehn.
Die Kraft, die Stadt, die Leute hier zu lieben
läßt anderswo fast eine Welt entstehn.
Die derart kämpfen, sind oftmals nicht schön anzusehn.
Ich bitt um euretwillen ihnen beizustehn.
5. Sonett
Ging morgens weg und ließ zurück die Liebe
aus einer Nacht, die keinen Tag mehr hat.
Sie war wie Wind zu leicht, als daß sie bliebe,
und sie verlor sich in der fernen Stadt.
Und doch werd ich die Schönheit nicht vergessen.
Sie trug ein weiches Kleid aus Trunkenheit.
Wir sahen uns, und wie könnt ihr ermessen,
wenn ihr euch gut und nackt und freundlich seid.
Wir hatten nichts zusammen als die Hände,
die Stunden und den Atem wie ein Rauch,
der Feuer anzeigt und am Ende
so bitter schmeckt wie Bier und Asche auch.
Wir haben wortlos uns den Mund gegeben
und gingen auseinander in zwei Leben.
Entnommen aus Kürbiskern-Zeit-Gedichte Nr. 2/1976
erschienen im Demnitz-Verlag, Hohenzollernstr. München 40
Vertont von Andre Rebstock's Jazz Rock & Lyrik Orchestra 1978 (Plaene-Verlag)
"Die Steinstadt-Suite"
PS. die Schreibweise richtet sich nach der Vertonung