Bedeutet das, dass Mönche, die sich außerhalb eines Wat bewegen, dies immer im Auftrag ihres Abtes tun?
Zunächst einmal:
Das Mönchsein hat nichts mit Befehlen und Aufträgen zu tun - Ein Abt beauftragt i.d.R. nicht seine Mönche mit irgendetwas, denn ein Wat ist keine Kaserne. Jeder Mönch kann den ganzen Tag tun und lassen, was er will.
Ich hatte vor der Ordination einen Termin im Büro des Wats, um alles Wichtige vorher abzuklären. Also begab ich mich, mit Notizblock bewaffnet, dorthin.
Folgender Dialog mit meinem zukünftigen Abt fand statt:
- "Ich werde also während der Zeit im Wat streng nach Ihren Anweisungen handeln."
- "Nein, Du verstehst das falsch. Ein Wat ist keine militärische Einrichtung. Du mußt Deinen Weg selbst finden, ich werde Dich nicht mit einem Seil durch die Lehren Buddhas ziehen.
Ist natürlich etwas blöd, weil Du noch keine Grundkenntnisse hast, denn Du hast in der Schule bis zum Abitur keinen buddhistischen Religionsunterricht mitgemacht...aber vielleicht ist das auch ein
Vorteil, weil Du wenigstens nichts Falsches aufgeschnappt hast."
Generell halten sich Mönche nach dem morgendlichen Empfang der Almosen (Bintabat) innerhalb der Watmauern auf.
Und nebenbei aus Neugierde gefragt: warum hattest du das Bedürfnis, mal rauszugehen? Gehörte es nicht zu deinem Tagesablauf, morgens eine Runde zu drehen und sich Essen geben zu lassen?
Die ersten paar Tage waren sehr hart und gewöhnungsbedürftig, weil ich mit einem Schlag aus meinem bisherigen Leben gerissen wurde. Da wäre es schon das höchste der Gefühle gewesen, wenigstens mal vorbeifahrende Mopeds zu beobachten. Wenn abends die Lotterieverkäufer nach Hause gegangen sind, war ich immer tottraurig, weil ich "alleine" zurückbleiben mußte.
Den ganzen Tag habe ich Regeln und Gebote und die Pali-Sprache gepaukt, das war schon sehr abstrakt.
Allerdings muß man sich die Paukerei anders als z.B. in der Schule oder Uni vorstellen:
Man liest einen Abschnitt, man bekommt etwas gelehrt - nein, man bekommt einen Anhaltspunkt zu etwas Neuem.
Danach hält man inne und fängt an, nachzudenken...über das Leben, den Sinn des Lebens, über gute Dinge, die man getan hat - oder auch über Schlechte.
Man versucht dann, das soeben Gelernte ins praktische Leben einfließen zu lassen, gewisse Dinge ganz anders zu betrachten. Viele Dinge, die man vorher getan hat, erscheinen einem dann im Nachhinein als sinnlos, Zeitverschwendung eben.
Mehr als einmal hat es bei mir während der Zeit als Mönch im Geiste "klick" gemacht.
Weil unser Wat Pranang-din
(วัดพระนั่งดิน) überregional bekannt ist (sehr oft kamen bkk'ler und haben nicht schlecht gestaunt, als sie einen Farang als Mönch angetroffen haben), kamen die Gläubigen zum Almosengeben jeden Morgen in den Tempel, so dass wir nicht selbst zum Bintabat ausrücken mussten.
Ich habe während meiner gesamten Mönchzeit das Wat- Areal nicht verlassen.
Ab und zu kam meine Frau morgens zu Almosengeben. Das war immer ein sehr merkwürdiges Gefühl, denn offiziell hatte ich als Mönch keine Frau - sich anlächeln oder miteinander scherzen ging also nicht.
Ich konnte sie auch nicht mit ihrem Namen anreden, sondern, wie alle "Kalawaad" (Landbevölkerung) mit "Yom".
Ach ja, noch etwas:
Buddha hat nie die Absicht gehabt, Andere zu belehren, sondern Wege aufzuzeigen.
Buddha will nicht, dass wir Menschen seine "Lehre" befolgen, sondern will, dass wir Glück und Zufriedenheit im Leben finden.
Betrachtet die "Lehren" Buddhas deshalb als Anleitung.