kcwknarf" said:
Dann wäre also eher der Vergleich "Indianer in den USA" besser als "Türken in Berlin".
besser ist der Vergleich in jedem Fall
kcwknarf" said:
Wenn mir jetzt noch jemand sagen könnte, wem das Land rechtmäßig (wenn man das überhaupt so sagen kann, weil sich Ländergrenzen historisch ja immer irgendwie verändern) eigentlich gehört und warum dasjenige Land keine Beschwerde (z.B. bei der UNO) einlegt, wäre ich noch schlauer.
Das Land, das Protest bei der UNO einlegen könnte, wären die 4 Provinzen selber, sie haben nämlich zuvor sich selbst gehört.
Wir haben es hier mit einem Problemherd zu tun, der wie so vieles eine Folge der Kolonialpolitik, vor allem Englands, ist. Auch die oben zitierten Situationen der Indianer oder der Palästinenser (-> Antwort von Bukeo) verdanken wir ja der englischen Politik (die Amerikaner machten mit den Indianern da weiter, wo die Engländer nach ihrer Niederlage gegen Washington aufhören mussten).
Bis zum Ende des 19. Jhdt war ein Denken in geographischen Grenzen in der Region SO Asien (anders als damals schon in Europa) unbekannt. Es ging um Einflusszonen. Das bedeutete, welcher Regent irgendwo Einfluss hatte, dem musste man Steuern oder Tribute abliefern. Die heutigen "Problemprovinzen" waren eigenständige Königreiche mit rein malayischer Bevölkerung. Die thailändischen Könige führten gelegentlich Krieg um Tribute zu erpressen, aber die Region wurde nie von Thais besiedelt oder unter thailändische Verwaltung gestellt. Blieben die Zahlungen aus, dann schickte der König wieder ein Heer und meist (aber beileibe nicht immer) endete das mit einer Niederlage der Malayen und die Zahlungen begannen wieder. Das war praktisch und bequem, sparte eine Menge Verwaltungsaufwand, doch dann kamen die Engländer! Europäisches Kolonialdenken operiert in geographischen Grenzen und erfordert eine Kolonialverwaltung vor Ort. Als sich die Engländer von Süden kommend ein malayisches Königsreich nach dem anderen in ihren Beutekuchen einverleibten wurde Rama V etwas nervös und fürchtete um seine Geldquellen. Eine Lösung sah er einzig und allein darin, den Engländern zuvorzukommen und ihre eigenen Methoden anzuwenden. Also wurden die letzten 7 oder 8 malayischen Königreiche die noch nicht den Engländern "gehörten" offiziell annektiert und nach englischem Muster unter thailändische Verwaltung gestellt. Das war wiederun den Engländern gar nicht recht, aber anstatt einen Krieg mit den Thais anzufangen, einigte man sich in einem Vertrag (ich glaube 1907). Thailand rückte ein paar besetzte Gebiete wieder heraus, und durfte dafür 4 behalten (eben jene heutigen Unruheprovinzen).
Auf diesen Vertrag zwischen zwei Okkupanten, die über ein von ihnen besetztes Gebiet entschieden beruft sich Thailand bis heute. Vergleichbar wäre das etwa mit der Aufteilung Polens zwischen Hitler und Stalin (technisch gesehen jedenfalls, die beiden Diktatoren kann man mit den beiden Monarchen sicher nicht in einen Topf werfen).
Die Engländer verloren ihre Kolonien im 20. Jhdt. und die früheren malayischen Königreiche schlossen sich zu einem neuen Staat "Malaysia" (ursprünglich glaube ich hieß es Malaya) zusammen. Thailand konnte seine Beute dagegen behalten. Im 2. Weltkrieg hatte man nach der Niederlage der Engländer gegen Japan sogar noch ein paar weitere malayische Provinzen annektiert (die musste man aber nach 1945 ganz schnell wieder herausrücken).
Die okkupierten Malayen (also die unfreiwilligen Neuthailänder) waren von Anfang an aufmüpfig, und um den Widerstand zu brechen, kamen von Seiten der Thais ein paar tolle Strategien zur Anwendung:
1. In den rein malayischen Gebieten wurden massenweise Thais angesiedelt.
2. Die Malayen mussten ihre Namen in thailändische Namen ändern.
3. Schulunterricht durfte nur in Thailändischer Sprache erfolgen.
4. Buddhistische Wats wurden mit großzügigen Spenden aus Thailand überall errichtet. Neubaus von Moscheen (die Malayen sind Moslem) wurden durch entsprechende gesetzliche Regelungen praktisch unmöglich.
... usw
und diese undankbaren Malayen sind trotzdem bis heute unzufrieden mit ihrem Schicksal. :???: