Quelle:
Yahoo News Deutschland
Freitag, 18.02.2005
Anzahl der Erkrankungen an Vogelgrippe unterschätzt
Kann alle Bereiche des Körpers betreffen
Oxford (pte) - Die Ausbreitung von Vogelgrippe könnte aufgrund eines Missverständnisses über die Auswirkungen auf den Körper unterschätzt worden sein. Wissenschafter der University of Oxford
http://www.ox.ac.uk haben Todesfälle in Vietnam untersucht und sind zu dem Schluss gekommen, dass die Krankheit alle Bereiche des Körpers angreifen kann. Bisher wurde angenommen, dass von der Vogelgrippe nur die Lungen betroffen sind. Die Forscher gehen laut dem New England Journal of Medicine
http://content.nejm.org auch davon aus, dass die Vogelgrippe von einem Menschen auf den anderen übertragen werden kann. Bisher wurden in Asien laut BBC 33 Todesfälle durch Vogelgrippe gemeldet.
Das Team geht davon aus, dass diese Forschungsergebnisse nahe legen, dass die Anzahl der Infektionen beim Menschen unterschätzt wurde. Die WHO kündigte an, ihre Definition einer Erkrankung an Vogelgrippe zu verändern. Millionen Menschen könnten in Gefahr sein, wenn das Virus die Fähigkeit erlangt, von einem Menschen zum anderen zu springen. Die Wissenschafter untersuchten den Tod von zwei kleinen Kindern, Schwester und Bruder, die mit ihren Eltern in Südvietnam in einem Raum lebten. Die Kinder wurden mit einem Magen-Darm-Katarrh und einer akuten Enzephalitis ins Krankenhaus eingeliefert. Beide Krankheiten sind in dieser Region weit verbreitet. Keines der Kinder wies Atmungsprobleme auf, was für eine Vogelgrippe typisch gewesen wäre.
Analysen ergaben, dass der vierjährige Junge Spuren des Virus in seinem Stuhl, im Blut, in der Nase und der Gehirnflüssigkeit hatte. Das legt nahe, dass das H5N1 Virus alle Teile des Körpers angreifen kann. Es wird angenommen, dass seine neun Jahre alte Schwester, die zwei Wochen zuvor gestorben war, ebenfalls unter dem Virus litt. Der leitende Wissenschafter Menno de Jong erklärte, dass bei schweren Erkrankungen eine Vogelgrippe als mögliche Ursache in Betracht gezogen werden sollte. "Eine Behandlung kann möglich sein. Sie muss jedoch in einem frühen Stadium erfolgen. Das bedeutet, dass das Wissen um alle möglichen Symptome von entscheidender Bedeutung ist. Es scheint so zu sein, dass sich das Virus an eine steigende Anzahl von Säugetieren anpasst."
Quelle:
N24
WHO: Impfstoff gegen Vogelgrippe lagern
Für den möglichen Ausbruch einer weltweiten Vogelgrippe-Epidemie sollen nach Vorstellungen der WHO die Regierungen schon jetzt ausreichende Mengen Impfstoff herstellen und lagern. Dies wird die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in einem nächsten Monat erscheinenden Bericht empfehlen, berichtet das britische Wissenschaftsmagazin "New Scientist".
Risiko einer Mensch-zu-Mensch-Übertragung steigt
Normalerweise können Grippe-Impfstoffe nicht vorproduziert werden, da der Erreger sich laufend ändert und niemand weiß, welcher Virus-Typ die nächste Epidemie auslösen wird. Die Tatsache, dass die Vogelgrippe in Asien nicht gestoppt werden kann, und dass sich mehr und mehr Menschen mit dem Virus anstecken, hat nun allerdings zu einem Umdenken geführt. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass sich das H5N1-Virus irgendwann auch von Mensch zu Mensch verbreiten kann, nimmt mit jedem neuen Fall von Vogelgrippe zu.
Problematisch ist, dass die Herstellung eines Impfstoffes Zeit braucht. Im Fall eines aggressiven, sich schnell ausbreitenden Virus sei es zu spät, um erst dann mit der Produktion anzufangen. Neuere Untersuchungen hätten jetzt gezeigt, dass ein Impfstoff auch dann einen gewissen Schutz verleihen kann, wenn er nicht genau auf den aktuell kursierenden Virustyp zugeschnitten ist. So seien in Experimenten die Tiere zwar erkrankt, aber nicht an der Infektion gestorben.
Lieber Medikamentenvorrat anlegen?
Die USA hätten bereits Verträge mit Herstellern über vier Millionen Impfdosen abgeschlossen, auch Italien und Frankreich planten, einen Vorrat von jeweils zwei Millionen Dosen anzulegen. Längst nicht genug, sagte der WHO-Grippe Experte Klaus Stöhr dem "New Scientist". "Dies ist nur eine Lösung für die wohlhabenden Länder und auch dort nur für einen Teil der Bevölkerung". Auf globalen Level ändere dies wenig.
Andere Experten plädierten dafür, die Gelder eher in die Herstellung von antiviralen Medikamenten zu investieren. Diese könnten - frühzeitig verabreicht - die Infektion zumindest abmildern. Allerdings weiß auch hier niemand, wie diese Medikamente auf den dann grassierenden Virustyp wirken.