Mr_Luk" said:
Der Lizensierte Exporteur ist in dem Fall die gewählte Cargo Firma in Thailand selbst und sie kümmert sich ebenso um den Nachweis für den innländischen Ursprung der betreffenden Waren, als auch um die Meldepflicht. Im Prinzip wird die globale Rechnung (der gesamten auszuführenden Waren) von der Cargo Firma ausgestellt, somit fungiert sie auch offiziell als Exporteur und ist haftbar im Falle von Versäumnissen und Irregularitäten. Das entlastet den "Kunden" natürlich enorm.
Luk, diese Praxis ist aber "halb-kosther" und eventuell sind die Tage gezaehlt. Habe vor nicht allzu langer Zeit einen Anruf von einem Deutschen erhalten, der Ersatzteile exportieren wollte, aber das Verfahren des "Proxy-Exporteurs" anscheinend nicht mehr funktionierte.
Die Cargo-Firma ist kein Exporteur, der unter seinem Namen die Packliste und die Handelsrechnung erstellt und in der Regel verfuegt die Cargo Firma auch nicht ueber eine Exportlizenz oder die Karte des Handelsministeriums. W
as allerdings ueblich ist, dass der "echte" Exporteur Personen einer Cargo Firma nominiert, fuer seine Exportfirma die Zertifikate anzufordern. Auch koennen sie natuerlich in dieser Repraesentantenfunktion dann auch die entsprechenden Nacharbeiten machen, naemlich den Ausweisnachweis erbringen, aber alles weiterhin unter der Fahne des Exporteurs.
Kurzum ein Speditionsunternehmen ist kein Handelsunternehmen. Der Trick, der angewendet wird ist, dass sich die Indentitaet eines "Handelshauses" ausgeliehen wird.
Steuerlich auch nicht unproblematisch, denn der Exporteur muss ja die Ware auch irgendwo her haben und es muessen entsprechende Kaufbelege existieren, gemaess der doppelten Buchfuehrung. Was rausgeht (natuerlich mit Handelsaufschlag) muss vorher reingekommen sein. Margen muessen realistisch sein, damit nicht der Verdacht der Geldschieberei oder Geldwaesche aufkommt. Selbst multinationale Unternhemen sind in Bezug auf "Tranferpreise" nicht voellig handlungsfrei.
Natuerlich gibt es Tricks und graue Praxis im internationalen Handelsgeschaeft, aber nun ja, kann natuerlich auch einmal ins Auge gehen.
Letztes Jahr erhielt ich einen Anruf von einem Deutschen, der 1.000 T-Shirts nach Deutschland importieren wollte. Eingekauft im Bereich Pratunam und von einer dubiosen Speditionsfirma auf den Weg gebracht. Das "Ursprungszeugnis" war eine Farce. Nicht das autorisierte und durchnummerierte Zertifikat vom Handelsministerium sondern eine pauschale Bestaetigung des Spediteurs/Exporteurs aus eigener Feder, dass die Ware ihren Ursprung in Thailand hat.
Kurzum die Ware ist im Zoll haengengeblieben. Die Dokumente eine Katastrophe. Die Frage kam auf, wie kommen ich jetzt im Nachhinein (natuerlich moeglichst kostenfrei) an die Zertifikate fuer das Zoll-Clearing. Antwort: Gar nicht - Sendung abschreiben.
Das ansich sehr hilfsbereite Handelsministerium gab mir letztes Jahr ganz klar zu verstehen: "Wenn Du als Exporteur Mist baust und dies bringt uns (Thailand) in Miskredit, dann ziehe Dich warm an". Ja, man versucht in der Regel so viel wie moeglich zu helfen, weil man natuerlich am Exportgeschaeft interessiert ist und drueckt auch mal ein Auge zu (Thailands Pragmatismus) aber dennoch muss sich alles doch im groben vorgebenen Rahmen bewegen.
Als SME (kleines bis mittelstaendisches Unternehmen) muss man sich natuerlich weitaus eher ueberlegen, ob man sich gegebenfalls erlauben kann eine Sendung abzuschreiben. Im Extremfall kann es sogar den Ruin der Firma bedeuten.
Was passieren kann, ist das Beispiel China vor ca. 1 Jahr. Die EU hatte beschlossen die Quotenregelung fuer Textilien gaenzlich aufzugeben. China-Ware flutete nun in einem Mass in die Region, die die EU kalte Fuesse kriegen liess. Fazit: Fuer China wurde wieder eine Quote etabliert und ueber Nacht standen auf einmal unzaehlige chinesische Container in europaeischen Haefen. Ein Clearing war nicht moeglich, da keine Quotenzertifikate vorlagen.
Die Importeure kamen nicht an ihre bereits bezahlte Ware. Chaos. Keine Ware und im ueberaus hinaus mussten die Importeure natuerlich fuer die Lagerkosten der Container aufkommen. Vermutlich hat dieses dem einen oder anderen das Genick gebrochen, ohne dass eigentlich fuer den Importeur eine Schuldfrage bestand. Wie ist es dann erst, wenn jemand beim bewussten Schummeln ertappt wird?
Ja, generell ist es in Thailand fuer einen erfahrenen Haendler moeglich, alles auf den Weg zu bringen, doch die Probleme tauchen dann auf, wenn die Ware im Zielland eintrifft. Im Extremfall Beschlagnahmung der gesamten Sendung, selbst wenn sie nur teilweise nicht kosher ist.
Der Threadstarter will ja auf Nummer sicher gehen. Dies kann fuer mich aus meiner Sicht nur eines bedeuten. Er registriert selbst als Exporteur und der damit verbundenen Fahrigkeit Packlisten, Rechnungen, Ursprungszeugnisse unter eigenem entsprechenden Namen zu erstellen oder aber schaltet einen "echten" Exporteur ein.
Noch abschliessend ein paar Worte aus eigener Erfahrung. Es macht keinerlei Sinn sich im Billigwarengeschaeft zur verstricken und mit China in einen Preiskampf zu gehen. Es macht auch keinen Sinn E-Bay als Vertriebsschiene zu waehlen, falls es ueber den Rahmen des Eigenimports per Koffer hinausgeht. Qualitaetsware zum angemessenen, sprich moderaten Preis, hier liegt die einzige Chance fuer den thailaendischen Haendler, speziell auch derzeit beim recht starken Baht. Fuer Commodities ist meist nur ein mark-up von 10% drin und manchmal noch nicht einmal dieses.
Discounter aller KIK zu beliefern ist reine Umsatzschoenung und vielleicht Beschaeftigungstherapie aber aus kaufmaennischer Sicht eigentlich absolut unakzeptabel.
Es gibt hier in Thailand speziell im Textilbereich sehr schoene Ware. Fashionable, qualitativ anstaendig zu guestigen Preisen. Diese jedoch auf deutschen Flohmaerkten oder E-Bay verhoekern zu wollen und das auch noch mit Profit ist unrealistisch. Die Distributionsschiene muss somit eine andere sein. Es sind die Boutiquen, die kleinen Einzelhandelfashionshops, dort wo der Kunde noch bereit ist einen oder auch zwei Euros mehr zu lassen.
Ein Container Unterhosen im Zehnerpack fuer 99 Cents? Nein Danke. Hierfuer gibt es derzeit nur einen einzigen Majorplayer und der heisst China. Die Betonung liegt auf derzeit, denn es ist nur eine Frage der Zeit, wie lange die Brueder ihr Preisdumping noch durchziehen koennen.
Geiz ist geil? Schoen und gut. Das Mekka hierfuer heisst China und E-Bay. Als buddhistischer Kaufmann fuehrt mich selbst mein eigener Weg aber nicht dort hin. Liegt wohl daran, dass meine kaufmaennischen Schulbuecher aus den 80ziger Jahren stammen.
Einfach so in die Kladde geschrieben und aus Zeitmangel nicht korrekturgelesen. Hoffentlich nicht zu wuest bezueglich Schreibfehler und Gramatik, denn manchmal koennen die Finger einfach dem Gedankenschwall nicht folgen.
Viele Gruesse,
Richard
