Teil 7
50 Baht pro 24 Stunden? Vielleicht sollte ich das einmal erklären:
Samrak war eigentlich keine Prostituierte. Klar, sie „ging“ mit mir für Geld. Selbstverständlich schlief sie nachts auch in meinem Bett, aber das war nur ein Teil ihrer Aufgaben. Übrigens war die Benutzung von Kondomen damals nicht üblich.
Ich hatte sie also gemietet. Das bedeutete, dass ich 24 Stunden über sie verfügen konnte. Sie war sozusagen Tagelöhner. In der Zeit, die ich sie gemietet hatte, stand mir ihre gesamte Arbeitskraft zur Verfügung. Sie hätte auf dem Reisfeld geschafft, die Wohnung gereinigt, das Essen gekocht und die Wäsche gewaschen. All dieses war mit den 50 Baht abgegolten.
Auch heute noch, wo ja alles viel teurer geworden ist, beträgt im Issaan die übliche Entlohnung für Tagelöhner etwa 100 Baht pro Tag.
So, wie ich die Arbeitskraft von Samrak gemietet hatte, hatte ich automatisch auch ihren Körper gemietet. Auf Wunsch schlief sie also auch mit mir. Dabei empfand sie natürlich nichts für mich. Das änderte sich allerdings später, denn wir blieben recht lange zusammen.
Am nächsten Morgen zogen wir also gemeinsam durch Bangkok. Wenn Samrak erst einmal begriffen hatte, wohin ich wollte, oder was ich gern sehen wollte, organisierte sie alles erforderliche.
Sie kümmerte sich um Autos und Boote. Hier möchte ich noch einmal daran erinnern, dass die Boote damals das Hauptverkehrsmittel waren. Die ganze Stadt war von Kanälen unterschiedlicher Größe durchzogen. Das Leben spielte sich auf dem Wasser ab.
Am Menam gab es sogar Siedlungen aus Booten auf denen Leute ihr Leben lang lebten und gelebt hatten.
Der Menam selbst war auch ganz anders als heute. Er war nicht begradigt. Große Schilfinseln trieben den Strom hinunter in Richtung Meer und große Fische (Flussdelfine?) konnte manchmal gegen Abend darin sehen. Das Wasser war lehmig braun.
Als Erstes fuhren wir zum Phukhao thong mit dem Wat Sakhet auf seiner Spitze. Der anstrengende Aufstieg wurde durch eine wunderschöne Aussicht über Bangkok belohnt. Der Phukhao thong war damals die höchste Erhebung im flachen Bangkok und man konnte recht weit ins Land sehen, da die Sicht durch keine Wolkenkratzer verbaut war.
Zu Fuss ging´s in Richtung Wat-pra kheo und Wat Pho. Wir überquerten den Phamane Platz, der damals ein riesiger (größter?) Wochenmarkt war.
Den Wat-pra kheo, den ich ja schon kannte, ließen wir aus und gingen weiter zum Wat-Pho, wo mich ein älterer Mönch ansprach.
Er verstand etwas englisch und freute sich, es nutzen zu können. Dieser Mönch, er stellte sich als Stellvertreter des Abtes vor, zeigte mir den gesamten Tempel. Er trug Schlüssel für alle Räume bei sich und schloss auch bereitwillig alles auf.
Selbst die Wohnungen der Mönche durfte ich besuchen und wurde dort bewirtet.
Samrak musste allerdings draußen warten, die Mönchswohnungen waren tabu für sie.
Bewirten hieß, dass ich allein essen und trinken musste. Die Mönche leisteten mir zwar Gesellschaft und stellten viele Fragen über das ferne Germany, durften allerdings nicht mit mir zusammen essen.
Sehr lange blieben wir in diesem riesigen Tempel. Es war schon fast dunkel, als wir zur Chinatown aufbrachen.
Engste Gassen gab es dort. Und dort gab es den Diebesmarkt. Diesen Markt gibt es auch heute noch, aber das Angebot hat sich gewaltig gewandelt.
Damals sollte man, wenn einem etwas gestohlen worden war, tatsächlich die Chance gehabt haben, sein Eigentum hier zurückkaufen zu können.