Auntarman2" said:
Kali" said:
Auntarman2" said:
Und wenn die schon mal Betroffenen ihre Meinung äußern, was ist es dann?
Für dich ist es das was du sehen oder hören willst.
Verstehe allerdings die Frage nicht
Was ich sagen wollte: Ich war auch schon in der Situation, beim Arbeitsamt "das Vergnügen" zu haben (Firma pleite gegangen). Nur ist es auch eine Frage der Einstellung, ob man einen neuen Job bekommt (wobei je älter, umso schwerer, das gilt leider auch - aber das ist ein anderes Thema).
Zum einen warst Du damals noch sehr jung, was einen Riesenunterschied macht. Zum Anderen verbergen sich hinter Einzelschicksalen von ALG II Empfängern oft nicht nur Arbeitslosigkeit, sondern auch Wohnungsprobleme, Trennung auf Grund der Arbeitslosigkeit, Verlust der gesamten Habe, etc.
Fakt ist, daß es vor Hartz 4 für solche Fälle ein Sozialamt gab, die ARGE sich aber für diese Belange nicht mehr zuständig empfindet.
Ich habe jedenfalls auf einen Schlag meine Ehefrau (nach immerhin 25 Jahren), meine Wohnung, sämtliche Habseligkeiten und meine Existenzgrundlagen verloren. Alles auf einmal.
Allein die Art und Weise wie diese Kettenreaktion ausgelöst wurde (ich wurde nicht nur von meiner Ex, sondern gleich auch von einem "Freund" betrogen), war zuerst einmal eine riesige, psychische Belastung. Keine Wohnung mehr, kein Geld um eine Kaution oder gar einen Makler bezahlen zu können, kein Geld für die Wohnungssuche, nur noch im Besitz von ein paar Kleidungsstücken, tägl. Kohldampf, just in diesem Zeitraum starb meine Mutter, auf Grund des Alters und vorhergehender Tätigkeit als Hausmann keine Aussichten auf einen Arbeitsplatz, dazu der Tsunami und die Sorge um Freunde in Thailand, Mobbing in Internetforen, weil ich dort Sammelaktionen startete (ähnliches haben wir hier auch schon erlebt), usw....
Möchte mal den sehen der dabei cool und gelassen bleibt und noch fleissig Bewerbungen schreiben könnte.
Und dann kommt die ARGE und verweigert zustehende Hilfen.
Erst jetzt, 2 Jahre später und nachdem ich das Sozialgericht eingeschaltet hatte, wurde endlich von der ARGE eingestanden, daß ihre Vorstellungen und Forderungen an mich , nach dem Sozialgesetzbuch gar nicht zulässig waren.
Ich habe damals nach Monaten intensiver, aber ergebnisloser Wohnungssuche, im allerletztem Moment Glück gehabt. Die letzten 10 Euro, die ich für die Fahrt zur Wohnungsbesichtigung ausgeben musste, führten zum Erfolg. Wäre das nicht der Fall gewesen, hätte ich gar nicht mehr weiter suchen können und 14 Tage später auf der Strasse gestanden.
Ich habe mir schon in Gedanken mein Pennerdasein auf der Reeperbahn vorgestellt und als letzte Möglichkeitb ins Auge gefasst, mir dort unter den Obdachlosen Lebensgeschichten erzählen zu lassen, aufzuschreiben und zu versuchen, ein
entsprechendes Buch zu veröffentlichen. Darin sah ich eine kleine Chance, mich selbst an den Haaren wieder aus dem Sumpf zu ziehen. Nötig wurde es dann nicht.
Bewilligt wurde übrigens für den Umzug (ich bekam ein paar Möbel von meiner verstorbenen Mutter), bei einer Umzugsentfernung von 80 km, Euro 80,00 (!) Umzugsgeld.
Davon hätte ich mir allenfalls einen Bollerwagen mieten können und die Möbel in einer 3-Tagesaktion nach Hamburg ziehen. Helfer? - "Sie werden ja wohl Freunde haben die helfen können" - Nee, hatte ich nicht, aber wen bei der ARGE interessierts?
Inzwischen bin
ich fast wieder über den Berg, bisher nahezu ohne fremde Hilfe. Aber mir dreht sich regelmässig der Magen um, wenn ich hier und überall die Dampfplauderer lese, die anderen Betroffenen superkluge Ratschläge geben (die keine sind) und Schuldzuweisungen bis hin zu beleidigenden Diffamierungen von sich geben. Alles Leute, die echte Verzweiflung noch nie erlebt haben, aber schnell verurteilen, wenn ein Betroffener mal ausrastet und Amok läuft.
Armes, reiches Deutschland!
