Freunde in Bangkok

Diskutiere Freunde in Bangkok im Literarisches Forum im Bereich Thailand Forum; Ich hab ueberlegt, wie man denn dieses Thema angehen koennte – eher privat, so aehnlich wie einen Reisebericht etwa, oder mehr allgemein? Ich hab...
Serge

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Ich hab ueberlegt, wie man denn dieses Thema angehen koennte – eher privat, so aehnlich wie einen Reisebericht etwa, oder mehr allgemein?

Ich hab mich fuer letztere Variante entschieden, da eine private Schilderung ja eher nur eine einzige Person beschreiben wuerde, sind aber da doch viele.

Die Namen die ich hier benutze sind aehnlich, aber nicht richtig, die Berufe und alles andere schon. Alles was ich jetzt beschreibe, habe ich selbst so erlebt. Ich hoffe, es gibt Euch einen kleinen Einblick in die Welt Bangkoks.

Bangkok, das soziale Gefuege und die sozialen Regeln, ist schon sehr vermixt mit westlichen Elementen. Das Internet, chat etc. Spielt hier eine wichtige Rolle, aber auch der Kontakt mit Farang oder Auslaendern im Job wie im Leben. War dieser Kontakt noch vor wenigen Jahren eher unwahrscheinlich, ist es jetzt doch schon recht natuerlich einen Farang kennenzulernen. Allerdings ist es immer noch so, das eine Thai Frau etwas beschaemt mit einem Farang in die BTS steigt, wegen der Gefahr, als eben nicht nur die Freundin dieses Mannes erkannt zu werden. Es ist also alles on the edge, an der Grenze. Selbstbewusste Frauen haben gar kein Problem, aber manche, selbst wenn es Deine Freundin ist, ist froh wenn Du nicht die ganze Zugfahrt mit ihr ueber die Beziehung quatscht, oder Haendchen haelst sondern dich eher neutral – wie ein guter Freund halt – verhaelst.

Kennenlernen – das ist dann manchmal so wie Sunnyboy mal erwaehnte – eher halt im Department Store, oder Supermarkt, auf der Strasse oder im Park. Nach wie vor gibt es viele Frauen, die nicht alleine ausgehen, die brauchen eine Begleitung, mit der sie ausgehen koennen. Haben sie niemanden, sieht man sie auch nicht. Allerdings sollte das Kennenlernen immer sehr freundlich sein und als Mann sollte man eine gewisse Distanz wahren – eben nicht wie in der Bar! Denn die Thai Frau in Bangkok ist eine der freundlichsten Geschoepfe die es gibt – wirklich und echt (geh mal im Supermarkt auf jemanden zu, und frag, wo denn der Salat sei, den sie im Korb hat....). Sie wuerde Dir wirklich helfen, solltest Du diese Hilfe benoetigen. Aber bitte mit Respekt.

Wie sehen nun solche Bangkok Frauen aus?

Zum Beispiel Noi. Noi arbeitet in Nonthaburi im Big C. Sie verkauft dort Damenunterwaesche (ja, das ist ihr Beruf). Noi ist 32 Jahre, hat ein Kind, und lebt zusammen mit ihrer Schwester. Beide kuemmern sich um Noi’s Sohn. Noi ist Alleinverdienerin, allerdings arbeitet ihre Schwester manchmal als Sekretaerin und verdient etwas nebenher. Noi arbeitet jeden Tag ausser Mittwochs, von 12.00 bis 22.30 Uhr. Danach geht sie nach Hause, kocht, bringt den Kleinen ins Bett so er denn noch wach, guckt Fernsehen oder liest ein bisschen Zeitung oder besser Magazin und geht dann schlafen. Noi hat kaum Zeit jemanden kennenzulernen, also hat sie nur wenig Freunde. Ich hab’ sie bei einem Konzert getroffen, natuerlich an einem Mittwoch. Der Saenger, Fiam, ist ein gemeinsamer Freund, so kamen wir ins Gespraech. Noi ist eine normale, nette, aufgeschlossene Frau. Sie liebt ihr Leben, sie liebt Thailand. Noi und ich sind gute Freunde. Wir treffen uns einmal im Monat bei Fiam, gehen dann alle zusammen was Essen, und quatschen und quatschen ueber Land, Leute, was denn so alles passiert ist. Noi ist ein witziger und frischer Zeitgenosse, die ihr Leben, auch wenn es viel Energien kostet, in der Hand hat.

Toom. Toom ist Sekretaerin fuer eine Firma die im Ruestungsgewerbe arbeitet. Die Firma ist aus dem Ausland, so hat sie viel mit Botschaften etc. zu tun. Toom ist ein bisschen arrogant. Sie hat eine wahnsinns Figur, und Maenner drehen total durch wenn sie sie sehen - ich auch. Ihr Gesicht ist eher chinesisch. Sie ist sehr witzig und liebt es zu lachen. Aber sie ist sehr einsam. Sie kann nicht wie sie will. Sie kommt aus einer Familie, die vor der Krise gut dastand. Ihre Schwestern sind hochrangig verheiratet, aber Toom, als einzige in der Familie, da sie nicht verheiratet ist, muss sich um die schwer kranke Mutter kuemmern – ja wirklich – war schon paar Mal mit ihr im Chula Hospital. Somit muss sie abends meistens nach Hause. An einigen Tagen geht sie mit Kollegen aus. Ich hab sie im MOS, Soi 12 auf der METRO Magazin Party kennengelernt. Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden und haben die ganze Nacht geredet. Sie hat in San Francisco gelebt, ich in LA, hab aber Freunde in San Francisco, das war unser Thema – Columbus Ave., Black and White etc. Ich hab mich total in sie verliebt, allerdings wollte sie keinen Freund. Sie war regelrecht bemueht, mich davon abzubringen, da sie soviele Probleme hat, Mutter, Familie, die sie erstmal loesen wollte. Und der Kompromiss war, das sie mir einen Job bei einem Projekt ihres Onkels besorgte, und wir so zusammen arbeiten konnten. Wir konnten also als Kollegen Zeit miteinander verbringen, was wir dann auch taten. Es war eine gute Zeit, ihr Onkel ist ein echt netter Kerl, der viel in Deutschland gelebt hat und in England studiert. Ich kam blendend mit ihm aus. Toom hab ich dreimal die Woche gesehen, wir sind nach dem Buero oefter mal ins Kino und so weiter. Bis dann eine Nacht, nach dem Kino, sie mir sagte, das sie heute nicht schlafen kann, sie haette mich gerne dabei, so bin ich mit zu ihr nach Hause. Es war das enzige Mal, nicht das ich bei ihr zuhause war aber eben mit diesem Ansinnen, und es war wunderschoen. Ich liebe Sie, als meinen Freund, und ich bin fuer Sie wie ein Bruder. Wir sehen uns regelmaessig. Ich verstehe mich super mit ihrem Boyfriend, halb Thai halb Franzoesisch, und ich hoffe ich kann diese Beziehung so aufrecht erhalten.

Tee. Tee ist Media Einkaeuferin fuer eine der grossen japanischen Werbeagenturen. Tee ist eigentlich mehr auf Frauen denn auf Maenner fixiert. Sie ist echt tough. Ihr Spezialbereich sind Modemagazine. Ich hab sie bei Dnu kennengelernt, in seinem Restaurant Djan Suay. Tee ist so ein kleines Energiepaket. Sie kann reden, trinken, tanzen, und singen – alles gleichzeitig und das 24 Stunden. Und sie spricht eher wie ein Mann. Sie trinkt, raucht, erzaehlt schmutzige Witze. Sie ist echt crazy – aber witzig. Tee ist jeden Abend unterwegs. Sie liebt Silom Soi 4, klar, und Tapas. Sie liebt RCA, manchmal, aber am liebsten sind ihr die ganzen Empfaenge – Modenschau hier, Filmpremiere da. Und: Witch’s Tavern Ladies Night, jeden Mittwoch, ab 22.30h. Tee ist total selbststaendig. Sie ist Waise, keine Geschwister. Ihr Studium hat sie mit Malerei finanziert (diese Portraitmaler – sie war eine der Besten) und mit Graphik Design, spaeter am Computer. Sie hat in Ramkhamhaeng studiert. Tee trifft man ueberall und immer. Sie war lange in Japan und in Hong Kong, spricht, wie es sich fuer jemand wie sie gehoert, alle moeglichen Sprachen und ist einfach amazing. Tee hat einen clan von Mitarbeitern, die sie alle respektieren und zu ihr aufschauen, und sie ist erst 33 Jahre alt! Mit Tee bin ich ueber Dnu befreundet. Sie amuesiert sich immer koestlich mich auf irgendwelche Modenschauen einzuladen, wo sie mich dann zu irgendwelchen Models schubst. Aber im innern ist Tee ein guter Zuhoerer. Wenn ich mal ein Problem habe, kann ich Tee anrufen. Wenn sie in der Stadt ist, kommt sie in kuerzester Zeit vorbei und sie hoert mir echt zu. Dadurch das sie auch viel gereist ist und im Ausland gelebt hat, kann ich mit ihr gut ueber Thai spezifische Probleme reden. So sitzen wir manchmal und reden ueber Thailand Leute, Gott und die Welt. Sie ist wirklich ein guter Freund.

Ao. Ao ist noch jung, geanu wie Matty. Beide sind Freundinnen. Beide sind so Mitte zwanzig. Ao arbeitet in einer Billiardbar hinter der Theke, Matty in einem Restaurant als PR Manager. Beide finanziern damit ihr Studium an der NIDA Universitaet. Matty ist eigentlich aus Khon Khaen, lebt aber schon seit ihrem 19. Lebensjahr in Bangkok. Sie verliess ihre Familie, um sich eine bessere Ausbildung zu sichern. Ihr Vater und ihre Brueder haben sie hierbei unterstutzt. Ao ist aus Bangkok, sie lebt jetzt allein in Bang Kapi zusammen mit Matty. Ihre Familie ist aus Bang Na. Ao kenn ich aus der Bar. Sie spricht ein super Englisch, und ist ueberhaupt total nett. Sie hat einen Freund, der lebt in London. Sie ist wie eine kleine Schwester fuer mich. Ueber Ao hab ich dann Matty kennengelernt. Matty, Ao und ich haben jetzt eine Englischklasse gegruendet, in der wir die Maedels aus der Soi 7 und der Soi 5, Sukhumvit unterrichten. Maedels meint hier inklusive Cashier und Mae Ban, aber ohne die Girls vor dem Tresen, also die die nicht offiziell dort arbeiten. Ist absolut witzig und natuerlich umsonst. Jeden Sonntag, jetzt schon vier Wochen, treffen wir uns bei mir zuhause. Matty und Ao sind total aufgeregt und denen macht das echt Spass, sind sie doch die Assistant Teacher. Wir haben zusammen ein Lernkonzept entwickelt, in dem wir in jeder Stunde ein Kapitel eines Films durchnehmen, die „Schueler“ also angewandte Konversation lernen. Ao’s Idee war der Film Nemo, da viel Thais den schon kennen, zu tansskribieren, also abzuschreiben so dass alle den Text mitlesen koennen. Der Effekt ist, das man schneller die Melodie der Sprache lernt. Ao und Matty gehen total darin auf. Ich muss gestehen, das ihr jugendlicher Eifer manchmal zuviel ist, da sie mich drei- oder viermal am Tag anrufen, wenn sie eine neue Idee haben, aber find ich das auch total nett – liebenswert. Ao uebrigens hat einen neuen Job fuer den Export von Thai Handicrafts in Ausssicht. Sie freut sich schon sehr darauf.

Schlimme Beziehungen klammere ich hier mal aus, da die sowieso oft genug beschrieben. Deshalb konzentriere ich mich wirklich eher auf Menschen, die ich mag.

Gibt Euch das einen kleinen Einblick?? Ich kann das noch fortfuehren wenn Ihr moegt, auch mit meinen maennlichen Freunden.
Alles Gute
Serge
 
pef

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Bonn/Ban Nong Gok
@ endlich mal eine realistische Erzählung aus BKK.

Mach weiter.
 
W

woody

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Hallo Serge,
:super: einfach super deine Erzählung, endlich mal was anderes, als das ewige Isaan-Pattaya Gesülze.
Gruss woody
 
K

Kali

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woody" schrieb:
...endlich mal was anderes, als das ewige Isaan-Pattaya Gesülze.
Freue mich aufrichtig Für Dich, daß es Dir endlich mal jemand recht macht.
Doch im Ernst, ich finde es etwas deplaciert von Gesülze zu sprechen, auch, wenn es Dir mittlerweile zu den Augen raushängt. Schon mal was von Solidarität gehört ? Mit Sicherheit, denn ich habe Dich eigentlich immer für ein pfiffig Kerlchen gehalten. Doch schau´ mal: ich bin jetzt man gerade knapp 3 Jahre mit meiner Frau, die nun mal aus dem Issaan kommt, zusammen. Von daher interessiert mich alles, was mit ihrer regionalen Heimat zusammenhängt. Und deswegen finde ich diesen Ausdruck einfach nicht nett, nicht solidarisch sozusagen.
Lies´ doch einfach drüber weg und vermittel' uns, die wir das noch noch gerne lesen, einfach das solidarische Gefühl, daß Du´s wenigstens tolerieren kannst. :nixweiss:
 
tira

tira

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Kali" schrieb:
finde ich diesen Ausdruck einfach nicht nett, nicht solidarisch sozusagen.
:lol: :lol: :lol:

@ kali,

solidarität

von einem leidensgenossen,​


[schild=45,fcolor=0000FF,fsize=2,fstyle=,font=Hand,scolor=FFFF00,sshadow=,bcolor=8B0000,align=:72b6c590f1]isaangeschädigte aller länder vereinigt euch[/schild:72b6c590f1]​


gruss :wink:
 
Dr. Locker

Dr. Locker

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Mannheim
@Serge
Lass Dich nicht beirren... ;-)

Liest sich echt super und macht Spass... :super:
 
tira

tira

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pef" schrieb:
...wo kann ich beitreten?
hallo pef,

du bist doch ´schon drin´...... ;-D ;-D :smoke: :dancing:

in der nittaya-forengemeinde..... :super:


gruss :cool:
 
W

woody

Gast
Kali" schrieb:
woody" schrieb:
...endlich mal was anderes, als das ewige Isaan-Pattaya Gesülze.
....
Lies´ doch einfach drüber weg und vermittel´ uns,....., einfach das solidarische Gefühl, daß Du´s wenigstens tolerieren kannst. :nixweiss:
Das fällt mir leicht, aber nicht das drüber weglesen, denn es interessiert mich ja auch.
Hab´ mich wohl bisschen missverständlich ausgedrückt, obwohl Gesülze ist oft treffend, natürlich nicht für deine Werke Kali :super:

Worüber ich mich eigentlich freue und was ich meine ist, der Beitrag von Serge, er ist nicht der erste der mir endlich gefällt, ist einer von denen der auch mal das andere Thailand, in diesem Fall Bangkok zum Thema hat und somit die Themenverteilung regional ein wenig ausgleicht und die ganze Palette berücksichtigt, damit das Gesamtbild wieder stimmt :fertig: .
 
S

somsak

Gast
hallo serge
dieser bericht haette z.teil auch von mir stammen koennen,da ich auch einige zeit in bkk gelebt habe und begegnungen in conservativen familien an der tagesordnung waren.
ich bin aber zu faul zum schreiben und scheue mich etwas in einem forum zu schreiben wo ich nicht genau weiss ob es auch ankommt.
daher freut es mich dass du das so unkompliziert dargestellt hast
und es auch andere befuerworter gibt.
gespannt bin ich auf deine maenner storys,denn in meiner 23 jaehrigen thai aera habe ich bis jetzt nur 2 maenner als freunde
nennen koennen und einer davon war schwul und der andere ein transi.
aber es sind immer noch die freunde auf die man bauen kann.

dann man los

gruss
somsak
 
Serge

Serge

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Bangkok
Danke fuer den Zuspruch. Allerdings muesst Ihr doch nicht gleich wieder streiten Jungs..... :wink: :cool:

Maenner, ja ich hab ein paar Maenner Freunde, einer davon ist eher wie mein vaeterlicher Freund und ich kann sagen er war der Hauptgrund weshalb ich nach Thailand gekommen bin.

Aber zu allererst moechte ich dann doch meinem besten Freund, Kate-Aran Lertpipat (ausnahmsweise echter Name) ein Andenken setzen. Kate ist im August diesen Jahres gestorben. Am 29. November ist seine Tempelzeremonie, die 90 Tage Prozession. Er war erst 54 Jahre alt.

Ich habe Kate ueber meine Kollegin und Freundin Parichart Pukbhasuk kennengelernt. Parichart, oder Ta wie sie auch genannt wird, war seine Ex-Frau. Ta und ich arbeiteten damals zusammen fuer die Asian Games, das war 1998. Kate hatte ein Restaurant in Soi Thonglor, dass hiess Wine and Roses. Es war ein recht bekanntes Lokal, wo hin und wieder auch mal Stars aus dem Showgeschaeft live (sangen) auftraten – unter anderem die Shadows mit Chai und Jirapan. Denn Kate war Songschreiber fuer Kuenstler wie Bird Tongchai, oder Rochestra, und viele andere (Grammy) Heroes. Er hatte mit Dnu zusammen eine Musikschule und schrieb Buecher ueber Komposition und Texten.

Kate sah immer so ein bisschen aus wie ein Samurai aus China – klingt komisch, aber beschreibt ihn ganz gut. Langer Zopf, immer in schwarz gekleidet, mit diesen chinesischen Balletschuhen. Eigentlich war er ein ziemlich cooler Typ – zumindest am Anfang. Wir unterhielten uns kaum, eben dieses freundschaftliche Gequatsche, und ich hatte immer das Gefuehl, er dachte, ich waer mit seiner Ex-Frau zusammen. Sein bester Kumpel, Toi, war auch scharf auf Ta, und somit auch eifersuechtig auf mich, was manchmal sehr unangenehm war. So setzte er sich zu uns an den Tisch, drehte mir den Ruecken zu und zog Ta vom Tisch weg – diese Spielchen eben.

Eines Abends, es war glaube ich eineinhalb Jahre spaeter, irgendwann im Herbst 1999, traf ich Kate auf der Strasse. Er sagte hallo, und ich fuehlte, das es ihm unangenehm war mich jetzt hier zu sehen. Er lud mich allerdings auf ein Bier ein. Wir gingen ins Imageries, in der Soi 24. Dort spielte irgendeine Band, glaube Funk, mit einer klasse Saengerin, die Kate kannte. Ueberhaupt kannte er jeden in dem Laden, und es dauerte nicht lange, da hatten wir schon ein oder zwei oder drei Biere intus. Es kam wie es kommen musste – Du liebst meine Frau! – Quatsch, wir arbeiten zusammen. Ein Farang will mit einer Thai immer nur ins Bett. - Es half nichts, wir stritten. Am Ende waren wir dann so besoffen,das wir gar nicht mehr wussten, warum wir stritten, und wir gingen zu ihm nach Hause. Dort spielten wir Musik, tranken noch einen und irgendwann morgens bin ich dann nach Hause.

Das naechste Mal kam ich mit Ta ins Wine and Roses – und alles war anders. Kate war total offen, setzte sich und wir sprachen. Er liebte Poesie, Politik, Philosophie. Es war spannend ihm zuzuhoeren, wenn er ueber Zen und so weiter sprach. Er wusste wirklich eine Menge.

Das war der Beginn, das wir uns regelmaessig trafen. Wir sind zusammen zu Konzerten gegangen, haben Musikkneipen besucht – immer wenn ich in Bangkok war, zu der Zeit hab ich noch nicht in Thailand gelebt, haben wir uns ein oder zwei mal gesehen. Eines unsere liebsten Ziele, bis heute, war der Mittwoch abend im O’Reilly’s – The Better Band, die Beatles Tribute Band. Ein anderer war Log Cabin, am Freitag, Surassiee und die Dynamics, oder Imageries, Donnerstag, Rochestra, oder in der Soi 31, ich hab den Namen vergessen. Der Laden war echt verrueckt. Da biste rein, dann hat da ne Band gespielt, und es gab Bier oder was auch immer, und am Ende hast Du in den Topf gesteckt was immer Du wolltest. Wenn nichts – dann auch okay. Und ein total verrueckter Mix von Leuten. Wirklich angenehm.

Nachdem ich dann nach Bangkok zog, haben Kate, Dnu und ich ein Musikprojekt gestartet. Hieraus erwuchs dann schnell eine Gruppe von Musikern, die an Projekten zusammen gearbeitet hat (bisschen eingeschlafen nach Kate’s Tod). Es waren immer irre Treffen, meistens in Dnu’s Restaurant, bei Whiskey, Wein und Gesang, mit Gespraechen bis in die fruehen Morgenstunden. Und Kate war immer der totale Experte. Er wusste nicht nur alle Texte eines Liedes, sondern auch Komponisten, Texter, und Geschichte des Songs – voellig irre.

Auch wusste er immer, welcher Laden gerade neu aufmachte, wer wo eine Geburtstagsfeier feierte, wo die besten Bands gerade spielten – er war absolut am Puls der Zeit. Und er kannte immer die irrsten Frauen. Seine Freudinnen waren klasse, und deren Freundinnen auch.... :lol:

Vor wenigen Monaten, im Mai, im Silom Village Sukhumvit Soi Sawadee, hat Kate wieder seine eigene Musikkneipe aufgemacht. Ganz Bangkok, wirklich, war bei der Eroeffnung. Es war eine super Party kann ich Euch sagen. Und der Laden wurde fuer unsere Gang Stammkneipe am Freitag abend. Man kam und ging, und irgendwen traf man immer, und Kate war ja auch immer da.

Als wir am Freitag, den 22. August, ihn wieder besuchen wollten, erfuhren wir, er sei am Morgen verstorben – Herzinfarkt.

Kate – wir vermissen Dich – und ich hoffe wir sehen uns im naechsten Leben.
 
I

Iffi

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@Serge,

danke! Eine wirklich schöne und nachvollziehbare Beschreibung der "Leute", die du magst und mit denen du dich gerne umgibst.

Die "Freundschafts-Pärchen-Erfahrung" in der BTS hat auch mich äusserst fasziniert, und ich geniesse es immer wieder.

Ja, das ist das "Bangkok-Mileu" ;-) ,dass auch ich liebe. Und ich werde es ab jetzt immer wieder suchen und finden.

Die Wandlung von Bangkok in eine wirklich weltoffene Stadt ist erst in den letzen paar Jahren geschehen. Der "Farang" Kontakt ist der Normalfall für Mädels, die für globale Firmen arbeiten. etc.

Betonung liegt hier auf Kontakt. Denn dieser Kontakt muss erarbeitet werden. Denn es sind nicht die Kontakte, die mit einem Lächeln und Oberschenkel-Hand-Auflegen beginnen.

Die Abstecher auf die "andere" Seite der Silom werden immer weniger. Ist sowieso zu gefährlich, die Strasse zu überqueren, oder? :lol:

So, und jetzt werde ich mich knirschend und selbstbemitleidend meinem "Heimweh" hingeben. Noch etwas mehr, als einen Monat lang...
 
Serge

Serge

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Bangkok
Iffi" schrieb:
So, und jetzt werde ich mich knirschend und selbstbemitleidend meinem "Heimweh" hingeben. Noch etwas mehr, als einen Monat lang...
Iffi,
hoffe Du bist bald mal wieder hier unten - Goldfinger wartet :wink:
 
I

Iffi

Gast
@Serge, nimmst mich auch an die Hand? :hilfe:

Bei der Überquerung, meine ich. :lol: :rofl:
 
Serge

Serge

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Mein vaeterlicher Freund....sein Name ist Prapat Soralump (echt).

Ich weiss nicht wie es geschah, es kam ueber Ta. ASIAN Games 1998.....Prapat und Ta haben fruhwe mal bei Channel 5 gearbeitet. Sie kannten sich schon laenger als ich eigentlich gelebt habe - na ja, ein bisschen uebertrieben ohne Frage.

Als ich das erste Mal Prapat getroffen hab, war seine erste Frage: Where are you from? - in anderen Worten: Alter wo bist Du denn her?? -Na, ich komme aus Deutschland, eigentlich komme ich nicht aus Deutschland, ich komme aus Berlin (Monton.... :wink: )! - Berlin?? Wirklich?? Berlin....ich war in Berlin, 1983, zum SFB Training fuer auslaendische Journalisten. Es war Winter, und es gab Schnee...hima mak mak! Ich hab damals im IBIS Hotel gewohnt, gleich am Busbahnhof (am ICC). Wir kamen aus allen Laendern. Ich weiss noch, das ich dem Pakistani Geld leihen musste - der hat andauernd mit seiner Freundin telefoniert.....

So ging es den ganzen Abend. Pat, so nennen wir ihn, sein eigentlicher Nickname ist Pee Moo,พี่หมู, war total begeistert. Er fing an, mit mir deutsch zu reden, "Zahlen Bitte" und "Und noch ein Bier" waren seine absoluten Schlager. Er erzaehlte mir, er waere bei der BVG (Berliner Verkehrsgesellschaft) gewesen, und haette dort U-Bahnen besucht. - Mensch, Junge, haetten wir das in Bangkok, ich koennte jeden morgen Stunden sparen. Und meine Tochter braeuchte ich nur bis zur U-Bahn bringen, das ist ja nochmal ne Stunde. Denk mal, bei soviel Zeit, da koennte ich ja die ganze Nacht.....nein...daran denken wir jetzt nicht.

Pat ist wohl einer der verruecktesten Menschen, die ich je kennengelernt hab. Er arbeitet jetzt fuer Channel 3, eigentlich voellig unterfordert, als PR Mensch in irgendeiner Funktion. Aber in Wirklichkeit ist er einer der gefragtesten Sprecher (MC). Nur hat er keine Beziehung zum Geld. Er schaemt sich, Geld anzunehmen, und von Freunden sowieso nicht. Wir haben versucht, ihm eine Art Manager zu besorgen, aber das ging nicht lange gut.

Er ist Redner bei Hochzeiten und Veranstaltungen aller Coloeur. Arm, reich, wichtig, unwichtig - er gibt alles - solange die Menschen ihm was bedeuten. Und er ist wirklich gut - witzig, schlagfertig, ironisch - einfach gut. Ich denke mal das alle die eine Thai mia haben,nach ihm fragen koennen. Aber er kann auch ein Biest sein....
:super:

Jedesmal wenn ich wieder zurueck nach Berlin bin, haben wir Kontakt gehalten. Einmal ist er gar mit seiner Frau zu Besuch gekommen. Er hat angerufen und gesagt - I miss you - das war wirklich ein schoenes Gefuehl fuer den der denn da ganz und gar allein irgendwo in Deutschland war und auch die Tage zaehlte, wann es denn endlich wieder Richtung Thailand gehen wuerde.

Pat ist eine echte Vaterfigur - nicht nur fuer mich sondern fuer viele hier. Waehrend der Krise, der Hochzeit der Krise, haben er und Ta so vielen Menschen wie moeglich versucht, Jobs zu verschaffen. Dabei ging es weniger um Geld, sondern mehr um die Aufgabe. Dem anderen eine Aufgabe zu geben. Ich hab's erst nicht verstanden, aber spaeter wurde mir klar, das dies viele am Ueberleben gehalten hat.

Pat muesste eigentlich ein Superstar sein. Allerdings hat er sich nie darum geschert. Einmal hat er es versucht, das war damals mit Thai Sky TV, aber es hat nicht geklappt. Seitdem hat er so ziemlich die Schnauze voll und macht eher sein eigenes Ding. Manchmal vermisst er es, aber dann sagen wir ihm alle, was er uns fuer ein schoenes Leben bereitet, einfach dadurch das er ist wie er ist, und wir mit ihm sein duerfen.

Wenn der ein oder andere mal herkommt, eventuell ergibt sich mal die Moeglichkeit ihn kennenzulernen. Auf ein Weizen kommt er immer......

Soi 13 - Mama Soi 13. Wenn es 2 Uhr wird, gehen in den Bars die Lichter aus und das Leben tobt auf der Sukhumvit. Kennt ihr alle. Ueberall, und jetzt immer mehr, gibt es diese beruehmten Plastiktischchen mit den dazugehoerigen Stuehlchen. Das sind alles Kopieisten! Denn die erste, die richtig Geschaeft gemacht hat war Khun Mae - คุณแม่. Sie ist halb Chinesin, halb Thai und dementsprechend arbeitet sie halt. Sie wirkt dort mit ihrem Bruder, wir nennen ihn alle Khun Poh, คุณพ่อ, und Somchai, ihrem Neffen. Der verkauft dort Barbecue, Chicken, Pork, Beef na - und seine Schwester Fatty, sie ist zustaendig fuer Seafood.

Bevor ich nach Thailand kam, waren schon einige meiner Berliner Freunde dort. Insbsondere zwei, Krieger, der Mann aus dem Wedding, und Sony kannten und liebten Soi 13. Die schleppten mich dann auch dort hin und irgendwie kam ich gut mit Mama aus. Mama hat wirklich ein gutes Herz, sie nennt mich jetzt immer Luk Chai, ลูกชาย. Wenn immer ich mal ein (finanzielles) Problem hatte, ging ich zu Mama. Sie wusste immer einen Rat oder einen Weg.

Bis heute bin ich ihr treu. Selbst wenn es manchmal ein bisschen eigenartig ist zwischen den ganzen Jungs der Nacht zu sitzen, sind die Abende mit Mama nach wie vor gut. Es gibt immer ein kleines Schwaetzchen, ich kauf bei ihr ein kleines Flaeschen Saeng Som, und wir amuesieren uns ueber den oder die. Ihr glaubt ja gar nicht, was da manchmal mitten in der Low Season so los ist. Geht mal hin, und sagt einen schoenen Gruss von Nadi - นาดี - das ist mein Thai Nickname. Dann koennt ihr es selber sehen. Oder man trifft sich mal dort, aber niemals vor 2.30h.........
 
Serge

Serge

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Bangkok
Iffi" schrieb:
@Serge, nimmst mich auch an die Hand? :hilfe:

Bei der Überquerung, meine ich. :lol: :rofl:
[schild=47,fcolor=0000FF,fsize=2,fstyle=b,font=Druck,scolor=FF0000,sshadow=,bcolor=008000,align=:f692a1ab0f]Wir haben die Strasse fuer IFFI gesperrt!![/schild:f692a1ab0f]
 
I

Iffi

Gast
@Serge,

falls meine wohlwollenden Gedanken über deine geschilderten Bekannten zur Grösse des Denkmals beitragen können, das du ihnen gerade errichtest, wäre ich echt froh.
 
R

Rawaii

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@Serge, bin bald wieder in Bangkok, lass uns mal zusammen einen trinken gehen, ich glaube wir würden uns gut unterhalten und ne menge Sanuk haben.....







Gruss Rawaii
 
A

Andreas_Ulm

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Ulm
Hallo Serge,

die Beschreibungen Deiner Freunde finde ich sehr interessant und gibt mir die Ilussion, wieder mal ein bischen mehr von Thailand zu verstehen :-)

Du hast einige tolle Musiklokale erwähnt. Es wäre klasse, wenn du -vielleicht in einem anderen Thread - dazu etwas ausführlichere Informationen geben könntest. Sicher gibt es außer mir noch einige Bangkok-Fans, die dafür dankbar wären.

Grüsse

Andreas
 
Monton

Monton

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Wiang Pa Pao
Hallo Serge, danke.
Ein liebenswerter Zusammenschnitt von deinem Leben in Bangkok mit Menschen.
Ist schon beeindruckend wie Noi, Toom, Ao, Tee, Matty, Kate, Ta, Dnu, Prapat und andere mit mehr oder weniger Power das kulturelle und soziale Leben in der City bereichern.
Ein kleiner Streif aus der großen City Bangkok.
Der soziale Zuschnitt ist noch nicht mit Berlin zu vergleichen.
Eine Frage der Zeit ? Für beide Citys in beide Richtungen?
Freue mich auf eine Diskussion zu dem Thema.
(Icke freue mir uff dir) :cool:
Bin am 30.11. in Bangkok leider nur 2 Tage (Bin dann in Panigw Wiangpapao- Chianrai)
Steige am 30.11.gegen 12 Uhr im Indra Regent ab. Also „Schaun mer mal“
Will dann am Dienstagmorgen unbedingt mit dem Zug nach Chiang Mai.
Der Sonntag, oder Montag wäre also gut geeignet für einen Treff. :gruppenknuddel:


Herzl. Gruß aus Berlin von Monton
 
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Freunde in Bangkok

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