5. Pattaya
Beim Herunterfahren der Nord-Pattaya-Road wird mir bewusst, dass ich Pattaya eigentlich ganz gut leiden kann. Warum ist das so? Des Strandes wegen sicherlich nicht. Die Hotels? Naja da kann ich in Binz auf Rügen genauso chillen. Die Infrastruktur? Für jemanden der in Berlin aufgewachsen ist und dort lebt - eher auch nicht. Es gibt zwar nicht so viele Bierbars in Berlin, aber wenn ich am Paul-Linke-Ufer oder in der Bergmannstraße in Kreuzberg bin, fühle ich mich sauwohl. Das Überqueren der Straßen ist in Berlin auch unproblematischer. Was ist es dann? Es liegt mir auf der Zunge. Sollten es wirklich die Frauen und die zügellosen Sexangebote an jeder Ecke sein...?
Im Urlaub hab ich meine rosarote Nelsonbrille auf. Bin im Allgemeinen gut drauf und spendabel und das scheint sich auch auf die Thais mit denen ich Spaß habe abzufärben. Taxifahrer, Zimmermädchen, Kellner, Polizist, Indischer Schneider, Schwutte, Schwuttenhüterin, Inselaffe, Aussie, Schweizer, Westdeutsche, Russen - mit jedem bin ich schon hier ins Gespräch gekommen. Die Atmosphäre kann großartig sein. Diese Stadt kann einem gefallen, es kommt immer ein gutes Stück auf die eigene Einstellung an.
Bisher bin ich wohl zu blöd - was sehr wahrscheinlich ist - zu merken das ich hier abgezogen werde. Wahrscheinlich habe ich das, was sich mein Hirn schimpft, bei der Immigration am Flughafen abgegeben. Wie auch immer…. Ich habe in Pattaya keine „Bad Feelings“… und wenn ich baden will, spring ich in den Pool und freue mich über die nette Servicekraft die mir mit unaufgesetztem Grinsen einen Fruchtcocktail an die Liege bringt oder „schwimme“ schnell nach Koh Larn. Das Leben kann entspannt und schön sein…man(n) braucht nur das richtige „Mojo“. An den Bars fühle ich mich wohl, egal ob in der 7 und 8, in Naklua, in der Soi Diamond, in der Walking Street oder sonst wo…
Spätestens nach zwei Wochen reicht mir der Trubel aber auch und ich bin froh in den Isaan oder nach Berlin zurück zu fliegen. Aber nun sitze ich hier im Bring-Mich-Werkstatt (BMW) neben Kid und „sause“ Richtung Delfin. Mein Kumpel dragon befindet sich ja bereits schon seit ein paar Tagen im Green Park Resort und auch wir werden dort in Stellung gehen.
Das Hotel hat seine besten Zeiten schon hinter sich gebracht. Dragon wollte etwas mit Gartenanlage, ich empfahl ihm das Thai Garden Resort, aber da wird gerade renoviert und so ist er hier gelandet. Für den Abend habe ich gleich vor, mich mit Forenmember Buci zu treffen. Der wohnt in der Soi Wongamat im Klein Heidelberg. Da das Klein Heidelberg ja zu diesem Zeitpunkt noch Bannerkunde bei uns war, will ich mir diese Herberge ansehen. Auch dragon möchte dahin, da er sich für die Zimmer dort interessiert und gedanklich schon wieder im nächsten Urlaub ist. Buci schlägt vor anschließend noch in eine Karaoke Bar gegenüber vom KH zu gehen, seine derzeitige „Freundin“ haut da wohl einen Gassenhauer nach dem anderen raus. Da ich solchen Späßen auch nicht abgeneigt gegenüber stehe, habe ich doch schon mit der Su in Bangkok regelmäßig in der schmalen Verbindungsgasse zwischen Soi 5 und Soi 7 in den Privat-Karaokeboxen rumgegröhlt und auch vor ein paar Tagen in Hua Hin der Kid schon gezeigt, dass ich Sinatra und Williams bei genügendem Konsum alkoholischer Getränke in den Schatten stellen kann.
Fazit: Ich hoffe, dass ich da heute keinen Platzverweis oder Lokalverbot bekomme
Kid legt sich eine Material Arts passende Kleidung an und versucht mich aus der Reserve zu locken….
Wir holen dragon und Porn ab, und MÜSSEN bevor es los geht unbedingt noch eine weitere Runde „Stalker ärgere Dich nicht“ spielen. Die Weiber kümmern sich dabei nicht um die Spielregeln, wenn ein Würfelwurf nicht passt, dann muss Frau unter den fadenscheinigsten Begründungen nochmals würfeln. Frauen werfen sich nicht gegenseitig raus, haben Mitleid mit dragon (solange er ihnen nicht gefährlich wird) und machen Jagd auf Stalker.
Nur die von Bono Vox stets in den grünen Klee gelobte KH-Küche verhindert meine Demoralisierung. Endlich hat Kid ihre Kegel alle im Haus während meine doof draußen herum stehen, so dass wir uns auf den Weg machen können. Wir laufen zur Soi Wongamat kommen an der Garage-Bar vorbei, an dem ich auch ein bekanntes Gesicht erkenne. Das Forenmitglied Xxxxx kann oder will sich jedoch nicht an mich erinnern, umso besser, dann muss ich mich hier nicht aufhalten. Im KH üben Buci und ich erst einmal das Dauergrinsen auch seine derzeitige Lady Mini…die für eine Thai ziemlich Maxi ist treibt sofort mit Kid und Porn Konversation. Das Maxi von ihr ist die Körpergröße von 1,75 m.
Das „Klein Heidelberg“ hinterlässt am Ende keinen runden Eindruck bei mir.
Weniger wegen der Bücher-Werbung einer bekannten „Thaiforengröße“ auf der Restauranttoilette. Auch nicht weil der Platz des Managers unbesetzt ist, sondern des Stammtisches wegen. An diesem Tisch gleich vorne rechts am Eingang sitzt eine Gruppe älterer deutschsprachiger Herren, die allen klar machen, dass sie hier etwas zu bestellen haben. Auch in den nächsten Jahren fallen mir diese von eigener Wichtigkeit strotzenden Individuen auf. Sie mustern unverhohlen die Leute die am KH vorbeilaufen und zweimal bemerke ich wie sie sich amüsiert über das eine oder andere „Pärchen“ unterhalten, das da des Weges kommt. Nun mag es Zeitgenossen geben, die das KH sehr zu schätzen wissen. Für mich ist es aber bei dem einen Besuch geblieben.
Der Service durch die Thaibelegschaft war aber sehr nett und somit gibt es auch einen entsprechenden Tip von mir. Anschließend zeigt uns Buci sein Zimmer. Groß, sauber, guter Preis, das Hotel ist schon ok. Mir ist aber das Green Park Resort schon zu weit im Norden und so wird das KH sowieso keine Alternative für mich werden.
Anschließend gehen wir auf die andere Straßenseite, in Bucis Karaoke Bar. Es wird ein großartiger Abend. Unser Mut steigt mit unserem Alkoholpegel. Auf Grund eines zu tätigenden Anrufes muss ich mich kurzzeitig verdrücken. dragon hat inzwischen einen perfiden Plan. Er erzählt der Barbesitzerin von meinen Gesangskünsten und sucht auch schon mal den passenden Song für mich heraus. Als ich zurückkomme, bin ich recht verblüfft als Mr. Stalker ans Mikrofon gerufen wird. Da hat doch der dragon wirklich „Black Magic Woman“ von Santana rausgesucht. Als das Lied ertönt und ich losschmettere kommen der Kid - nein nicht wegen der Ohrenschmerzen, sondern vor Rührung - die Tränen. Was soll ich Euch sagen, ich bin der Held… bekomme Standing Ovations von Thais und Farangs und weil sie alle so artig und ich so sentimental bin, schiebe ich noch schnell „Dust in the Wind“ von Kansas hinterher. Zur Info: Habe früher in FDJ, GST und NVA in den Kombos gesungen und war auch im Kirchenchor…lol.
Der Abend mit den Magic Mushrooms im SangSom war - wie ich schon schrieb - der Beste, aber dieser Abend ist zumindest auf sehr hohem Pattaya-Niveau.
Kid übernimmt nun auch noch das Mikrofon und haucht ein paar maskuline Thaisongs in Mikro, die von den Anwesenden ebenfalls bejubelt werden.
Sie singt am liebsten Schmalzballaden von Thai-SÄNGERN und unterstreicht damit ihr maskuline Ader… hat ja nicht umsonst früher mit sehr kurzen Haaren den Tomboy gegeben…
In der Soi Diamond war „Rambo“ ihr Spitzname…
Es ist schon weit nach Mitternacht als wir uns von Buci und Minimaxi trennen. Das Treffen wird wiederholt, soviel ist jetzt schon sicher.