In GOG (good old Germany) ist die Amerikanisierung der Gesellschaft in vollem Gang. Ich nenne nur mal ein paar Dinge, die heute alltäglich sind und die es in meiner Jugend nicht oder nur selten gab: werbefinanziertes Privatfernsehen, Innenstädte die aus Handelsketten und Franchise Shops bestehen, Street Gangs, Halloween, abnehmende Arbeitnehmermitsbestimmung, Menschen die sich von Junk Food ernähren, Hire & Fire mit hoher Fluktuation, Online Shopping, wachsende Konsummentalität, Bachelor und Master Studiengänge, profitorientierte Sozialdienstleistungen. Diese Erscheinungen sind sicher auch global zu verzeichnen und Thailand ist keineswegs frei von Amerikanismen, im Gegenteil, hierzulande werden amerikanische Modelle noch viel unkritischer angenommen. In Deutschland geht dieser Trend leider mit einer zunehmenden Ungleichheit in Bildung und Einkommen und einer zunehmenden Zahl von Obdachlosen einher, also genau wie in den USA.
Wie Strike finde ich an sich nichts schlechtes an einer Amerikanisierung. War denn das jemals anders, als dass Amerika das große Vorbild war? Mal abgesehen von linken Grüppchen ist doch Kritik am großen Bruder jenseits des Teichs erst so richtig aufgekommen, seitdem wir so viele Russenfreunde übernommen haben.
Was ich aber überhaupt nicht nachvollziehen kann ist, dass Hire & Fire gang und gäbe wäre. Es wäre schön, wenn du recht hättest, leider sieht das Kündigungsschutzgesetz etwas anders aus.
Was die persönliche Freiheit und Entfaltungsmöglichkeiten angeht, gehen die Meinungen vermutlich auseinander. Ja, in Thailand gibt es Tabuthemen wie zum Beispiel Lèse Majesté, aber die gibt es auch in Deutschland. Versuch einmal in Deutschland eine antisemitische Position zu vertreten, oder ein Kopfbild von H.itler in einem Ladenlokal aufzustellen. Dann ist es mit der Meinungsfreiheit auch schnell vorbei. Der Name ist sogar in diesem Forum zensiert. Jede Gesellschaft hat ihre eigenen mehr oder weniger berechtigten Tabus, die man respektieren sollte.
Das Problem an LM ist ja nicht das Gesetz an sich, sondern dessen sehr weite Auslegung. Das schränkt, einhergehend mit der oft drakonischen Strafmaßzumessung, die Freiheit schon sehr viel mehr ein als die deutsche Gesetzgebung zur Volksverhetzung.
Wobei ich auch hier freie Rede nach amerikanischem Vorbild vorziehen würde.
Staatliche Reglementierung, juristische Zwänge, und gesellschaftliche Kontrolle sind in Deutschland deutlich stärker ausgeprägt. Bauvorschriften sind vielleicht ein gutes Beispiel. In Thailand kann ich mir aussuchen, ob ich Rauchmelder, Feuertüren, oder Treppengeländer einbaue und muss dann mit den Konsequenzen leben.
Sicherheitsvorschriften als Einschränkung zu empfinden ist aber schon ein bisschen schräg. Die Konsequenzen sieht man ja in Thailand.
Zudem ist Thailand durchaus reglemementiert, in vielen Bereichen mehr als Deutschland, man denke nur an die Sperrstunde. Nur, und darauf weist du ja in dem nachfolgenden Zitat auch hin, werden diese Regelungen deutlich flexibler befolgt, oft also gar nicht, sind aber immer noch vorhanden und werden herausgeholt, wenn es einem offiziellen gerade in die Agenda passt oder dem Geldbeutel dient. Das könnte man auch als Rechtssicherheit vs. Willkür sehen.
Ich habe mich in Deutschland deutlich unfreier gefühlt als in Thailand. Das lag hauptsächlich an zwei Dingen. Erstens agieren Deutsche oft streng nach Vorschrift und haben (mit Ausnahmen) wenig Talent für Improvisation und wenig Verständnis für andere Sichtweisen. Zweitens wird man in der Öffentlichkeit häufig getadelt, angemuffelt, oder sonstwie zurechtgewiesen. Haftungszwänge, Leistungspflichten, und rechtliche Beschränkungen tun ein übriges ein allgemeines Klima von Stress und Angst herzustellen. In einem Wort: die Deutschen sind extrem unlocker. Es ist leider sehr schwierig sich dem zu entziehen wenn man in Deutschland lebt.
Cheers, X-pat
Diese fehlende Lockerheit ist die Kehrseite der Medaille. Der Vorteil daran ist, die Dinge sind gut geregelt und verlässlich.
Du siehst, man kann es genau entgegengesetzt sehen. Aber deswegen bist du ja auch dort und ich hier.