Suays kleine Freundin...

Diskutiere Suays kleine Freundin... im Literarisches Forum im Bereich Thailand Forum; Suays kleine Freundin... Na, ja, ein wenig vermessen, doch mit ihren 148 cm ist sie immerhin 3 cm kleiner als meine Gattin, die Holde. So sind...
K

Kali

Gast
Suays kleine Freundin...

Na, ja, ein wenig vermessen, doch mit ihren 148 cm ist sie immerhin 3 cm kleiner als meine Gattin, die Holde.
So sind sie fast jeden Tag zusammen, machen zusammen Essen, gehen zusammen einkaufen – man kennt sie in Heinsberg, wie sie mit den Fahrrädern die Läden abklappern und gucken, wo’s vielleicht noch ein wenig billiger sein könnte.


Und sie weint sich auch schon mal bei Suay aus, wenn etwas nicht nach ihren Vorstellungen zuhause. Ein ganz Penibler ist’s, ihr Gatte nämlich. Läuft immer adrett gekleidet, putzt sein Auto fast jeden Tag, und hat ein Auge dafür, wo vielleicht noch ein Körnchen Staub am falschen Ort. Momentan schwer vorstellbar, daß er sich an die anderen Bedingungen in der Heimat seiner Frau, nämlich auch Ban Tab Kung, ein paar Seitenstraßen von Suay entfernt, gewöhnen könnte. So auch die Friteuse, in der aus reinem Pragmatismus schon mal Wasser heiß gemacht wurde, ist nicht mehr nutzbar. So mußte eine neue her, mit unwirschem Blick ob der Ignoranz dieser kleinen Frau aus Thailand, die er letztendlich geehelicht hatte, im vergangenen Jahr war’s noch, nach einigen Schwierigkeiten. Nein, nicht formaler Art, wegen der verschwiegenen Kinder und der noch zurückzuzahlenden Schulden bei der Bank in Thailand. Der Bruder hatte es aufgenommen, ein Darlehen von 400.000 THB, von denen er 80.000 Schwesterchen zur Verfügung stellte, damit sie einreisen konnte, ins Land, ins gelobte. Und nun will er’s auch zurück – die Bank mahnte schon. Daß er gleich seine eigenen Zinsen von Schwägerchen bezahlt erhofft, nur am Rande.
Auch das thail. Gemüse vor’m Haus, er wohnt in einer Dienstwohnung im Verwaltungsgebäude seiner Firma, mußte weichen: ´Was sollen denn die Leute sagen ?´, sein Kommentar. Unverständlich, wo doch soviel Platz vor´m Haus. Vom Pla ra ganz zu schweigen, der hat in der Wohnung wirklich nichts zu suchen. Nun müffelt er vor sich hin, im Schuppen vor dem Haus – und der freundlichen Sonnenbestrahlung ausgesetzt. Auch trinkt er noch gern ein Bierchen zusammen mit seiner Ex, die in derselben Firma, was Son – so heißt sie, Suays Freundin – nun gar nicht mehr versteht. Fühlt sich ein wenig ausgegrenzt. Auch Telefonieren ist nicht so angesagt; Stadtgespräche ja, aber auch nur nach Feierabend, weil eben alles über die Firmenleitung. Doch nach Thailand ? Nun, er schickt sie dann zur Telefonzelle, was nun nicht mehr nachvollziehbar ist. Denn ab und an tut´s dem Seelenheil gut, mal eben zu hören, ob Kinder und Eltern in Thailand wohlauf.
So kommt sie dann zu uns – die Billigvorwahl macht´s möglich, und rechnet tapfer nach Minuten ab. Nicht nur das: Sie sieht, so was fehlt, und so karrt sie es an, die Kisten Wasser, so sie denn benötigt in Kali´s Haushalt, und auch ein paar andere Kleinigkeiten wie Kekse, auf die Kali nun mal steht – mit dem Fahrrad.
Ein Hardliner ist er, ihr phua: "Sie lebt hier, also hat sie sich anzupassen !" Nicht so ganz unrichtig, doch Zeit sollte er ihr schon lassen. Und anpassen um des Anpassens willen ? Ich denke mal nein, ihre Identität sollte sie schon behalten. Ich glaube, es gibt verschiedene Kompromissvarianten.

Ich mag diese kleine Frau. Nein, nicht weil sie Frau ist, nein, weil sie Suay ein Stückchen Heimat und Zufriedenheit vermittelt. Und ich vertraue dieser kleinen Frau. Sicher hat sie ein klein wenig geschummelt, als es mit der Heirat akut wurde. Doch wer werfe den ersten Stein ? Sie ist ein wahres Kleinod, das Hoffnung macht, gerade in meinem teilweise wirklich nicht angenehmen Dunstkreis. Irgendwie würde mir was fehlen, wäre sie nicht mehr da – einfach ein Mensch, der es wert ist gemocht zu werden. Suay meint manchmal, sie rede zuviel und zu laut (wenn man die beiden zusammen sprechen hört, meint man mitunter, sie keulen sich an), sagt´s aber mit solch einem verschmitzt liebevollen Zug um die Mundwinkel, der die vermeintliche Schärfe wieder entschärfen tut.

Soviel in aller Kürze zu Son, Suays kleiner Freundin, die ihre Wünsche, Träume, Hoffnungen und Ängste nicht immer hinter diesem typisch erscheinenden Lächeln verstecken kann.

Auch, wenn sie nicht mit ihrer Freundin zusammen ist, strahlt sie, meine holde Gattin, Zufriedenheit – und Gelassenheit aus. Nur heute, da war sie ein wenig enttäuscht:


Hier war so etwas wie eine Gemüsegalerie entstanden, kein Problem bei meinen jungen Mitbewohnern in Haus, einer ist der frühere Schulfreund meines Sohnes. Doch sie hat zugeschlagen, die Ignoranz der Mitarbeiter – sie wussten es allerdings nicht -, haben die Anlagen in Ordnung gebracht, all’ das, was sie für Unkraut hielten, entfernt. Keinen Schimmer vom Gemüse, dem thailändischen.

Und so wird’s verteilt, in Behältern, in passenden, rund ums Haus herum...

...an der Südseite:


...an der Ostseite:


...auf’m Balkon:


Sogar, wenn die Sonne sich bereits verabschiedet hat, wird’s gepflegt und gehegt – und manchmal noch ein Löffelchen Wasser nachgegossen:


Das ist ein Teil, ein ‚Schnappschuss’ aus meinem Alltach, oder besser: Aus unserem Alltach, der reich ist an Gemeinsamen, der aber auch unspektakulär ist, der nichts gemein hat mit ausgedehnten Reisen in Thailand, mit bombastischen Touren zu den den Spuren der Khmers, der angefüllt ist mit Arbeit – schließlich will man sich und seine ‚Liebe’ am Kack.. halten, man will was auf die Seite legen für den nächsten Thailandurlaub, und die ein oder andere bürgerliche Anschaffung will auch vorbereitet sein.

Dieser Alltach, der sich mit Sicherheit bei dem ein oder anderen auch auf’m Balkon beim oder im Gemüse abspielt, hat nichts sichtbar Gemeinsames mit Eriksons ‚Idendität und Lebenszyklus’, mit dem ‚Ekel’ von Jean Paul Sartre oder dem Epikureischen ‚Hedonismus’, der die Lust zum obersten Lebensprinzip erhebt – schlicht und ergreifend nur eine Momentaufnahme aus Kalis Alltach, der eben auch von diesem nur so erlebt wird.

Mir war einfach heute danach, weil es mit dazu gehört, zu dem, was meinen Alltach ausmacht.

Doch: Who, the hell, is Kali ?
 
moselbert

moselbert

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Die Geschichte und die Bilder gefallen mir auch.
Der Nachbar weniger.
 
alhash

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Hast Du hübsch beschrieben, Du Krümelmonster :super:

Frohes Kekseessen wünscht
AlHash

und immer an die Kalorien denken :rofl:
 
rübe

rübe

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hmm...mich stimmt diese geschichte melancholisch...ich denke, dass sie den kern dessen trifft, was viele thailänderinnen hier in germany erleben...

ich ziehe den hut vor dir kali...

rübe
 
C

CNX

Gast
Hallo Kali,

nicht nur eine schön geschriebene Geschichte, sondern auch etwas zum nachdenken.

Kali" schrieb:
Soviel in aller Kürze zu Son, Suays kleiner Freundin, die ihre Wünsche, Träume, Hoffnungen und Ängste nicht immer hinter diesem typisch erscheinenden Lächeln verstecken kann.
Gruss
C N X
 
Overkillratz

Overkillratz

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Na super - die "keine Frau" tut mir wirklich leid!! :-(

Ihr Mann bedient das Klischee Thai/Deutsche Ehe ja nun wirlich voll!!

ATZEND!! :zorn:
 
P

PETSCH

Gast
:super: @Kali
ich freue mich schon, Euch mal wieder zu sehn :-)
 
rübe

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Overkillratz" schrieb:
Na super - die "keine Frau" tut mir wirklich leid!! :-(

Ihr Mann bedient das Klischee Thai/Deutsche Ehe ja nun wirlich voll!!

ATZEND!! :zorn:
und jetzt??? ...kali erlebt es so wie es ist...soll er schweigen, damit er kein klischee bedient....

ich verstehe deine reaktion nicht...

rübe
 
Overkillratz

Overkillratz

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Ne Ne Rübe - so war das nicht gemeint! Im Gegenteil, ich mag Kali's Schreibstil und seine Illustrationen sogar sehr!! :bravo:

Ist nur das was ich denke wenn ich soetwas lese oder höre!
 
J

Johann43

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Kali,

:super: ganz normaler Alltag, aber nicht für Jemand der darüber nachdenkt.

Gruss Johann :wink:
 
DisainaM

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Kali,

wieder ein sehr schönes Still-leben, was Du da beschreibst.

Dein Buch müßte später im Untertitel heißen, Momentaufnahmen aus dem Thai-Deutschen Alltag.

:super:
 
rübe

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Overkillratz" schrieb:
Ne Ne Rübe - so war das nicht gemeint! Im Gegenteil, ich mag Kali´s Schreibstil und seine Illustrationen sogar sehr!! :bravo:

Ist nur das was ich denke wenn ich soetwas lese oder höre!
ohweh....ich hab dich echt falsch verstanden....war spät in der nacht... ;-)

grüsse von...

rübe

:wink:
 
A

abstinent

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@ kali


donnernder applaus! :bravo: :bravo: :bravo:
 
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