Mittwoch, 19. Juli 2006
Tsunami-Warnung ignoriert
Mehr als 500 Tote
Die Zahl der Toten durch den Tsunami auf der indonesischen Insel Java ist auf 525 gestiegen. Dies teilte die Nationale Katastrophenschutzbehörde am Mittwoch mit. "Wir warten auf weitere Informationen für weitere Ergänzungen", sagte ein Behördensprecher. Die Flutwelle war am Montag durch ein Seebeben ausgelöst worden. Die Zahl der Obdachlosen wird mit mehr als 50.000 angegeben.
In der schwer verwüsteten Stadt Pangandaran auf Java haben am Mittwoch Gerüchte über eine weitere Riesenwelle, die auf die Stadt zurolle, eine Massenpanik ausgelöst. Hunderte Menschen flohen aus den Notquartieren von der Küste ins Landesinnere, um sich in Sicherheit zu bringen. Polizei und Rettungskräften gelang es zunächst nicht, die Menge zu beruhigen.
Wie der indonesische Wissenschafts- und Technologie-Minister Kusmayanto Kadiman der britischen Zeitung "The Guardian" bestätigte, gab es schwerwiegende Fehler bei der Weitergabe von Warnmeldungen vor dem Tsunami. Zwar habe man entsprechende Warnungen aus Japan und Hawaii etwa 20 Minuten nach dem Beben erhalten. "Wir haben sie aber nicht bekannt gegeben", räumte er ein. Ein Beamter sagte dem Blatt, die zuständigen Stellen seien zu sehr mit der Beobachtung der Nachbeben beschäftigt gewesen.
Unterdessen trafen Mitarbeiter von Hilfsorganisationen aus dem In- und Ausland im Katastrophengebiet ein. Die Vereinten Nationen schickten am Dienstag Helfer in das Katastrophengebiet. In Jakarta traf sich Indonesiens Präsident Susilo Bambang Yudhoyono mit den Leitern der Hilfsmissionen, um zu entscheiden, wie die Provinzen am besten unterstützt werden könnten.
Zahlreiche Hilfsorganisationen wie die Caritas und das Rote Kreuz riefen zu Spenden auf. Jetzt müsse vor allem den Obdachlosen, die meist vor dem Tsunami geflüchtet waren, geholfen werden, sagte Rotkreuz-Sprecher Hadi Kuswoyo der dpa. "Ich glaube, Geld ist das Beste. Das setzt die Behörden in die Lage, das Lebensnotwendige zu verteilen." In Japan kündigte das Außenministerium als Sofortmaßnahme Hilfsgüter im Wert von 13 Millionen Yen an. Zelte, Decken, Plastikplanen, Schlafmatten und Wasserfilter würden nach Indonesien geschickt, hieß es in Tokio.
Im Touristenort Pangandaran wurden Hotels und andere Gebäude an der Küste von der Wucht der Wellen zerschmettert. Überall in der Stadt hätten Tote am Strand gelegen, berichteten Katastrophenschützer der Regierung. Viele seien Bewohner der kleinen Fischerdörfer in der Umgebung.
Bei der Katastrophe vom Montag wurden Erinnerungen wach an den Tsunami vom 26. Dezember 2004. Damals waren in neun Staaten rund um den Indischen Ozean mehr als 220.000 Menschen gestorben. 177.000 Menschen verloren allein in der indonesischen Provinz Aceh auf Sumatra ihr Leben.
Erst im Mai 2006 hatte ein Beben der Stärke 6,2 das Zentrum Javas um die Stadt Yogyakarta erschüttert. 6000 Menschen starben, Tausende wurden verletzt. Monatelang versetzte zudem der Vulkan Merapi mit giftigen Gaswolken die Menschen in Angst.
Nach Angaben der US-Erdbebenwarte hatten die Erdstöße am Montag eine Stärke von 7,7. Das Beben, dessen Epizentrum rund 360 Kilometer südöstlich von Jakarta im Indischen Ozean lag, ereignete sich gegen 15.20 Uhr (10.20 Uhr MESZ). Das Tsunami Warnzentrum im Pazifik löste eine allgemeine Warnung unter anderen für die indonesischen Inseln Java und Sumatra aus. Allerdings erreichte sie nicht die Südwestküste der Insel.
http://www.n-tv.de/690683.html