Organspende

Diskutiere Organspende im Literarisches Forum im Bereich Thailand Forum; Namen und Örtlichkeiten sind frei erfunden. Alle Ähnlichkeiten mit lebenden Personen oder existierenden Schauplätzen sind zufällig. Die Handlung...
moselbert

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Namen und Örtlichkeiten sind frei erfunden. Alle Ähnlichkeiten mit lebenden Personen oder existierenden Schauplätzen sind zufällig. Die Handlung soll sich aber so oder ähnlich bereits irgendwo auf der Welt zugetragen haben.

Meine Frau erzählte mir vor wenigen Tagen, dass es so einen Fall irgendwo in Asien vor kurzem gegeben habe. Sie hatte es in den Nachrichten gehört. Daraufhin entschloss ich mich, daraus eine Kurzgeschichte zu machen.



Organspende


I

Ingenieur kann doch ein schöner Beruf sein. Wenn man Auslandsprojekte betreuen muss, kommt man viel in der Welt herum. Und so lernt man interessante Länder, Kulturen und Menschen kennen. Nur verheiratet zu sein, wäre in diesem Fall nicht so gut gewesen. Zum einen hätte die Frau mehrere Monate im Jahr alleine zu Hause gesessen. Zum anderen lernte man in der Fremde öfters nette Frauen kennen, bei denen es nicht immer bei einem Gespräch blieb. Man musste im Zeichen von AIDS natürlich vorsichtig sein, aber die Latexindustrie hatte ja ausreichend Schutz in ihrem Angebot.

Nicht, dass ich unbedingt auf ein Abenteuer aus war. Aber manchmal ergab es sich halt so.

Meine Firma hatte mich für ein paar Monate nach Thailand geschickt. Hier in Bangkok bauten wir an einer neuen Stadtautobahn mit. Die Hauptstadt Thailands war schon ein richtiger Moloch. Verkehr bis zum Abwinken, die öffentlichen Verkehrsmittel waren meist Taxen und Busse und bewegten sich natürlich auch auf den Straßen der Stadt. In manchen Straßen ging die morgendliche Rushhour nahtlos in die nachmittägliche über. Nur tief in der Nacht und am Wochenende sank die Anzahl der Autos und der Verkehr floss einigermaßen zügig.

Ich bestellte mir noch ein Bier. Ich hatte mich in eine Karaoke Bar in der Sukhumvit Straße gesetzt und genoss den Feierabend. Am morgigen Samstag und am Sonntag hatte ich ausnahmsweise mal zwei freie Tage am Stück. Einige der einheimischen Arbeiter, die an der Autobahn mitbauten, hatten dieses Vergnügen nicht. Jeweils zehn Stunden an sieben Tagen in der Woche arbeitete so mancher. Zwar hatte der Staat Vorschriften erlassen, was die maximale Zahl der Arbeitsstunden pro Woche angeht. Aber sogar in Deutschland gab es gewaltige Unterschiede zwischen Vorschriften und der Wirklichkeit. Gerade auf dem Bau.

Das Bier kam. Es hieß Singha und schmeckte eigentlich sehr gut. Ich konnte mich nicht beklagen. Ich lächelte der Bedienung zu und lauschte den vergeblichen Versuchen der Einheimischen und der Fremden, ihren Kehlen zur Hintergrundmusik passende Töne zu entlocken. Dieter Bohlen hätte hier mit Sicherheit seine Freude gehabt. Wahrscheinlich wären ihm aber bald die dummen Bemerkungen ausgegangen.

Okay, vielleicht wäre es das nächste Mal besser, eine richtige Musikkneipe aufzusuchen, von denen es in Bangkok auch einige gab, wie ich mir hatte sagen lassen. Alt würde ich hier nicht werden, das wusste ich. Dennoch war es erstaunlich voll. Es gab kaum noch freie Plätze. Karaoke war bei Asiaten anscheinend sehr beliebt. Ob die Touristen, die hier anwesend waren, auch noch einmal wiederkommen würden, bezweifelte ich.

„Ist hier noch frei?“ fragte eine weibliche Stimme auf Englisch.
 
moselbert

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II

„Selbstverständlich.“ antwortete ich.

Eine etwa 30 jährige Asiatin setzte sich an meinen Tisch. Ich schaute sie an. Sie hatte schulterlanges Haar, schwarz, wie es sich für Asiaten gehörte. Sie war etwa 1.65 groß, schlank, aber nicht zu schlank. Ihr Gesicht war das eines Engels. Die goldbraune Hautfarbe, die schmalen Lippen, der leicht lächelnde Mund, die mandelförmigen Augen, die allerdings etwas unruhig wirkten.

Das war eine Bekanntschaft, bei der ich hoffte, dass es nicht nur bei einem Gespräch blieb. Ich hatte eigentlich vorgehabt, nach diesem Bier zu gehen, aber jetzt disponierte ich kurzfristig um. Mal sehen, was sich entwickelte.

Sie bestellte sich eine Cola mit Rum. Wir kamen ins Gespräch. Sie erzählte, sie sei aus Taiwan und habe beruflich in Bangkok zu tun. Sie sei in der Konfektionsbranche als Einkäuferin tätig. Und jetzt sei sie in diese Karaokebar gekommen, weil sie Karaoke liebe. Da waren wir allerdings unterschiedlicher Ansicht. Mir gefiel der Laden hier nicht mehr. Sie meinte allerdings, Karaoke mache Spaß. Es müsse ja nicht immer alles so perfekt sein. Bei der Arbeit komme es auf Perfektion an, in der Freizeit könne man es ja ein bisschen lockerer angehen lassen.

Sie war eine Frau, mit der man sich wunderbar unterhalten konnte, wie ich feststellte. Und auch ihre körperlichen Reize wirkten auf mich. Ich merkte schon, wie sich unten bei mir etwas regte.

Aber sie war ja kein Barmädchen, keine Prostituierte, die freiwillig zu mehr bereit war als zu einem Gespräch. Wie sollte ich es einer taiwanesischen Geschäftsfrau klar machen, dass ich sie begehrte? Mir war klar, dass es nur ein one - night - stand werden würde. Vielleicht auch zwei oder drei Nächte. Je nachdem wie lange sie beruflich in Bangkok zu tun haben würde. Morgens noch ein gemeinsames Frühstück mit ihr, dann würde mir die Arbeit in den nächsten Tagen wesentlich leichter von der Hand gehen.

Sie fasste sich an den Kopf.

„Entschuldigen Sie, ich habe einen leichten Schwindelanfall. Ich muss mal kurz auf die Toilette.“

Sie stand auf und verschwand. Asiaten vertrugen nicht so viel Alkohol, das hatte ich schon gehört. Aber ein Glas Cola mit Rum, das war doch eigentlich nichts. Schade, dann würde es wohl doch nichts mit einem näheren Kennenlernen. Ich hatte mich schon so gefreut.

Sie kam zurück und nahm wieder Platz.

„Würde es Ihnen etwas ausmachen, wenn Sie mich zu meinem Hotel begleiten würden? Ich fühle mich nicht so besonders und es wäre vielleicht besser, wenn ich zu Bett gehen würde. Außerdem habe ich meine Tabletten im Zimmer vergessen. Sie können dann anschließend ja hierhin zurück oder in Ihr Hotel. Den Umweg mit dem Taxi werde ich Ihnen natürlich bezahlen.“

„Das Bezahlen ist nicht nötig. Wenn Sie eine starke Hand oder eine beschützende Schulter brauchen, bekommen Sie meine gerne.“

„Vielen Dank. Das finde ich sehr nett von Ihnen.“
 
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@ moselbert
:super: so weit so gut,
"spende" jetzt aber ruhig weiter :computer:
 
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MenM" schrieb:
... "spende" jetzt aber ruhig weiter :computer:
Ich fahre gerade zweigleisig, vielleicht hätte ich erst die eine Geschichte beenden sollen, bevor ich die andere anfange.
Keine Bange, die Geschichte ist schon fertig, aber ich kann Euch ja nicht alle Happen auf einmal hier auftischen, dann verschluckt Ihr Euch vielleicht. Also schön nacheinander.
:wink:
 
Sakon Nakhon

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Dafür hat Roger jetzt wohl Urlaub? :-(
 
moselbert

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Sakon Nakhon" schrieb:
Dafür hat Roger jetzt wohl Urlaub? :-(
Bei Roger darfst Du selber mitschreiben. Los, los! Auf auf! Schreib, schreib! Nicht meckern, schreiben.

Für diesen Schmarrn hier bin ich selber verantwortlich.

:wink:
 
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III

Wir bezahlten unsere Getränke und gingen. Auf der Straße stand ein Taxi. Der Fahrer hatte mit zwei Passanten eine lebhafte Diskussion. Die beiden Personen wandten sich wütend vom Wagen ab. Meine Begleiterin zog mich zu diesem Taxi.

„Sehr praktisch. Hier ist gerade eines frei. Dann brauchen wir nicht zu warten.“

Sie öffnete die Tür und setzte sich auf den Rücksitz. Ich folgte ihr. Sie nahm eine thailändische Visitenkarte aus ihrer Handtasche und reichte sie dem Fahrer. Dieser schaute sie an, gab sie ihr wieder zurück, sagte so etwas wie „Krab, krab.“ und fuhr los. Die beiden Passanten auf der Straße schauten uns mit ziemlich bösen Blicken an.

„Was die wohl haben.“ bemerkte ich. Ich fuhr fort: „Was ist das für eine Visitenkarte?“

„Die hat mir das Hotel gegeben. Wenn ich die den Taxifahrern zeige, wissen sie, wo es lang gehen soll. Hier kann ja nicht jeder Englisch. Wir bekommen von unserer Firma ein Vertragshotel genannt, das liegt etwas außerhalb. Wundern Sie sich also nicht, dass es etwas länger dauert, bis wir dort sind.“

Sie stutzte und nahm ein Pillendöschen aus ihrer Tasche. „Ach, hier sind ja die Tabletten. Sie müssen wissen, ich habe einen etwas schwachen Kreislauf und ab und zu brauche ich ein Medikament. Können Sie den Fahrer mal fragen, ob er Wasser hat?“

„Mister.“ Ich tippte dem Fahrer auf die Schulter. Er schaute mich im Rückspiegel an. „Water. Do you have water?“ Er schien nicht zu verstehen. Ich machte eine Geste des Trinkens. „Naam, krab, krab. Diau, diau, krab.“ Er griff an die Vorderseite seines Sitzes. Offenbar hatte er dort eine Halterung für Wasserflaschen anbringen lassen. Er reichte mir eine Flasche nach hinten. Sie war noch verschlossen.

„Krab.“ antwortete ich. Der Fahrer grinste mir durch den Rückspiegel zu.

„Sie können Thai?“ fragte meine Begleiterin.

„Nein. Aber der Fahrer hat dieses „krab“ so oft benutzt, dass es sicher etwas positives sein muss.“ Ich öffnete die Flasche und gab sie ihr.

„Danke, vielen Dank.“ Sie nahm eine Tablette aus dem Döschen und nahm sie mit ein paar Schlucken Wasser ein. „Was machen wir mit der angebrochenen Flasche?“ fragte sie.

„Ich mache sie erstmal zu.“ Danach wollte ich dem Fahrer die Flasche wiedergeben. Er schüttelte den Kopf. „Mai pen rai, mai pen rai, krab.“ sagte er.

„Er will sie wohl nicht wieder zurück.“ bemerkte ich.

Wir fuhren durch das dunkle Bangkok. Ihr Hotel lag wirklich ziemlich außerhalb. „Ist es noch weit?“ wollte ich wissen.

„Es tut mir Leid, dass ich Sie jetzt ganz umsonst mitgenommen habe. Ich hätte etwas genauer in meiner Tasche nachschauen sollen.“

„Oh, das braucht Ihnen nicht Leid zu tun. Das mache ich gerne. Man fährt ja nicht jeden Tag mit so einer sympathischen Begleitung durch die Gegend. Von mir aus kann es noch ein bisschen dauern.“
 
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IV

„Macht es Ihnen etwas aus, wenn wir in meinem Hotel noch einen Schluck gemeinsam trinken? So quasi als Entschädigung.“

„Es wird mir eine Freude sein.“ sagte ich wahrheitsgemäß. „Ich habe mich noch gar nicht vorgestellt, entschuldigen Sie. Ich heiße Ingolf.“

„Mein Name ist Maizheng Hua. Alle nennen mich Mai.“

Nach einiger Zeit hielt das Auto in einer recht einsamen Gegend. Von der Hauptstraße war das Taxi in eine Seitengasse abgebogen. Dort nach etwa 200 Metern hielt es vor einem dreistöckigen, etwas längeren Gebäude. Mai bezahlte.

„Kommen Sie.“ sagte sie.

Wir stiegen aus und betraten das Hotel. Im kleinen Eingangsbereich standen ein paar Sessel herum. Ein Portier saß an der Rezeption und war eingenickt.

Mai schlug auf die Glocke und der Portier fuhr erschocken auf. Er sah uns an, als hätte er zwei Gespenster vor sich.

„Zimmer 112, bitte.“

Mit zittrigen Händen griff er an das Schlüsselbrett und reichte ihr den gewünschten Schlüssel.

„Was möchten Sie trinken, Ingolf?“ fragte Mai. Sie zwinkerte mir zu. „Da es hier keine Bar gibt, ist es vielleicht besser, wir nehmen den gemeinsamen Schluck auf dem Zimmer. Cola mit Rum?“

„Ja, gerne.“ Sie bestellte das Gewünschte beim Portier.

Na, die ganze Geschichte lief ja in eine sehr erfreuliche Richtung. Und nach ihrer Reaktion zu urteilen, schien sie auch gegen etwas mehr als einen Schluck Cola mit Rum nichts einzuwenden zu haben. Ich griff in meine Jacketttasche. Die Pariser aus London waren an ihrem Platz, stellte ich beruhigt fest.

Wir gingen die Treppe hoch in den ersten Stock. Das Zimmer befand sich am Ende des Ganges. Sie öffnete mit dem Schlüssel. Ich trat ein und war überrascht. Das Zimmer war komfortabler als ich es in diesem Hotel erwartet hatte. Es gab einen kleinen Flur. Von diesem ging eine Tür ins Bad mit einer richtigen Badewanne und einer zusätzlichen Dusche. Eine weitere Tür führte ins großzügig dimensionierte Zimmer. Dort gab es ein Bett auf der einen Seite. Auf der anderen Seite standen Sitzecke, Tisch und Fernseher. Ein Kleiderschrank war auch noch vorhanden.

„Hier kann man es aushalten, nicht war? Es ist zwar etwas außerhalb, aber durchaus komfortabel. Und zudem auch preiswert. Setzen Sie sich, Ingolf.“

Ich legte mein Jackett ab und nahm auf der Sitzecke Platz. Es klopfte an der Tür. Mai öffnete. Der Portier brachte eine große Flasche Cola, eine kleine Flasche Rum sowie zwei Gläser auf einem Tablett. Mai nahm das Tablett an und brachte es an den Tisch. Der Portier schaute mich mit großen Augen an und schloss die Tür.

„Ich mache mich etwas frisch. Ich komme sofort wieder.“ Mai verschwand im Bad. Ich lehnte mich gemütlich zurück. Das waren die Momente, die mir bei den Auslandsreisen am liebsten waren. Leider kamen sie doch zu selten vor. Heute hatte ich richtig Glück gehabt.
 
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V

Mai kam wieder zurück. Sie ging zum Fernseher. Unter diesem war ein Radio, das sie einschaltete. Sie stellte es leise ein. Die Musik bildete ein sanftes Hintergrundgeräusch.

„Darf ich Ihnen einschenken?“ fragte ich.

„Gerne, Ingolf.“

Ich öffnete die Flaschen und gab von beiden etwas in jedes Glas. Bei den Gläsern merkte man schon, dass das Hotel vom Service her nicht zu den besseren gehörte. Der Portier hatte zwei unterschiedliche gebracht. In einem richtig guten Hotel wäre das nicht passiert. Aber das war beim jetzigen Stand der Dinge doch völlig egal.

Mai setzte sich neben mich. Wir prosteten uns zu.

„Sind Sie verheiratet, Ingolf?“

„Nein. Das ist bei meinem Beruf, der mich viel durch die Welt führt nicht so gut. Zum einen würde die Frau mehrere Monate im Jahr alleine zu Hause sitzen. Zum anderen, ach, lassen wir das. Und Sie?“

„Ich bin auch nicht verheiratet. Ich wollte lieber Karriere machen. Außerdem bin ich nicht hübsch genug.“

„Bitte? Sie machen Witze. Ich finde Sie ausgesprochen attraktiv.“

„Danke, Ingolf. Sie sind sehr freundlich. Aber in meiner Familie bin ich wirklich die hässlichste von 4 Schwestern.“

„Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass Sie noch hübschere Schwestern haben. Ehrlich.“

„Sie sind wirklich sehr freundlich. — Oh, mir wird etwas schwindelig. Vielleicht doch der Alkohol. Leihen Sie mir mal ihre Schulter, bitte?“

Ohne auf meine Antwort zu warten, hatte sie sich an mich gekuschelt und die Augen leicht geschlossen. Ich schaute sie an. Nicht hübsch, hatte sie gesagt. Mag sein, dass es in ihrer Familie ein Schönheitsgen gab und dass alle so hübsch waren. Aber so wie sie da an meiner Schulter angelehnt saß, konnte ich mir kein hübscheres Wesen vorstellen als sie. In dem Moment öffnete sie ihre Augen. Unsere Blicke trafen sich. Ich beugte mich zu ihr herunter und küsste sie auf die Stirn.

„Mai, Du bist so schön.“ sagte ich. Sie lächelte. Meine Lippen näherten sich den ihren. Wir küssten uns intensiv. Unsere Zungen umspielten einander.

Man mag mich für ein bisschen verrückt halten, aber so manchmal glaube ich, dass der erste Kuss, den man mit einer begehrenswerten Frau austauscht, fast das Schönste an der ganzen Beziehung ist. Sozusagen der Aperitif auf das Kommende. Das Herz beginnt zu rasen, die Hitze steigt zu Kopf und man vergisst die ganze gute Erziehung. Ob es den Frauen ähnlich geht? Keine Ahnung.
 
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VI

Engumschlungen saßen wir auf dem Sofa. Unsere Hände hatten inzwischen den Weg unter Bluse und Hemd des Anderen gefunden. Ich nestelte an ihrem BH, während sie langsam mein Hemd aufknöpfte.

„Du hast ja ein richtiges Fell auf der Brust.“ lachte sie. „Asiaten haben da meist eine Wüste.“

„Dafür fällt bei mir oben schon mal öfter was aus.“ antwortete ich.

Inzwischen hatte ich sie von BH und Bluse befreit. Ihre kleinen apfelgroßen Brüste waren zum Anbeißen. Mai spielte mit meinen Brusthaaren und näherte sich mit den Händen meinem Lendenbereich. Als sie zwischen meinen Beinen angekommen war, hielt sie inne.

„Ich scheine Dir ja wirklich zu gefallen.“ sagte sie. Sie stand auf und bewegte sich tänzerisch um den Tisch herum. „Bleib sitzen, Ingolf. Ich werden Dir noch eine Show bieten.“

Passend zur Musik tanzte sie und öffnete ihre Jeans. Langsam ließ sie das Kleidungsstück fallen. Ihr Körper hielt auch weiter unten, was die Jeans versprochen hatte. Schließlich zog sie auch den Slip aus und warf ihn mit einer lässigen Handbewegung in meine Richtung.

„Mal sehen was er dazu sagt.“ lachte sie und winkte mir. Ich stand auf und ging zu ihr hin. Gekonnt öffnete sie meine Hose und zog sie mitsamt dem Slip herunter.

„Ihm gefällt es anscheinend. Komm, lass uns Duschen.“ Sie fasste mich an die Hand und zog mich ins Bad. Sie bewegte den Mischhebel und das Wasser kam angenehm temperiert aus dem Duschkopf. Wir stellten uns unter das Wasser und seiften uns ein. Nach dem Duschen wickelten wir uns in Badetücher.

„Moment, ich gehe vor.“ sagte sie geheimnisvoll. Sie verschwand aus dem Bad. Kurze Zeit später rief sie, ich könne jetzt kommen. Ich ging ins Zimmer. Mai lag schamhaft zugedeckt im Bett und lächelte mir zu. Die Gläser hatte sie neu gefüllt auf den Nachttischchen abgestellt. „Komm Ingolf.“ lockte sie.

Da konnte und wollte ich nicht widersprechen. Ich warf mein Badetuch auf den Boden und huschte zu ihr unter die Decke.

Ich nahm mein Glas. „Auf einen wundervollen Abend.“ sagte ich. Sie nahm das ihre. Wir stießen an, stellten sie wieder auf den Tischchen ab. Wir kuschelten uns aneinander, streichelten uns, küssten uns an allen möglichen und unmöglichen Stellen. Wir liebten uns in allen möglichen und unmöglichen Stellungen.

Irgendwann dachte ich mal kurz an die Präservative, die irgendwo unbenutzt in der Jackettasche schlummerten und heute umsonst auf ihren Einsatz warteten. Ja, es gibt Situationen wo ein Mann sein Gehirn ausschaltet und in die sklavische Abhängigkeit von seinem Geschlechtsteil gerät. Und in diesem Moment empfindet der Mann keine Reue. Vielleicht kommt dann in den Zeiten von AIDS später das böse Erwachen.

Ich war in der Phase des Genießens und verschwendete keinen Gedanken an die Zukunft. Ich liebte die schönste Frau der Welt, Mai. Sie liebte mich. Unterdrückte Schreie der Ekstase zogen durch den Raum. Am Ende fiel ich in einen wohligen entspannenden Schlaf.
 
moselbert

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VII

Als ich wieder aufwachte, war mir kalt. Ich zitterte am ganzen Körper. Kein Wunder, denn nackt wie ich war, lag ich in der Badewanne. Ein Gemisch aus Wasser und Eis umspülte meinen Körper. Ich wollte mich aufrichten, rutschte allerdings wieder zurück. Wie ich jetzt erst merkte, waren meine Hände und Füße gefesselt.

Ich schaute mich um. Auf dem Toilettendeckel stand eine Schachtel aus Styropor. Sie war halb geschlossen. Auf dem Boden lag ein geöffnetes Köfferchen mit Scheren und Messern. Es erinnerte irgendwie an ein Arztbesteck.

Ich hörte Stimmen aus dem Zimmer. Zum Glück sprachen sie Englisch. Ich erkannte Mai. Sie redete mit zwei Männern. Gesprächsfetzen gelangten an mein Ohr.

„Er war wirklich sehr nett. Es ist das erste Mal, dass ich es bedauere.“ hörte ich Mai sagen.

„Irgendwann würdest Du Dich in ein Opfer verlieben, das hatten wir befürchtet. Aber das geht vorbei. Außerdem werden wir gut bezahlt.“ erwiderte einer der Männer.

„Ist alles vorbereitet?“ fragte der zweite Mann.

„Ja. Wir können gleich anfangen.“ antwortete der erste. „Mal sehen, wie seine Nieren sind. Es wäre schade, wenn sie kaputt wären. Aber er ist in der Blüte seiner Jahre. Ich habe eigentlich keine Bedenken. Eine halbe Stunde, dann haben wir die Nierchen, für die manche gutes Geld bezahlen. Den Rest entsorgen wir dann wie gehabt. In kleine Stücke teilen und den Krokodilen in der Farm geben.“

Mir lief ein Schauer den Rücken herunter. Ich nestelte an den Handfesseln. Zum Glück waren die Schnüre nicht allzu fest angezogen. Mit ein bisschen Mühe bekam ich meine Hände frei. Jetzt war es kein Problem auch die Füße zu befreien. Vorsichtig stieg ich aus der Wanne. Was nun?
 
ChangLek

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.....spannend, eine tolle Geschichte. :computer:


Ab sofort jeden Morgen Nierenappel. ;-D
 
moselbert

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VIII

Langsam öffnete ich die Badezimmertür. Die Tür zum Zimmer stand dummerweise offen. Die Tür zum Hotelflur war natürlich geschlossen. Der Schlüssel steckte von innen. Jetzt musste alles ganz schnell gehen.

Ich stürzte aus dem Bad, drehte mit der Hand den Türknauf. Die Tür ließ sich einfach öffnen.

„S.heiße!“ rief einer der Männer. „Er flieht.“

Ich rannte auf den Flur und in Richtung Treppe. Hinter mir hörte ich eilige Schritte. Meine Verfolger. Am schlafenden Portier hastete ich vorbei und riss die Hoteltür auf. Ich lief so wie Gott mich geschaffen hatte auf die Nebenstraße. Es war dunkel und niemand war unterwegs. Die schwülwarme Nacht erwärmte meinen ausgekühlten Körper langsam. Ich rannte so schnell ich konnte die Nebenstraße herunter, wobei ich mit einer Hand meinen Schritt vor eventuellen Blicken verbarg, und erreichte nach 200 Metern die Hauptstraße, eine mehrspurige Stadtautobahn mit Grünstreifen. Ich wandte mich nach links, weil dort ein leuchtendes Rotes Kreuz auf ein nahes Hospital hinwies.

Nach einigen Metern hielt ein Streifenwagen neben mir an. Man bedeutete mir stehenzubleiben. Vor Angst schlotternd stand ich nun da und wartete was passieren sollte. Ein Polizist stieg aus, öffnete den Kofferraum des Wagens und nahm eine dunkle Decke aus dem Wagen. Ich legte sie mir um.

„Danke.“ stammelte ich. Der Polizist, wohl des Englischen nicht mächtig, machte Zeichen, dass ich einsteigen solle. Dann fragte er etwas, was ich nicht verstand.

„Ich spreche kein Thai. Nur Englisch und Deutsch.“!

„Ankrit?“ fragte er.

„Nein, nur Deutsch und Englisch. Können Sie mich in ein Hospital oder eine Klinik fahren?“

„Klinik? Klinik, krab, krab.“ Er sagte etwas zu seinem Kollegen und zeigte dabei auf das Gebäude mit dem Roten Kreuz in einiger Entfernung. Dieser fuhr daraufhin los. Der andere holte das Funkgerät heraus und machte Meldung.
 
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IX

Dienststellenleiter Wirapat vom Polizeirevier Omnoi bekam in jener Nacht eine etwas seltsame Meldung von einem seiner Streifenwagen. Sie hätten einen unbekleideten Ausländer auf der Petkasem aufgefunden. Sie seien auf dem Wege in das Krankenhaus. Der Ausländer könne kein Thai. Sie hofften, dass zum einen dem Mann im Krankenhaus geholfen werde könne, und sich zum anderen eventuell jemand mit Sprachkenntnissen in der Klinik aufhalten würde.

Der Fall war so ungewöhnlich, dass sich Wirapat entschloss, selber nach dem Rechten zu sehen. Außerdem konnte er ganz leidlich Englisch sprechen. Er sagte seinen Untergebenen Bescheid und setzte sich auf sein Motorrad. Kurze Zeit später war er an der Klinik. Er sah den Streifenwagen. Ein Polizist saß drinnen.

„Wo ist der Ausländer?“ fragte er.

„In der Klinik. Mit meinem Kollegen.“

„War er betrunken?“

„Nein. Er schien etwas unter Schock zu stehen, aber er konnte uns nicht sagen, was passiert ist. Vielleicht ist ja oben jemand der Englisch kann.“

„Danke, warten Sie hier.“ Wirapat betrat das Gebäude. Am Empfang sagte ihm eine Krankenschwester, dass der Fremde und der Polizist am Ende des Ganges in einem Zimmer auf einen Arzt warteten.

Wirapat machte sich auf den Weg. Kurz vor dem angegebenen Raum, traf er auf einen Arzt, der mit großen Schritten auf das gleiche Zimmer zusteuerte.

„Herr Doktor, darf ich mich Ihnen anschließen? Ist dort der Fremde drin?“

„Ja. Kommen Sie.“ Der Arzt öffnete die Tür. Wirapat sah seinen Kollegen mit einer Decke auf einem Stuhl sitzen. Ein Farang lag auf einer Liege, mit einem Nachthemd des Krankenhauses bekleidet. Der Arzt wandte sich dem Fremden zu. Wirapat fragte seinen Kollegen was passiert war.

„Die Schwestern haben ihm ein Nachthemd gegeben. Wir hatten ihn zunächst in unsere Hundedecke eingewickelt. Er macht einen sehr nüchternen aber auch geschockten Eindruck.“

„Vielleicht hat ihn ein Bargirl ausgeraubt. Die Farangs sind immer so unvorsichtig.“

Der Arzt wandte sich Wirapat zu.

„Ihm fehlt nichts. Er ist ein bisschen erregt, geschockt, und unterkühlt. Aber das gibt sich von selber. Sie können Ihn befragen.“ Er verließ den Raum.
 
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X

Wirapat holte sein Englisch aus der Schublade und fragte den Fremden was passiert war. Er erzählte eine sehr abenteuerliche Geschichte. Eine sehr unglaubwürdige zudem.

„Sind Sie soweit fit, uns zu dem Hotel zu geleiten?“ fragte er den Fremden.

„Ich hoffe. Wir können es versuchen.“

„Können Sie in diesem Nachtkittel mitkommen? Oder macht Ihnen das etwas aus?“

„Nein. Wenn wir das Hotel finden, müssten meine Sachen ja auch noch da sein.“

„Wissen Sie was? Ich glaube Ihnen die ganze Geschichte nicht. Aber wir gehen jedem Hinweis nach. Vielleicht sind Sie auch nur ausgeraubt worden. Das wäre allerdings schlimm genug. Los, gehen wir.“

Die beiden Polizisten verließen mit Ingolf zusammen die Klinik. Sie setzten sich zu dem draußen wartenden Kollegen in den Wagen, bis auf Wirapat, der sein Motorrad bestieg. Zunächst wollten die Polizisten zu der Stelle fahren, wo sie Ingolf aufgegabelt hatten. Kurz vorher erkannte er die Einmündung. Er machte Zeichen und der Polizeiwagen bog ab. Nach 200 Metern ließ Ingolf das Auto vor dem Hotel halten.

Wirapat stieg vom Motorrad und bedeutete Ingolf, zu ihm zu kommen. Die beiden Streifenpolizisten holten ihre Pistolen aus dem Gürtel und entsicherten sie. Mit vorgehaltener Waffe betraten sie das Gebäude. Wirapat folgte mit Ingolf in einem kleinen Sicherheitsabstand. Die Waffen waren aber nicht vonnöten. Bis auf einen schlafenden Portier sahen die Polizisten niemanden. Wirapat weckte den Portier. Dieser schrak auf und schaute ziemlich verdattert drein. Als sein Blick auf Ingolf fiel, fing er an zu betteln.

„Tun Sie mir nichts. Ich kann doch nichts dazu. Die hätten mich doch sonst umgebracht.“

„Wer wollte sie umbringen? Dieser Farang hier?“

„Nein, die anderen. Ach, bin ich nervös. Sie gestatten, dass ich einen Schluck nehme.“

„Erstmal gehen Sie vor und schließen uns das Zimmer auf, wo der Farang gewesen ist. Aber ein bisschen hopp hopp.“

„Ja, ja.“ Der Portier beeilte sich hinter dem Tresen hervorzukommen und ging die Treppe hinauf. An der Tür von Zimmer 112 angekommen, steckte er den Universalschlüssel in das Schlüsselloch. Die Tür ging nicht auf.

„Ein Schlüssel steckt von innen.“ erklärte er.

Die beiden Streifenpolizisten stellten sich vor die Tür. Die anderen Personen hielten sich etwas im Hintergrund. Ein Polizist trat die Tür ein, der andere stürmte mit Pistole im Anschlag in das Zimmer.
 
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Sie öffneten alle Türen, aber es war niemand da.

„Okay, kommen Sie.“ forderte Wirapat sowohl den Portier als auch Ingolf auf. Sie folgten ihm ins Zimmer. Wirapat bemerkte ein zerwühltes Bett, einige Gläser, ein paar Kleidungsstücke.

„Sind das Ihre?“ fragte er Ingolf. Dieser nickte. „Okay, ziehen Sie sich ordentlich an, aber sonst fassen Sie nichts an, vor allem die Gläser nicht.“ Er wandte sich dem Portier zu. „Und nun erzählen Sie mal. Was meinen Sie, ist hier wohl passiert?“

„Vor einigen Monaten kamen Gäste ins Hotel. Es waren mehrere. Eine sehr schöne Frau, ein Arzt und ein anderer Mann. Sie empfahlen mir, über alles was ich in den nächsten Wochen und Monaten hier an Ungewöhnlichem erleben würde, zu schweigen und vor allem der Polizei nichts zu sagen. Ansonsten wäre ich die längste Zeit Portier gewesen. In den folgenden Monaten kam immer mal wieder die Frau mit irgendwelchen ausländischen Männern vorbei. Sie ließ sich das Zimmer 112 geben, das ich auf Anweisung der Personen auch nicht mehr an andere Gäste vermieten durfte. Die männlichen Begleiter habe ich alle nie wieder gesehen. Wenn die Frau mit ihrem Begleiter im Zimmer verschwunden war, kamen etwas später offenbar nach dem Anruf der Frau die anderen Männer vorbei. Sie hatten jedes Mal Plastiksäcke mit Eis dabei. Einmal habe ich sie unfreiwillig belauscht. Sie unterhielten sich darüber, wie viel Geld sie wohl für einige Organe des Opfers bekommen würden. Herr Kommissar, Sie müssen mir glauben, ich hatte Angst um mein Leben.“

„Ich glaube Ihnen.“ Wirapat wandte sich Ingolf zu, der sich wieder angekleidet hatte. „Ihnen glaube ich inzwischen auch. Ich hatte ja anfangs Bedenken, weil mir die Geschichte zu abenteuerlich erschien. Aber es gibt Dinge, die sind schlimmer als die Phantasie sie es sich ausmalen kann. Entschuldigen Sie bitte.“

„Gern. Ich bin froh, dass ich da lebend wieder herausgekommen bin.“

„Offenbar hat man Ihnen KO Tropfen im Getränk verabreicht. Was wohl mit den Opfern geschehen ist.“ sinnierte er.

„Ich habe gehört, dass die Kerle sagten, sie wollten meinen Körper zerkleinern und den Krokodilen vorwerfen. Welch ein Gedanke! Grässlich!“

„Hm, ja. Krokodile. Das ist natürlich eine Möglichkeit. Da bleiben keine Überreste.“

Wirapat nahm sein Funkgerät und forderte einige Spezialisten der Spurensicherung aus Samut Sakhon an. Kurze Zeit später bekam er einen Rückruf. Danach wandte er sich Ingolf zu.

„Haben Sie morgen Zeit?“

„Ja, morgen ist Sonntag, da habe ich frei.“

„Sie sind kein Tourist?“

„Nein, ich bin Ingenieur und arbeite mit an einem Autobahnprojekt.“

„Na gut. Dann kommen Sie doch bitte am Sonntag zur weiteren Vernehmung nach Samut Sakhon.“

„Nicht nach Bangkok?“

„Nein, wir sind hier nicht mehr in Bangkok. Sie wohnen in Bangkok? Darf ich Sie in Ihr Hotel bringen?“

„Danke, das ist sehr freundlich von Ihnen. Ich wüsste nicht, wie ich jetzt mitten in der Nacht dorthin finden sollte.“
 
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Mosel / BKK-Nongkaem
XII

Am Sonntag hatte ich mich dann auf den Weg zur Polizei in die benachbarte Provinz gemacht. Man stellte mir einige Fragen. Ich erzählte die Geschichte. Erinnern konnte ich mich noch sehr gut daran. Ich hatte keinen Filmriss oder eine Amnesie. Obwohl, die Geschehnisse waren so furchtbar gewesen, dass ich gerne eine solche gehabt hätte.

Inzwischen, so die Beamten, hätten Ermittlungen ergeben, dass in den vergangenen Monaten einige Ausländer spurlos verschwunden waren. Sie waren alle zuletzt in irgendwelchen Bars in der Sukhumvit Area gesehen worden. An eine Begleitung konnten sich nicht alle Zeugen erinnern. Aber wer sich erinnern konnte, beschrieb die begleitende Dame in etwa so wie ich. Sie vermuteten auch, dass der Taxifahrer, der uns aus der Stadt in das andere Hotel gefahren hatte mit eingeweiht gewesen war. Denn nach Angaben des Portiers habe er zu den betreffenden Zeiten öfter ein und dieselbe Taxe vor dem Hotel gesehen. Wenn er nicht gerade schlief. Nach seinen Aussagen waren es insgesamt etwa 8 bis 10 Opfer gewesen.

Mir lief es nachträglich noch eiskalt den Rücken herunter, wenn ich daran dachte, wie knapp ich dem Tode entkommen war. Ob es nun an meiner guten körperlichen Konstitution lag, ob mir Mai, absichtlich oder versehentlich, zu wenig KO Tropfen ins Getränk gegeben hatte, ob ich zu wenig getrunken hatte, ob sie zu spät ihre Kumpane herbeigerufen hatte, oder ob es einfach Zufall gewesen war. Auf jeden Fall war ich dem Tod noch mal im letzten Moment von der Schippe gesprungen.

Die Polizisten in Samut Sakhon sagten, sie hätten bereits das Ministerium von den Vorfällen unterrichtet. Von diesem hätten sie die Weisung erhalten, den Medien nichts von den Verbrechen zu erzählen, weil es schlecht für das Ansehen Thailands in der Welt sei. Außerdem würden eventuell die Einnahmen aus der Touristikbranche, die sowieso wegen der Vogelgrippe und den Unruhen im Süden in einem labilen Zustand waren, einen Einbruch erleiden. Auch mir legte man nahe, diese Vorgänge in meinem privaten Umfeld möglichst nicht zu erwähnen, der Presse hingegen bitte überhaupt keine Informationen zu geben. Denn sonst könnte es sein, dass ich meine Arbeit in Thailand nicht mehr ausüben könne. Man zwinkerte mir zu und ich verstand.

Am Montag ging ich dann wieder zur Baustelle an der Stadtautobahn. Ich war zwar körperlich fit, aber hatte dennoch die letzten beiden Nächte nicht besonders gut geschlafen. Das war verständlich. Meine Kollegen sahen auch, dass ich mich am Wochenende irgendwie verändert hatte.

„Na, was machen die Frauen?“ fragte mein bester Freund.

Ich traute mich, ihm in einer Pause die ganze Geschichte zu erzählen.

„Weißt Du, Ingolf, Du kannst ruhig sagen, wenn Du bei einer Frau nicht zum Zuge gekommen bist. Passiert mir auch ab und zu. Brauchst nicht so eine wilde Story zu erfinden.“

„Ach, das ist aber wahr. Alles so passiert.“

„Mensch, das hätte doch schon längst in den Zeitungen gestanden. Thailand hat doch eine unabhängige Presse.“

Ich sollte nicht die Wahrheit erzählen, sagte die Polizei. Und wenn ich sie erzählte, glaubte man mir nicht. Vielleicht war es aber auch gar nicht passiert und ich hatte alles nur geträumt? Hatte ich mich an einem Abend ohne Bekanntschaft sinnlos betrunken und Albträume gehabt?

Wie auch immer. Bei den nächsten Barbekanntschaften werde ich ein bisschen vorsichtiger sein.


E N D E


Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit.

Hier noch ein Hinweis für alle diejenigen, die noch nicht in Thailand waren und vielleicht von dieser Geschichte abgeschreckt werden könnten dorthin zu fahren:
Meine Frau bat mich dringend, darauf hinzuweisen, daß sich der dieser Geschichte zugrundeliegende Vorfall zwar in einem asiatischen Land abgespielt habe, daß es sich bei diesem Land aber nicht um Thailand handelt. Aus Thailand sind uns solche Vorkommnisse nicht bekannt.

:wink:
 
Tomad

Tomad

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moselbert" schrieb:
Aus Thailand sind uns solche Vorkommnisse nicht bekannt.
Und was sagt uns das jetzt?
Dass es dort nicht vorkommt, oder
dass dort die "Schweigepflicht" besser funktioniert?

Ist natürlich eine üble Geschichte, aber ich könnte mir ähnliches auch in dem ein oder anderen europäischen Land vorstellen. Was kann man machen :nixweiss:. Letzten Endes nichts, ein wenig vorsichtig sein, auf gleiche Gläser achten? - aber eine Garantie ist auch das nicht. Das Leben ist halt lebensgefährlich.

Danke für die Story.

Thomas
 
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