Nur eine Kurzgeschichte

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Thaifun

Thaifun

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Nur eine Kurzgeschichte

Mia und ich haben so gut wie nie Probleme und verstehen uns blind. Nie hätte ich gedacht, daß auch nur irgendetwas meine Ehe gefährden könnte. Völlig entspannt und voller Vorfreude gingen wir also mal wieder einen Urlaub an. Erster Anlaufpunkt, Familie. Von einer Urlaubsplanung hatte mich meine Mia im Laufe der Jahre vollkommen abgebracht. Einfach los und schauen was kommt. Tagesausflüge zum Meer, shoppen oder ein kühles Bad im Wasserfall geniessen, so lässt es sich aushalten. Eine Woche Koh Lanta, die dann 20min. vor Abreise in 4 Tage Phuket umgewandelt wurden, überraschten mich nicht wirklich. Fast jeden Abend wurde gegrillt und dabei reichlich Singha vernichtet. Meine Schwäger hielten sich aber meißtens an Regency mit Soda. Soweit zum Alltag.
Jedes Jahr lege ich dann aber noch mit den Brüdern meiner Mia ein oder zwei Spezialabende ein. „Sing a long“ in der Kreisstadt. Keine Touristen, die sich hierher verirrten. Ein Etablissement nur für Thais. Jedesmal der gleiche Laden, aber die Mädels sind immer neu. So war es auch dieses Mal, na ja, beinahe. Es war schon fast 22:00 Uhr, als wir den Schuppen betraten, dessen Scheiben schwarz abgeklebt waren. Wie immer wurden wir herzlich begrüsst und durften uns einen Platz aussuchen. Und wie immer wählte ich den Platz schräg links vor der Bühne. Ich will ja schließlich auch was sehen. Auf der Bühne stand gerade eine Dreiergruppe Mädels, die in ihren farbenfrohen knappen Kostümen zum Anbeißen aussahen. Die Mittlere sang ein Lied, die anderen Beiden stimmten nur beim Refrain mit ein. Dazu das typische hin und herwiegen der schlanken Körper, einfach schön anzusehen. Der Kellner, der uns zum Tisch begleitete fragte, ob wir Damengesellschaft am Tisch haben wollten. Mein älterer Schwager machte sofort alles klar, bevor ich noch einen Ton sagen konnte. Da wir zu dritt waren, setzten sich sogleich drei Gesangsschönheiten an unseren Tisch. Links von mir saß Nui, bildhübsch und in Feierlaune. Rechts neben mir Mean, ein kleines freches Luder, das mir bereits kurze Zeit später in den Schritt griff. Dabei grinste sie mich völlig unschuldig an und sagte „mai kaeng“. Mir gegenüber saß eine Maus mit Überbiss, deren Namen ich nicht verstand, mich aber auch nicht weiter interessierte. Ich bestellte mir ein eiskaltes Singha, meine Schwäger hielten sich an 100 Pipers mit Soda. Die Mädels fragten höflich nach, ob sie einen Kaffee trinken dürfen. Der Kaffee aber war schnell vergessen und sie tranken fleißig den harten Stoff mit.
Nui war die Lustigste von den Dreien, sie lachte den „fast“ ganzen Abend. Die Stimmung war ausgelassen, ich war bester Laune. Mean hatte ihre Finger überall, obwohl ich ihr bereits gesagt hatte, daß ich sie nicht mitnehme, weil ich verheiratet bin. Es war ihr egal, verheiratet oder nicht, den Farang konnte man sicher melken. Nui wollte unbedingt das Geschäft ankurbeln und trank jedes Glas mit mir ex. Nach drei Stunden sank sie langsam in sich zusammen und machte einen bedauernswerten Eindruck. Das Leben konnte so schön sein. Obwohl ich diese Tour jedes Jahr mache, war ich bisher immer immun gegen die Reize dieser zuckersüßen Geschöpfe. Sie benahmen sich auch nie wie manche Bargirls in Pattaya oder Phuket. Dann aber betrat ein neues Mädel die Bühne, die ich vorher noch nie gesehen hatte. Glaubt mir, wenn ich euch sage: Eine Göttin !! :super:
Lackschwarze Haare, zu einem hohen Pferdeschwanz gebunden, der Pony verlief schräg über ihr zierliches, aber dennoch nicht kindliches Gesicht. Makellose Haut und eine Figur mit Traummaßen. Riesige schwarze Kulleraugen ließen mich alles um mich herum vergessen, ich hatte das Gefühl in ihnen zu versinken. Ihre Stimme war glockenhell und tonsicher. Ich konnte nicht anders, als ihr einen Kranz umzuhängen, damit sie an unseren Tisch kommt. Sie bedankte sich mit einem tiefen Wai und sang ihr Lied zu Ende. Dann schwebte sie von der Bühne und verschwand aus meinem Gesichtsfeld. Ich schaute mich im ganzen Laden um, konnte sie aber nirgends entdecken. Als ich mich jedoch gerade wieder zurückdrehte, stand sie längst neben mir und lächelte mich bezaubernd an. Sie fragte höflich und mit leiser Stimme, ob sie sich zu mir setzten dürfe. Mean zog ein gespielt enttäuschtes Gesicht und entwich meiner Seite, um der Schönheit Platz zu machen. Sie sank sogleich neben mir auf die Bank und lächelte wieder. Ihre Sitzposition möchte ich mal als zurückhaltend beschreiben, da sich nur unsere Knie berührten. Die Hände gefaltet, legte sie ihre Arme in den Schoß, fast schon schüchtern. Jetzt konnte ich sehen, daß ihre Augen von Nahem betrachtet noch schöner waren, und sie längsten Wimpern hatte, die ich jemals gesehen hatte. Wir unterhielten uns, und ich erfuhr, daß sie Dao (wie passend) hieß und 29 Jahre alt war (kaum zu glauben). Sie hatte einen 11-jährigen Sohn und keinen Mann !! Leider war der Abend schneller zu Ende, als ich wollte. Um 2:00 Uhr schloß der Laden, wie immer. Ich versprach ihr, daß ich wiederkommen würde, obwohl ich dies gar nicht wirklich vorhatte. Schnell fuhren wir zurück ins Dorf.
Drei Tage ging sie mir nicht aus dem Sinn. Wenn ich meine Augen schloss, sah ich ihr hübsches Gesicht vor meinem geistigen Auge. Am vierten Tag hielt ich es nicht mehr aus, ich mußte sie wiedersehen. Vater Zufall kam mir zu Hilfe. Mia wollte mit ihrer Nichte in so einen Country-Schuppen. Also schnappte ich mir wieder meine beiden Trinkgesellen, die ich nicht lange überreden mußte, und zogen los in Richtung Sing-Höhle. Kaum hatten wir unseren Stammplatz eingenommen, setzten sich auch schon wieder drei Mädels zu uns. Nui war nicht da, aber Mean saß plötzlich ohne Aufforderung neben mir und grinste: „Dao yang mai ma“. Aha, Dao war also noch nicht da. Ok, erst mal ein paar Singha. Die Stimmung war nicht so gut wie zuvor, aber dennoch recht lustig. Irgendwann flüsterte Mean in mein Ohr: „kangbon mi hong, khun pai gap chan mai“ Ich lehnte ihren Vorschlag mit nach oben in ein Zimmer zu gehen dankend ab. Sie spielte die ärgerliche: „kit thüng dao“. Ja, ich dachte wirklich nur an Dao. Aber Mean war nicht wirklich sauer, ihr Job halt. Eine Stunde später erschien Dao, die sich sogleich neben mich setzte, nachdem Mean unter Protest die Bank räumte. Wieder kam sie mir distanziert vor, oder schüchtern. Wir plauderten die ganze Zeit, und ich schenkte meinen Schwägern keine Beachtung, die aber selbst genug zu tun hatten. Ich muß zugeben, daß ich aufgeregt war wie ein Schuljunge vor dem ersten Schultag. Wenn sie mich jetzt gefragt hätte ob ich mit nach oben komme, ich wäre wahrscheinlich gegangen. Stattdessen ging auch dieser Abend zu Ende. Als ich bezahlt hatte und aufstand wisperte sie mir mit einem hinreißenden Augenaufschlag zu: „chan pai song khun“ Sie brachte mich zum Auto.
Ihre Augen sagten „nimm mich mit“, ihr Mund und ihre geöffnete Hand aber ließen mein Traumschloß ineinanderfallen:

„Give me money“
 
rolf2

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:super: davon mehr wenn Du kannst :lol:
 
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ernte

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Wenn sowas passiert, dann fällt wirklich das Schloß in den Riegel.
Aber ich denke es war besser so für dich.
 
dermitdemEseltanzt

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ach Scheiße, ich hätte sie mitgenommen, man lebt nur einmal
Oder wollte sie soviel Geld :nixweiss:
 
marc

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also wenn ich eine nüttchen bar besuche gehe ich in den wenigsten fällen davon aus, dass sie nicht die kohle sondern mich wollen..augenaufschlag hin oder her.. ;-).
 
Thaifun

Thaifun

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@DermitdemEseltanzt
Es gab keine Verhandlungen. Es war das letzte was sie sagte, bevor ich sie stehenließ.
@tira
Ein Krug mit verdammt süßem Nektar. :lachen:
@marc
Dir scheint der tiefere Sinn nicht klar geworden zu sein.

Ich war nicht in der "Nüttchen Bar" um ein Mädel abzuschleppen, ich war dort, wie jedes Jahr, um gut zu essen, reichlich zu trinken und um mir den Gesang anzuhören. Deshalb stellte sich mir nie die Frage: Wollen sie mich oder meine Kohle. Ich habe die Mädels dort auch nie im Unklaren gelassen, daß da nichts läuft. Sie hat mich mit ihrer betont zurückhaltenden Art bezaubert, und vermittelte mir den Eindruck von Anständigkeit und Sittsamkeit. Die Forderung nach Geld ohne Gegenleistung traf mich wie ein Hammer. Die eisige Kälte in Ihrem Gesicht war echt gruselig. Ich wäre bestimmt nicht mit ihr mitgegangen, eben weil ich meine Frau über alles liebe. Sie weiß auch über diesen Vorfall Bescheid. Es gibt keine Geheimnisse zwischen uns. Schließlich wußte sie ja auch wo ich hingehe, und sie vertraut mir.
Fazit: Schöne Fassade aber ein Blender. Business. :bravo:
 
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Big John

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Hallo Thaifun,
wenn Sie das Thema"Money" nicht gleich angesprochen hätte
wärst du auf dem besten Weg zum Liebeskasper gewesen,denn
du hast ja schon gedacht " die ist anders".

Gruß John
 
Thaifun

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@BigJohn
Den Liebeskasper habe ich schon vor 15 Jahren hinter mich gebracht. Bin sowieso 3 Tage später zurückgeflogen. Aber du hast Recht, der klassische Liebeskaspereinstieg. :aetsch:
 
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ernte

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Du lässt dir an die Eier fassen und deine Frau weis davon?

Jetzt wird deine Geschichte ein wenig komisch.

Nach dem Motto. Ich der Eisenharte war nur über die Methode erschrocken. Aber nie und nimmer wäre etwas passiert. Ich will nur die anderen aufklären.

Das glaub ich dir nicht!
 
Dieter1

Dieter1

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marc" schrieb:
also wenn ich eine nüttchen bar besuche gehe ich in den wenigsten fällen davon aus, dass sie nicht die kohle sondern mich wollen..augenaufschlag hin oder her.. ;-).
Marc, das is im Grunde mal ne vernuenftige Einstellung :-) .
 
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