Wann ist man Deutscher?

Diskutiere Wann ist man Deutscher? im Treffpunkt Forum im Bereich Thailand Forum; Micha, hier hast Du mir neben Vorspruengen in der thailaendischen Rechtschreibung noch etwas voraus: Musikalitaet. Bin so musikalisch wie ein...
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Tramaico

Gast
Micha" said:
Doch wie gesagt wenn man den Takt ausblendet und nur die Tonfolgen vergleicht....
Micha,
hier hast Du mir neben Vorspruengen in der thailaendischen Rechtschreibung noch etwas voraus: Musikalitaet.

Bin so musikalisch wie ein Schlosshund. Kenne zwar die thailaendische Hymne vom Wortlaut, doch wenn ich sie anstimme, wird meine Tochter kreidebleich und ich muss jedesmal mit einer Anzeige wegen Verunglimpfung des Staates rechnen :fertig:

Viele Gruesse,
Richard :wink:
 
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ffm

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Tramaico" said:
These: Ein Auslaender kann niemals zum Thai werden, selbst nicht mit Thai ID, thailaendischem Pass und Namen im Hausregister. Man bleibt das, als was man geboren wurde.

Praktisch auch nicht nach 100 Jahren und staendigem Lederhosentragen, Schweinshaxenkonsum und Weissbier kann ein Japaner oder Schwarzafrikaner nicht zum Bayern tranferieren.

Globalisierung hin und Globalisierung her, scharfkantige Trennlinien scheinen existent zu bleiben. Visuelle Erscheinung und Vorpraegung werden als die Asse im Spiel gesehen. Solange dieses gilt, wird es auch immer Auslaendergettos geben und echte Integration nicht zu realisieren sein.
Richard, deine Sichtweise ist die eines radikalen Individualisten der sich selbst fast ausschliesslich durch seine eigenes Tun und seine eigene Leistung definiert und frei sein moechte von allen Bindungen. Meiner Meinung nach ist das eine sehr einseitige Sicht, denn du klammerst einfach alles aus was nicht zu diesem Ideal des freischwebenden Individuums passt.

Im uebrigen hast du das Zitat, das zu als Ausgangsposting verwendet hast, so verdreht dass du bei einer ganz anderen Aussage angekommen bist. Mir ging es darum darauf hinzuweisen dass du bestimmte Praegungen in der Kindheit und Jugend mitbekommst und die auch Zeit deines Lebens nicht mehr loswirst, so sehr du dich auch darum bemuehst. Diese Praegungen verstehe ich als Deutsch sein. Man wird in diesem Sinne nicht zum Deutschen geboren sondern sozialisiert.

Die Erziehung die deine Eltern dir mitgegeben haben, die fruehkindlichen Erlebnisse, der Erwerb der Muttersprache, der Besuch deutscher Institutionen wie Kindergarten, Schule, Ausbildungsbetrieb, Militaer und Universitaet, die Geschichten die dir deine Grosseltern immer von frueher erzaehlt haben, die Spiele die du als Kind gespielt hast, die Lieder und Gedichte die du gelernt hast, all das und noch viel mehr setzt sich zu etwas zusammen was ich als Deutsch sein verstehe. Deutsch sein in diesem Sinn ist ein kultureller Begriff, unabhaengig von Blut und Boden auf der einen Seite oder Staatsangehoerigkeitsrecht auf der anderen Seite.

Dass du das Glueck hattest schon frueh unterschiedliche Kulturen kennen zu lernen hat dich zwar zu einem weltoffenen Menschen gemacht, aber du bist dadurch nicht weniger Deutscher als jemand der nie seinen bayerischen Heimatort verlassen hat.

Selbstverstaendlich kann in diesem kulturellen Sinn ein Kind japanischer oder tuerkischer Eltern auch Deutscher werden. Genauso wie ein Deutscher auch Thai werden kann. Aber meiner Ansicht nach gehoert mehr dazu als sich ein paar Jahre im jeweiligen Land aufzuhalten und den jeweiligen Pass zu bekommen.

Vielleicht gelingt es dir auch dich so in die thailaendische Denk- und Lebensweise, Sprache und Kultur einzuarbeiten dass du dich selbst als Thai siehst und von deiner Umgebung als solcher wahrgenommen wirst. In diesem Fall wirst du aber - und das war die Grundaussage meines Postings das du als Zitat verwendet hast - immer noch gleichzeitig Deutscher im kulturellen Sinn bleiben, weil deine Erziehung, deine Werte, deine Bildung und deine Muttersprache, alles das was man unter Sozialisation versteht, immer deine Persoenlichkeit bestimmen werden.
 
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ray

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Servus,

Ich kann diese Frage leider nicht beantworten, weil ich bayerischer Staatsbürger bin! :bravo:

Gruß Ray
 
Palawan

Palawan

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@ffm

Sehr gut geschrieben und in etwa auch meine Gedanken. :super:

Ich sehe bei so manchem Auswanderer oder Secondos ( Ausländer in 2er/3er Generation ) eher noch die Gefahr, dass man zwischen Tisch und Bank fallen kann.

Die eigenen ursprünglichen Wurzeln kann / will man nicht mehr Greifen und die neue "Identität" wird man nie ganz erlangen können.


Gruss Palawan
 
x-pat

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Ich sieht für mich danach aus, als ob Deutschsein (oder Thaisein, oder was-auch-immer-sein) jenseits der normalen Möglichkeiten der Selbstdefinition liegt. Die meisten Menschen wachsen in einem bestimmten Land auf und haben Eltern mit einer bestimmten Nationalität. Diese beiden Faktoren bestimmen die nationale Identität. Ffm hat das schon sehr eloquent anhand von den frühkindlichen Prägungen erklärt und die meisten Entwicklungspsychologen würden ihm vermutlich zustimmen.

Ich habe mir in der Vergangenheit hier und da den Spaß erlaubt, mein Deutschsein in einer internationalen Gruppe zu verschweigen, aber das war trotz aller Bemühungen, wie z.B. falscher englischer Akzent, Diskussion über die US Außenpolitik, intime Kenntnis des australischen Arbeitsmarktes, nur selten erfolgreich. Früher oder später wird man enttarnt. Irgendwer fragt dann: "Hey, are you from Germany." - "Me? äh, Germany? äh, how did you guess?" Und das obwohl ich weder blond noch blauäugig bin, noch eine "D" Plakette am Kopf trage.

Meine Frau behauptet, dass sie inzwischen einen Deutschen auf 100m Entfernung ausmachen kann. Es muss also so etwas wie kulturelle Identität geben, die zusätzlich zur genetischen Identität das Selbstbild bestimmt. Man kann es sich leider nicht aussuchen. Karma sozusagen.

Zum Glück bin ich kein Franzose geworden. :lol:

Cheers, X-Pat
 
Joerg_N

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Man hat mich früher in Thailand auf Samui meisst für einen Schweden oder Norweger gehalten,
auch im Gespräch mit Engländern,

wenn ich dann sagte ich wäre Deutscher war die Verwunderung gross

aber ich trug die Haare hinten auch nicht lang ;-D
 
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Tramaico

Gast
ffm" said:
Richard, deine Sichtweise ist die eines radikalen Individualisten der sich selbst fast ausschliesslich durch seine eigenes Tun und seine eigene Leistung definiert und frei sein moechte von allen Bindungen. Meiner Meinung nach ist das eine sehr einseitige Sicht, denn du klammerst einfach alles aus was nicht zu diesem Ideal des freischwebenden Individuums passt.
@ffm
Ja, Du triffst tatsaechlich mit Deiner Aussage und Bewertung meiner Person den Nagel voll auf den Kopf. Nicht sarkastisch oder in irgendeiner Weise negativ gemeint :super:

Mit radikal kann ich mich nicht 100%ig anfreunden wenn es um andere Personen geht, aber ich bin unzweifelhaft mein schaerfster und gnadenlosester Kontrolleur.

Warum bin ich so? Weil ich mein Leben lebe und es nicht fuer andere lebe. Meist geht es immer nur darum die Erwartungen anderer zu erfuellen, obwohl man eigentlich lieber links als rechts an der naechsten Kreuzung abbiegen moechte.

Jeder sollte Individualist sein, anstatt sich sein Gesicht grau anzustreichen, weil eben Grau die Farbe ist, die die Gruppe traegt. Falls man dies nicht tut und sich nicht seinem Individulismus hingibt, lebt man seinem Leben vorbei und wird dann letztendlich niemals Zufriedenheit finden.

Viele Jahre habe ich mich dem Zwang der Zwaenge immer wieder unterworfen zu Gunsten meiner Mitmenschen und bin nach deren Willen immer rechts an der Kreuzung abgebogen, bis zu einem Donnerstag im Februar 1999, als ich den Entschluss fasste, dass das letzte Mal tatsaechlich das letzte Mal sein wird anderen nur einfach recht zu machen.

Ich wurde zum bedingungslosen Individualisten, der seine Entscheidungen ausschliesslich selber trifft und auch selbst verantwortet. Zwar lagen die Individual-Gene bereits in der Wiege, doch wurden sie jahrzehntelang immer wieder unterdrueckt. Meiner Meinung leider ein Zwang, dem sich viel zu viele Menschen unterwerfen und dadurch keine echte Zufriedenheit erlangen koennen:

"Du musst, nicht weil Du moechtest, sondern weil man es von Dir erwartet."

Eigentlich gibt es gar kein richtiges echtes diktiertes muessen, denn man hat meist mehrere Optionen, die nur einfach vorschnell als "unmoeglich" vom Tisch gewischt werden und somit wird dann das innere Potential niemals erreicht, sondern faellt einfach der Gewohnheit oder gar der Furcht vom Anderssein zum Opfer.

Ich lebe im Jetzt und Gedanken mit der Vergangenheit zu "verschwenden" ist unnoetig, denn es ist eben Vergangenheit. Ja, ich bin in Brasilien geboren, ja ich bin in Deutschland aufgewachsen und meine Eltern sind deutsch, aber JETZT lebe ich in Thailand und meine Familie ist Thai.

Wird von mir erwartet, dass ich meine deutschen Wurzeln einfach nicht vergessen darf oder suggeriert, dass ich sie nicht vergessen kann? Ja, eine gewisse Vorpraegung ist da, aber mit jedem weiteren Jahr verliert sie an Bedeutung. 99,9% aller Deutschen wuerden mit Sicherheit nicht ihre deutschen Wurzeln aufgeben wollen, aber wie Du sagst, ich bin gemaess meinem eigen Wunsch Individualist und somit aus der Sichtweise vieler sogar ein Radikaler.

Dabei mache ich aber eigentlich nur eines: ICH lebe MEIN Leben. Eine Aufgabe die mir niemand abnehmen kann und die ich mir auch von niemanden (mehr) abnehmen lassen wuerde. Meiner Meinung nach eine Philosophie, die viel mehr Menschen annehmen sollten, dann faellt Ihnen auch das Laecheln viel leichter. Eine Eigenschaft, die speziell in den modernen hochentwickelten Industriestaaten immer mehr verloren zu gehen scheint. :-)

Viele Gruesse,
Richard :wink:
 
tira

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Tramaico" said:
....dass ich meine deutschen Wurzeln einfach nicht vergessen darf oder suggeriert, dass ich sie nicht vergessen kann? Ja, eine gewisse Vorpraegung ist da, aber mit jedem weiteren Jahr verliert sie an Bedeutung.....
tach richard,

kein balast des deutschtums hättest du, könntest du ein erase.* durchführen,
selbst nach einem black out stellt sich zumeist nach und nach die erinnerung ein.
dein bewusstes agieren als individuum iss eine sache, das unterbewusstsein bekommst
du auch in den griff :???:

gruss :wink:
 
maphrao

maphrao

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@Tramaico: sehr schöne Ansicht, die ich weitestgehend teile.

Was das Deutschsein angeht, sicher ist vieles Anerzogen und wer in Deutschland aufgewachsen ist, kann nicht alle "typisch deutschen" Eigenschaften von heute auf morgen ablegen. Aber wenn man selbst einige dieser Eigenschaften loswerden will, was spricht dagegen?
Ich sehe mich auch nicht als typisch deutsch an, habe meine Eltern schon als Kind nach jedem Urlaub gefragt, warum ich in Deutschland wohnen muss. Nunja, muss ich ja nicht, ich habe die deutsche Ordnung, Bürokratie und Kleinlichkeit in einigen Dingen schon immer missbilligt, ich habe mich schon immer zu sehr bevormundet gefühlt und habe früh gemerkt, dass meine Einstellung in Deutschland immer auf viel Unverständnis trifft.
Nun muss man sich natürlich fragen, was eigentlich typisch deutsch ist und was einfach nur durch Gesetze Unmut in mir hervorruft.
Ich glaube, Deutschland hat unbestritten viele vorteilhafte Dinge hervorgebracht, welche aber immer weniger genutzt werden bzw. totdiskutiert werden.
Gerade im Bereich Wissenschaft/technoligischer Fortschritt und Philosophie würde die Welt ohne Deutschland um einiges ärmer sein, aber sind nun die Verantwortlichen dafür typisch deutsch? Wenn ja, gibt es nicht viele typisch Deutsche auf der Erde. Wenn wir von der mehreit auf das typische Deutschsein schliessen, sind Unzufriedenheit, Gejammer, schlechte Laune, Hektik und Uneigenständigkeit wohl einige der Haupteigenschaften des typischen deutschseins.
Jeder sollte für sich selbst feststellen, ob er sich als deutscher fühlt oder nicht, wobei ich es eigentlich für gar nicht wichtig befinde.
Wichtig ist doch nur, dass man sein Leben lebt und nicht seine eigenen Wünsche ignoriert, um es anderen Recht zu machen.
Wenn man sich daran hält, ist es doch egal, ob man sich in Timbuktu lebend deutsch fühlt oder sich in Deutschland lebend jamaikanisch fühlt.
Ich habe selbst aus diesen Gründen jahrelang recht unzufrieden in Deutschland gelebt, nicht weil mein eigenes Leben so sinnlos war, sondern weil die Rahmenbedingungen eine Entfaltung meiner Selbst nur bedingt zugelassen haben und ich falsche Rücksicht auf die Erwartungen meiner Familie genommen habe.
Ich fühle mich jedenfalls sowohl in Australien, als auch in Thailand wohler als in Deutschland, was möglicherweise auch daran liegt, dass es hier nicht so viele Deutsche gibt.
 
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Monta

Gast
@maphrao schreibt:
"Ich fühle mich jedenfalls sowohl in Australien, als auch in Thailand wohler als in Deutschland, was möglicherweise auch daran liegt, dass es hier nicht so viele Deutsche gibt."

Schade, daß es im Nittaya so viele Deutsche gibt. :aetsch:

Gruß
Monta
 
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Tramaico

Gast
Monta" said:
Schade, daß es im Nittaya so viele Deutsche gibt. :aetsch:
Gruß
Monta
@Monta
Hiermit beantrage ich, die Forumsprache vom germanischen ins angelsaechsische abzuaendern. Waere doch gelacht, wenn wir diese penetranten Teutonen nicht in die Flucht schlagen koennten. ;-D

@AllObwohl es in diesem Thread eigentlich nicht um irgendwelche moeglichen "Schlechtigkeiten" des Deutschen, gehen sollte Die kann man mit Sicherheit in jedem Volk mit Leichtigkeit ausfindig machen, sondern eben einfach nur die generelle Meinungen zu hoeren WAS denn nun eigentlich fuer die Volkszugehoerigkeit wesentlich ist. Auf gleiches zielte auch nur der "schwarze Japaner in Lederhosen" ab.

Auch sollte mein Handeln und meine Plaene als sicherlich bizarre Persoenlichkeit auch nicht als Messlatte aufgelegt werden, denn dieses kann nur zu starken Kontroversen fuehren. So wirr und radikal manche meiner Entscheidungen und Ansichten auch anmuten moegen, alles ist tatsaechlich durchdacht und abgewogen und somit kann die Frage nach dem warum auch immer beantwortet werden. Obwohl die Erlaeuterungen wuerden dem Gesamtwerk des Karl May im Umfang nahe kommen und des Servers Kapazitaeten sprengen. ;-D

Viele Gruesse,
Richard :wink:
 
K

Kali

Gast
Tramaico" said:
[...]Obwohl die Erlaeuterungen wuerden dem Gesamtwerk des Karl May im Umfang nahe kommen und des Servers Kapazitaeten sprengen. ;-D
Du sitzt aber nun nicht in dem Hinterzimmer einer Absteige im Ruhrgebiet und saugst dir das alles aus den Fingern, ohne Thailand je gesehen zu haben, odda :nixweiss: :lachen:
 
T

Tramaico

Gast
Als kleines Schmackerl, eine Geschichte, die mir vor einiger Zeit von einem bekannten Deutschen, der schon sehr lange in Asien lebt ueberlassen wurde.

Passt ganz gut zum Thema:

Wie Behörden eine doppelte Staatsbürgerschaft zu erzwingen versuchen
“Ihr Sohn ist Deutscher - ob er will oder nicht”
Der Bericht der Mutter eines britischen Kindes, das nur eine Arbeitserlaubnis benötigte
Von Julia Berendsohn

Viele Jahre lebte ich in Großbritannien, hatte dort Kinder und - demzufolge - eine unbegrenzte Aufenthaltserlaubnis. Bürokratie schreiben die Briten wie fast alles: klein. Man braucht zwar einen Reisepaß, um ins Ausland zu kommen, sonst aber existiert man ganz ohne Stempel, Register und Rechner. Aber dann zog ich zurück nach Deutschland. Es fing ganz harmlos an. Ich war naiv genug gewesen, im Bezirksamt nach den - vorher noch einmal tief einatmen -Jugendarbeitsschutzuntersuchungsberechtigungsscheinen zu fragen. Das ist nicht erlaubt. Für alles und jedes gilt: Nummernziehen! Ausharren! (Drei Stunden!) Verwirrung stiften!
“Ihr Sohn will arbeiten?”
“Ja, er muß ein Praktikum machen.”
“Ist er bei uns gemeldet?”
“Ja, wir sind kürzlich zugezogen.” (Erinnerungen an Nummernziehen, Ausharren, Verwirrung stiften . . .)
“Er steht aber nicht im Computer!”
“Ach” (noch leichthin gesagt), “dann ist er vielleicht unter meinem Namen eingetragen worden.”
“Aber in dem Paß, den ich hier von Ihnen habe . . .”
“Das ist der Name des Vaters. Die Briten haben meinen Nachnamen aus Versehen als zweiten Vornamen gesetzt.”
“Aus Versehen?”
“Man kann so einen britischen Reisepaß per Post beantragen . . .”
“Das geht nicht, Ihr Sohn ist doch Deutscher!”
“Nein, mit 16 durfte er seine Nationalität wählen.”
“Wer hat das behauptet?”
“Die britische Behörde. Und das deutsche Konsulat wollte ihm beide Staatsangehörigkeiten sowieso nicht erlauben.”
“Das ist natürlich möglich. Bloß ist er zuerst einmal Deutscher, weil Sie ja Deutsche sind!”
“Aber . . .”
“Am besten” (unwillig), “Sie rufen hier sofort an!”
Eine Nummer wird mir zugeschoben und - immerhin - der unaussprechliche Schein.
Urkunden seit 1913
Ich wähle die “Behörde für Inneres, Abteilung für Staatsangehörigkeit / Europäische Union”. Ein geduldiger, wenn auch zunehmend verdutzter Herr versucht freundlich zu bleiben. Es gelingt uns beiden nur knapp.
“Guten Tag. Mein Sohn ist Brite, ich bin Deutsche. Man sagte mir, ich müsse umgehend mit Ihnen sprechen.”
“Sind Sie nicht verheiratet?”
“Doch, aber nicht mit dem Vater.”
“Das ist egal. Nach deutschem Recht ist Ihr Sohn Deutscher.”
“Aber er hat einen britischen Paß!”
“Nein, nein, er braucht einen Personalausweis! Dann darf er auch britisch bleiben, wenn er will!”
“Wieso mußte er denn mit 16 wählen, welche Nation . . .”
“Das weiß ich doch nicht!”
“Mein Sohn möchte gar nicht Deutscher sein!”
“Das ist unmöglich!”
“Wie?”
“Er ist Deutscher!”
“Ohne Personalausweis?”
“Den muß er sich schnellstens besorgen!”
“Er fühlt sich als Brite, wurde da geboren, Englisch ist seine Mutter- . . . nein, Vater- . . .”
“Kann er denn überhaupt belegen, daß er Brite ist?”
“Ich habe doch gesagt, er hat den Paß!”
“Das reicht nicht. Da müssen wir die Unterlagen aus Schottland haben! Sonst gibt’s ja keine Beweise!”
“Unterlagen? Wir haben keine, es gibt keine . . .”
“Es muß doch . . .”
“Die benötigten nur seine Geburtsurkunde, die habe ich bei mir und auch beim Bezirksamt vorgelegt!”
“Das genügte denen? Trotzdem ist er Deutscher! Ob er will oder nicht!”
“Er will aber nicht!” Lange Pause, die nach ,Andere-würden-sich-darum-reißen’ klingt . . . “Es tut mir leid.” (Wofür entschuldige ich mich?)
“Dann muß er beantragen, daß er kein Deutscher sein will, und zwar mit den entsprechenden Formularen, persönlich.”
“Welche Formulare?”
“Mindestens sämtliche Geburts- und Heiratsurkunden, Sie haben ja mehrere Namen in der Familie, auch von den Großeltern mütterlicherseits und . . .wann wurden Ihre Eltern geboren?”
“1922 und 1923.”
“Aha! In dem Fall müssen auch die Urkunden der Urgroßeltern vorliegen, alles bis ins Jahr 1913 zurückgehend!”
“Bis 1913? Wofür?”
“Um zu beweisen, daß Ihr Sohn deutschstämmig ist!”
“Aber er will doch gar nicht deutschstämmig sein!”
“Das kann er ja danach auf Antrag ablehnen, wie ich Ihnen schon zu erklären versucht habe, aber dafür muß er erst einmal beweisen, daß er es überhaupt ist!”
“?” (Hilfe!)
“Wie alt ist er eigentlich?”
“17.”
“Aha! Da geht das Ablehnen natürlich erst nach der Einberufung, beziehungsweise nach der Bundeswehr!”
“Bundeswehr?” (kleinlaut) “Ich dachte, als Brite . . . Er hat nur drei Jahre Aufenthaltserlaubnis von der Ausländerbehörde und . . .”
“Wie bitte? Die Ausländerbehörde hat ihm als Deutschen . . .”
“Als Briten!”
“Sie müssen dort sofort noch einmal vorsprechen und diesen Unsinn aufklären, mit dem Personalausweis Ihres Sohnes!”
“Ja” (erschöpft) “das muß ich wohl . . .”

Mein Sohn, der gar keinen Personalausweis hat oder haben möchte, überlegt seitdem, ob er seine ungewollte doppelte Staatsbürgerschaft nicht einem netten anderen Ausländer, der bisher vergeblich versucht hat, Deutscher zu werden, überlassen soll. Sozusagen zur Adoption.

Nachtrag: Es hat nicht geklappt. Weder so, noch so. Kriegsdienstverweigerer brauchen - einen Personalausweis. Bloß fehlte dazu die deutsche Geburtsurkunde, die nie geschrieben wurde, weil mein Sohn ja in Schottland automatisch als Schotte zur Welt kam und deshalb nur ein schottisches Dokument besitzt.

Die zuständigen Schreibtische warfen vor Entsetzen die Beine hoch und schlugen vor, ein entsprechendes deutsches Papier zu erstellen - was allerdings ein paar Jahre dauern würde -, und der völlig entnervte Hamburger Beamte tippte schließlich britische Daten in den neuen Ausweis und warf den alten deutschen Kinderpaß, samt rechtsgültigem Nachnamen der damals noch unverheirateten Mutter, in den amtsinternen Papierkorb. Ohne hinzusehen. Mein Sohn blieb erhalten.

War was? Wurde nicht vor der Gefahr doppelter Staatsbürgerschaft eindringlich gewarnt? Das Gespenst der fehlenden Loyalität, ja gar Identität, in grausigen Einzelheiten ausgemalt? Und nun zwingt eine deutsche Behörde einen jungen Mann zu dieser inneren Zerrissenheit, zu dieser Aufmunterung zum Absahnen von Vorteilen, gar zur Kriminalität? Ich bin besorgt. Ich laufe wieder zum Bezirksamt. Nummern ziehen! Ausharren! Verwirrung stiften!

Die Autorin, eine gebürtige Deutsche, lebte von 1974 bis 1995 in Großbritanien, seitdem wohnt sie in Hamburg.

Ich habe diese Sache jetzt nur Netz gestellt (ich hoffe im Sinne der Autorin) und in keinster Weise veraendert.

Viele Gruesse,
Richard :wink:
 
T

Tramaico

Gast
Kali" said:
Du sitzt aber nun nicht in dem Hinterzimmer einer Absteige im Ruhrgebiet und saugst dir das alles aus den Fingern, ohne Thailand je gesehen zu haben, odda :nixweiss: :lachen:
Kali ist doch wohl einer von der misstrauischen Sorte. Nee bin weder durch die Ruhr infiziert und fuer die "Absteige" wird Dir dann meine Frau (thailaendische Hausfrau und Mutter) demnaechst einen aufs Geweih geben. Lies mal den Friseur-Thread, dann weist Du wozu die Thailinen faehig sind. Wenn sie sich aber auf dem Weg zu Dir macht, sage ich vorher Bescheid, so dass Du Dich entweder in einer Zelle rechtzeitig einschliessen kannst oder Dein eigenes Weibchen in Frontlinie vor Dir austellen kannst ;-D

Auch hat mir das mit den Fingern im Mund und saugen schon vor vielen Monden meine Mutter untersagt, schon wegen der Hygiene und die Gegebenheiten in Bezug auf die thailaendischen Oertlichkeiten waren ja auch erst kuerzlich in Diskussion :ohoh:

Aha, damaliges haftet doch noch (pre-historische Praegung) obwohl ich jeden Sonntag auf der Wasserbueffelweide Boccia spiele.

Viele Gruesse,
Richard :wink: aus Essen, aeh ich meine ich gehe jetzt Essen auf thailaendisch mit Nahrung aus'm Plastikbeutel.
 
maphrao

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Bangkok
Monta" said:
Schade, daß es im Nittaya so viele Deutsche gibt. :aetsch:

Gruß
Monta
Forum ist nicht Alltag :-)
 
Thema:

Wann ist man Deutscher?

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