Man ist halt mit einer sehr lebendigen Natur in einem wesentlich intensiveren Kontakt als man das aus D gewöhnt ist. Je mehr man diese irgendwo auch isolierende Lebensweise verinnerlicht hat, umso schwerer wird es fallen, sich im Isaan wohlzufühlen.
Gestern war ich bei einem Onkel. Der lebt in einer Bretterbude minderer Qualität, weil er eben keine Kohle hat für mehr. Sie freuen sich zwar, dass ich mich dort ohne zu murren aufhalte, wundern sich aber auch. Weil sie gehört haben, teils erlebt haben, dass Falang sich an ihrer Umgebung ständig stören.
Und da man ihnen auch hier immer wieder unter die Nase reibt, wie arm sie sind und dass das als minderwertig zu betrachten sei, wundern sie sich natürlich etwas darüber dass ich das nicht tue.
Tatsächlich gucke ich mir aber eher ihre Gesichter an als ihre Häuser. Und da sehe eich eher Reiche, Steinreiche.
Sie lachen, freuen sich, erzähen und sind witzig und sie scheinen nichts zu vermissen. Wirken ruhig und ausgeglichen dabei. Nicht ständig am überlegen, wie sie denn wohl die nächste Verbesserung der Lebensqualität hinkriegen und nicht ständig am jammern, dass sie zu arm wären. Dabei habe ich Ärmere eigentlich nur in Delhi gesehen, wo manche auf der Straße unter einer kleinen Plane leben.
Ich würde, weil zu verwöhnt, manches nicht so für mich haben wollen und das muss ich auch nicht. Aber etliches, selbst was ich jetzt hier noch habe, erscheint recht überflüssig. Besonders, wenn ich bedenke, dass ich mich dafür in D versklaven musste.
Wer also seine Seidenkrawatte und sein Armaturenbrett aus Wurzelholz zu sehr liebt, wird den Isaan kaum geniessen können. Wer da mehr die Leichtigkeit des Seins ohne besondere Hilfsmittel sucht hat schon bessere Karten.
Gruss
mipooh