Pee Niko" said:
Kinder brauchen im Leben einen festen Halt, an den sie sich lehnen können, wenn es in ihrer kleinen Welt etwas zu turbulent zugeht. Und dieser feste Halt ist nur gegeben, wenn die Eltern nicht nur Liebe, sondern auch Authorität zeigen.
Ich habe neulich meine Tochter sehr rüde am Arm zurückreissen müssen, als sie etwas träumerisch auf die Strasse trat und sie beinahe von einem Auto erfasst wurde.
Es flossen reichlich Tränen, und diese nicht, weil Gefahr durch ein Auto drohte, sondern weil Papa sie so hart angefasst hat.
Und liebt sie mich jetzt deswegen weniger?
Was hättest du getan?
Deiner Einjährigen, die doch mit Sicherheit schon gut laufen kann, im Vorfeld eindringlich die Gefahren des Strassenverkehrs in einer Diskussion näher gebracht?
Das ist ein gutes und vor allem alltägliches Beispiel. Kinder müssen lernen, dass eine Aktion immer eine Reaktion auslöst. Ich mein das noch nicht mal bei negativen Sachen, sondern ganz natürlich auch bei positiven Sachen.
Wo wird DEIN Kind landen, wenn es in einer heilen Welt, in der es immer recht bekommen hat, aufgewachsen ist, wenn es einmal erwachsen ist, keine Grenzen kennengelernt hat, keinen Respekt und auch nicht die Möglichkeit, zu erkennen, wann einen Fehler?
Gutes Beispiel von heute: Der Sohnemann meiner Frau fährt gerne Fahrrad, allerdings auch gerne abends und das erlaube ich nicht, weil er kein Licht an seinem Drahtesel hat. Da er schon tagsüber nicht aufpasst, ob von vorne oder hinten ein Moped oder Auto ankommt, montier ich ihm auch keines. Und das nächtliche Fahrverbot habe ich immer schön nett erklärt. Und was hat es gebracht? Nichts. Heute wollte er erst nicht hören und anschliessend meinte er, er müsse noch schnell Spielsachen abholen (drei Häuser weiter), da es noch in der Dämmerung war (welche aber sehr schnell ist hier) haben wir zugestimmt. 20 Minuten später habe ich ihn abgeholt, das Fahrrad erst mal konfiziert und für die Lüge mit dem Spielzeug (es gab gar keines zum abholen) gab es heute Hausarrest), um in Ruhe Zeit zu haben, drüber nachzudenken, ob es wirklich Sinn macht zu lügen (zum eigenen Vorteil). Daraufhin wurde er komplett verärgert, als er merkte, dass ich es ernst meine mit dem hausarrest (er hat auch das nicht für voll genommen). Nach den Tränen gab es dann halt noch Fernsehverbot, weil ich mir von einem Kind nichts diktieren lasse. Jedoch mit dem Zusatz, wenn er sich beruhigt darf er schauen. Wenn er sich nicht beruhigt sagte ich ihm, dann kann er duschen und schlafen gehen. Was passierte? Er entschuldigte sich (unaufgefordert) bei mir und konnte wieder Glotze glotzen. Und auserdem gab es den dezenten Hinweis, dass es bei der nächsten Lüge wieder eine Strafe gibt. Er soll sich also überlegen was ihm lieber ist.
kcwknarf" said:
Besonder schlimm finde ich die Aussage "Und er hat (Gott sei Dank) so viel Angst".
Das heißt, du bringst einem Kind Angst bei.
Angst ist neben Stolz oder Neid die wohl schlimmst Eigenschaft, die es auf der Welt gibt. Mit Angst werden Menschen aufs Schlimmste manipuliert. Will man etwas erreichen, erzielt man es am leichtesten mit Angstmachen, siehe Schäuble und seinem Überwachungswahn.
Nun erzieht man also Kinder zum Angstbekommen. Was geschieht dann später? Diese Menschen können dann ganz leicht ebenfalls manipuliert werden. Ein Geschenk für alle Diktatoren. Auch ein Geschenk für alle Kinderschänder nach dem Motto "Sagst du etwas der Polizei oder deinen Eltern, bringe ich deine Eltern um". Angst, Panik... so kann kein Selbstbewusssein aufgebaut werden. Eine Niete im späteren Job, Stimmvieh bei Wahlen, Scheu im Leben. So kann sich auch kein eigenständiges Leben mit eigenen Ideen entwickeln. Arbeitgeber freuen sich schon über diese Menschen, die mit wenig Lohn unzufrieden sind und sich mit unbezahlten Überstunden kaputt machen. Denn diese Menschen haben ja nur gelernt, sich älteren Menschen und Vorgesetzten zu beugen. Durch Angst!
Ich halte das ganz ganz schlimm. Tut mir leid.
Du reisst da aber was gewaltig aus dem Zusammenhang. Er hat Angst, dass wir wieder ohne hin woanders wohnen werden (was vorher in Kambodscha unmöglich war, dass wir ihn dorthin mitnehmen). Deshalb gibt er sich Mühe und will zeigen, dass es keinen Grund gibt, ihn wieder alleine bei den Grosseltern zu lassen, weil er ja nicht verstanden hatte als vierjähriger, weshalb wir nicht bei ihm gewohnt hatten.
Das ist übrigens eine Angst, die man schon im kleinen Ausmass bekommt. Zum Beispiel, wenn man sich sehr intensiv mit den Kindern abgibt. Und dann muss man aber irgendwann zur Arbeit. Oder "parkt" die Kinder bei den Grosseltern.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass Du freiwillig zum Sozialhilfeempfänger wirst und Deinen Job aufgibst, wenn Dir Dein Kind erzählt, dass es Angst hat in der Zeit, wo Du zur Arbeit musst.
Und diese Angst macht ganz gewiss keine Psychopaten. Es zeigt das richtige Leben auf, in dem ja noch irgendwo auch Zeit zum Geldverdienen sein muss. Und das ist definitiv das selbe, denn ich weiss es aus eigener Erfahrung.
kcwknarf" said:
Der zweite Satz, der mir aufstösst:
"Mit Verboten bin ich schon gut mit den Kindern meiner Ex gefahren." Ja, DU bist sicherlich gut gefahren. Aber was passiert mit den Kindern, wenn sie erwachsen sind?
Bist du selber glücklich mit so vielen Verboten, die es mittlerweile in unserer Gesellschaft gibt? Ich nicht.
Wenn Deine 5 oder 6 jährige Tochter Lösungsmittel trinken will, redest Du ihr gut bei, oder wie? Und lässt ihr das Lösungsmittel. Denn selbst das Wegnehmen dieser vermeintlich "leckeren" Sache ist in ihren Augen gewiss ein Verbot.
Oder, um genauer auf Deine Aussage bezugnehmend zu meiner zu kommen: Deine Tochter, wenn sie denn erkennt mit 6, 7 Jahren dass Lügen zum eigen Vorteil durchaus angenehm sein kann, redest ihr nur gut zu, lässt es aber immer durchgehen, oder? Und dann? LässtDich lieber Dein leben lang von ihr anlügen und lässt sie auch Fremde anlügen. Bloss dass sie sich eines tages fragen wird, warum sich keiner mit ihr abgibt. Und dann ist sie womöglich so frustriert (schliesslich hat sie die überschrittene Grenze nie kennengelernt), dass sie denkt, die anderen sind böse und sie startet womöglich eine - vorsichtig gesagt - Racheaktion.
kcwknarf" said:
Der dritte Satz lautet "Daraufhin habe ich jedesmal Terz angefangen. Und zwar laut und unübersehbar". Ich weiß ja nicht, was Brüllen, Streit, aber auch hohe Laustärke bei Kindern anrichten kann. Ich musste das selber als Kind ständig ertargen. Es war die Hölle. Auch dadurch können Kinder irgendwann mal ausrasten. Auch mit Kindern kann man ruhig und gepflegt sprechen. So, wie man es auch IMMER mit seinem Ehepartner und anderen Personen tun sollte.
Laut werden wird es in unserem Haushalt sicherlich niemals geben und schon gar nicht auf offener Straße.
Vielleicht war es etwas unglücklich ausgedrückt von mir. Jedoch habe ich nicht geschrieben, dass ich nen Brüll-Anfall bekomme. Terz bedeutet in diesem Falle, dass ich durchaus eine Diskussion mit meiner Frau anfangen werde, die auch in eine ganz normale Streiterei/Meinungsverschiedenheit, wie sie nun mal auch zum Leben gehört, ausarten kann. Oder denkst Du, ich mach das immer nur heimlich? Auch das dürfen Kinder lernen, dass sie mal sowas auslösen (kein Eintrichtern von Schuldgefühlen!) Wir haben keine Fried Freude Eierkuchenwelt!
kcwknarf" said:
Man kann auch mit Kindern reden und ihnen den Sinn klar machen, warum etwas nicht gut ist. Und wenn man das nicht kann, dann liegt das nicht nur am Kind, sondern ganz besonders an den Eltern, die zu schnell angenervt sind und den großen Boss rauskehren wollen.
Du hast definitiv keine Erfahrung mit Kindern. Zum Leben lernen gehören alle Facetten. Wir haben über Grenzen und Regeln. Wenn Du die Deinem Kind nicht beibringst und zu erkennen gibst, dass es sie gibt, wird Dein Kind immer weltfremd sein. Einem pubertierenden Mädchen kannst Du nicht durch gutes Zureden Grenzen vermitteln. Es wird sich denken, wann hört der Alte endlich zum Labern auf, damit ich tun kann was ich eh machen will. Denn gerade die Pubertät ist eine Zeit,in der die Teenager nach den Grenzen suchen. Und wenn Deine Tochter keinen Respekt vor Dir hat, wirst Du Dich nie durchsetzen können.
kcwknarf" said:
Du schreibst, alle seien nun begesitert von seinem Benehmen. Weiß jemand aber, wie es wirklich innen in ihm aussieht?
Absolut. Denn ich höre ihm auch zu. Und ich zeige nicht nur Regeln und Pflichten auf. Ich zeige auch die guten, angenehmen Seiten und unternimm viel mit ihm.
Ein anderes Beispiel: Er kam vor ein paar tagen an und wollte auf der Stelle, dass seine Mutter was für ihn kocht. Die hatte aber Kundschaft. Da wurde er stinksauer, denn schliesslich MUSS sie das, wenn er Hunger hat (seine eigene Aussage). Ich hab nichts gesagt. Gestern hat ihn seine Oma gebeten, 2 Häuser weiter schnell was für sie zu holen. Ja wie er denn dazu käme. Gut sagte ich. Dann wirst Dir ja auch Deine Essen heute alleine machen können, oder? Da begann er nachzudenken, denn an diesem Tag ist keiner für ihn gesprungen...
kcwknarf" said:
Jeder Mensch hat einen angeborene Agressivität in sich. Und die muss raus.
Wobei Du Deinem Kind ja anscheinend nicht die Grenzen, die man dabei leicht überschreitet, aufzeigen willst. Somit wird Dein Kind die Welt nicht mehr verstehen und denken, alle sind im Unrecht. Schliesslich hat es das ja nie gelernt, dass das Lebennicht nur Sonnenschein ist.
kcwknarf" said:
Ich habe gerade selber das Problem. Unsere einjährige Tochter fängt auch so langsam an, ihren Willen verstärkt durchzusetzen. Das ist nicht leicht für uns Eltern. Aber ich bin mir sicher, dass mit Erklärungen bei ihr ein Effekt ausgelöst wird, dass sie selber dazu angeregt wird, gut und schlecht zu unterscheiden und respektvoll (aber nicht ängstlich und demütig) mit anderen und auch mit Gegenständen umzugehen. Erste Anzeichen sind jedenfalls schon zu sehen. Grundsätzlich finde ich es aber gut, wenn jemand (auch ein Kind) seine Ziele erreicht, soweit nicht andere verletzt werden (nerven ist ja keine Verletzung).
Vielleicht scheitere ich mit meiner Idee. [highlight=yellow:6efb13f697]Aber zumindest habe ich es versucht, ihr solche Begriffe wie Angst, Haß, Neid, Stolz, Egoismus gar nicht erst beizubringen.[/highlight:6efb13f697] Wichtiger sind Dinge wie Freiheit, Kreativität, Leidenschaft, Freude, Hilfsbereitschaft, ehrlicher Respekt, Fantasie, Zufriedenheit, Liebe und Frieden. ist man selber mit sich zufrieden, hat man keinen Grund, andere zu verletzen. Eigentlich ganz einfach.
Du wirst scheitern. Denn was Du Deinem Kind nicht beibringen willst, wird es in der Realität erwarten. So oder so. Und wenn Dein Kind nicht damit umgehen kann, wird es scheitern. Denn diese von Dir ausgesparten Sachen sind ganz natürliche Eigenschaften, die wir nicht erfunden haben, sondern das Mensch sein mit ausmachen.
Denn, wie soll jemand nachvollziehbar süss definieren, der nie erfahren hat was sauer bedeutet...