http://www.thaipage.ch/berichte/berichte/farang.htm
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„Gehörnte" Farang und „geschäftstüchtige" Thai-Frauen
Von Michaela Behr
Rundum enttäuscht wirkt Josef Staufenbiel auf mich. 82 Jahre ist er alt, 15 Jahre war er mit einer Thai verheiratet, bis diese sich von ihm trennte. Ein Vermögen von drei Millionen Baht einschliess-lich Haus hat er dadurch verloren. Dann ein anderes Schicksal: Peter Friedrich (Name wurde von der Redaktion geändert), Mitte 50, hätte beinahe zum zweiten Mal ein Auto an seine Freundin verloren. Geschichten wie diese sind in Pattaya keine Seltenheit. Ich treffe mich mit den beiden gehörnten Farang, höre mir ihre Erlebnisse an. Dann plaudere ich mit Bernd Knieriem, der Ausreise-Visa für Thais erstellt und aus seiner Erfahrungswelt erzählt.
Immer wieder glauben Farang, in einem Thaimädchen die grosse Liebe gefunden zu haben. Letztlich endet die Beziehung im finanziellen Desaster. Nicht gut genug informiert oder einfach blind für die Realität. Begründungen lassen sich hier zahlreiche finden.
Betrogene Männer, ausgebeutete Frauen?
Meist ein wesentlich älterer Mann mit einem jungen, äusserst attraktiven Mädchen. Da ist es - rational betrachtet - unwahrscheinlich, dass sich die Frau aus wahrer Liebe für die Beziehung entscheidet. Als Journalistin ist es eine kleine Herausforderung, sich mit diesen und ähnlichen Storys auseinander zu setzen. Tendiert mancher Mann schnell dazu, die „betrogenen Geschlechtsgenossen" rückhaltlos zu bedauern, so neigt eine emanzipierte Frau eher dazu, Partei für die „ausgebeutete Thailänderin" zu ergreifen. Die Leser mögen mir daher verzeihen, wenn ich mich hin und wieder zu einer kritischen Anmerkung hinreissen lassen sollte und mich nicht rückhaltlos in die Rolle des gehörnten Farang versetze.
Peter Friedrich meint, er habe einfach Pech gehabt. Er lebte schon länger in Pattaya, lernte dort ein Mädchen kennen. „Ich wollte keine feste Beziehung. Das erklärte ich Nong, sie sagte, sie sei einverstanden. Für mich schien damit alles klar."
Peter versprach seiner Freundin Ferien auf Phuket, diese zogen sich unerwartet zwei Monate hin. „Wir genossen die Zeit. Als wir zurück nach Pattaya kamen, zog Nong dann in mein Condo am Jomtien, sie wollte nicht gehen. Obwohl ich ihr gesagt hatte, dass wir uns nach den Ferien trennen würden."
Hier stutze ich ein wenig, Peter kann meine Einwände nicht nachvollziehen. Dass in zwei Monaten gemeinsamer Ferien für das Thaimädchen Hoffnungen auf eine längerwährende Beziehung geweckt wurden, zieht er gar nicht erst in Erwägung. Für ihn nicht mehr als zwei vergnügliche, unverbindliche Monate.
Ich vermute: Der Versuch, aus der aussichtslosen Situation ein wenig Gewinn zu schlagen, veranlasste Nong zum folgenden Schritt. Eines Tages wies sie Peter darauf hin, dass es nicht ratsam sei, seine Autopapiere im einbruchgefährdeten Condo aufzubewahren. Er vertraute seiner Freundin. Sie hatte ihm angeboten, die Papiere im Safe eines Freundes zu deponieren.
Kurze Zeit später zog Nong aus. Wenige Tage darauf stand das Mädchen mit der Polizei und den Autopapieren vor seiner Haustür und erklärte, sie käme, um das Auto abzuholen. Peter wandte sich an die Touristenpolizei: „Gemeinsam mit der Polizei suchten wir Nong auf", erzählt er. „Nong stand in der Tür und erklärte, sie habe das Auto einen Tag, nachdem sie es geholt habe, bereits verkauft." Der gehörnte Farang sah weder sein Auto wieder, noch erhielt er von Nong einen Baht.
Dessen jedoch nicht genug. „Ich lernte einige Zeit später ein anderes Mädchen kennen, lebte mehr als ein Jahr mit ihm zusammen. Irgendwann begann es in der Beziehung zu kriseln. Peter flog mit einem Bekannten nach Koh Samui, danach war die Freundin ausgezogen. Und hatte das neue Auto mitgenommen.
„Ich wähnte mich im Vorteil, denn: Diesmal hatte ich die Papiere!" Jedoch falsch gewähnt: Peter rief seine Freundin mehrere Male auf Handy an, erfuhr dann, dass sie sich in Bangkok befände und neue Autopapiere beantrage. Plötzlich verlangte sie 200.000 Baht, dann werde sie das Auto wieder zurück bringen. Hierauf liess sich Peter nicht ein, griff zu einem anderen Mittel: Er erzählte seiner Exfreundin, dass er vor kurzem mit einem Anwalt gesprochen habe, um sie im Testament als Erbin einzusetzen. „Mein Plan hat gegriffen, kurz darauf stand meine Freundin mit dem Auto vor meiner Türe."
Peter kann damit leben!
Ich blicke Peter fragend an, für ihn scheint die Geschichte damit zuende. Als er nun doch weiter erzählt, kann ich mein Unverständnis nicht ganz verbergen: Er lebt mit seiner Freundin erneut zusammen und will das Auto auf sich zurückschreiben lassen. „Haben Sie keine Angst, dass sich etwas Ähnliches bald wieder abspielt?" will ich wissen. Er meint gelassen, dass er damit leben könne. Auf gegenseitiges Vertrauen scheint er wenig Wert zu legen.
Aus welchem Antrieb heraus die Thai-Frauen in den berühmt-berüchtigten Betrugsfällen handeln - darüber lassen sich nur Vermutungen anstellen. Doch als Mann sollte man sich in dieser Hinsicht nicht belügen: Für die meisten jungen Thaifrauen ist eine Freundschaft mit einem Farang überwiegend von materiellem Wert. Die Mädchen in Pattayas Bars sind hier, um Geld zu verdienen. In der Regel handelt es sich um Thais aus armen Verhältnissen, die die Chance nutzen, Anteil am Vermögen der für sie reich erscheinenden Farang zu haben.
Ein Einwand jedoch, auf den mich Bernd Knieriem mehrmals hinweist: Zum Abzocken gehören immer zwei! Die Farang, die eine junge thailändische Freundin haben, zahlen freiwillig. Das Mädchen bietet sich, seine Zuneigung, seinen Körper. Dafür finanziert der Mann ihr ein angenehmes Leben und zahlt Unterhaltskosten an die Familie. Sind sich beide Seiten dessen bewusst, so spricht nichts gegen die Zweckbeziehung. Und es ist nicht auszuschliessen, dass sich - insofern sich beide Seiten mit Respekt behandeln - im Laufe der Zeit Zuneigung entwickelt.
„Ich erlebe das immer wieder bei meinen Kunden: Das Problem ist, dass die Männer in der Regel wesentlich mehr Gefühle in die Beziehung investieren als die Frau", betont Bernd. Gefühle investieren schön und gut, denke ich mir. Weshalb verlieren jedoch so viele Männer jeden Realitätssinn, will ich wissen. Verdrängen den Faktor Zweckbeziehung? Glauben an die grosse Liebe? „Das ist schwer zu beschreiben. Ich kann es aber sehr gut nachvollziehen", sagt Bernd.
Er kam nach Thailand, nachdem ihn seine langjährige Frau wegen eines jüngeren Mannes verlassen hatte. „Ich ging nach Phuket, um zu vergessen, und traf dort gleich am ersten Abend eine Thai. Sie setzte sich zu mir, legte ihren Arm um mich." Er hält kurz inne, überlegt, fährt dann fort: „Den thailändischen Frauen gelingt es, Männern das Gefühl zu geben, begehrt zu sein. Durch ihre Zärtlichkeit und ihre Zuneigung."
Das Absurde ist für mich: Viele Farang scheinen aus einer einmaligen Enttäuschung nicht zu lernen. Das hat schon das Beispiel von Peter Friedrich gezeigt.
Bernd erzählt mir nun von einem Bekannten, der gleich zweimal sein gesamtes Vermögen verloren hat: Er habe eine Frau kennengelernt, kaufte auf ihren Namen ein Haus. Ging für kurze Zeit zurück nach Deutschland. Als er nach Fernost zurückkehrte, war seine Frau verschwunden und das Haus verkauft.
Der Bekannte lernte ein anderes Mädchen kennen, entschied sich, über beide Ohren verliebt, erneut für einen Hausbau. Als das Haus stand, zog die Familie der Freundin ein und sie verliess den Deutschen.
Dann ein anderer Fall: Ein Kunde von Bernd trennte sich von seiner deutschen Frau, lernte in Thailand ein Mädchen kennen. Um nichts an die Exfrau in Deutschland zahlen zu müssen, überschrieb er nach kurzer Zeit sein gesamtes Vermögen an die neue thailändische Lebensgefährtin. Hier bleibt mir als Farangfrau nur ein Kopfschütteln, das im Westen propagierte Bild vom rational denkenden und mit beiden Beinen im Leben stehenden Mann beginnt, in meinem Kopf ins Wanken zu geraten . . .
Mehr Mitleid kann ich für Josef Staufenbiel aufbringen. Als der 82-jährige mir seine Geschichte erzählt, spüre ich, wie er seine Vergangenheit bis heute nicht ganz überwunden hat. 1984 war die Frau des Koblenzers durch einen tragischen Unfall gestorben. Durch Zufall erfuhr er 1986 von einer Heiratsvermittlung in Darmstadt: „Warum nicht, dachte ich mir, und entschied mich dafür, eine 39-jährige Thailänderin nach Deutschland kommen zu lassen."
Für die Vermittlung zahlte er 13.000 Mark, dazu Hin- und Rückflug und 500 Mark Reisekosten. Phensiri hatte einen sechsjährigen Sohn und stammte aus ärmsten Verhältnissen. Sie arbeitete in Phitsanulok auf einem Fischmarkt in einer Garküche. „Wir verstanden uns gut, ich flog mit ihr nach Thailand, wusste nichts über das Land. Phensiri drängte die ganze Zeit auf eine Heirat." Im Mai 1987 gaben sich die beiden das Ja-Wort, im Winter desselben Jahres kaufte Josef Staufenbiel ein Haus in Pattaya.
„Ich wusste nicht, dass ich in Thailand gar keinen Grundbesitz kaufen kann, Phensiri regelte alles. Und liess das Haus ohne mein Wissen auf ihren Mädchennamen schreiben." Rund acht Monate verbrachte das Ehepaar pro Jahr in Deutschland, vier Monate in Thailand.
„Ich dachte, ich hätte eine Famlie"
„Die ganze Zeit dachte ich, ich hätte eine Familie." Der Rentner schüttelt den Kopf, scheint die folgenden Ereignisse nach wie vor nicht zu verstehen. Er eröffnete ein gemeinsames Ehekonto. Wie er später erfuhr, hob Phensiri hiervon Geld ab und eröffnete damit ein eigenes Konto. Dem Sohn Kornsamat zahlte Josef die Schulausbildung, heute geht er auf die Universität.
Josef Staufenbiel kann sich die folgenden Ereignisse nicht recht erklären, er vermutet, dass zum einen Phensiris Schwester und deren deutscher Ehemann sie gegen ihn anstachelten. Zum anderen lernte Phensiri 1997 eine andere Thai kennen, mit der sie sich auf ein lesbisches Verhältnis einliess. Sie zog zu der neuen Freundin, vom gemeinsamen Ehekonto hob sie 600.000 Baht ab.
Telefonterror folgte. Eines nachts schlug eine Gruppe, angeführt von Phensiris Freundin, die Fenster von Josef Staufenbiels Haus ein.
Als Phensiri die Scheidung beantragte, setzte man 2001 mit zwei Anwälten einen Scheidungsvertrag auf, demzufolge das Grundstück geteilt werden sollte. Noch ehe dieser Vertrag aufgesetzt war, hatte Phensiri das Grundstück jedoch bereits hinter Josefs Rücken verkauft. „Die beiden Hunde hat sie mir gelassen, das ist alles", meint Josef Staufenbiel verbittert.
Er lebt nun zur Miete und von seiner Rente. Von Thailand - vor allem vom Rechtssystem - ist er tief enttäuscht, zieht in Erwägung, zurück nach Deutschland zu gehen. Ich bedauere Josef Staufenbiel. In diesem Fall neige ich auch als Frau dazu, Partei für den betrogenen Ehemann zu ergreifen . . .
Am Ende eines Berichts erwartet der Leser ein Fazit. Hier muss ich enttäuschen. Bei einer Beziehung zwischen zwei Menschen handelt es sich stets um etwas Individuelles. Allgemeine Schlussfolgerungen, Tipps oder Anleitungen für eine glückliche, unbeschadete Farang-Thai-Beziehung kann ich nicht liefern.
Betonen will ich aber am Ende des Artikels noch einmal: Beziehungen zwischen jungen Thaimädchen und wesentlich älteren Farangmännern sind in den meisten Fällen Zweckbeziehungen. Dies sollte der Mann nicht verdrängen.
Vergisst ein Mann vor blauäugiger Verliebtheit jede Vorsicht, wähnt sich in den Armen eines dreimal so jungen Mädchens im siebten Himmel und hält sich für den Traumprinzen der tropischen Schönheit, so ist das Mitleid einer westeuropäischen Journalistin begrenzt.