Loetstellen koennen unter Belastung/Bewegung brechen. Da sich aber in einem Schalter nix bewegt, ist das egal. Und diese Geschichten mit "wegfliessendem Loetzinn" ueber einen langen Zeitraum sind doch wohl eher dem Umstand geschuldet, das Verpressen billiger ist als Verloeten. Mir ist das so kontaktmaessig sicherer als Litze, die teilweise schon beim Abschneiden zerrissen wird. Und sicherer als bunte Einzelkabel von verschiedener Laenge allemal.
So einfach ist das leider nicht.
Zum einen ist fluessiges Zinn gegenueber Kupfer sehr aggressiv. Es wird also schon waehrend des weichloetens Kupfer vom Leiter geloest. Dadurch ensteht am Uebergang von der geloeteten zur nicht geloeteten Stelle eine Sollbruchstelle.
Um ueberhaupt eine Benetzung beim Weichloeten erreichen zu koennen, muss man mittels Flussmittel (bei Loetdraht im Hohlraum des Lotes) die Drahtoberflaeche von Korrosion und anderen Fremdstoffen befreien.
Im Idealfall wird das Flussmittel waehrend des loetens vollstaendig verbrannt und inaktiviert. Wenn das beim Maschinenloeten gelingt ist der Prozess gut eingestellt, beim Handloeten gelingt das nie im Leben, auch weil im Loetdraht eigentlich viel zu viel Flussmittel ist.
Die Rueckstaende sind je nach Zusammensetzung des Flussmittels hochkorrosiv und beguenstigen Dendritenwachstum. (Oke, Dentriten spielen beim Schalter eher keine Rolle.
Desweiteren bilden sich beim Weichloeten am Uebergang zwischen dem Kupferdraht und der Zinn/Blei Legierung s. g. intermetallische Phasen, die in ihrer Struktur Kristallin und damit bruechig sind. Die Bildung dieser Phasen wird von langer Loetzeit und zu hoher Temperatur beguenstigt. Und genau das passiert vorzugsweise beim Handloeten. Einfache Handloetkolben bruzeln gerne mit ueber 300 Grad herum, obwohl fuer ein eutektisches Zinn/Blei Gemisch 230 Grad mehr als genug waeren. Das Eutektikum von SN63PB37 liegt bei etwa 187 Grad.
Da braucht es auf Dauer keine Erschuetterungen um einen Bruch zu bekommen, da reichen schon genuegend Temperaturzyklen. (Im Volksmund kalte Loetstelle).
Verpressen, im Fachjargon crimpen, hat sich nicht wegen des Preises sondern wegen einer erheblich groesseren Zuverlaessigkeit durchgesetzt. Hierbei ensteht durch Kaltverschweissung eine gasdichte Verbindung, die jeder Weichloetung in Sachen Zuverlaessigkeit und Uebergangswiderstand ueberlegen ist. Ausserdem werden keine korrosiven Chemikalien eingesetzt, was gerade in tropischen Regionen ein unschaetzbarer Vorteil ist.
Natuerlich gibt es auch hier Parameter, die zu beachten sind.
Selbstverstaendlich spielt auch die automatische Verarbeitung mit Crimpautomaten eine Rolle.
Das heisst jetzt nicht, dass du panikartik alle Loetverbindungen entfernen solltest, aber setze zukuenftig, gerade in den Tropen, auf Crimpverbindungen.
Quelle dieser Weisheiten ist im Wesentlichen Dr. Ahrens vom Fraunhofer Isit in Itzehoe. Eine Koryphaee in Sachen Metallurgie und Zuverlaessigkeit von Loetstellen.