Abgesehen davon, dass es nicht wirklich praktisch ist Neugeborenen vor ihrer Geburt zu fragen, ob sie denn Lust hätten ein Teil der Familie zu werden, muss man sehen dass die meisten Menschen -wenn man sie fragt- die eigene Existenz ihrer Nicht-Existenz vorziehen. Das Leben ist daher ein Geschenk und damit ist es auch schon gerechtfertigt.
Nein, dass sehe ich nicht so. Der Eintritt in's Leben beginnt erst einmal mit einer Misere, einem Schock. Aus der heilen Geborgenheit im Mutterleib in eine kalte, gleissende Welt. Die erste Vorbereitung darauf, dass Leben Leid ist. Da es so ist, ist es ein naturgegebener Instinkt am Leben zu haengen, da sonst kein Leben moeglich waere, und sich wohl ziemlich jeder schnell in einen Abgrund stuerzt, wenn the shit hits the fan. Ergo, wird das Leben in erster Linie von einem dominiert. Der Angst vor dem Tod. Es scheint sich hier um die Gabe eines Sadisten zu handeln. Wuerde jemanden die Moeglichkeit gegeben in einer neuralen Daseinsform zu entscheiden, ob er Mitglied in dieser Welt werden moechte dann stellt sich die Frage, wieviele sich fuer solch ein Dasein entscheiden wuerden. Man muesste natuerlich das komplette Bild aufzeigen in objektiver Weise und nicht nur durch Aufzeigung lediglich einseitig der guten oder faulen Aspekte, denn das waere bewusste Manipulation. In der Regel wird das Leben von den meisten Leuten durch Furcht dominiert. Furcht vor Schmerz, vor Verlust, vor Leid und ganz obenan Furcht vor dem Tod. Ein rein natuerlicher Ueberlebensmechanismus. Dennoch gibt es natuerlich auch ein paar Zuckerle. Die schoenen aber immer sehr vergaenglichen Aspekte des Lebens. Eine staendige Berg- und Talfahrt ohne Wissen was sich in der naechsten Minute ereignen wird. Auesserstes Glueck im Kreis der Familie beim Abendessen. Harmonie pur. Auf einmal explodiert die Gasheizung. Vattern tot, Muttern im Koma, die Kinder verkrueppelt. Was nun?
Das Andere über unser Schicksal entscheiden ist auch eine falsche Ansicht, zumindest in der Sichtweise des Buddhismus, denn die Gründe für eine Wiedergeburt als Mensch sind ja durch das Karma bestimmt. Viele Buddhisten glauben, dass unsere eigene Anhaftung an das Leben zur Wiedergeburt führt.
Ich persoenlich halte ja bekanntlich den Aspekt der physischen Inkarnation fuer widersinnig, weil es eben keine manifestierte Seele gibt. Eine Manifestierung kann es nur durch Erleuchtung oder den Tod geben. Karma ist somit nur im Leben signifikant fuer die staendigen
psychischen Geburten und Tode. Z. B. der "Tod" des derzeitigen Dasein im gluecklichen harmonsichen Familienkreis durch eine explodierende Gasheizung und die "Wiedergeburt" im neuen Dasein, das aus totem Vater, komatoeser Mutter und verkrueppelten Kindern besteht. Ein aehnliches Schockerlebnis wie bei der urspruenglichen einmaligen physischen Geburt. Aus der schuetzenden Wohligkeit der Wechsel in eine kalte, furchteinfloessende, reale Welt. Sich vor der Furchtbarkeit der "explodierenden Gasheizungen" zu schuetzen, hierauf ziehlt die buddhische Lehre nach meiner Meinung ab. Je groesser die Liebe ist, je effektvoller und vernichtender die Gasheizung. Liebe nicht, hasse nicht, hoffe nicht, verzweifle nicht... sondern schlage den Mittelweg dazwischen ein. Die Furcht verschwindet und Leben und Tod koennen einem nicht's mehr anhaben. Selbst explodierende Gasheizungen nicht. Sie sind nicht mehr von Relevanz.
Nein, das ist ein wenig verdreht. Auch im Buddhismus wird das Leben sehr hoch geschätzt und gerade aus diesem Grund steht die Nicht-Töten Regel an der ersten Stelle. Außerdem hat der Buddha den großen Wert eines Menschenlebens besonders betont. Im Gegensatz zu den Tieren, die aufgrund des fehlenden Verstandes ihr Karma durch passives Leiden lediglich "abarbeiten" können, hat der Mensch die Möglichkeit sich durch eigene Erkenntnis der Erleuchtung zu nähern. Daraus würde folgen, dass das Leben eines Menschens wertvoller ist als das Leben eines Tieres.
Auch wenn es jetzt wieder superarrogant und ueberheblich rueberkommt, dass was Du da beschreibst ist der Buddhismus fuer den kleinen Mann auf der Strasse. Auch alle diese festgeschriebenen Doktrien. Das Leben hoch zu schaetzen ist aber genauso ein Irrweg wie es zu verabscheuen oder den Tod zu lieben oder zu hassen.. Es handelt sich um Extreme um Anhaftungen, die nicht zur Befreiung sondern nur zur Versklavung fuehren koennen. Tiere haben im Leben dem Menschen einiges voraus und benoetigen somit den Buddhismus nicht um sich intellektuell vom Leid zu befreien. Sie akzeptieren das Dasein viel eher so wie es ist, da sie nicht zu solchen bizarren Denkstrukturen wie der Mensch in der Lage sind und sich somit durch uebermaessige Gedankengaenge selbst Unbehagen bereiten. Ignorance is bliss. Somit ist oftmals der Dummkopf dann auch gluecklicher als der Intellektuelle, weil er weniger mit den Realitaeten hadert, da er dazu gar nicht in der Lage ist. Solange das deutsche Fussballteam Europameister wird ist die Welt in Ordnung. Tiere benoetigen noch nicht einmal dieses. Ihre Ansprueche an das Leben sind weitaus geringer. Somit ist fuer sie auch die buddhistische Lehre nicht von Noeten. Nicht weil sie minderwertiger sind sondern durch ihre Ignoranz viel eher zum Glueck finden koennen als der weitaus komplexere Mensch. Die buddhistische Lehre ist somit nur ein Schutz des Menschen vor sich selbst, gegen die Uebermacht der Emotionen.
Weiss nicht, wer mir bei meinen Auslegungen folgen kann. Dir, Thomas, traue ich es durchaus zu obwohl meine Anschauungen im Widerspruch zur eigentlichen Lehre zu stehen scheinen. Sie sind es lediglich nur scheinbar. Ich bin ein sehr treuer Juenger Buddhas und folge seinen Anweisungen ihn staendig zu hinterfragen und zu meinen eigenen Schlussfolgerungen zu kommen anstatt ihn blind kopieren zu wollen. Der Versuch Buddha zu sein wird mit Sicherheit niemanden zur Erleuchtung bringen sondern nur der eigene massgeschneiderte Weg. Nur so ist der Buddha ja selbst zur Erleuchtung gekommen, nachdem er die "Weisheiten" seiner Mitmenschen nicht einfach uebernahm sondern sie hinterfragte und dann schliesslich so zur eigenen Erkenntnis kam. Somit gibt es keinen standardisierten Persilscheinbuddhismus sondern ein jeder ist immer nur sein eigener Buddha und muss das Rad immer fuer sich selbst von neuem erfinden.
Sicherlich werden mich wieder einige Member wegen meines Post verabscheuen, vielleicht sogar regelrecht hassen, ist aber nicht schlimm. Ich kann es nicht aendern und werde mich deswegen nicht von meinem eigenen Weg abbringen lassen, aus Solidaritaet, Ruecksichtnahme oder was auch immer. Es waere dann eine Selbstverleugnung. Das Schlimmste was man sich eigentlich antuen und was letztendlich immer nur in's Leid fuehren kann. Ich moechte mich aber vom Leid befreien und somit bin ich so wie ich bin. Allen einen Sonntag in Zufriedenheit.
