www.thailaendisch.de

"Greng-djai"-Prinzip in der Prostitution

Diskutiere "Greng-djai"-Prinzip in der Prostitution im Sonstiges Forum im Bereich Diverses; Zitat aus Michael Steinmetz, Südostasien-Wissenschaftler, beantwortet Ist Prostitution in Thailand verboten...
DisainaM

DisainaM

Senior Member
Themenstarter
Dabei seit
15.11.2000
Beiträge
37.270
Reaktion erhalten
1.937
Ort
Hannover
Das Problem aus buddhistischer Sicht ist nur im Zusammenhang mit der buddhistischen Ethik zu verstehen. Und die buddhistische Ethik ist - zumindest im frühen Buddhismus - asketische Mönchsethik, d.h. nur für den Orden relevant. Daraus resultierten wenig moralische Ableitungen für die Laien, und wenn, dann waren sie wegweisend, aber nie diskriminierender Natur. Gerade die Bezugnahme auf hinduistische Glaubensvorstellungen konnten im Umfeld des Buddhismus bestehen: "Der Koitus bildete die Metapher für die mythische Vereinigung mit der Gottheit, ja, ist vielleicht gar als ein Archetyp für jene Erfahrung zu erklären, die der Mensch in seinem Inneren mit Gott erlebt: nämlich als das Aufhören der Gegensätze, die monistische Einheit von Subjekt und Objekt, die Verschmelzung des Endlichen mit dem Unendlichen, die Unio Mystica."


In der Linie des Tantrischen-Buddhismus hat man sich auf diese Metapher wieder besonnen und ihre Darstellung in vieler Gestalt aufgegriffen. Man scheute sich nicht, das Geistige aus dem Sexuellen und das Heilige aus dem Obszönen abzuleiten sowie Verbindung zwischen sexueller Energie und geistigem Wachstum zu sehen. Es verwundert nicht: Der moralische wie transzendentale Stellenwert der Sexualität im Buddhismus hat sich im Laufe der zweieinhalbtausend Jahre mehrmals erheblich gewandelt. Konstant blieb: Dem Laien (alle nicht Mönche) wurde seitens der Sangha (Mönchsorden) seit jeher ohne moralischen Druck nur Verhaltensgrundsätze, z.B. das "Abstehen von unreinem Lebenswandel", mitgegeben. Der Buddhismus kennt keine imperativen Verhaltensvorschriften und damit auch keine Norm setzende Instanz. Das hat ein natürliches Körper-Bewusstsein wie eine unverklemmte Erlebensfähigkeit erhalten. Der Freiraum des Sexes war das Private. Was man tut oder lässt folgt eigener Einsicht und Freiwilligkeit.


Alles ist möglich solange keiner Schaden nimmt und kein Dritter oder Vierter ungehörig konfrontiert wird. Das ist die Ambivalenz des "Greng-djai"-Prinzips. Deshalb sind offensive Begriffe wie "Sexworker" für die traditionelle Thai-Gesellschaft völlig inopportun. Aber auch weil die merkantile Kommerzialisierung - allem Empörern des ersten Augenschein zum Trotz - sexueller Kontakte in Thailand nicht das war, was die westliche Welt sehen wollte. Am Verkaufserfolg orientierte Begriffe wie "short-time" haben erst in den letzten Jahren Einzug gehalten. Denn: alle Tradition ist im Wandel. Der knapp bemessene Platz verlangt ein Schlusswort: Die Hoffnung bleibt, dass mit der anstehenden, offiziellen Einführung der Prostitution in Thailand der parasitären Kriminalität besser das Handwerk gelegt werden kann.
Zitat aus Michael Steinmetz, Südostasien-Wissenschaftler, beantwortet
Ist Prostitution in Thailand verboten?
http://www.farang.de/Magazin/STEINMETZ/STEINMETZ.HTML
 
J

Johann43

Gast
DisainaM,

setze doch einmal bitte einen Link von Ehe/familie - Körperliche Liebe/Sexualität.... zu Deinem Post, finde das passt auch gut dort hinzu. Ich kann das nicht, sonst hätte ich es gemacht.

Danke Johann
 
D

Dieter Kandler

Gast
Hallo.

Nun will ich nicht polemisch werden, aber die Frage sei gestattet, was fange ich mit der Information an?

Und was bedeutet ´greng djai´ auf deutsch? Auf englisch geht´s: to impose.

Aber was ist das ´greng djai´- Prinzip?

Ruecksichtnahme?
Toleranz ist nicht Akzeptanz?
Farang ist nicht gleich Thai?

Chuai duai!

MfG
Dieter Kandler
 
phimax

phimax

Senior Member
Dabei seit
03.12.2002
Beiträge
14.187
Reaktion erhalten
12
Ort
vor'm Monitor
Dieter Kandler" schrieb:
Und was bedeutet ´greng djai´ auf deutsch? Auf englisch geht´s: to impose.
impose [Im´peuz]
I v/t 1. (on) etwas auferlegen, aufbürden (dat); Strafe verhängen (gegen). 2. (on) a) etwas aufdrängen, aufzwingen (dat): impose oneself (od. one´s presence) on someone sich jemandem aufdrängen; impose one´s will on someone jemandem seinen Willen aufzwingen, b) etwas (mit Gewalt) einführen od. durchsetzen (bei).
II v/i 3. ausnutzen, b.s. a. mißbrauchen (on acc). 4. (on dat) sich aufdrängen; zur Last fallen.
(c) Langenscheidt.

เกรงใจ / greng djai,
nach ClickThai Rücksicht nehmen, Achtung zollen, respektieren bedeutet.

gre:ng- djai- kann man zwar übersetzen, bring aber nix, wenn man es nicht fühlen kann;
die meisten Deutschen können es nicht.

Michael
 
D

Dieter Kandler

Gast
Hallo.

Na, prima.

Soll ich jetzt mitteilen, was unter ´to impose´ im ´Webster´ steht, oder im ´Oxford - advanced learners´?

Wollen wir ´Semantik´ diskutieren?

greng- djai- kann man zwar übersetzen, bring aber nix, wenn man es nicht fühlen kann;
Versuche es doch ganz einfach mal. Da stelle ich eine Frage, und die Antwort ist, als Deutscher kann ich es nicht fuehlen. Was denn?

Vielleicht bin ich gar kein Deutscher :nixweiss:
Seit ein paar Jahren bin ich naemlich Europaeer!

Und wenn ich - was ich natuerlich nicht mache - zu einer Prostituierten gehe, muss ich dann sagen, verdammt, ich fuehle mein ´greng- djai´ nicht, oder so?

MfG
Dieter Kandler
 
phimax

phimax

Senior Member
Dabei seit
03.12.2002
Beiträge
14.187
Reaktion erhalten
12
Ort
vor'm Monitor
Dieter,

habe den Sinn des Zitats nicht verstanden und bezog mich auch nicht darauf. Nur ist mir (der kein Thai sprechen kann) aufgefallen, das ich oft benutzte Thai-Floskeln zwar übersetzten kann, deren tieferer Sinn mir aber verborgen bleibt.

Dieter Kandler" schrieb:
greng- djai- kann man zwar übersetzen, bring aber nix, wenn man es nicht fühlen kann;
Versuche es doch ganz einfach mal. Da stelle ich eine Frage, und die Antwort ist, als Deutscher kann ich es nicht fuehlen.
Habe es oft versucht und mußte (für mich) erkennen, das ich es nicht kann, weil ich das dahinterstehende Wertegerüst nicht verinnerlicht (sozialisiert) habe. Ähnlich geht es mir bei mai bpen rai/mai mii panhaa/pra ni-pra nom etc.

Und wenn du es kannst :super:

Michael
 
DisainaM

DisainaM

Senior Member
Themenstarter
Dabei seit
15.11.2000
Beiträge
37.270
Reaktion erhalten
1.937
Ort
Hannover
Wir hatten vor ca. 2 Jahren einen Sprachthread von Kali,

der die verschiedenen Begriffe von jai Herz zusammenstellte.

Den hiesigen Begriff des Respekt zollen, / Gesicht geben

unterstützt durch die richtige Körperhaltung, dem richtigen Blick und der richtigen Sprache, ist eine Einheit.

Doch neben kreng jai gibt es natürlich noch Hai Kiat, wo nun der Übersetzer das gleiche auswirft.

Das ist dann der Punkt, den Michael unter anderem meint,
das zum einen unsere deutsche Sprache nun nur diese Ausdrucksform kennt, und daher sprachlich nicht die "256 Graustufen an unterschiedlichen Arten des Respekt gebens" in unsere Begriffswelt übertragen kann.

Macht ein Kleinkind einen Fehler, bekommt es als Antwort einen Blick.
Bei einem anderen Fehler erntet es einen anderen Blick.
Langsam wächst das Kind nun heran, im Erinnerungsvermögen die unterschiedlichen Blicke, bei unterschiedlichen Fehlern.

Eine Kultur, die nicht primär auf Sprache, als Kommunikationsform aufgebaut ist, formt die Menschen in diese besondere Sozialisationsform.
Man macht keinen Fehler, man empfindet ihn.

[hr:5514b486d1]

In dem Zusammenhang des Textes;

Alles ist möglich solange keiner Schaden nimmt und kein Dritter oder Vierter ungehörig konfrontiert wird. Das ist die Ambivalenz des "Greng-djai"-Prinzips.
würde ich es auf ´normal-Deutsch´ übersetzen, als
---jede Erwartung des Partners wird erfüllt (durch nichts läßt man die Harmonie gefährden) ein nicht-erfüllter Sexualwunsch bedeutet, dass man dem anderen den Respekt versagt---

(((hier wird der Unterschied zwischen ´der Versorgung von Farangs´, die sowieso nicht verstehen, wie ihnen geschiet, und der ´Versorgung von Thais´ offensichtlich, doch was soll man nun Farangs klar machen, was sie verpassen, weil sie sowieso als Elefant im Porzellanladen nur Bruch hinterlassen)))

In der westlichen weiblichen Welt, wurde der thailändische Liebesdienst fälschlicherweise als Unterwürfigkeit bezeichnet,
weil das Zusammenspiel des Respekt gebens + Respekt erwartens nicht verstanden wurde.
 
Thema:

"Greng-djai"-Prinzip in der Prostitution

"Greng-djai"-Prinzip in der Prostitution - Ähnliche Themen

  • 100 Baht oder "Aus Prinzip"

    100 Baht oder "Aus Prinzip": German man still in ICU after dispute with Phuket tuk-tuk driver Traurig, traurig, das Ganze. A German man is in intensive care fighting for his...
  • Knorkator - mai khao djai

    Knorkator - mai khao djai: Es gibt doch von knorkator das Lied MAI KHAO DJAI vom Album: Ich hasse Musik. Kennt jemand diesen Song, und weiss was über den Inhalt? Meine Frau...
  • Ich habe ja im Prinzip nichts gegen Expats....

    Ich habe ja im Prinzip nichts gegen Expats....: Und auch nicht gegen holländische Expats, aber... Untertitel: kleines illustriertes Exposé über Expats in Thailand (zu vervollständigen) Neulich...
  • Ich habe ja im Prinzip nichts gegen Expats.... - Ähnliche Themen

  • 100 Baht oder "Aus Prinzip"

    100 Baht oder "Aus Prinzip": German man still in ICU after dispute with Phuket tuk-tuk driver Traurig, traurig, das Ganze. A German man is in intensive care fighting for his...
  • Knorkator - mai khao djai

    Knorkator - mai khao djai: Es gibt doch von knorkator das Lied MAI KHAO DJAI vom Album: Ich hasse Musik. Kennt jemand diesen Song, und weiss was über den Inhalt? Meine Frau...
  • Ich habe ja im Prinzip nichts gegen Expats....

    Ich habe ja im Prinzip nichts gegen Expats....: Und auch nicht gegen holländische Expats, aber... Untertitel: kleines illustriertes Exposé über Expats in Thailand (zu vervollständigen) Neulich...
  • Oben