Als würde jemand in Thailand - ob Thai oder Farang - auf die Idee kommen, 12 oder 16 Stunden in den selben Klamotten herum zu laufen. So eine Denke zeigt viel Unkenntnis über Thailand oder aber gibt Einblick in spezielle Milieus, die uns anderen vielleicht verschlossen bleiben.
Den Büroangestellten welche 8 oder 9h arbeiten plus An und Abfahrt, bleibt wohl wenig anderes über als so lange ohne Dusche und Kleiderwechsel in Anzug oder Kostüm zu verweilen. Okay die Büros sind klimatisiert. Als speziell würde ich das waanjai Milieu spezifizieren, dort hat es keine Aircon bei 40°C
Kleidung und Farangs ist ohnehin ein Spezialproblem, wo viele sich peinlichst zurückhalten. Während im Westen es eine der "Errungenschaften der Moderne" war, dass man die Menschen nicht mehr so leicht an dem, was sie am Körper tragen, "erkennen" kann, so ist das in Thailand halt (noch) anders.
Während in D z.B. früher die "Kassengestelle" der Brillen lange Zeit ein untrügliches Zeichen waren, ist dies heutzutage hauptsächlich das Schuhwerk. Wer hier mit den billigsten Turnschuhen aus Segeltuch und Gummi einem erhofften Kriterium beschränkter Wehrtauglichkeit - der Plattfüßigkeit - entgegenwatschelt, so gibt es vergleichbar viel deutlichere Signale in Thailand, ab denen die Thais einen abschätzig als farang kinok oder nur baba ansehen. Da gehört die kurze Hose in der Öffentlichkeit genau so dazu wie das Hawaii-T-Shirt oder die fettigen langen Haare nebst dem müffeligen Körpergeruch - mai hom dee. Stereotypenhaft verdichtet sozusagen. Man schaue sich z.B. die Graphiken an, die thail. Werbe-Zeichner zur Darstellung des "typischen Farangs" zeichnen.
Da stimme ich zu, bei Behörden oder Bankterminen oder auch beim Dinner in einem gehobenen Restaurant ist das Hemd und die lange Hose ein muß. Bei den angesprochenen "kurzen Hosen" unterscheide ich schon zwischen Boxershorts ( Unterhosen eigentlich und voll peinlich ) und Bermudas welche noch deutlich über das Knie gehen.
Die Gesellschaft Thailands ist halt noch viel traditioneller eingestellt - zumindest außerhalb der Millionenstädte - und die "Signalkraft" von Eigenschaften halt noch viel ungebrochener. Was im übrigen auch von den Farangs klar erkannt und in eigenes Handeln umgesetzt wird. So z.B. wenn es heißt, mit bestimmten anderen Farangs moechte ich erst gar nicht in einen engeren Kontakt treten. Man soll bloß nicht glauben, das seien Entscheidungen nach langen Diskussionen. Nee, das sind Konsequenzen, die aufgrund von "Äußerlichkeiten" gezogen werden.
Du meinst welchen Typ genau?
Oftmals gibt es da auch keinen leichten Auswege. Vertreter anderer Länder geben farang-intern viel öfter zu, dass sie für bessere Klamotten kaum ein Budget hätten. Die verzichten halt auf das forentypische Schönreden von Defiziten. Aber die sind mit iihrem gesellschaftlichen Stellenwert zumeist auch zufrieden. Wie schon so oft formuliert, es sind nicht die Eliten der westlichen Länder, die nach Thailand auswandern. Oftmals sind es "Wirtschaftsflüchtlinge".
Vielen wurde wohl das letzte Hemd von der Thai Familie genommen