Hat Stolz in Th eine Chance?

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Armin

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Ich meine stolz sein auf etwas Geschaffenes! ภูมใจ
Nicht stolzer Gockel!

Ich versuche häufiger meiner Frau dieses Gefühl mitzuteilen: wir haben hart gearbeitet und haben uns etwas aufgebaut – ich bin darauf stolz. Ich möchte dass sie auch darauf stolz ist und daraus Stärke bezieht und sich verteidigt.
Die Thais sind sehr stolz auf ihr Land, ihren König, ihre Freiheit. Auf die eigene Leistung sind sie nicht stolz, weil die das Ich hervorhebt und das zählt nicht sehr viel in der Gemeinschaft. Alles Individuelle wird der Sippe untergeordnet und platt gemacht. Stolz auf die eigene Leistung darf es nicht geben. Jeder wird von klein auf getrimmt sich ein- und vor allem unterzuordnen. Das Familienoberhaupt wird weiter hofiert, oder so gemacht als, auch wenn aufgrund Alter und geistigen und körperlichen Fähigkeiten keine Führung möglich ist. Ich mag und kann als Farang nicht diese Führung übernehmen. Bis ich all diese Feinheiten der Führung einer Th-Familie gelernt habe bin ich ein Greis, aber schon viel, viel früher ist ein Teil der Autorität, das Geld, alle. Damit wäre ja nichts geändert.
Meine Frau leidet durch diesen Zwiespalt zwischen kleine Schwester und – mit durch eigene Leistung aufgebautem - „Reichtum“.
Ich möchte sie selbstbewusster machen und stärken. Sie soll lernen ohne große Selbstverteidigung standhaft zu bleiben. Eben auch über das Vehikel Stolz.


Fragt doch mal eure Frauen – und natürlich euch selbst.
 
MichaelNoi

MichaelNoi

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Stolz Eitelkeit, Neid... :ohoh:

Aber du meinst ja den positiven Stolz, den du bei deiner Frau etwas vermißt, wenn sie in den Kreis ihrer Familie zurückkehrt und sich den gewohnten Strukturen unterordnet. Ob man da so einfach ausbrechen kann ? Ist sicher ein langer Lernprozeß auf beiden Seiten, besonders wenn man kein Porzellan zerschlagen will.

Ich glaube nicht, dass es hier generell ein Problem gibt. Das hängt doch stark vom Charaktertyp der Frau ab:

Das Lämmchen:
Kommt in den Heimaturlaub nach LOS und verhält sich so, wie sie es früher schon immer getan hat, läßt sich vom großen Bruder ´rumkommandieren , bezahlt die Spielschulden der Tante mit einem (Yimm Siam) Lächeln, verrichtet wieder die niedrigsten Arbeiten ....sie spielt Liebkind für ein paar Wochen und ist stolz darauf ;-)

Die Madame :
Hat ihr Styling dermaßen verändert, dass Mäh sie am Airport gar nicht mehr erkennt, gibt dem Taxifahrer ein Wahnsinnstrinkgeld, kauft im Vorbeigehen dem Bruder ein neues Moped und Phoo eine Dolbysuroundanlage.
Sie ist stolz, auf das was sie , ohne viel Arbeit, erreicht hat und läßt es jeden spüren und die Eltern sind Stolz auf ihre reich verheiratete Tochter ;-D

Die Ehrliche:
Freut sich aufrichtig ihre Eltern wiederzusehen, möchte nicht in wenigen Wochen mehr ausgeben, als sie zur Verfügung hat nur um Eindruck zu schinden, erzählt den Eltern, dass es ihr gut geht in Germany, sie einen lieben Mann hat und Deutschland kein Schlaraffenland ist.
Sie ist stolz auf ihre Ehrlichkeit und ihre Eltern sind stolz auf sie.

Kann die Tochter die Erwartungshaltung ihrer Familie durch eigenes Verhalten steuern ?
Ich glaube in gewissem Umfang schon. :cool:
 
tira

tira

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Armin" schrieb:
...Ich möchte sie selbstbewusster machen und stärken. Sie soll lernen ohne große Selbstverteidigung standhaft zu bleiben. Eben auch über das Vehikel Stolz.
....
hallo armin,

mal ehrlich ich halte das für den falschen ansatz selbstbewusstsein zu vermitteln. habe persönlich mit solz so probleme. könne den thais ihren nationalstolz, bin mir aber nicht sicher auf was ich hier in d stolz sein soll - vergangenheit, geschaffene werte, gezeugte kinder... :nixweiss:

dein angeführter stolz auf geschaffenes, vermögen korreliert mir zu sehr mit angabe, prahlerei ob mit sowas eine rangordnung beeinflusst werden kann ist fraglich bzw. unehrlich... :ohoh:

für mich entscheidender ist nicht der stolz meiner mia sondern ihre zufriedenheit mit sich und der welt, und diese welt ist nun mal hier in d. auf thailand sind wir zu besuch und gehen wieder..... :undweg:

gruss :cool:
 
x-pat

x-pat

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Kulturelle Werte und Normen sind so ausgerichtet das in Thailand von der Gesellschaft weniger Wert auf persönliche Errungenschaften gelegt wird und statt dessen eher Harmonie und die Erreichung eines Konsens betont werden. Der einzelne definiert seinen Rang in der Gesellschaft durch seine soziale Kapazität. Die ist wiederum durch verschiedene Faktoren definiert, nicht nur durch Geld, Macht, und Einfluss, sondern auch Bildung, soziale Verbindungen, sowie typische Thai Werte wie z.B. "bunkhun" (social merit) und "kiad" (honor); alles zusammen könnte man vielleicht als positives Karma bezeichnen. Auch die Thais wissen das gutes Karma mit harter Arbeit, Verzicht, und Selbstlosigkeit aufgebaut werden muss, daher gibt es durchaus einen "sense of achievement". Also durchaus - ja - Stolz auf die eigenen Errungenschaften wird positive aufgenommen und gehört zum sozialen "Gesicht", besonders im chinesisch geprägten Bangkok (weniger im Isaan und ländlichen Gegenden). Letztendlich ist es natürlich auch eine persönliche Frage.

Meine Frau ist z.B. durchaus stolz auf Ihren Master Degree aus Boston, auch wenn der inhaltlich mit ihrer gegenwärtigen Arbeit nicht viel zu tun hat. Sie ist auch stolz darauf das sie sich vier Jahre in Amerika durchgeschlagen hat und ihr Studium mit Jobs finanziert hat, während sich andere Thai Studienkollegen von ihren Eltern durchfüttern liessen. Ich glaube das auch viele andere Thais die an sich selbst arbeiten, eine Fremdsprache lernen, sozial engagiert sind, oder einen fordernden Beruf wahrnehmen, ganz sicher von einem gewissen "sense of achievement" motiviert sind, selbst wenn persönliche Ambitionen von der Gesellschaft hier oft einen Dämpfer erhalten.

X-Pat
 
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Armin

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MichaelNoi

Meine Frau hat eigentlich immer hier gelebt. Sie war einmal 2 Monate und einmal 14 Tage auf Urlaub in D.
Nur eben die letzten 19 Jahre hat sie 80 km entfernt von ihrer Familie gelebt und mit mir gearbeitet. Seit 1 1/2 Jahren leben wir mit ihrem Vater in Suratthani.

tira

Wie du oben lesen kannst, bin ich schon eine ganze Weile weg aus D. Man muß nicht national-deutsch eingestellt sein, wenn man sich an gewisse gute Werte seines Heimatlandes erinnert, sofern sie einem durch die Eltern oder Schule vermittelt wurden.
Mit etwas Stolz meiner Frau, oder auch mich, soll nicht eine Rangordnung beeinflusst werden - ich bin einfach nach dem Vater das älteste Familienmitglied.

x-pat

Du hast meinen Beitrag richtig verstanden und kannst wahrscheinlich unsere Schwierigkeiten verstehen. Ich habe dieses Karma, doch ist die Familie eher eine ländliche Arbeiterfamilie und da zählen bei einigen Geschwistern eher die materiellen Dinge.
Auch habe ich schon viele soziale Anläße miterlebt, wo im Suff der eigentliche Anlaß vergessen wurde und es ging nur noch um Sanuk, Sanuk!

Sie ist auch stolz darauf das sie sich vier Jahre in Amerika durchgeschlagen hat und ihr Studium mit Jobs finanziert hat,...
... und sich eben auch manchmal von ihrer popeligen Verwandtschaft abseilen.
Weil sie auch oft nicht wissen, wie damit klar kommen?
 
Jinjok

Jinjok

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@ Armin
IMO ist die Frage falsch gestellt. Eine allgemeingültige Aussage läßt hier wie bei den meisten gesellschaftlichen Fragestellungen kaum treffen. Auch wird Stolz in Thailand z.T. auch etwas anders präsentiert als bei uns, weniger egoistisch. Aber das führt hier sicher zu weit.

Ich möchte mich hier nur auf eine Gegenbeispiel beschränken. Ich erlebe Stolz beispielsweise bei meinen Schwiegereltern ganz deutlich. Wer dort ins Haus kommt sieht als erstes unter den Bildern vom König und der Königin die Bilder von Mutter und Vater in der Firmenuniform mit allen Auszeichnungen und darunter die Bilder aller vier Kinder bei der Übergabe ihres Uni-Abschlusses durch die Kronprinzessin Sirindtorn.

Auf diese Bilder bzw. was sie symbolisieren sind sie sehr stolz. Es hat sie über Jahre endloser Entbehrungen gekostet allen Kindern diese Bildung zu ermöglichen. Die Kinder waren bei der Oma oder dem Onkel während sie von früh bis spät gerackert haben. Heute, wo alles geschafft ist, sieht jeder Besucher sofort, das sie auf das selbst erreichte stolz sind. Kaum einen Besucher wird man auf die Bilder hinweisen und darüber diskutieren, aber ich denke alle nehmen sie wahr und wissen warum die Bilder gerade im Empfangsbreich aufgehängt sind.

Ich kann mir vorstellen, daß es Dich wurmt, daß Deine Frau nicht aus dem Erreichten die Konsequenz ziehen kann und ob ihres wirtschaftlichen Erfolges die Rolle der kleinen Schwester verläßt. Das liegt aber vielleicht weniger am fehlenden Stolz sondern an der natürlichen Hirachie, in die sie hineingeboren wurde. Sich gegen diese in Thailand aufzulehnen erfordert gewisse charakterliche Eigenschaften, die nicht jede(r) hat und oft keine guten Charakterzüge sind. Seifenopern thematisieren diesen Zwiespalt recht oft.

Ich denke, daß in Thailand nicht wie bei uns Mein Haus, mein Auto, mein Jacht... (populäre TV-Reklame) zählt, sondern Meine Eltern, meine Geschwister, meine Kinder... das sind, womit man sich identifiziert und repräsentiert. Nicht, daß man nicht nach einem größeren Pickup als der Nachbar streben würde, aber Stolz auf den ist man eventuell seltener oder weniger darauf als bei uns. Dabei wiegt der Satz, Mein Buder ist "das" oder Meine Tochter ist "jenes" viel mehr als der Pickup. Es ist wohl eine andere Kategorie Stolz als wir sie heute kennen.
Jinjok
 
Serge

Serge

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@ X-Pat @ Jinjok.
Gute Analyse, der kann ich mich nur anschliessen! :super:
 
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Armin

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@Jinjok

Die Frage ist ziehmlich bescheuert gestellt, wie ich leider erst später gemerkt habe.

Du hast es jedoch recht gut erfasst:

Ich kann mir vorstellen, daß es Dich wurmt, daß Deine Frau nicht aus dem Erreichten die Konsequenz ziehen kann und ob ihres wirtschaftlichen Erfolges die Rolle der kleinen Schwester verläßt.
Doch was sind:

"...gewisse charakterliche Eigenschaften, die nicht jede(r) hat und oft keine guten Charakterzüge sind."

Vielleicht erzählst du mir mehr über diese Charakterzüge und ich (wir) kann (können) dann abwägen, was uns was wert ist. Bitte!

Die meisten Thais sind nicht so heilig, wie sie sich gerne zeigen, doch kennen sie sich eben in diesen alten gesellschaftlichen Strukturen aus. Wer, wann, wen, mit welchem Whai begrüßt...

Schon bei einer Begrüßung laufen im Hintergrund einige Einordnungen, Zuordnungen und Bewertungen ab.

Stolz ist also ein schlechter Charakterzug, da aufs Ich bezogen. Wenn ich ihn aber gut verpacke, geht es dann wieder. Zum Beispiel alle wichtigen Dokumente und Urkunden in einen protzigen Rahmen stecke. Natürlich muß der kaum angezahlte neue Pickup immer poliert vor der Haustür stehen, so dass man manchmal nicht mehr ins Haus kommt. Die Frau ist mit Gold behangen...
Doch diese Art Stolz ist mir zuwieder, da kleinbürgerliche Prahlerei.

Ich bin stolz auf meinen aufrechten Gang. Dieser Stolz hat mir in allen schwierigen Situationen geholfen. Und letztendlich ist es das Indiviuum welches geboren wird oder stirbt.
 
Peter-Horst

Peter-Horst

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Hallo Jinjok,

Jinjok" schrieb:
....
Ich denke, daß in Thailand nicht wie bei uns Mein Haus, mein Auto, mein Jacht... (populäre TV-Reklame) zählt, sondern Meine Eltern, meine Geschwister, meine Kinder... das sind, womit man sich identifiziert und repräsentiert. Nicht, daß man nicht nach einem größeren Pickup als der Nachbar streben würde, aber Stolz auf den ist man eventuell seltener oder weniger darauf als bei uns. Dabei wiegt der Satz, Mein Buder ist "das" oder Meine Tochter ist "jenes" viel mehr als der Pickup. Es ist wohl eine andere Kategorie Stolz als wir sie heute kennen.
Jinjok
Stolz auf das erreichte der Familie der Kinder ... im den Thema stimme ich Dir zu.

Jedoch glaube ich auch das gerade das "protzen" schon sehr weit verbreitet ist und ob man es sich leisten kann oder nicht, man sich mit teuren Luxusgütern umgiebt.

Bin immer froh das in "unserem" Bekanntenkreis in D. und in LOS das nicht üblich ist.

Gruß Peter
 
Serge

Serge

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Na ja - das ist schon schwierig - aber im Grunde finde ich liegt JinJok doch richtig.

Natuerlich gibt es Prahlerei und vieles andere, aber es ist natuerlich auch immer schwer von einem Thema auf ein ganzes Volk zu schliessen. Wie ueberall gibt es hier Individuen der unterschiedlichsten Art mit unterschiedlichsten Auspraegungen.

Wie soll man da jetzt den grossen Bogen spannen??

Bildung - das ist ohne Frage ein Thema fuer Stolz - mehr noch als materielles, das gilt so ziemlich allgemein. Ich kenne, in Prachuab Kiri Khan, in einer kleinen Stadt, ein Ehepaar, so um die 50, die haben ihr ganzes Leben als Fischer gearbeitet, nur damit die beiden Jungs studieren koennen - einer ist jetzt Ingnieur und einer BWLer oder MBA. Die sind stolz - auf ihre Jungs und auf ihre Leistung. Bei den Studenten in Mahidol ist es aehnlich.

Arbeit - oder etwas fuer die Gemeinschaft geleistet zu haben, ist ein anderer Stolzfaktor. Ich nenne das mal den Paradorn Effekt. Hierzu zeahlen Leute wie Polizisten, Sportler, Musiker etc., nicht unbedingt beruehmt aber anerkannt.

Schoenheit ist noch einer - eine schoene Tochter, am Besten mit Grips, ist ohne Frage etwas worauf man Stolz ist - das koennen die Eltern sein, aber auch die ganze Familie oder gar das ganze Dorf.

Es gibt auf jeden Fall eine Reihe von Stolzfaktoren die eher zwischenmenschlicher als materieller Natur sind.

Die Zurschaustellung von Schmuck - das ist nicht nur eine Frage von Stolz der Person die diesen nun traegt - das kann auch den Status der gesamten Sippe - also nicht Familie sondern alle - repraesentieren. Dann ist das Tragen dieses Schmuck kein individueller Ausdruck von Stolz sondern vielmehr ein Spiegelbild des Status der Familie den man mit Stolz repraesentiert.

Aber natuerlich ist all dies wie vieles andere der Wandlung unterzogen.

Die meisten Thais sind nicht so heilig - ohne Frage. Aber geht es darum? Eigentlich doch nicht. Der Habitus der Thais hat es halt in sich sich so zu geben. Und wie Armin sagt, wissen die Thais mit dieser "Schein"-Heilligkeit doch nur zu gut umzugehen, katalogisieren sie doch schon gleich bei der Begruessung, in einer kodierten Zeichensprache. Insofern ist diese Heilligkeit doch eher ein Spiel, deren Regeln wir vielleicht nicht ganz verstehen.
 
P

Peanut

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@ Peter Horst
Ich stimme dir 100 prozentig zu.
Fuer dieses Protzen, auch wenn man kein Geld hat wird in TH der Ausdruck Nah Jai verwendet und der ist doch ziemlich populaer.
 
Jinjok

Jinjok

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Hallo Peter-Horst
Viele Dinge die ich Armin schreiben wollte hat Serge mir schon abgenommen, also kann ich den Part überspringen. Vielleicht nicht ohne nochmal zu betonen, daß Armin schon den richtigen Ansatz in seiner Feststellung hat, daß wegen seiner egozentrischen Komponente der Stolz als schlechte Eigenschaft in der Gemeinschaft gewertet werden kann, aber durchaus unter den richtigen Umständen (er nennt es richtig verpackt) positiv gesehen wird.

Genau hier kommt Serges feine Unterscheidungen der verschiedenen Arten von Stolz ins Spiel. Stolz auf Familienglieder, den Nachbarn, die Stadt oder das Land zu sein sind positiv gewertete Vorgänge und auch auf ihre Art und Weise unvergänglich. Der Stolz auf materielle Dinge wie Pickup, Bankkonto, Goldklunker oder wirtschaftliche Macht werden nagetiv belegt, wenn sie nicht anderen auch zugute kommen.

Hallo Armin
Du fragst mich nach den charakterlichen Eigenschaften, die man braucht um aus dem hirarchischen Gefüge auszuscheren. Da wären ein gewisses Maß an Rücksichtslosigkeit, Selbstsucht und Skrupelosigkeit, seine wirtschaftliche Potenz gegenüber den anderen Mitgliedern der Familie/ des Dorfes so auszuspielen, um die natürliche Ordnung zu kippen und sich selbst an die Spitze der Hirachie zu setzen. Auf gut Deutsch ich spreche hier von Machtkampf, Vorherrschaft und nicht zuletzt Gewalt im Extremfall.

Wenn ich Dich richtig verstehe, möchtest Du aber nicht Deine wirtschaftliche Macht bzw. Eigenständigkeit in hirachiche Macht umgesetzt sehen, sondern Du möchtest nur Deine Frau von ihren ererbten Pflichten des Zu-Diensten-Sein gegenüber Leuten, denen gegenüber sie es Deiner Meinung nach nicht mehr nötig hat, entbunden zu sehen. Das möchtest Du über ihren Stolz initiieren.

Es würde sicher bei einer ganzen Menge Leute funktionieren, aber IMO nicht bei Leuten, denen man einen "guten Charakter" bescheinigen würde. Deine Frau ist von ihrer Erziehung eventuell geprägt worden, die Rolle der kleinen Schwester ihr Leben lang zu spielen. Die Prägung erhielt sie dann ihr Leben lang bis heute und das legt sie nicht einfach so ab. Eventuell will sie es nicht einmal, weil sie die Konsequnezen die es für sie hätte nicht mögen würde.

Aber das sind ja nur Mutmaßungen aufgrund Deines Eingangspostings und der Assoziation die sich bei mir daraus über Eure Situation ergab.
Jinjok
 
W

woody

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Jinjok" schrieb:
Hallo Armin
Du fragst mich nach den charakterlichen Eigenschaften, die man braucht um aus dem hirarchischen Gefüge auszuscheren. Da wären ein gewisses Maß an Rücksichtslosigkeit, Selbstsucht und Skrupelosigkeit, seine wirtschaftliche Potenz gegenüber den anderen Mitgliedern der Familie/ des Dorfes so auszuspielen, um die [highlight=yellow:d65c1d28a8]natürliche Ordnung [/highlight:d65c1d28a8] zu kippen und sich selbst an die Spitze der Hirachie zu setzen. Auf gut Deutsch ich spreche hier von Machtkampf, Vorherrschaft und nicht zuletzt Gewalt im Extremfall.
Jinjok
Hallo Jinjok

Deine Analyse ist nicht schlecht, nur eines stösst mir auf: [highlight=yellow:d65c1d28a8]natürliche Ordnung [/highlight:d65c1d28a8]
diese Ordung ist nicht natürlich oder vielleicht doch? Weil es natürlich ist, dass sich der (das) Stärkere durchsetzt, oder wie soll man das verstehen?
 
O

onnut

Gast
wadee tuk khon,
oder wie man hier sagt,
jeder jeck ist anders.
will heissen,was den einen stolz macht,ist dem anderen egal.
halt jeder nach seiner fasson.
onnut
 
Jinjok

Jinjok

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Hallo Woody
Du hast vollkommen Recht. Mir fiel kein besserer Begriff ein, natürlich ist das wahrlich nicht. Was ich ausdrücken wollte ist die traditionell gewachsene Ordnung der lokalen Gemeinschaft.
[hr:aa82177155]
Allerdings ist das Recht das Stärkeren doch wohl absolut natürlich, wenn ich mir's genau überlege. Aber gemeint hatte ich die traditionelle, gesellschaftliche Ordnung.
Viele Grüße
Jinjok
 
M

MrLuk

Gast
Diese diversen Analysen bereichern mich ganz klar um einige Informationen. Besonders was das soziale Verhalten, in Sachen Stolz und dessen Anwendungen in Thailand betrifft. Ob ich etwas gelernt habe, und ob es sich bestätigen wird, werde ich in schätzungsweise 10-15 Jahren beurteilen können.

Ja, so lange werde ich wohl brauchen, - habe ich doch etwas mehr als 40 Jahre gebraucht um diese Dinge auch nur annähernd in meinem Heimatland zu verstehen.

Der Stolz auf die Familie, besonders auf die Kinder und die Enkel, der Stolz auf materiellen Erfolg, "Kaufkraft", Besitz, Status und Machtposition sind Dinge die mir lange Zeit am allerwertesten vorbeigegangen sind.

Ich bin ein richtiger Naivling und ein "Lahmarsch" was das Begreifen dieser sozialen Erscheinungen anbelangt. Ich war nie stolz auf irgendetwas, habe nie Wert auf "Materielle Dinge" gelegt und trotzdem versucht sie zu respektieren und mich mit dem nötigsten zu versorgen.

Ich habe sehr lange unter Minderwertigkeitsgefühlen gelitten und mich oft gefragt was um Gotteswillen ich verbrochen hatte, in dieser seltsamen Gesellschaft mein Dasein fristen zu müßen. Es reichte mir vollkommen aus, wenn ich eine Position einnehmen konnte, in der ich nicht andauernd den Angriffen der Anderen ausgesetzt war. Ich war stets vorsichtig, Andere nicht zu verletzen, und besonders nicht in ihrem Stolz. Habe ich doch gelernt, daß es für manche Menschen scheinbar ein seltsames aber scheinbar sehr wertvolles Gut ist, das man besser nicht in Frage stellen sollte. Es war also immer etwas das scheinbar nur anderen vergönnt war...

Höfflichkeit hat man mir zwar beigebracht, ich wußte aber bereits aus einer Art Instinkt heraus, daß es wohl ein annerkannter Kodex zur Antiagressivität war, der aber im Lauf der Zeit und der Geschichte einen unauffälligeren und besserklingenden Namen bekam.

Es ist nicht leicht, als freier Mensch geboren zu werden, und nach und nach in die Zwangsjacke der Gesellschaft gesteckt zu werden - und sogar nach der Niederlage festzustellen, daß der kleinste Ausbruchversuch sofort bemerkt- und geahndet wird. Partisanen sind rar gesät und ihre Reihen lichten sich zunehmens...

Der Unterdrückte kennt die Verhaltensmuster seiner Tyrannen allzugut und zwar aus der Not heraus, - er wird aus diesem Verständnis aber kaum eine Leidenschaft entwickeln. Der Unterdrücker hingegen wird seine Machenschaften ausfeilen und perfektionieren und daraus eine wahre Wissenschaft entwickeln.

Stolz, Hass, und einige andere Begriffe werden für mich immer Fremdwörter bleiben, bei denn ich stets nachdenken muß was sie eigentlich bedeuten. Kann man denn nicht einfach glücklich darüber sein, daß die Kinder oder Enkelkinder es geschafft haben einen angenehmen Platz in dieser Gesellschaft gefunden zu haben? Kann man denn nicht einfach zufrieden sein, daß man genug Geld hat um sich das Allernötigste und etwas mehr leisten zu können ohne nachzurechen ob man genug für die nächsten Tage, Wochen, Monate hat?
Und wieso muß man die Tatsache, daß man in einem bestimmten Teil dieser Welt das Licht der Welt gesehen hat, besonders hervorheben- bzw. bedauern? Ich sehe da kein Bedarf, ein solch intensives Gefühl wie Stolz (daß es das ist, vermute ich einmal) aufkommen zu lassen...nein, das kann es doch nicht sein!

Tut mir Leid, ich versuche unablässigen diesen Begriff zu verstehen, aber ich kapiere immer noch nicht recht was das Wort "hüben oder drüben" bedeuten soll!!?!

Ist da vielleicht Jemand, der mir dieses Gefühl genauer beschreiben kann? Oder besser noch, erklären wo es eigentlich herrührt und wie es entsteht - und schlußendlich wie es die Seele bereichern soll, - da es scheinbar ein so wichtigiges und "umkämpftes" Gefühl für die Menschen ist...?

Ich jedenfalls finde einfach in mir, meiner- und auch in der äußeren Welt nichts was mir dieses seltsame Gefühl mit Bestimmtheit und in seiner reinsten Form vermitteln könnte. Noch nicht...vielleicht in 10-15 Jahren, wer weiß...

Oder gibt es da DOCH NOCH einen anderen versteckten Sinn? Eine ganz andere Bedeutung dieses Wortes? Vielleicht wird dieser Begriff nur falsch eingesetzt? Und letzten Endes habe ich doch bereits "Stolz" empfunden, und gar nicht gemerkt daß es Stolz war....

Wie gesagt, ich bin eine absolute Null in dieser Disziplin der Begriffsrhetorik :fertig:
 
Thema:

Hat Stolz in Th eine Chance?

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