x-pat
Senior Member
Der Isaan
Ich starre in die Ferne. Die gelbe Staubwolke am Horizont vergrößert sich langsam und im Flirren der Mittagssonne ist deren Umriss kaum auzumachen. Ist es ein Schweinetransporter? Eine Büffelherde? Oder eine Fata Morgana? Seit vier Stunden bin ich auf dem Fahrrad unterwegs um im nächstgelegenen Laden unser Abendessen einzukaufen. Meine Sinneswahrnehmung verliert durch die gnadenlose Hitze langsam ihre Schärfe. Sind es entfernte Hufschläge oder ist es ein Motorengeräusch?
Die zahnlose alte Frau im Laden hatte kein Wechselgeld, aber dafür war sie sehr gut gelaunt. Mit einem breiten Grinsen drückte sie mir einen zerknitterten Plastiksack in die Hand. Nun hängt der Sack an meiner Lenkstange über die sich eine gelbe Staubschicht gelegt hat und aus dem Sack schauen einige graue Schwänze. "Sechs gebratene Ratten werden genug sein für alle," denke ich. Auf die gehäutete Schlange hätte ich gerne verzichtet, aber die alte Frau ließ sich nicht beirren, hackte das Reptil in gleichmäßige Stücke, und stopfte es in den selben Plastiksack.
Ich wische mir den Schweiß von der Stirn und die aufgebrochene Erde knirscht unter mir als sich beim Anfahren die Stollenreifen in den Staub graben. Von hier ist es nur noch eine Stunde bis nach Hause, aber dieser Weg führt über den Fluss und den kann ich nur mit Hilfe eines chronisch betrunkenen Fährmanns überwinden. Es ist schwer zu sagen, ob es jemals einen festen Fährpreis in Khong Lam gab. Ich habe alle Beträge zwischen zwanzig und hundert Baht bezahlt. Vielleicht konnte sich der Fährmann einfach keine Zahlen merken. Vielleicht variierte der Preis mit seinen Spielschulden. Wer weiß das schon.
"Nicht mehr als 50 Baht, sonst schwimme ich lieber...", denke ich mir und wundere mich, ob am Ende meines 171. Urlaubstages im Isaan noch genug Geld für eine Flasche Leo übrig sein wird. Dabei fing alles so gut an. "Let's go Isaan...", sagte mein Tirak damals, "Isaan beautiful. Have lake, have river, have nai house..., you like." Natürlich glaubte ich ihr jedes Wort.
Fortsetzung folgt (...oder auch nicht).
Cheers, X-pat
Ich starre in die Ferne. Die gelbe Staubwolke am Horizont vergrößert sich langsam und im Flirren der Mittagssonne ist deren Umriss kaum auzumachen. Ist es ein Schweinetransporter? Eine Büffelherde? Oder eine Fata Morgana? Seit vier Stunden bin ich auf dem Fahrrad unterwegs um im nächstgelegenen Laden unser Abendessen einzukaufen. Meine Sinneswahrnehmung verliert durch die gnadenlose Hitze langsam ihre Schärfe. Sind es entfernte Hufschläge oder ist es ein Motorengeräusch?
Die zahnlose alte Frau im Laden hatte kein Wechselgeld, aber dafür war sie sehr gut gelaunt. Mit einem breiten Grinsen drückte sie mir einen zerknitterten Plastiksack in die Hand. Nun hängt der Sack an meiner Lenkstange über die sich eine gelbe Staubschicht gelegt hat und aus dem Sack schauen einige graue Schwänze. "Sechs gebratene Ratten werden genug sein für alle," denke ich. Auf die gehäutete Schlange hätte ich gerne verzichtet, aber die alte Frau ließ sich nicht beirren, hackte das Reptil in gleichmäßige Stücke, und stopfte es in den selben Plastiksack.
Ich wische mir den Schweiß von der Stirn und die aufgebrochene Erde knirscht unter mir als sich beim Anfahren die Stollenreifen in den Staub graben. Von hier ist es nur noch eine Stunde bis nach Hause, aber dieser Weg führt über den Fluss und den kann ich nur mit Hilfe eines chronisch betrunkenen Fährmanns überwinden. Es ist schwer zu sagen, ob es jemals einen festen Fährpreis in Khong Lam gab. Ich habe alle Beträge zwischen zwanzig und hundert Baht bezahlt. Vielleicht konnte sich der Fährmann einfach keine Zahlen merken. Vielleicht variierte der Preis mit seinen Spielschulden. Wer weiß das schon.
"Nicht mehr als 50 Baht, sonst schwimme ich lieber...", denke ich mir und wundere mich, ob am Ende meines 171. Urlaubstages im Isaan noch genug Geld für eine Flasche Leo übrig sein wird. Dabei fing alles so gut an. "Let's go Isaan...", sagte mein Tirak damals, "Isaan beautiful. Have lake, have river, have nai house..., you like." Natürlich glaubte ich ihr jedes Wort.
Fortsetzung folgt (...oder auch nicht).
Cheers, X-pat