Armin" said:
[...]Was bitte möchtest du in dieser trostlosen Einöde?[...]
Die Frage ist berechtigt, das Attribut meiner Ansicht nach allerdings etwas unglücklich gewählt. Trost
spendend wäre die mir genehme Alternative.
Gerne eine Antwort, da die Frage mich dazu inspiriert hat, mir noch mal intensiv ein paar Gedanken zu machen. Meine Vorgeschichte, zumindest die, welche mich mit Suay zusammengebracht hatte, kennt der Ein oder Andere bereits:
kann hier nachgelesen werden (PDF-Datei)
Der Schlusssatz hat übrigens heute noch uneingeschränkt Gültigkeit.
Um einen Menschen zu verstehen, ist´s wie in der Geschichte allgemein. Um die Gegenwart zu verstehen, muss man die Vergangenheit kennen.
Jeder Mensch macht in den einzelnen Lebensabschnitten eine bestimmte Entwicklung mit – in welche Richtung, sei dahin gestellt. Die Summe dieser Phasen entäußert sich in dem, was er
heute ist, wie er lebt, denkt und arbeitet.
Prägend für mich waren zunächst die Zeit im gut bürgerlichen Nachkriegs-Elternhaus, Schule, Lehrzeit, Marinezeit. Dann der Entschluss, doch noch ausbildungsmäßig was Neues, Anderes zu wagen. In diese Zeit – nach der ersten kurzen Ehe - fiel die große Wende, hervorgerufen durch ´Nach 68-er Gedankengut´. welches sich im Wesentlichen in der Zeit in
der Wohngemeinschaft manifestierte. Ohne mich nun an radikalen Aktionen zu beteiligen, übten wir dort eine eben nicht-bürgerliche Lebensform, wobei wir uns z.B. inventarmäßig von dem nährten, was die Wohlstandsgesellschaft auf den Müll warf. So hatten wir u.a. ständig 3-4 funktionsfähige Waschmaschinen ´auf Halde´. Grundnahrungsmittel für alle wurden gemeinschaftlich besorgt, durch den Bekanntenkreis des Einzelnen entwickelte sich ein vorher nie gekanntes Spektrum von zwischenmenschlichen Kontakten.
Doch auch diese Welt war nicht so heil, so dass ich mich denn nach fast drei Jahren entschloss, erneut in den Hafen einer bürgerlichen Ehe einzufahren, nicht ohne die erlernten Verhaltensweisen und Einstellungen mit ein zu bringen. Hatte damals immer scherzhaft gesagt, dass ich nie eine Frau heiraten würde, die
nicht mit mir zelten fahren würde. Und
sie war mit mir gefahren.
Die Marinezeit, resp. die Liebe zur See steckte immer noch tief in mir drin, so dass ich 1977 begann, mir einen Job in einer Gegend zu suchen, in der ich – als Ausgangsbasis – dieser Liebe noch ein wenig frönen konnte. Fand diese schließlich in Heinsberg, wo nicht nur große Baggerseen in Holland auf mich warteten, von wo aus die Fahrtstrecke zur See auch auf 2 ½ Stunden verkürzt wurde.
Die ersten Jahre hatte ich auch ausgiebig davon Gebrauch gemacht, bis sich die Lebensumstände schleichend begannen in eine andere, z.T. katastrophale Richtung, zu ändern, welche schließlich zunächst in die Trennung und dann – 1997 – in die Scheidung führte.
Wie ich bereits sagte: Aus diesem Dilemma kam ich dann Ende 1999 erst endgültig raus.
Tja, nun lebe ich seit 7 Jahren mit einer Frau aus dem Nordosten Thailands zusammen, ein Umstand, der – abgesehen von ihr als Frau – meinen Intentionen bzw. der immer noch aus der Wohngemeinschaftszeit resultierenden Lebenseinstellung sehr entgegen kam. Leben reduziert auf Beschaffung des Lebensnotwendigen, und die Konzentration auf diesen einen Tag, in dem ich mich gerade befinde.
Nein, so wie es sich liest, klappt es meistens nicht, dazu steckt der Sumpf noch zu tief in mir drin. Doch ich denke, ich befinde mich auf dem Weg.
Tja, Armin, und die nunmehr 30-jährige Tätigkeit im Knast hat eine gewisse Menschenmüdigkeit in mir hervorgerufen, so dass mir für meine Zukunft eine trostspendende Abgeschiedenheit vorschwebt, aus der heraus ich allerdings jederzeit Kontakte – gerade auch zu mir inzwischen lieb gewordenen Menschen in Thailand – aufnehmen kann.
Und zur See sind´s man gerade 12 Stunden mit dem Bus bzw. der Bahn – also wird mit fast tödlicher Sicherheit ein Segeltörn im Golf von Thailand irgendwann anstehen.
Die einzigen Bindungen, welche ich in D noch habe, sind ein paar gute Freunde, von denen allerdings jeder auf seine Art mit seinem eigenen Rucksack beschäftigt ist.
Für mich lautet die Frage nicht
warum ?, sondern…
Warum nicht ? 