Re: Nieder mit dem Kapitalismus ? Geschichte eines Experimen
Der FAZ Artikel ist wieder ein Beispiel, wie man sich seine Statistik schnitzen kann.
Die hohen Geburtenraten im 19. Jahrhundert muessen in Beziehung zu der damals vorherrschenden Kindersterblichkeit gesehen werden.
Da die Verhaltensweisen und Wertvorstellungen der um 1932 Geborenen teilweise in der Epoche vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs geprägt wurden, muß der Nachkriegs-Babyboom auch als ein Phänomen der Vorkriegsepoche interpretiert werden.
Wohl kaum, haette es nicht den Morgentau-plan gegeben, waere es wohl auch nicht zum Nachkriegs-Babyboom gekommen.
Je höher das Pro-Kopf-Einkommen, desto niedriger ist die Geburtenrate
Für diese Sichtweise spricht, daß der Anstieg der Geburtenrate zwischen 1945 und 1964 und der anschließende, als „Pillenknick“ bezeichnete steile Absturz in der DDR und in der alten Bundesrepublik trotz der unterschiedlichen Gesellschaftssysteme nahezu parallel verlief. Die DDR versuchte durch eine forcierte, geburtenfördernde Politik gegenzusteuern, und sie war zunächst erfolgreich. Die Geburtenrate stieg vorübergehend fast auf zwei Kinder je Frau, aber bereits Jahre vor der Wiedervereinigung glich sich die Kinderzahl wieder dem niedrigen Niveau im Westen Deutschlands (1,4) an.
Zunaechst hatte der Pillenknick in Ost und West nichts mit dem ProKopfEinkommen zutun.
Als der Pillenknick Ende der 60 Jahre losging, schaffte es die DDR trotzdem, diese Entwicklung wieder aufzufangen.
und das sie solange damit erfolgreich waren, kann auch nicht durch die Formulierung
aber bereits Jahre vor der Wiedervereinigung glich sich die Kinderzahl wieder dem niedrigen Niveau im Westen Deutschlands (1,4) an
weichgeklopft werden, denn als im Jahr 1986 schliesslich die Folgen der AIDS-Angst die DDR erreichte, fuehrte dies, und ab der Wiedervereinigung die soziale Zukunftsangst, zu den bekannten schlechten Geburtenzahlen im Osten.
Zu der These des Autors
Je höher das Pro-Kopf-Einkommen, desto niedriger ist die Geburtenrate
kann ich nicht kommen,
vielmehr wuerde ich behaupten,
dass Westdeutschland nach dem Krieg, ohne den Morgentauplan, aehnlich zukunftsveraengstigte Menschen gehabt haette,
als Ostdeutschland nach der Wiedervereinigung.