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Khao Phra Vihan - Agenten, Landminen & Abzockerei

Diskutiere Khao Phra Vihan - Agenten, Landminen & Abzockerei im Touristik Forum im Bereich Thailand Forum;
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abstinent

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Khao Phra Vihan - Si Sa Ket
Ein Bericht von "abstinent" & theptida - Mai 2004
Text copyright by "abstinent"
Pictures copyright by theptida

Ein Überbleibsel der glorreichen Khmer Gottkönige im direkten Grenzgebiet zu Cambodia ist der Khao Phra Vihan. Eine noch recht gut erhaltene Tempelruine aus dem 9. Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Sie liegt einige hundert Meter hinter der Thaigrenze auf eindeutig cambodianischer Seite. Zu erreichen ist sie allerdings wegen ihrer geografischen Besonderheit nur von thailändischem Territorium aus.
Eine absolute Frechheit ist die Ausweisung des thailändischen Areals vor dem Tempelberg als Nationalpark. Das Ganze dient nur der Abkocherei der Touristen. Denn, wie in jedem anderen sogenannten "Nationalpark" werden hier Ausländer mit dem 10-fachen Eintrittspreis zur Kasse gebeten. Das ist moderner Diebstahl und in diesem Falle obendrein offensichtlicher Betrug!



Hier gibt es, mal abgesehen von einer Handvoll von Andenkenbuden mit billigem chinesischen Plastiktand und Getränkedealern rein gar nichts, aber auch wirklich gar nichts auf thailändischer Seite, was den Titel "Nationalpark" rechtfertigen würde!
Eine Asphaltstraße führt den Berg hinauf zu einem Parkplatz - THAT´S IT!




Keine nennenswerten Besonderheit der unvergleichlichen thailändischen Flora oder Fauna, die man nicht auch als Unkraut oder Standardbestand auch anderweitig überall vorfindet - ja noch nichtmals ein lausiges, halbausgetrocknetes Wasserfällchen!
Keine Hinweise auf irgend welche sehenswerten Spots. Einige hingebastelte Notbehelfsbunker, viel militärische Präsenz, S-Drahtverhaue und MG-Nester - die gibt es wohl, aber dafür sollen Farangs nun mehr an Eintritt bezahlen, als ein durchschnittlicher Thai Brutto an Tageslohn verdient?



Da scheint wohl einer der Politbonzen aus den Marmorvillen Bangkoks schlecht geträumt zu haben.
Naja, wir lassen uns hier standesgemäß abkochen - damit dieser Bericht zustande kommen kann. Meine erneute Enttäuschung über die Abzockermentalität des Thai Governments kann ich allerdings nicht verhehlen.
 
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abstinent

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Re: Khao Phra Vihan - Cambodia in Siam

Erneut werden die Besucher zur Kasse gebeten, deren Personaldokumente von "Offiziellen" gesichtet werden müssen. Das sind hier alle, die den Tempel auf dem Territorium des Nachbarlandes besuchen möchten. Die Gebühr beträgt nur 5 Baht, aber lästiges Schlangestehen während der Saison ist hier unvermeidlich.
Der Fußweg vom Parkplatz führt über das verbleibende Stück Asphaltstraße, welches hier als Helikopterlandezone ausgewiesen ist.



Die Straße endet abrupt im Niemandsland, und hier sieht es sehr ungewöhnlich aus.





Ein kleiner 500 Meter Marsch über nicht gesicherte oder markierte Wege, bringt den Interessierten an ein dornenbewehrtes Stahltor, welches 2 Türen hat.



Erste Landminenwarnschilder springen einem hier ins Auge. Das ist kein Touristengag, denn hier übertritt man die physische Grenze zwischen dem damaligen Reich des Pol Pot und seiner Roten Khmer und dem thailändischen Königreich.



Die damaligen Machthaber zerstörten weite Teile der antiken Tempelanlage und benutzten den seinerzeit als Wohnsitz des Gottkönigs gebauten Komplex als Wehrfort. Die östliche Seite des Tempelberges ist ein nahezu unüberwindliches und sehr steiles Kliff. Von hier oben kontrolliert man alle Wege und Pfade im gesamten Grenzbereich. Erbitterter Widerstand der Khmer gegen die vietnamesischen Invasoren gegen Ende der Pol Pot Ära war nahezu zwecklos, bescherte den Cambodianern aber den noch heute "inthronisierten" Hun Sen als Regierungsoberhaupt. Vor dem Fall der "Strongpoints" ( = militärisch/strategische "Hochburgen") der Roten Khmer hier und im anderen Grenzgebiet zu Thailand wurden diese umfangreich vermint. Die kriegsführenden Parteien (beide bezeichneten sich übrigens als "Kommunisten") scheuten weder Kosten noch Mühen, das Areal für den Gegner unbrauchbar zu machen. Noch heute, 30 Jahre nach den ersten Minenlegeaktionen sterben fast täglich spielende Kinder, arbeitende Farmer und landwirtschaftliches Nutzvieh an den Folgen dieser irren und menschenlebenverachtenden Idiotenpolitik.

Wir schreiten durch das Tor, und betreten cambodianisches Territorium. Hier ist alles anders, die Fußwege nicht mehr gesichert, die Brücke über den Schlammfluß hier nur lose verlegt, und einige Bettler sowie die in Cambodia unumgänglichen Touts (Schlepper, Tourguide-Schergen & Nepper).


 
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Die Cambodianer verzichten in Khao Phra Vihan auf ein Visa, und das allein ist für uns eine Ersparnis von 20 US-$ pro Nase, Stempel im Paß gibt es hier überhaupt keine. In Cambodia ist die gesamte Provinz nach diesem Tempel benannt, auf Khmer heißt er: Preah Vihar.

Hier ist auch eine erneute Ticketstelle, und unweigerlich wird der Besucher ein weiteres Mal gebeten, seinen Geldbeutel zu zücken. 5 US-Dollar oder 200 Baht Farangfee, 50 Baht für Thais.



Ihr eigenes Geld (cambodianische Riel) mögen die Cambodianer nicht so gern, kein Wunder, denn es ist nirgendwo auf der Welt konvertierbar in andere Währungen.
Hier kann ich das verstehen mit dem Eintrittsgeld, denn die riesige Tempelanlage ist einerseits komplett auf deren Territorium errichtet worden, und andererseits wird zumindest ein Teil der so erwirtschafteten Gelder in verbessernde Maßnahmen gesteckt. Geländer an steilen Stellen fehlen nach wie vor, und niemand ohne ein gewisses Mindestlevel an körperlicher Fitness und gutem Schuhwerk sollte hier den Aufstieg wagen.

In den Einfachstbehausungen der hier lebenden Cambodianer spielen Kinder herum, die uns neugierig beäugen. Viele Farangs kommen hier nicht her.





Doch zunächst widmen wir uns den hier ansässigen Händlern. Whisky gibt es hier zu kaufen, Zigaretten, Tand und gefälschte Juwelen. Eine Literflasche Johnny Walker Black schlägt mit 500 Baht zu Buche, Zigaretten kosten ab 100 Baht je Stange, und kaum ein Tourist läßt sich diese Schnäppchen entgehen. Meist erwerben die Leute ihre Mitbringsel aber clevererweise, wenn sie ins Königreich heimkehren - denn einige Extrakilo unsinniger Schlepperei....das muß niemand haben, es wird beschwerlich genug werden.

Das berüchtigte cambodianische Gold kann hier als Meterware oder im Kilopack erstanden werden, nur Dooftouristen glauben an die Echtheit des Geschmeides:

 
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Die kleine Wellblechbudensiedlung hier unten beherbergt ca. 50 Familien, und jeder hier scheint seine Aufgabe im Rahmen des Khao Phra Vihans zu erfüllen. Lediglich die erwachsenen Männer frönen ihrem Lieblingszeitvertreib, Rauchen, Trinken und Glücksspiel. Sie sind die einzigen, die sich nicht um die wenigen Touristen scheren.



Die älteren Kinder lauern am Wegesrand, und hängen sich gleich scharenweise an jeden der wenigen Touristen, sie alle möchten sich gerne ein paar Baht verdienen, und da gibt es die unterschiedlichsten Jobvarianten. Taschenträger, Sonnenschirmhalter und Luftzufächler. Die größeren unter denen tragen schon den wichtigen symbolischen Ausrüstungsgegenstand eines cambodianischen Touts - die Baseballcäppi.



Im Rücken der Tempelbesucher zeichnen sich die Silhouetten von wehrtechnischen Befestigungsanlagen der Cambodianer auf den Anhöhen und im Dschungeldickicht ab. Maschinengewehrnester und kleinere Bunkeranlagen kann man alle paar Meter ausmachen, teils sind diese sehr gut getarnt.



Elektrizität gibt es hier nur aus 12 Volt Autobatterien, eine Wasserversorgung oder -entsorgung scheint hier nicht existent zu sein. Getränkedealer bieten einen Mix aus einheimischen und hergeschmuggelten Thaiprodukten an:



Die Temperatur erreicht mittlerweile locker die 40 Gradmarke auf dem Quecksilber, und in Unkenntnis der zu erwartenden Situation erwerben wir noch 2 versiegelte Literflaschen Trinkwasser. Kühlmöbel kennt man hier nicht, aber große Eisboxen aus Plastik, in denen die Flaschen und Dosen in warmer Lake herumschwimmen. Eis haben diese Boxen - wenn überhaupt jemals, dann nur vor langer Zeit gesehen. Die Illusion eines gekühlten Getränkes beschert den Drinkdealern aber so manchen Kunden im Verlaufe eines Tages.

Eine kleine Verschnaufpause vor dem Aufgang später, geht es dann auch weiter für uns.


 
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Die erste Treppe liegt vor uns. Nach 160 Stufen hörten wir zwar auf mit der Zählerei, aber die ungleichmäßigen Tritthöhen, die stark schwankende Stufenbreiten, und die Mengen an Sand auf denselben machen jeden einzelnen Schritt zu einer echten Herausforderung an Muskeln und vor Allem auch dem Gleichgewichtssinn.



Fallen möchte man hier bestimmt nicht, denn es gibt nicht viel, was den Fall bremsen könnte oder würde.

Der erste Tempel war für die Mätressen und Bediensteten des Königs auch Wohnbereich. Wir stapfen ein wenig umher, und fühlen uns fast wie im Angkor Wat. Die zugrundeliegende Architektur erscheint ähnlich, und auch die Verzierungen an den weniger zerstörten Segmenten weisen Parallelen zum Angkor Wat auf.



Wir streben weiter, denn hoch über uns befindet sich die nächste Etage.



Ein flüchtigerer Blick durch den Sucher der Digicam nach unten versetzt uns in Erstaunen, wir haben schon etliche Höhenmeter bewältigt.



Stufen gibt es hier nur noch sporadisch, und es ist eine Menge Kletterei. In der prallen Sonne freuen wir uns über den langsam auffrischenden Wind, der immer deutlicher spürbar wird, je weiter wir hochklettern.



Es ist sehr heiß, und pfiffige Khmers haben hier Erfrischungskioske unter Sonnenschirmen errichtet. Wir trinken Wasser für 10 Baht, überhaupt sind die Aufpreise hier recht zivil. Umherstreunende Kinder bieten Postkarten und cambodianische Banknoten zum Kauf an, sie sind aber weitaus weniger aggressiv als ihre Kollegen in Siem Reap oder Banteay Srei.





Am 2. Tempellevel entdecken wir eine größere Anzahl roter Holzpflöcke im Erdreich, unmittelbar neben dem Sakralbauwerk.



 
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Diese roten Pflöcke bedeuten, frei nach Onkel William S.: "Sein oder Nichtsein", Leben oder Tod - aber nur wenige kennen die korrekte Bewandnis damit.
Es sind nämlich "Minefieldmarker" ( = Minenfeldmarkierungen ) der Stufe A! Damit werden hochbrisante Gegenden markiert, und die gedachte Linie zwischen den Markern zeigt exakt die geklärte Zone auf. Schon 5 cm hinter der Sicherheitslinie wäre es höchst gefährlich. Hier verwendete Minen, so finde ich schon bald von den weiter weg agierenden Minenexperten heraus - sind sogenannte APM's rotchinesischer Produktion.



Verlegt wurden diese von den vietnamesischen Besatzern Cambodias in den 70er und 80er Jahren. Ich begebe mich alleine abseits der Touristenroute, und beobachte ein Minenräumkommando bei der gefährlichen Arbeit.
Auf dem folgenden Foto erkennt man gut die Schutzkleidung der Minenräumer, aber bitte glaubt es mir - es ist eine sehr trügerische Sicherheit. Der Schutz erstreckt sich auf "lebenswichtige Organe", nicht auf Hände, Arme und Beine!



Zentimeter für Zentimeter tragen die Jungs das Erdreich vorsichtig mit einer kleinen Grabeschaufel ab, immer auf der Hut......immer wissend, die kleinste falsche Bewegung kann die tödliche Explosion auslösen. Täglich noch werden sie fündig, und nach Angaben des Kommandanten ihrer Gruppe braucht man noch 2 bis 4 Jahre, bis man diesen Komplex als "Minenfrei" erklären kann.



Die Minensucherei im Grenzgebiet zwischen Thailand und Cambodia, und die damit verbundenen Problematiken, werde ich gegebenenfalls in einem gesonderten Report behandeln - hier wende ich mich nun wieder dem Khao Phra Viharn zu.

Hier, hoch oben auf dem Gipfel hat man seinerzeit einen Baray gebaut. Mit Baray bezeichnet man Zisternen, gemauerte Wasservorratsbehälter. Swimmingpools für Gottkönige. Zum Ende der Trockenzeit ist die verbliebene Wassermenge gering, und die Trinkbarkeit des Inhalts mehr als nur fraglich.



In der Nähe steht hier ein fantastisch schöner Baum, der unmittelbar an der Kante des Tempelbauwerkes wächst und gedeiht.




(Obiges Foto der Landmine ist ebenfalls von Theptida, allerdings aus unserem Cambodia-Bericht von 08/2003)
 
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Die verbliebenen Bauwerke hier auf dem 2. Level sind sichtbar besser erhalten, als die weiter unten liegenden. Details an den Blöcken sind zwar auf der Wetterseite undeutlich geworden, weil fast komplett von der Erosion der 1200 Jahre wegradiert, aber auf der Leeseite gibt es viele interessante Details zu beobachten.



Gottheiten sieht man hier zahlreich symbolisch dargestellt, und auch unbedeutende Bauteile sind zumindest mit Lotusblüten verziert.

Dann, ich traue meinen eigenen Augen kaum :O :O :O ....... etwas unpassend stehe ich unvermittelt vor einem echten Artilleriegeschütz.
Eine chinesische Kopie der mittelschweren, russischen Feldartillerie - offensichtlich noch aus vietnamesischen Beständen. Eine Gruppe Mönche aus Thailand und ihr Thai-Chauffeur inspizieren das Geschütz.



Bis auf einen alten Mönch, der direkt am Abhang verweilend die Szenerie da unter ihm beobachtet, zieht die Gruppe weiter nach oben.
Ich nehme das Geschütz nun selber näher in Augenschein, und bin etwas verwundert.
Von hier oben könnte man auch weit nach Thailand hinein schiessen! Es fehlen zwar einige wesentliche Verschlußteile, aber ansonsten sieht die Kriegswaffe noch sehr funktionstüchtig aus. Jedenfalls kann ein Instandsetzungsteam mit den entsprechenden Ersatzteilen hier sehr schnell Böses anrichten.



Die Visiereinrichtung ist noch völlig intakt, und mich reitet der Teufel, denn ich mache sie nun nachhaltig unbrauchbar. Irgendwann, in grauer Vorzeit.....da hatte ich solchen Kram einmal erlernt. ;-D



Rein theoretisch wäre das Geschütz mit den wenigen, fehlenden Teilen schnell wieder in Betrieb zu nehmen gewesen, nun kann man zumindest nicht mehr gescheit damit zielen.

Bei meiner kleinen Sabotage beobachtete mich der alter Thaimönch, und er nickt stumme Zustimmung auf meinen fragenden Blick hin. Er schenkt mir dann sogar noch ein Lächeln, und trottet daraufhin seinen Glaubensbrüdern hinterher.

 
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abstinent

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[highlight=yellow:15ca75c8b9] Anmerkung des Verfassers:[/highlight:15ca75c8b9]

Es ist in keiner Weise vertretbar, und auch nicht richtig - sich an militärischen Gütern in solchen Ländern wie Cambodia zu vergreifen.

Ich hatte heißblütig und naiv gehandelt.

Es ist in keinster Weise empfehlenswert, so etwas nachzuahmen oder meine Aktion zu kopieren.

Langjährige Gefängnisstrafen sind in solchen Ländern für schon vergleichbar geringere Delikte verhängt worden!
 
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abstinent

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Theptida fotografiert das Wegekreuz unten im Tal. Wir erfahren von den Girls hier, daß diese 3 Wege in 3 verschiedene Länder führen - denn wir sind hier recht nah am Dreiländereck Laos/Thailand/Cambodia.



Während meine Reiseberichtsfotografin sich mit 2 Khmergirls hier unterhält, schnappe ich mir die Digicam und klettere auf die Tempelruine. Ich umrunde fast das gesamte Bauwerk in luftiger Höhe, und erfreue mich an meiner relativen Schwindelfreiheit. Von hier oben werde ich stummer Zeuge einer Begebenheit.



Ein, offensichtlich als Zivilist gekleideter Militärangehöriger oder Agent oder ??? erklimmt den Tempelberg, er trägt einen Handkoffer bei sich. Der Koffer ist ein Hartschalenmodell und der Inhalt erscheint sehr schwer. Er ist mit einer Handschelle am Träger befestigt!



Sein uniformierter Bodyguard schleppt eine vollautomatische Waffe mit sich herum (AK 47). Beide haben beladene, nichtmilitärische Rucksäcke umgeschnallt.





Direkt unterhalb meiner Position oben in der Tempelruine biegen die Beiden auf einen Trampelpfad schnurstracks bei den Minefieldmarkern ab - nach ein paar Schritten: mitten in das Minenfeld hinein. Das machen die nicht zum ersten Male, denn mit sicherem Schritt staksen sie nun im Gänsemarsch auf Zick-Zack Kurs durch das verminte Gebiet.

Sehr ungewöhnliches Team, man macht sich zwangsläufig Gedanken. Ich war mucksmäuschenstill und hatte sogar den "Piep" der Digicam ausgeschaltet.
In Cambodia wird man oft Augenzeuge seltsamer und nahezu unerklärlicher Momente und Begebenheiten.
 
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LEON

Gast
@abstinent:

super interessanter und spannender Bericht!!! :bravo: :bravo: :bravo:

wenn das so weiter geht, verzichte ich demnächst freiwillig auf den Freitag-Abends-Krimi im ZDF.

Ein Fall für Abstinent, statt für ZWEI... ;-)
 
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UweFFM

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@Absti,
danke für den spannenden Bericht.

Das mit den Minen ist ein schlimmes Thema. Ich hatte mal einen japanischen Minenräumer kennengelernt, auf deren Website steht auch was zur Abrundung des Bildes: Japanminenräumer auch mit Statistiken zur Herkunft der Höllendinger. Gruß Uwe
 
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abstinent

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Was in dem Koffer war, das konnte ich nicht erfahren - obwohl es mich gejuckt hatte. ;-) Aber Vorsicht ist keine Feigheit, und Leichtsinn ist kein Mut. Eventuell hätte schon das bloße Bemerken meiner Person hier oben in der Ruine zu unvorhersehbarem Verhalten des Bewaffneten geführt. Neugierige Fremde mit Kameras sind nicht gerade das - was bewaffnete Schergen begeistert, wenn sie bei ihrem Tun beobachtet werden.
Ich sehe dem Kofferträger und seinem Bodyguard noch nach, bis diese weit hinten im Minenfeld aus meinem Blickfeld verschwunden sind. Besser etwas nicht zu wissen, als Gegenstand einer Protestnote des Außenministeriums zu werden. Not my business :nixweiss:

Der Aufstieg auf das oberste Level ist noch etwas beschwerlicher, aber die Mühe lohnte sich!



Hier am Rande der Klippe, hoch über der trostlosen Landschaft Cambodias wehte ein starker Wind vom Tale herauf. Der nackte Fels hier war glühend heiß, die Aussicht ist phänomenal.



Weithin sichtbar weht die buddhistische Flagge, die ein braver Mönch hier aufgestellt hat.





Auch hier oben befindet sich ein Getränkeverkaufsstand, aber leider ist in den Kühlboxen warmes Wasser in Plastikbeuteln als Eisersatz. No Problem, so ein Gatorade schmeckt auch ohne Kühlung noch halbwegs passabel.



Unten in der Ebene kann man eine kleine Siedlung ausmachen, und man kann die unbefestigten Straßen und Wege gut erkennen. Landwirtschaftlich genutzte Flächen sind nicht im Sichtbereich auszumachen, man erkennt schnell den Unterschied zwischen Thailand und dem Nachbarn im Osten.

Die Tempelanlage hier oben bedarf gründlicher Restauration, alles liegt als Schutt herum. Irgendwie sieht es hier so aus, als hätte ein Riese eine Weile herumgewütet, und alles durcheinander gemischt.





Die Tempelsegmente liegen hier zum Teil so herum, wie Lego-Bauklötze im Bettkasten eines Kleinkindes.


 
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abstinent

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Förderlich für die Arbeit zukünftiger Generationen von Archäologen ist sicherlich auch die Tatsache, das die antiken Baumeister der Khmer Gottkönige ihre Arbeit vor über 1000 Jahren ohne Verwendung von Zement oder Mörtel verrichtet hatten. Jeder dieser riesigen Bauklötze paßt genau auf einen anderen.
Irgendwie auch imposant, das einmal nachzuvollziehen - wie die damaligen Bauherren die zentnerschweren Bauteile hierhin bekommen haben. Manche entstammen Steinbrüchen, die in der Nähe des Tonle Sap Sees liegen, und der ist immerhin 100 Kilometer Luftline entfernt. Tausende von Sklaven, meist Laoten oder Thais, haben die Knochenarbeit verrichten müssen. Damals war die Zivilisation der Khmers der ihrer unmittelbaren Nachbarn haushoch überlegen. Das antike Reich der Gottkönige Cambodias erstreckte sich von vietnamesischen Küstenregionen im Osten bis nach Lopburi (Zentralthailand) im Westen und weiten Gebieten des heutigen Laos im Norden.

Hier, hoch oben auf dem Plateau des Berges, gibt es auch einen echten Juwelenshop Khmer-Style :D
Im Angebot sind Rubine und andere Edelsteine. Spottbillig und minderwertiger Kram oder Fakes, da braucht man kein Gemmologe zu sein.



Ein kleines Mädchen bietet Postkarten an, sie ist noch recht schüchtern, und ich sehe aus dem Augenwinkel - wie Theptida ihr ein 10 Bahtstück in die schmutzige kleine Hand drückt, und ihr dazu etwas erzählt.



 
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HPollmeier

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Hallo abstinent,

Touristennepp herrscht inzwischen weltweit.

Wenn ich in Italien für eine Strandliege bis zu 40 € pro Tag hinblättern muß, kann ich von Eueren Eintrittspreisen nur träumen. Auch der Papst beispielsweise in seiner unendlichen Demut langt bei den Besichtigungen von Kirchen und Klöstern unverschämt heftig zu.

Ich erlaube mir, Deinen Beitrag ein wenig zu ergänzen und schiebe hier eine mehr als zehn Jahre alte Arbeit mit genauso alten Dias ein; an dem heiligen Ort selbst hat sich ja wohl nicht viel geändert.


Khao Phra Viharn oder Preah Vihear - das heilige Kloster

aus Khmertempel in Thailand - Abglanz von Gottkoenigen
von H. & R. Pollmeier unter: http://www.thailandtipps.de/
© Fotos H. & R. Pollmeier

Besonderer Hinweis:
http://www.koratmagazine.in.th/sight/viharn/eviharn.htm - mit Vogelperspektiven u. a.



Natuerlich waechst mit jedem restaurierten Kunstwerk der Reiz zur Besichtigung. Aber gewiss lohnt sich auch der etwa 230 km lange Weg von Surin zum Felsentempel Khao Phra Viharn. Er ist ein beliebter Wallfahrtsort der Thais, wurde bisher nicht restauriert und ist im Augenblick geschlossen. Aber die Zeiten aendern sich.




Oft spinnen sich in Siam liebevolle Legenden um die Entstehung eines Tempels. Pin, die Tochter eines habgierigen, durch neue Angelmethoden reich gewordenen Fischerehepaares am Mekong, unterstuetzte heimlich die Armen. Ein Prinz, dem ihre Schoenheit wahrscheinlich mehr als ihre Mildtaetigkeit gefiel, nahm sie zur Gattin. Zur Suehne fuer ihre Eltern liess Pin den Felsentempel erbauen. Sachlichere Informationen findet man in der Broschuere von John Black "The Lofty Sanctuary of Khao Phra Vihar", das die Siam Society 1976 neu aufgelegt hat. Nach seiner Genealogie hat Yasovarman (889 - um 900) das Werk begonnen und Suryavarman II. (1113 - um 1150) letzte Hand angelegt. Die Architekten fast aller Khmerherrscher haben die Anlage mitgepraegt.




Khao Phra Viharn
Aber der bedeutendste Khmertempel der Provinz Si Sa Ket gehoert nicht mehr zu Thailand, er wurde nach einem Urteil des Internationalen Gerichtshofes 1963 Kambodscha zugesprochen, kann aber wegen seiner Nord-Sued-Lage in den Dang Rek-Bergen - nach Groslier in einer der schoensten Landschaften ganz Asiens gelegen - am Ende eines Felsplateaus nur von Thailand aus bequem erreicht werden. 1989 einigten sich Kambodscha und Thailand, dieses einzigartige Kunstwerk Besuchern wieder zugaenglich zu machen, aber erst mit dem Frieden im kambodschanischen Buergerkrieg kann man seit Okt. 1991 gefahrlos die mehr als einen Kilometer lange Tempelanlage besichtigen. Man benoetigt kein Visum, nur der Pass wird hinterlegt. Den Eintritt teilen sich beide Laender fuer eine spaetere Restaurierung.




Alle bedeutenden Elemente der Khmerkunst werden in dieser Anlage wieder einmal harmonisch vereint. Und doch draengt sich ein modernes Bild auf, denn der Felsen hat - von dem nahegelegenen Mor Daeng Cliff aus gesehen - die Konturen eines Tankers. Am Bug stuerzt die Linie mit dem Pei Ta Di Cliff steil in das Panorama der kambodschanischen Ebene ab. Auf Deck fuehrt eine 850 m lange, teilweise in den Felsen gehauene Treppe in einer Folge von vier Absaetzen allmaehlich auf die schiefe Ebene hinauf, Symbol des langen Weges in den hinduistischen Himmel. Unmittelbar vor den Klippen in 500 m Hoehe liegt das Gott Shiva geweihte Sanktuarium im fruehen Baphuon-Stil (1010 - 1080). Hier blicken aus den Reliefs noch die kantigen, mehr den Khmerherrschern als dem sanften Prinzen Gautamo entlehnten Buddhakoepfe in stilisierter Strenge.




Die Prasats auf der zweiten und dritten Ebene sind wie griechische Kreuze angelegt, die Gopuram jedes Absatzes werden von Stufe zu Stufe immer praechtiger und maechtiger. Die Anlage ist zum Teil zerfallen und wiederum hervorragend erhalten. Es ist nicht abwegig, wenn man empfindet, ein Hauch von Olympia breitet sich aus. Denn die verhaltene Kraft und Spannung rueckt die Bauwerke in die Naehe archaischer griechischer Kunst. Im Wechselbad der Eindruecke von Prunktoren und Hoefen, Gesimsen und Giebeln, von Palaesten und Proportionen wird man immer begleitet von der Naga, der urasiatischen Gottheit, die, ganz im Gegensatz zur christlichen Schlange, das Gute als Element des Lebens verkoerpert.

Buchtipps:
Sagen und Legenden der Khmer, Verlag C. H. Beck, Muenchen 1988, ISBN 3 406 328202.

Die steinernen Zeugen der Khmer-Vergangenheit werden durch sechsunddreissig Sagen und Legenden - eine Auswahl aus dem reichen Schatz der Khmer - zu neuem Leben erweckt und bereichern das Geschichtsbild und das Kunstverstaendnis des interessierten Lesers.

Khmer Mytholgy von Vittorio Rovenda, Weatherhill, NewYork/Tokio 1998, ca. 180 Seiten, ISBN 0-8348-0424-7 - in Englisch.

Nahezu jede Geschichte wird passend illustriert. Zuerst werden Mythen und Legenden auf fast 50 Seiten abgehandelt, dann einzelne Lokationen von z. B. Banteay Srei ueber den Bayon bis zum Angkor Wat fotografiert und erlaeutert, welche Legenden hier dargestellt sind.

Of Gods, Kings, and Men von: Albert le Bonheur und Jaroslav Poncar, Serindia Publications, London 1995, 112 Seiten, Querformat(!), ISBN 0-906026-37-7 - in Englisch.

J. Poncar hat saemtliche Galerien des Angkor Wat fotografiert: jeweils eine Galerie von mehreren 100 Metern auf ein Foto! Diese Fotos sind hier, ueber mehrere Seiten verteilt, abgebildet, teilweise kommentiert.



Gruss
Heinz
 
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abstinent

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@ heinz pollmeier

danke für die tollen ergänzungen, da hast du ja damals eine menge recherchiert! :bravo: :bravo: :bravo:

ciao

"abstinent" :cool:
 
bigchang

bigchang

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@abstinent und hp pollmeier

klasse berichte und auch hintergrundinfos und natuerlich auch die bilder :bravo:
danke an euch beide und weiter so :super:


gruesse matt :wink:
 
H

HPollmeier

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Hallo matt,

ich sag mal unverhohlen, dass ich mich über das Lob freue.

Wenn es nicht hin und wieder eine positive Stimme gäbe, würde ich mir die Arbeit nicht mehr machen.

Es dauert immerhin einige Stunden: Manuskripte herausklauben, möglichst noch aktualisieren, soweit das aus räumlichem und zeitlichem Abstand geht, oft noch ‚einscannen’, Negative und Dias suchen, bearbeiten, verkleinern – zu Ottos Leid nie genug!

Dann meine ich auch oft, die Arbeiten sind nicht mehr ganz taufrisch, halt so bemoost wie ich selbst. Da die aktuelleren Schreiber vor Ort wie Otto oder „abstinent“ nun ausdrücklich hervorheben, dass sie Ergänzungen begrüssen, hänge ich mich gern an in der Hoffnung, der Leser wird das Gebotene schon wichten.

Zumindest erhält er unterschiedliche Perspektiven von eigenwilligen Schreibern, die sich gegenseitig respektieren. Und das allein hat schon Eigenwert bei einem Zeitgeist, der bei jeder Gelegenheit jedem an’s Bein pisst.

So, mir fällt nix mehr ein:


Denn nur der Otto hat die erotische Maus:



Gruss
Heinz
 
Thema:

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