In weit milderer Form hatte ich dieses Phänomen auch. Ich hatte allerdings niemals sowas wie ein Besuchsrecht, allein das wäre für mich schon "das letzte". Bei uns gab es darüber simple Absprachen, von Rechten war nie die Rede.
Es fiel mir zwar schwer, aber ich habe weitgehend auf (von mir initiierten) Kontakt zu meinen Kindern verzichtet. Wenn es von ihnen ausging, war und bin ich aber sozusagen jederzeit bereit. Natürlich wird man dadurch für manchen zum "Rabenvater".
Meine Überlegung war, dass ich meinen Kindern einen immer wieder neu zu lebenden Verlust ersparen wollte. Jedes oder jedes zweite Wochenende Wunden aufreißen fand ich einfach ungut. Das war schon für mich schwer genug, um wieviel schwerer ist das für ein Kind.
Dabei kam zwar auch heraus, dass meine Kinder teils mit falschen Vorstellungen über mich aufgewachsen sind, die liessen sich aber mE später leicht korrigieren.
Was mir von vornherein klar war, dass ich nie ein normaler Vater sein kann. Da fehlen einfach zu viele Tage dazwischen, an denen man eben nicht als anwesend erlebt wird. Allein in dem Bewusstsein einzuschlafen, dass im Nebenraum der Vater/das Kind schläft oder mit dem Gefühl aufzuwachen, dass man sich gleich sehen wird, erzeugt ein völlig anderes Beziehungsgefühl als wenn das eben nicht so ist, oder nur manchmal.
Ich hab so, weitestgehend auf meine (emotionalen) Kosten, eine Menge Spannungen aus der Beziehung genommen, und ich würde dies jederzeit wieder genauso machen.
Das Problem über ein umgekehrtes Sorge-/Aufenthaltsbestimmungsrecht umzukehren, bringt mE dem Kind auch keinen Vorteil.
Eine Familie zu verlieren ist immer ein Drama, für alle Beteiligten. Man kann auch eine Tragödie daraus machen, wenn man nur genug zankt.
Neulich habe ich nach 6 Jahren meine letzten zwei Söhne wiedergesehen (lag auch daran, dass ich eben in TH gelebt hatte) und wir haben uns prima verstanden. Fast als wären wir nie getrennt gewesen. Meine Sorge, dass sie von ihrer Mutter falsch erzogen werden würden, hat sich als teilweise unbegründet herausgestellt. Und den Rest hätte ich eh nicht verhindern können. Ich glaube, es war gut so, wie ich es gemacht habe. Meine Ex hatte kaum Grund/Möglichkeit, "gegen mich zu arbeiten". Vorher, bei mehr Kontakt, gab es dafür schon (zu viele) Hinweise.
Wie man es macht, wirklich befriedigend wird es nie sein können. Deshalb musst Du auch selbst erspüren, wie es für Euch optimal sein kann. Laß Dich dabei nicht von Konkurrenzdenken leiten, das hilft niemandem und schadet dem Kind. Andererseits hat Dein Kind Anspruch auf Unzerrissenheit. Wenn die vorübergehend nur durch ein Opfer Deinerseits herzustellen ist, dann würde ich das bringen. Es wird sich eines Tages die Gelegenheit bieten, die eigene Sicht darzustellen. Dann, wenn das Kind danach fragt.
Keine Wunschlösung, und sicher nicht für jeden machbar. Soll auch nur eine Anregung zu eigenem Nachdenken sein.