Offizieller Wikipedia Mißbrauch - Kuhmist

Diskutiere Offizieller Wikipedia Mißbrauch - Kuhmist im Computer-Board Forum im Bereich Diverses; Gestern in der FAZ Text: F.A.Z., 03.02.2006, Nr. 29 / Seite 38 Bildmaterial: picture-alliance/ dpa/dpaweb, AP
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Wikipedia
Es riecht nach Kuhmist

Von Katja Gelinsky, Washington

02. Februar 2006
Im Zentrum der Ermittlungen steht die IP-Adresse 143.231.249.141. Über Computer mit dieser Kennung haben Mitarbeiter des amerikanischen Repräsentantenhauses in den vergangenen Monaten zahlreiche Texte der Internet-Enzyklopädie Wikipedia manipuliert.

Auch über Computer im Senat wurde die frei zugängliche Internet-Enzyklopädie, deren Websites jedermann leicht verändern kann, für den Kampf um die Gunst der Wähler mißbraucht. Eine Prüfung durch Wikipedia ergab, daß Biographien von demokratischen wie republikanischen Parlamentariern geschönt oder sogar komplett ausgetauscht wurden. Ferner wurden politische Gegner durch beleidigende, bösartige oder schlicht kindische Editionen diffamiert.

Unfähige und Volltrottel
Geschönte Vita: Marty Meehan


In der Wikipedia-Biographie von Eric Cantor war zum Beispiel zu lesen, der Kongreßabgeordnete aus Virginia rieche „nach Kuhmist”. Dem republikanischen Mehrheitsführer im Senat, Bill First, wurde „Unfähigkeit” beschieden, und über den republikanischen Senator Tom Coburn aus Oklahoma hieß es, er sei 2005 im Kongreß zum lästigsten Senator gewählt worden, weil er ein Volltrottel sei.

Fragwürdige Korrekturen gab es auch auf Wikipedia-Seiten zu historisch-politischen Ereignissen. So wurde über die IP-Adresse des Repräsentantenhauses in einen Artikel zum Irak-Krieg eingefügt, daß Präsident Bush nie eine Verbindung zwischen Saddam Hussein und den Terroranschlägen vom 11. September 2001 gezogen habe, um den gewaltsamen Sturz Saddams zu rechtfertigen. Vielmehr sei eine derartige Verbindung „als zwingend zu betrachten”.

Enorme Bedeutung

Nach den Ermittlungen der Wikipedianer wurden in den vergangenen Monaten mehr als tausend Artikel über Computer des Kongresses bearbeitet. Die meisten Änderungen seien allerdings nicht zu beanstanden, da lediglich sachliche Fehler, falsche Schreibweisen und Grammatikfehler korrigiert worden seien. Aber allein schon die Tatsache, daß Kongreßmitarbeiter fleißig Wikipedia-Seiten bearbeitet haben, zeigt, welche enorme Bedeutung die Internet-Enzyklopädie mittlerweile für den politischen Machtkampf hat.

Den Anstoß für entsprechende Ermittlungen gab ein Artikel der im Bundesstaat Massachusetts erscheinenden Tageszeitung „Lowell Sun” über die geschönte Wikipedia-Biographie von Marty Meehan, einem demokratischen Kongreßmitglied aus Massachusetts. Meehans Bürochef hatte gegenüber der Zeitung zugegeben, im vergangenen Sommer für umfangreiche Änderungen auf der Wikipedia-Seite des Kongreßmitglieds gesorgt zu haben. So verschwand der Hinweis, daß Meehan 1992 versprochen hatte, sich spätestens nach acht Jahren aus dem Repräsentantenhaus zu verabschieden. Ferner wurde gestrichen, daß Meehan mit 4,8 Millionen Dollar über das größte Wahlkampfbudget aller Kongreßmitglieder verfügt. Der Bürochef, Matt Vogel, kann darin nichts Unrechtes erkennen. Der Wikipedia-Eintrag zu Meehan habe zum Teil auf veralteten oder schlampig recherchierten Informationen beruht.

Heftige Diskussionen

Jimmy Wales, der Gründer der Internet-Enzyklopädie, erinnerte dagegen daran, daß die Löschung korrekter Fakten den Grundprinzipien Wikipedias widerspreche. In der Wikipedia-Gemeinde wird nun heftig darüber diskutiert, ob schärfere Vorkehrungen gegen Mißbrauch und Manipulation getroffen werden müßten. Manche verlangen eine Registrierpflicht zur Änderung von Seiten, andere die Kennzeichnung von Beiträgen aus Quellen, aus denen frühere Verstöße gegen die Grundsätze von Wikipedia bekannt sind. Zu den drastischsten Vorschlägen gehört die Einführung eines Editierverbots für Regierungs- und Kongreßmitarbeiter.

Die bisherigen Sanktionen in Form wiederholter Stillegung der IP-Adresse 143.231.249.141, über die auch Meehans Biographie geschönt worden war, scheinen jedenfalls wenig Eindruck zu machen. So wurde bereits ein neuer Fall von Manipulation gemeldet. Dieses Mal wurden aus dem Wikipedia-Eintrag über das republikanische Kongreßmitglied Thad McCotter Verbindungen zu dem in Ungnade gefallenen Tom DeLay getilgt, der sein Amt des Mehrheitsführers im Repräsentantenhaus aufgrund eines Korruptionsskandals niedergelegt hat.

Text: F.A.Z., 03.02.2006, Nr. 29 / Seite 38
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa/dpaweb, AP
 
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Interessant, dass die IP-Adresse bekanntgegeben wurde, das wird wohl einige DoS-Attacken nach sich ziehen.
 
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Wieso? Seit wann sind IP´s geheim?

Kann doch bspw. jeder Firefox Nutzer sehen, wenn er ShowIP installiert hat.

Imo gibt es selbst im cmd-Fenster von Windows diese Abfragemöglichkeit.
 
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phimax" schrieb:
Wieso? Seit wann sind IP´s geheim?

Kann doch bspw. jeder Firefox Nutzer sehen, wenn er ShowIP installiert hat.

Imo gibt es selbst im cmd-Fenster von Windows diese Abfragemöglichkeit.
Das ist eine IP-Adresse des amerikanischen Repräsentantenhauses, die kennt sicher nicht jeder.
Da es eine feste IP-Adresse ist, macht es das ganze noch interessanter.
Und wenn sich rechtlich nix geändert hat, darf man die IP-Adressen von Forumsusern eigentlich nur auf Anfrage der Polizei an diese weitergeben und keinesfalls öffentlich zur Schau stellen.
 
phimax

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Soweit mein (beschänkter) Wissenstand:
Wenn unter einer IP irgendwas öffentlich zugänglich ist (Webseite etc. i.d.R. über feste IPs), kann jeder diese IP (auch) kennen/herausbekommen, weil die Kommunikation imho auf Basis von IPs läuft.
 
maphrao

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phimax" schrieb:
Soweit mein (beschänkter) Wissenstand:
Wenn unter einer IP irgendwas öffentlich zugänglich ist (Webseite etc. i.d.R. über feste IPs), kann jeder diese IP (auch) kennen/herausbekommen, weil die Kommunikation imho auf Basis von IPs läuft.
Das ist so nicht richtig. Ich könnte jetzt weit ausholen, aber dazu fehlt mir momentan das Interesse an der Sache.
Hinter jeder Domain steht eine oder auch mehrere IP-Adresse, die meisten sind fest vergeben.
Diese Server sind in den meisten Fällen ausreichend gege Angriffe geschützt, als Privatperson ist man allerdings unter einer festen IP-Adresse in den meisten Fällen sehr angreifbar, die meisten haben jedoch dyamische IP-Adressen, die aus einem Adresspool bei jeder Neueinwahl neu zugewiesen werden.
Es ist schwer, innerhalb weniger Stunden einen Rechner zu "hacken", deshalb muss man sich auch nicht allzu viele Sorgen darum machen. Wärst du allerdings 2 Wochen mit einer IP-Adresse im Netz, wäre es wahrscheinlich ein leichtes Unterfangen, Zugriff auf deinen Rechner zu bekommen.
Anders verhält es sich natürlich bei oben genannter IP-Adresse, aber da sie einem amerikanischen Ministerium zegehörig ist, wird es wahrscheinlich hunderttausende Scriptkiddies dazu veranlassen, Pakete an diese IP-Adresse zu verschicken, was irgendwann auch bei gut abgesicherten Servern zu temporären Ausfällen und auch zu Datenverlust etc. führen kann.
 
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