@x-pat
Ich habe jetzt auch mal in den zweiten Vortrag
Leben und Evolution von C.P. Thiede hereingehört.
Der Vortrag ist von Prof. Leisenberg !
Dies erinnert mich stark an die kreationistische Rhetorik die ich von früheren Diskussion mit amerikanischen Freunden kenne. Was Diktion und Präsentation angeht, spielt Herr Thiede
(Prof. Leisenberg) definitiv in der Oberliga der Inteligent Design Fraktion. Der Vortrag ist außerordentlich gut aufgebaut und recherchiert. Rhetorisch ist er brilliant, das muss man ihm lassen, aber er ist gleichzeitig auch der problematischste Sprecher.
Ich sehe ihn eindeutig als brillianten Redner und Denker, aber keinenfalls als problematischen Sprecher. Warum sollte ich ?
Inhaltlich werden eine große Menge von Daten, Fakten, und Halbwahrheiten dargeboten, die man in dem Tempo nicht ohne weiteres verarbeiten kann. Ich musste teilweise anhalten, zurückgehen und Passagen zweimal anhören um die Argumentation zu verstehen. Ich gehe davon aus, das weniger als 5% der Bevölkerung mit den angesprochenen wissenschaftlichen Themen vertraut ist. Der Vortrag baut also, neben rhetorischen Kunstgriffen, auf die Überwältigung und Überrumpelung des Zuhörers auf.
Also, diese (deine) Aussage sehe ich als problematisch an, denn du unterstellst unredliche Absichten. Das genaue Gegenteil ist der Fall. Warum stellt Prof. Leisenberg wohl seine Vortraege ins Internet ?
Sicherlich tut er das, um den interessierten Zuhoerern u.a. die Gelegenheit zu geben sich in aller Ruhe nochmals, wenn gewuenscht vertieft mit dem Thema zu befassen.
Also, von rhetorischen Kunstgriffen, Ueberwaeltigung, Ueberrumpelung des Zuhoerers ist nichts zu erkennen.
Das mag vielleicht deine persoenliche Einschaetzung sein, geht aber an den Tatsachen voellig vorbei.
Das Leitmotiv ist dabei, wie häufig bei Kreationisten, dass das Leben so kompliziert ist, dass es nicht "zufällig" entstanden sein kann.
Selbst Evolutionisten sind nicht sicher ob bei einer derart geringen Wahrscheinlichkeit es zur sogennanten Urzeugung, oder gar zu Wesen mit Bewusstsein, kommen konnte.
Zitat Charles Darwin:
Die Unmoeglichkeit, sich vorzustellen, dieses grossartige und wunderbare Universum samt uns bewussten Wesen sei durch Zufall entstanden, scheint mir das Hauptargument fuer die Existenz Gottes zu sein.
Charles Darwin in einem Brief an einen hollaendischen Studenten am 2. April 1873 In Siegfried Schmitz (Hrsg.) Charles Darwin - ein Leben. Muenchen 1982, S. 502
Außerdem wird suggeriert, dass Organismen und biologische Funktionen planvoll zustande gekommen sein müssen. C.P. Thiede
(Prof. Leisenberg) beginnt mit präbiotischer Genese, erzählt etwas über Zellen, und geht schließlich zu Organismen, Sinnesorganen und Genen über.
Da wird nichts suggeriert, es ergibt sich durch Abwaegung zwischen der Wahrscheinlichkeit und dem Stand der Forschung, ob es moeglich ist oder nicht.
Der gesamte Vortrag ist eine Frontalattacke auf den klassischen Darwinismus.
Hier an dieser Stelle passt nochmals das obige Zitat von Charles Darwin.
An keiner Stelle wird auf kritisch auf existierende Indizien und Forschungsergebnisse eingegangen, die für den Darwinismus sprechen.
An mehreren Stellen wird von Prof. Leisenberg genau darauf hingewiesen. Er bringt Zitate wie dieses von Kurt Huebner:
Ich moechte nicht bezweifeln, dass die Evolutionstheorie eine hohe Plausibilitaet besitzt,aber von einem eindeutigen Beweis kann nicht die Rede sein. Deshalb handelt es sich bei der biologischen Evolutionstheorie auch garnicht um eine Theorie, die im Experiment ueberpruefbar sein muss, sondern es handelt sich bei ihr in Wahrheit nur um eine Plausibilitaetshypothese.
Kurt Huebner in: Helmut A. Mueller (Hsg.) Naturwissenschaft und Glaube...
Die zitierten Personen und Quellen sind, wie das oft bei Kreationisten der Fall ist, recht obskur.
Soll das jetzt ein Sachargument sein ?
Jacques Monod kannte ich zwar noch vom Hörensagen, aber Bruno Vollmert musste ich zum Beispiel googeln. Ich war nicht sehr überrascht, dass der erste Link zu ihm, angeblich die Autorität auf dem Gebiet der Makromoleküle, in die katholische Ezyklopädie und nicht in die Welt der wissenschaftlichen Publikationen verweist.
Das liegt sicherlich an der Art wie du 'googelst'.
Bruno Vollmert ist eine international anerkannter Fachmann auf dem Gebiet der Makromolekular-Chemie.
http://www.google.co.th/search?hl=de&tbo=p&tbm=bks&q=inauthor:%22Bruno+Vollmert%22#q=inauthor:%22Bruno+Vollmert%22&hl=de&tbm=bks&ei=YN64T8TtMc_IrQfaiIzcBw&start=0&sa=N&fp=1&biw=1536&bih=710&bav=on.2,or.r_gc.r_pw.r_qf.,cf.osb&cad=b
So an dieser Stelle mache ich eine Pause und werde nachdenken, ob es sinnvoll ist auf deinen (@x-pat) Kommentar weiter einzugehen, denn die Tendenz scheint mir recht eindeutig...
Ich werde im folgenden auf drei inhaltliche Punkte des Vortrags eingehen und anhand derer aufzeigen, wie hier mit rhetorischen Mitteln, Halbwahrheiten, und Scheinargumenten gearbeitet wird.
(1) C.P. Thiede
(Prof. Leisenberg) behauptet dass das Miller-Urey Experimente zwar zeigt, dass Aminosäuren in sog. Ursuppen entstehen können, dass aber unter denselben Konditionen niemals kompliziertere Moleküle wie Eiweisse und Makromoleküle entstehen können.
So ist es. Es koennen keine komplizierten Makromolekuele entstehen.
Als wissenschaftliche Autortität zitiert er besagten Bruno Vollmert, der etwas über die Unmöglichkeit der
Polykondensation in Ursuppen geschrieben hatte.
Leider "vergisst" er dabei zu erwähnen, dass dies niemand behauptet hat, dass Markomoleküle fertig aus der Ursuppe herausspringen. Miller und Urey ging es lediglich um organische Moleküle, also die Elementarbausteine des Lebens.
Das mag sein. Viele Evolutionisten bauen auf diesen Befunden ein nicht beobachtbares Verhalten der Materie zur Entstehung von Makromolekuelen auf. Ist das OK ?
Komplizierte Makromoleküle entstehen unter anderen Bedingungen als Aminosäuren, darüber sind sich die Wissenschaftler einig.
Laien aber offensichtlich nicht.
Es können durchaus lange Zeitabschnitte zwischen diesen beiden Schritten liegen. C.P. Thiede
(Prof. Leisenberg) erweckt jedoch den Eindruck als sei dies eine Alles-oder-nichts Frage.
Ohne Makromolekuele kein Leben, das ist so.
Es liegt an den Evolutionisten den Beweis zu erbringen, wie Makromolekuele in der Natur entstanden sind.
(2) Kurz darauf behauptet Thiede, dass 10^35 Mutationen, eine unmöglich hohe Zahl, notwendig seien, um zu einem funktionierenden Gen zu gelangen. Er erklärt jedoch weder die Ausgangsbasis dieser Feststellung, noch wie diese Zahl zustande kommt. Wenn man davon ausgeht, dass ein durchschnittliches menschliches Gen 50 KB
(140KB) Information enthält, könnte man diese Zahl eventuell aus einer kombinatorischen Rechnung gewinnen, indem man zum Beispiel die Anzahl aller möglichen Permutationen betrachtet. Das Problem ist dabei ist, das Mutation so nicht funktioniert. Mutation erfolgt üblicherweise in kleinen Schritten, bei denen typischerweise nur wenige Basenpaare involviert sind. Da die Veränderung von Genen in kleinen Schritten passiert, ist die Rechnung fadenscheinig.
Auch hier hast du nicht richtig hingehoert. Die 10^35 Mutationen beziehen sich auf alle geschaetzten Mutationen seit Bestehen der Erde.
Eine Beschreibung was Mutationen sind und wie sie sich unterscheiden findet man hier:
http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Genmutation.html#2._Deletion
(3) Thiede
(Prof. Leisenberg) argumentiert etwas später, dass die Evolutionstheorie eigentlich keine wissenschaftliche Theorie sei, weil "Wissenschaft auf die Reproduzierbarkeit der Experimente angewiesen sei". Er impliziert damit, dass dass die Evolutionsgeschichte nicht reproduzierbar sei. Für den Laien hört sich das möglicherweise plausibel an; erkenntnistheoretisch ist das jedoch Unsinn. Die experimentelle Bestätigung der Evolutionstheorie stützt sich darauf, dass wir die
Prinzipien beobachten können, nicht die
Historie.
Genau diese Prinzipen sind lueckenhaft und lassen viele fragen offen.
Es ist durchaus möglich im Labor die Prinzipien der Evolution in Aktion zu beobachten, zum Beispiel mit Bakterienkulturen die sich schnell vermehren.
Es wird in keiner Form geklaert wie ein extrem komplexe Verknuepfung von Bedingungen die zur Bereitstellung von hunderten verschiedener Enzyme zur Erzeugung der DNS die wiederum das Programm zu eben diesen benoetigten Enzymen zur eigenen Herstellung (Verdoppelung) benoetigt. Man kann es drehen und wenden wie man will - es fehlt eine Erklaerung der Evolutionisten wie derart komplexe Vorgange zufaellig entstanden sein soll. Es gibt bei diesen Zufaellen zu viele "Sackgassen" in der die Evolution zum Stillstand kommt.
Anhand dieser Beispiele wird klar, dass im Vortrag Vorgänge und Fakten rhethorisch verschleiert werden. Aus dem Zusammenhang gerissene Zitate von Wissenschaftlern sollen dem Gesagten Glaubhaftigkeite verleihen.
Nun - im Laufe meines Kommentars ist wohl eines offensichtlich geworden, es sind einige Unaufmerksamkeiten und Unterstellungen von deiner Seite.
Bei jemandem mit der Intelligenz und Ausbildung von C.P. Thiede
(Prof. Leisenberg) muss ich davon ausgehen, dass dies absichtlich geschieht, und damit habe ich ein Problem. Ich halte das für intellektuell unredlich.
Also - an dieser Stelle muss ich intensiv nachdenken, ob eine derartige Behauptung zulaessig ist !!!
Die Absicht ist hier nicht Information, sondern Manipulation, bzw. in Thiedes
(Prof. Leisenberg) Fall Missionierung, da er ja bekennender Christ ist.
Er wirbt fuer seine Ueberzeugung, nicht mehr oder weniger. Das ist OK. Oder willst du die Meinungsfreiheit eabschaffen ?
Aus Fairness muss ich sagen, das C.P. Thiede
(Prof. Leisenberg) auch manche gültige Argumente vorbringt, die tatsächlich auf ungelöste Fragen in der Wissenschaft hinweisen. Ein Beispiel dafür ist die Frage des Bewusstseins und das Problem der Geist-Gehirn Reduktion. Wenn allerdings die Kreditwürdigkeit des Sprechers durch manipulative Rhetorik in Frage gestellt ist, dann stehen selbst gute Argumente im Zwielicht.
Cheers, X-pat
Zusammenfassend, stehst du (deine Argumente) in meinen Augen im Zwielicht.
So - und jetzt hab ich mir ein Kaennchen Sen-cha verdient
.