...mentalität verstehen. Ein schwieriges Unterfangen.
Wenn ich von Mentalität spreche, dann verstehe ich darunter die Gesamtheit der Einstellungen, Verhaltensweisen, Gefühlsäußerungen, Wertvorstellungen, eben das, was das Sein des Menschen in dem jeweiligen Lebenskreis ausmacht.
Habe diesen Thread aufmerksam verfolgt, und, ohne Wertung der Aussagen wiederhole mich sowieso ungern , ich finde es einfach beeindruckend, dass sich eine thailändische Mitbürgerin so umfassend und konsequent geäußert hat. Ich finde auch die Reaktionen beeindruckend und informativ, insbesondere unseres Expates Klaus, der aufgrund seiner langjährigen Erfahrung einen besonders tiefen Einblick in das bekommen hat, was wir eben so als die Thai-Mentalität bezeichnen. Auch die Meinungen derer, die zwar ein paar Mal in Thailand waren und sich zum Teil bereits umfassende Kenntnisse angeeignet haben - auch bestätigt durch eigene Erfahrungen - erheischen Aufmerksamkeit und erweitern mein eigenes Bild.
Ich werde jetzt auch nicht hingehen und abstrakt so aus der Ferne meine Ansichten über die Thai-Mentalität kund tun. Dafür mangelt es mir nun wirklich an konkretem Wissen, an exakten Untersuchungen, an Erfahrung wäre also reine von Wunschdenken geprägte Spekulation.
Doch kann ich mein eigenes Verständnis der 'Thai-Mentalität' reduzieren auf einen vierwöchigen Aufenthalt im tiefsten Isaan und auf das Zusammenleben mit meiner Frau. Ausnahmsweise werde ich es nicht relativieren durch den Versuch, einen Bezug zur 'Deutsch-Mentalität' herstellen zu wollen.
Ohne auch nur das geringste von dem Thai-Way-of-Life zu wissen, geschweige denn, zu verstehen, bin ich zu Beginn meiner Beziehung davon ausgegangen, dass ich meine Frau in ihrem Denken, Handeln und Fühlen erst einmal gar nicht verstehe. Ich habe aufmerksam beobachtet, registriert, viel gelesen, durch viele Gespräche mit Bekannten, Informationen aus dem Forum und anderen Internetseiten versucht mir eine ganz grobe Vorstellung von dem zu machen, was meine Frau eben so anders macht.
Nun gibt es heute ein paar Dinge, die ich verstehe aber meine Frau ist nicht Thailand, sie ist noch nicht einmal repräsentativ für dieses ach so schöne Land, vielleicht für die Frauen in ihrer Altersgruppe in Ban Tap Kung.
Wenn ich in einem Film sehe, dass Kinder gekauft werden, um sie z.B. in den Bars und Restaurants an der Küste Kaugummi verkaufen zu lassen, dann verstehe ich das, weil mir die Hintergründe geläufig wurden. Ich verstehe auch, wenn eine Thailänderin auf dem Hintergrund einer gesicherten Existenz und der Verpflichtung der Familie gegenüber mit einem Farang zusammen ist, mag er noch so unansehlich nach meinen Vorstellungen oder sonst wie sein. Ich verstehe, dass in dem Dorf meiner Frau viel getrunken wird, weil, es hilft, die Armut zu vergessen. Ich verstehe, wenn Suay in ihrem Dorf hinter mir gegangen ist war sie als Frau so gewohnt. Ich verstehe, dass ich strikte Anweisung hatte, bei ihr zu Hause keine Küchenarbeiten zu erledigen in Ban Tap Kung machen das die Männer nicht, sieht für die Frau nicht gut aus. Ich verstand, dass mein Stiefsohn, wenn er mich am Tag das erste Mal sah, in leicht gebeugter Haltung mich grüßte er hatte es so gelernt.
Ich verstehe, dass der Beamte in Tap Kung gegen eine 'Aufwandsentschädigung' schnell gearbeitet hatte; ich verstehe, ich verstehe...
Ich verstehe auch, daß das Verhältnis zur Wahrheit nicht mit unseren Maßstäben gemessen werden kann, irgendwie verstehe ich sogar meine Schwägerin, die vermutlich, weil sie kein Geld mehr schickt, bereits ihr Gesicht verloren hat.
Doch muss ich deswegen auch alles billigen, tolerieren akzeptieren ? Ich denke einmal, das Verständnis hilft mir, in Thailand nicht anzuecken, und auch, das Gesicht meiner Frau zu wahren. Genau so, denke ich, helfen wir unseren Frauen, hier in diesem unserem schönen Lande zu überleben, wenn wir versuchen, ihnen unsere 'Mentalität' ein wenig nahe zu bringen. Genau so wenig, wie ich meine Identität aufgeben werde, erwarte ich es von Suay.
Machen wir's nicht zu kompliziert. Ich versuche jedenfalls mich darauf zu beschränken, meine Frau zu lieben, so, wie sie ist.
