ST ist in mehrfacher Weise ein notwendiges Korrektiv.
Es versucht die Einseitigkeit in der innerthailändischen Medienlandschaft in ihren Außenwirkungen zu korrigieren. Die Einseitigkeit hat verschiedene Ursachen. Die wichtigste dürfte die Tradition sein, der jeweiligen Regierung zu viel Einfluß auf TV-Medien zu gewähren. Von den Radio-Stationen, die überwiegend im Besitz des Militärs sind ganz zu schweigen. Deshalb findet man in Thailand auf einigen TV-Sendern wirklich so etwas, was wir in D als reine Regierungs-Propaganda ansehen würden und eigentlich dort nur zulassen, wenn es um das Amt des Regierungssprechers geht. Aber einen Merkel-Sender? Nein, Danke.
Viele Zeitungen in Thailand geben sich zwar unabhängig und unparteiisch, sind es aber realiter nicht. Hat auch seine ganz bestimmten historischen Gründe. Um als politische Gruppierungen etwas dagegen setzen zu können, wenn man nicht selbst gerade die Kontrolle qua Regierung über die Medien ausübt, sind Gruppierungs-Eigene Medien gegründet worden. Sowohl auf Gelber wie auf Roter Seite. Was aber das Problem der fehlenden Neutralität in der Medienberichterstattung nicht lindert, sondern auf eine neue Stufe bringt.
Der gebürtige Deutsche hat mit den thailändischen Medien halt zumeist das Problem, dass er die entweder überhaupt ignoriert oder nicht versteht. Das war vor einigen Jahrzehnten bei den Auswanderern noch anders. Die konnten in relativ kurzer Zeit die Landessprache auch lesen. Da es dann auch noch oft an den benötigten Englisch-Kenntnissen hapert, entstehen in Thailand so merkwürdige Enklaven von Deutschstämmigen, die alles, was sie über Thailand wissen, zumeist aus dem "Farang" entnommen haben. Halten sie sich in D auf, dann sind sie auf Informationen aus 3. oder 4. Hand angewiesen, die deutsche Lokalzeitungen aufgrund von fremden Agentur-Berichten zusammenbasteln. Oftmals Glücksache wie beim Besinnungsaufsatz.
Für diese ist ST eine wahre Bereicherung. Weil die Leute sich dort die große Mühe machen, sehr verschiedene Quellen ins Deutsche zu übersetzen. Somit kann dann auch dieses Klientel dasjenige tun, was man immer für das Lesen von Berichterstattungen über Länder mit verschiedenen Formen der Zensur empfiehlt: Das Verfolgen verschiedener Quellen.
Und wer selbst das nicht kann, also nicht erkennen kann oder will, dass man identische Sachverhalte je nach politischer Grundüberzeugung unterschiedlich bewerten kann, ja dem ist dann selbst mit ST nicht mehr zu helfen. Einsicht zeigen in die Erkenntnis, dass man - wäre man mit einer Nigerianerin verheiratet - sich ja auch nicht für deren Innenpolitik interessieren würde. Rückkzug ins Unpolitische. Es gibt ja Alternativen: Skatrunden sind in Thailand auch sehr beliebt.