Einen Monat im Isaan...

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hello_farang

Gast
Einen Monat im Isaan... (Teil 1)

Eine meiner Reisen nach Siam fuehrte mich in das kleine Isaan-Dorf Ban Sam Kha. Dort lebt meine damalige Freundin, und ich besuchte sie und ihre Eltern fuer einen Monat. Ban Sam Kha liegt in der Naehe von Kuchinarai, und ist eines dieser typischen kleinen und armen Doerfer, wie man sie in der Region so oft findet. Im Zentrum befindet sich ein Wat, um das sich entlang einiger staubiger Strassen ca. 200 Haeuser gruppieren. 2 Suppenkuechen, ein kleines Restaurant mit einer Karaoke-Maschine, das schlichte Wat, und der in Zivil seinen Job versehende lustige Dorfpolizist sind die einzigsten highlights dort.

Natuerlich sehr beeindruckend war das viertaegige Sonkran Fest, dem ich beiwohnen durfte. Das man mich damals als Gast darum bat, den Vogel fuer den Umzug zu entwerfen, empfand ich als eine grosse Ehre. Nach meinen Zeichnungen wurde die Figur aus Bambus, Blaettern, Tuechern und vielen Blumen von den wichtigen Maennern des Dorfes zusammengebaut, damit darauf spaeter die jungfraeulichen Sonkran-Prinzessinen Platz nehmen konnten.
Der Bau zog sich ueber 2 Tage hin, und es war fuer mich eine gute Gelegenheit, den ewigen Wasserguessen in Verbindung mit dem Eingepudert-werden zu entgehen. Sehr zum Missfallen meiner Freundin hiess das aber, oft mit den alten Herren anstossen zu muessen, und zwar mit warmem Lau Khao. Da ich jedoch quasi die Aufsicht hatte ueber den Vogel, konnte sie nichts machen, und wurde vom Dorfvorsteher "Moo sip-dsched" des oefteren wieder nach Hause geschickt. Den liebenswerten alten Herren sieht man hier in der Mitte des Bildes.



Er und seine Freunde haben mich auf lao zugetextet, obwohl ich kaum etwas verstand. Aber sofort war eine herzliche Stimmung zwischen uns, und so wurden es herrliche Tage. Bereits nach wenigen Stunden kannten mich saemmtliche Dorfbewohner, und alle schlossen mich in ihr Herz - was natuerlich auf Gegenseitigkeit beruhte. Staendig wurden Fruechte gereicht, sowie die unterschiedlichsten anderen Speisen. Da ich strenger Vegetarier bin, konnte ich wenigstens da mein rudimentaeres thai anwenden, und klarmachen, das ich "gin kao mang sawirat" (= vegetarisch esse). Mai mii pan haa, natuerlich gab es fuer mich dementsprechende Extra-Portionen. Zudem wurde genau darauf geachtet, das ich nicht in der Windfahne des gegrillten Fleisches sitzen musste, das hat mich tief beeindruckt...

Wie gesagt, nach 2 Tagen war der Vogel fertig gebaut, und auf einem Pickup verstaut. Der stolze Besitzer des Wagens, hier rechts im Bild, fuhr erstmal dauerhupend durch´s ganze Dorf, damit alle Bewohner das Ergebnis begutachten konnten. Seine locker 2,0 Promille sieht man ihn an...?!



Nach stundenlangem Schminken waren auch die Maedchen aus Ban Sam Kha bereit, auf dem Pickup Platz zu nehmen, um am grossen Umzug teilzunehmen.



Zu meiner Ueberraschung trafen sich auf dem naherliegenden Schulgelaende nicht nur alle Bewohner von Ban Sam Kha, sondern es kamen auch die Einwohner 2er weiterer Doerfer in der Nachbarschaft hinzu, um sich zu einem langen Festzug zu vereinigen. Auch diese Doerfer hatten einige Wagen, und die waren ebenfalls sehr liebevoll geschmueckt.









Bis alles zum Abmarsch bereit war, dauerte es eine ganze Weile. Es wurde auf weitere Gaeste gewartet, und die bereits Anwesenden -bestimmt 1000 an der Zahl- vergnuegten sich mit Erzaehlungen, Wiedersehensfreuden, und natuerlich wollte jedeR den farang sehen. Was fuer ein Sanuk, das der auch noch einen Fotoapperat dabei hatte! So musste ich sehr viele Menschen fotografieren, und bangte darum, das ich genug Filme dabei haette. Aber ein "mai khrap" waere niemals akzeptiert worden, also klickte es im Sekundentakt... Immerhin hatte das den prima Nebeneffekt, das man mich mehr oder weniger mit Eiswasserduschen verschonte. Die zentimeterdicke Puderkruste in meinem Gesicht muss aber gut angekommen sein, wenn ich mir meine Gegenueber so betrachte.







Zunaechst geordnet, setzte sich der Tross langsam in Bewegung. Ein Fahrzeug hatte grosse Boxen sowie eine Verstaerkeranlage geladen, und mit lauter Musik ging es nun 4-5 Stunden lang durch die Doerfer, sowie auf den Verbindungsstrassen durch die Landschaft. Wer die wundervollen Klaenge des Isaan kennt, wird sie in Gedanken hoeren...









Natuerlich blieb der eine oder andere Lau-Khao Bruder auf der Strecke, und sein Freund half ihm weiter...



Irgendwann kamen wir wieder nach Ban Sam Kha, meine Freundin war pudelnass und ihr war kalt. Als die Thai, welche zu dem farang gehoerte, hatte sie besondern ausgibig "duschen" duerfen.



"Thaii rak, jen maak maak. Bai baan maeae, o.k. khrap?!"
 
H

hello_farang

Gast
Eine Monat im Isaan... (Teil 2)

Mittlerweile waren einige Tage seit Sonkran vergangen, und alle hatten sich mehr oder weniger erholt von den Feiern. Nicht, das die Lau Khao Brueder ihrem Hobby nicht mehr froehnten, aber die Mehrheit der Dorfgemeinschaft war sich doch wieder dem Ernst des Lebens bewusst. Zwar gab es immer noch kaum Arbeit, jedoch rueckte die Regenzeit naeher, und es musste einiges erledigt werden. Daecher flicken - denn es regnete durch, einige Kanaele auf den Reisfeldern in Ordnung bringen, die Kuehe auf die ´Weide´ treiben, und an der Strasse nach Kuchinarai tauchten BauarbeiterInnen auf, die sich eher vergeblich um die Reparaturen der Piste kuemmerten. Jeden Tag ein bis zwei schwere Regenguesse oeffneten immer neue Loecher, noch bevor die alten geschlossen waren. Nach einem Unwetter hielt es sie aber nicht davon ab, mit viel Spass ihre Arbeit zu verrichten. Bei 35-40°C grinsten unter schwarzen Wollmasken immer freundliche Augen hervor, wenn ich dort entlang kam. Oft kam ein freudiges "Hello Farang!" verbunden mit Winken, wenn es auf dem Moped im Schritttempo durch den Slalom der Schlagloecher ging. Ich bin zum Glueck nie in eine der Baustellen hineingerast, denn kurz vorher lagen Aeste als Hinweise mitten auf der Strasse.

Ausserdem kannte ich den Weg mittlerweile recht gut durch die Tage des Sonkran, da hatten mich staendig Anwohner aufgehalten, um mir eine Wasserdusche zu verpassen, gefolgt von ausgiebigem Einpudern.
Meist hatte ich dabei meine Freundin mit auf dem Moped, und sie ertrug diesen massiven Sanuk tapfer. Alle wurden damals mit viel Wasser bedacht, aber wenn der farang vorbeikam, gab es anscheindend immer gleich die doppelte Portion?! Zumal sie meine Freundin nie sahen, denn die sass ja hinter mir, und so verdeckte ich den Blick auf sie zunaechst. Ihr gut gemeintes Klopfen auf meine Schulter und der Spruch: "Thii rak, tscha tscha!" wird mir noch lange im Gedaechtnis bleiben. Aber auch ohne sie haette ich die Leute auf der Strasse bestimmt nicht ueber den Haufen gefahren. Mit breitem Grinsem empfingen wir das obligatorische Wasser, und die sich anschliessenden Puderwolken. Jedoch wurden wir jedesmal vorher durch Gesten und/oder Worte gefragt, ob man unser Gesicht beruehren duerfe?! "Khrap!" mit einem aufmunternden Daumenzeig nach hinten, worauf jeweils ein lachendes "Mai mai!" verbunden mit Trommeln auf meinen Ruecken folgte. Aber da war es eh schon zu spaet, und sowohl ich als auch meine Freundin waren dran...
Ich kann mich auch noch gut an einige Nierenschlaege erinnern, mit den Worten "Bai, leo leo!", wenn es sich am Strassenrand um huebsche Maedels handelte, die sich mit leuchtenden Augen freuten, mir das Gesicht einzureiben. "Bai nai, farang?" "Leo leo!!!" kam die Antwort hinter mir, mittlerweile weniger belustigt, und ich musste wieder am Gashahn drehen.

Wie gesagt, nach der Sonkran-Aktion kannten mich die Leute auf der 12 Kilometer langen Strecke nach Kuchinarai. Jedesmal kam das mir mittlerweile wohlvertraute "Hello Farang!" von links und rechts, aber mittlerweile ohne Wassersperren. Mal ein Zunicken, mal ein freundlicher Fingerzeig oder Winken von meiner Seite, und manchmal hielten wir auch an, wenn meine Freundin die Menschen kannte, und mit ihnen reden wollte.
Bis nach Kuchinarai dauerte es nie unter einer halben/dreiviertel Stunde, auch wenn ich kraeftig Gas gab.
Ab und zu kam auch ein Wasserbueffel ueber die Strasse getrottet, anscheinend den Verkehr komplett missachtend. Bevor ich da rein rausche, bremse ich lieber. Auch wenn das immer nur mit einem sehr gelangweilen Blick des Quai akzeptiert wurde. Meine gelegendlichen Fragen an die Tiere: "Du bist doch wohl voellig high?! Siehst Du nicht das ich komme?" musste ich dann erstmal meiner Freundin uebersetzen: "May you just smoked gunja or what?! You must see and hear that I come!" . Daraufhin dann ihre Antort: "Khun baa baa! You speak with the animal?!", begleitet von einigen Hieben auf meinen Ruecken. Waren es 3 Tiere oder mehr, dann bruellte sie aber selber etwas auf lao, und wundersamerweise trabten die Riesen rascher als vorher wieder von der Strasse.

Irgendwann erreichten wir dann Kuchinarai, unser Ziel. Dreimal in der Woche gibt es dort einen Markt der Bauern, wohin wir zum Einkaufen wollten...
 
C

Chak

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In welchem Changwat liegt den Kuchinarai oder wie das heißt?
 
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hello_farang

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Eine Monat im Isaan... (Teil 3)

Angekommen in Kuchinarai, parken wir unser Moped an der Hauptstrasse, direkt am grossen Wochenmarkt. Es muss also Mittwoch sein..., oder Samstag, denn nur an diesen 2 Tagen ist der taalaat dort aufgebaut. Bevor wir shoppen gehen, ist erstmal eine Essenspause angesagt. Der oestlichen Rand des Marktplatzes ist durch eine Strasse begrenzt, in der sich einige Restaurants befinden. Das groesste ist fuer mich auch das beste, denn dort kocht der chinesische Chef persoenlich. Er ist -wie ich- Vegetarier, und hat daher natuerlich neben den ueblichen leckeren Speisen des Isaan auch ein Gespuer fuer vegetarische Kueche. Dort gibt es immer Tofu, und sobald man es bestellt, wird auf Beigaben wie nam plaa oder khai von vorneherein verzichtet. Des oefteren habe ich mich schon mit ihm unterhalten, und war verbluefft, das sein englisch sehr gut ist fuer die Gegend. Zudem kommen Polizisten, Militaers, die Verkaeuferinnen des Marktes, und viele andere Thais dorthin, um gut und guenstig zu essen. Fuer maximal 20 Baht wird man/frau wirklich satt, und das mit viel Sanuk. Der alte Herr hat immer einen lustigen Spruch auf den Lippen, sowohl auf thai, lao, oder englisch. ´Geht nicht, gibt´s nicht!´, das scheint auch sein Motto zu sein, denn oftmals wird eine Angestellte losgeschickt, wenn eine Zutat gerade nicht vorhanden ist. Nach spaetestens 10 Minuten bekommt man, was man bestellt hat, knackfrisch.

Auf diese Art gut und ausreichend gestaerkt, laufen meine Freundin und ich ueber den Markt. Hier eine Bluse, dort ein Mitbringsel fuer Muttern, aber weit und breit keine Tiere? Dafuer sehe ich dann ploetzlich mehere Staende mit jede Menge alten deutschen und vietnamesichen Militaerjacken, sowie gebrauchte T-Sirts zu 5 (FUENF!) Baht das Stueck.Wahnsinn, die haben sogar XL?! Unter den etwas verstaendnislosen Blicken meiner Freundin durchstoebere ich die Staender mit den alten Shirts, und sammele die coolsten Stuecke auf meinem Arm. Alles zusammen 60 Baht, keine Frage - ist gekauft! Mit 2 dicken Tueten schlendern wir also zurueck Richtung Moped. Aber dann kommen wir an einem Stand vorbei, wo gigantische Haufen von Tabak liegen.
Ich als Raucher natuerlich sofort stehengeblieben, und das hat der jungen Verkaeuferin sehr gut gefallen. Augenpaare von links und rechts begutachten den farang, der sich intensiv mit den verschiedenen Haufen auseinander setzt. Hieran riechen, daran mal schnuppern, jeweils die Konsitenz der Ware begutachtend fiel ich natuerlich auf wie ein bunter Hund. Warum, sollte ich einige Minuten spaeter feststellen: Man kauft dort Tabak Einkaufstuetenweise! Ich nahm eine pralle Tuete von dem wuerzigen Mitteldunklen, zu 60 Baht die Fuellung. Natuerlich nicht ohne vorher alle Sorten zu testen, mit in Palmblaettchen gedrehten Zigaretten...
Als ich bei der 3ten Kippe war, merke ich, dass mittlerweile ca. 20 Menschen grinsend um den Stand herum stehen, um zu sehen, ob der farang den starken Tobak auch verkraftet. Mai mii pan haa, ich nehme davon, und zeige auf den mittelbraunen Haufen! "Aroi maak!", das hat wohl alle ueberzeugt, denn es kommen positive Rauner und das eine oder andere zustimmende Wort auf lao. Meine Freundin, mittlerweile mit 4 oder 5 Tueten bestueckt, grinst immer noch.

Danach ist es ihr aber dann doch zuviel, und sie lotst mich zum Moped. "We go other market! Buy aahaan."...
 
H

hello_farang

Gast
@Chak:
Kuchinarai liegt so zirka nach 2/5 zwischen Kalasin und Mugdahan, als auf den Weg nach Osten an der Strasse 2042...



hello_farang
 
H

hello_farang

Gast
Eine Monat im Isaan... (Teil 4)

Es heisst also mit bereits 5 prall gefuellten Tueten irgendwie das Moped zu fahren. Auch wenn die meine Freundin halten muss, beeintraechtigt das die Balance der Maschine. Geht erstaunlich gut, wenn man mal vom Verkehr um uns herum absieht, denn an einem Markttag ist auch in einer kleinen Provinzstadt maechtig viel los, vor allem, wenn es 2 Maerkte gleichzeitig sind. Der fuer die Nahrungsmittel wird 3 mal in der Woche abgehalten, und wir waren schon des oefteren dort. Es geht mal links, mal rechts herum durch schmale Gassen, die immer schlechter werden. Anscheinend waren die Regenfaelle plus das Sonkran-Wasser der vergangenen Tage keine gute Kombination fuer das letzte Stueck des Weges, denn die Sandpiste ist nunmehr eine einzige Berg- und Talfahrt, mit durch die Sonne hartgebackenen ueblen Spurrillen. Da heisst es richtig aufpassen, um die Freundin nicht vom Sozius zu verlieren, und dabei das Laecheln nicht zu vergessen.

Je naeher wir dem Markt kommen, desto mehr scheint es mir, als wuerde ich bereits mitten durch den taalaat fahren, und deren Kundschaft. Die ersten kleinen Staende am Rand, Frauen voll bepackt mit Einkaeufen, Kids turnen in ihr neues Spielzeug vertieft quer ueber die Strasse, dazu reichlich Hunde und Katzen und Huehner nach Abfaellen streunend, da muss man erstmal laessig durchkommen... Aber alles geht gut, wie immer, und ich parke die Honda an einem der Zugaenge zum Markt. Neben uns steht eines der grossen Isaan-TukTuks, meine Freundin kennt den Fahrer. Ein kurzer Wortwechsel, und sie gibt ihm unsere bisherigen Einkaeufe. Prima, dann muessen wir damit nicht durch das Gewuehle, sondern koennen uns ganz den immer neuen Eindruecken widmen. Das Lenkradschloss lasse ich uneingerastet, denn es kommt oft vor, das dort ein Moped mal verschoben werden muss.

Nun geht es also rein ins Gedraengel, und Essen kaufen fuer die Familie. Ich finde die thailaendischen Maerkte jedesmal aufs Neue sehr interessant, ob der angebotenen Nahrungsmittel. Im Isaan ist es jedoch besonders beeindruckend, was nicht alles zum Verkauf steht. Fleisch, Fisch, Obst und Gemuese, o.k., das kennt man ja. Aber Dinge wie in Blaetter gewickelter Klebreis mit Ameiseneiern incl. lebenden Ameisen, Gottesanbeterinnen - bereits geroestet oder noch zappelnd-, dicke Froesche denen die Beine zusammengebunden sind, Kaefer aller Art und Farbe, bestialisch stinkende grosse schwarze Fischkoepfe, oder gehaeutete Ratten sind dann doch etwas gewoehnungsbeduerftig fuer einen Vegi-farang.
Meine Freundin hat sich auch immer einen Spass daraus gemacht, mir die kuriosesten Stuecke zum kosten anzubieten, sehr zum Sanuk der Umstehenden. "Mai ao khrap, im laeaeu!" ( = "Ich moechte nicht, danke. Ich bin satt.") mit einem gequaelten kopfschuettelnden Grinsen meinerseits sorgte stets fuer Lachsalven der Thais.

An den Obst- und Gemuesestaenden uebernehme ich dann aber das Zepter, und alles was gut aussieht wird gekauft. Bekannt oder neu, egal - muss getestet werden. Mit grosser Ueberraschung entdecke ich irgendwo sogar 4 Kartoffeln, zwar mit einigen dunklen Stellen, aber die muessen mit! Etwas planlos guckt mich meine Freundin an: "What is it?" "Potato, aehh ´man farang´! Same same french fries. Aroi maak!" Mir wird beim Blick in ihre Augen klar, das sie noch nie Kartoffeln gekocht hat.

Mit weiteren 6 Einkaufstueten verlassen wir den Markt, mittlerweile war noch eine grosse Portion kleiner schwarz-grauer Muscheln dazugekommen. Kurz vor dem Ausgang sehe ich einen T-Shirt-Stand, wo ´Diesel´ Klamotten haengen. Eines der Shirts nehmen wir mit, es zeigt einen Radlader und ist fuer meinen brother, der als Schweisser bei einer Baumaschinenfirma arbeitet. Somit bereits 7 Tueten, die wir neben den anderen 5 irgendwie nach Hause bekommen muessen...
 
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Peanut

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Tolle Erzaehlung.
Bin selbst im Isaan verwurzelt, kann nur nachempfinden.
Liebe Gruesse,
Peanut
 
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hello_farang

Gast
Eine Monat im Isaan... (Teil 5)

Bepackt wie Lastesel kommen wir also zum Ausgang. Was fuer eine Freude, als ich anstatt des TukTuks und unseres Mopeds dort einen grossen Pickup sehe, von dem gerade Steine fuer eine naheliegende Baustelle entladen werden?! Abgesehen von unserer roten Honda stehen natuerlich ueberall Mopeds, davon mindestens 30% in der selben Farbe. Oje, jetzt heisst es wohl erstmal suchen...
Aber die Sache klaert sich schnell, denn schon kommt ein kleiner Junge angehuepft, der anscheinend darauf achten sollte, wann wir den Markt verlassen. Wild plappernd -ich verstehe nur ´farang´ und ´motobike´- lotst er uns 15 Meter weiter. Und da steht unser Gefaehrt, nebendran auf einem Maeuerchen die Plastiktueten vom anderen Markt. Der TukTuk Fahrer hatte Kunden gefunden, und war bereits losgefahren, jedoch nicht ohne sich vorher um unser Moped und die ihm anvertrauten Sachen zu kuemmern.

Meine Freundin verlaed die ganzen Einkaeufe. Was nicht in den Korb vorne passt, und das ist der Grossteil, wird an die Griffstange des Sattels gebunden. Den Rest der Tueten behaelt sie in ihren Haenden, und wartet bis ich die nunmehr heftig schwankende Maschine aus der neuen Parkposition schiebe. "Tscha tscha", aber das haette sie sich auch sparen koennen, denn so beladen geht es eh nicht schneller. Ich bin ja schon froh, das mir der Bock nicht umfaellt dabei.
Dem 8-jaehrigen Aufpasser druecke ich noch 15 Baht in die Hand, dann wird aufgesessen, links und rechts noch ´ne Tuete an den Lenker, und los geht der lustige Ritt zurueck nach Hause. Begleitet von guten Wuenschen der umstehenden Thais, die ich aber nur mit einem kurzen Nicken erwidere, denn die Honda wackelt doch maechtig hin und her.

Kontrolliert im 2ten Gang geht es nun langsam um und durch die Krater des Weges, bis wir die Hauptstrasse erreichen. Ab da gebe ich mehr Gas, und somit erhoeht sich auch die Stabilitaet des Zweirad. Nach einigen Kilometern praesentieren sich auf der Landstrasse ploetzlich wieder Schlagloecher, von denen ich gerade noch 5 umfahren kann, dem sechsten kann ich aber nicht mehr ausweichen und rumpel voll durch. Ich koennte schwoeren, vor 3 Stunden waren die noch nicht da?! Im hohen Bogen verabschieden sich die 2 Ananas aus dem Korb am Lenker, und meine Freundin ruft: "Ui, tschaa tschaa! You not see?"
"Doch Schatz, ich hab´s gesehen, und bei 50 km/h ist doch 1 von 6 ein guter Schnitt?" denke ich bei mir. Also erstmal stoppen, die Fruechte wieder einsammeln, und von nun an fahre ich deutlich langsamer, denn die Strasse wird immer schlechter. An einer Stelle muss ich sie sogar verlassen, und 200 Meter auf dem weichen Sandstreifen links daneben fahren, wobei sich die Karre maechtig aufschaukelt. Zum Glueck kommt gerade kein Quai wieder auf die dumme Idee, ausgerechnet jetzt auf die andere Seite wechseln zu muessen.
"Uii, Ko-Ja!" lautet der aengstlich-vorwurfsvolle Kommentar von hinten.
"Everything ist fine, sanuk maak maak!" lache ich zurueck.
"Ko-Ja, khun baa!", wobei sie ja nichtmal Unrecht hat...

Nach einer guten halben Stunde erreichen wir dann doch ohne weitere Probleme unser Dorf. Waerend meine Freundin mit ihrer Mutter die diversen Tueten vom Moped ablaed, bleibe ich darauf sitzen, um es mit den Beinen zu stabilisieren.

Irgendwie haben wir anscheinend doch deutlich mehr eingekauft, als es ueblich ist, denn die NachbarInnen kommen herbei, um unsere Beute in Augenschein zu nehmen. Mutti strahlt natuerlich, besonders die Muscheln kommen sehr gut an. Noch bevor ich richtig eingeparkt habe, wirft sie schon den Gaskocher an, um die Tierchen in einem Topf zu garen. Mittlerweile haben sich die NachbarInnen vor dem Haus niedergelassen, in Erwartung einer leckeren Mahlzeit. Meine Freundin nimmt sich einer der verunfallten Ananas an, und mit schnellen Schnitten wird diese in mundgerechte Stuecke zerkleinert, auf einem Teller drapiert und mit Zahnstochern versehen. Dabei erzaehlt sie von dem Schlagloch, und das ich es nicht gesehen habe. Wieder einmal lachen alle belustigt, aber auch mir freundlich zublinzelnd in der typischen Thaiart, um den Verursacher vor einem Gesichtsverlust zu bewaren. Ich muss natuerlich auch grinsen, denn schliesslich ist ja nichts ernstes passiert.

Kurze Zeit spaeter wird das grosse flache Holzpodest vor dem Haus mit Matten abgedeckt, und Teller, Loeffel, Klebreis, die Muscheln, sowie Gemuese mit Dtou-hu (=Tofu) fuer mich gebracht. Alle setzen sich im Kreis, und es wird ausgiebig zugelangt.
 
lacher

lacher

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Hello Farang, :bravo:

ich finde deine Geschichte echt nett :-) und schön geschrieben

Es ist schön mal etwas vom Landleben da unten zu lesen :super:

Das mit den Einkaufstüten kommt mir irgendwie bekannt vor ;-D aber bei mir waren es nicht ganz so viele :rolleyes:

Bin gespannt auf die Vortsetzung deiner Geschichte :bravo:

Servus
Lacher :cool:
 
F

Festus

Gast
Danke für diesen schönen, lebensnahen Bericht.

So freue ich mich noch viel mehr auf meinen 6-wöchigen Urlaub am 6.3. ...

In der Hoffnung ähnlich "Volksnahe" Erlebnisse zu erhalten - weiter so ...
 
H

hello_farang

Gast
Eine Monat im Isaan... (Teil 6)

Als der Vater meiner Freundin abends nach Haus kommt, denn er ist Bauarbeiter und hat somit als einer der wenigen im Dorf einen kontinuirlichen festen Job, bekommt auch er seine Portion frisch zubereiteter Muscheln. Spaeter gebe ich ihm die Haelfte des Tabaks, den ich auf dem Markt erstanden habe, und wir trinken noch 2 bia chang zusammen. So rundum gut versorgt, verschwindet er bald unter dem Mosquitonetz im Bett. Nach 8-10 Stunden Schufterei an einem Haus-Neubau ist er immer fix und fertig, und wir haben leider kaum Zeit fuereinander. Jeden morgen muss er frueh raus, und zur Baustelle laufen.

Obwohl ich im Isaan oft bereits um 22:00 Uhr schlafen gehe, bleibe ich meistens bis 9:00 Uhr liegen. Da koennen die Haehne noch so markerschuetternd kraehen neben unserem Fenster, die Hunde noch so viel bellen, und die Besucher des winzigen ´Supermarktes´ der Familie sich noch so laut unterhalten und lachen, ich merke davon nix...
Wenn ich mich dann endlich aufraffe, und den Weg ins Freie finde, steht meine Freundin schon seit langem gut gelaunt da, und verkauft Kleinigkeiten an die Kunden aus der Nachbarschaft.



Es ist eher ein privater Kraemerladen, wo es nur Chips, einige Getraenke, getrocknete Fischsnacks, Zigaretten, Hygieneartikel, Waschmittel, und Suessigkeit gibt, aber irgendwie ist immer Betrieb. Vor allem die kleinen Kinder, welche noch nicht zur Schule gehen, turnen den ganzen Tag laermend rein und raus. Oft muss ich auf der Strasse mit ihnen Fussball spielen, oder sie auf den Schultern durch die Gegend tragen, damit sie sehen wie lang man werden kann als farang.

Heute ist dazu aber wenig Zeit, denn nach der ersten Zigarette und 2 Tassen Nescafe, einem schnellen Teller Khau pad pak, und dem obligatorischen aab naam soll es wieder mal nach Kuchinarai gehen. Die Zeit draengt, weil wir es noch vor der Mittagspause schaffen wollen, zur Post zu kommen. Aber dafuer muss meine Freundin erst eine Rechnung finden, die sie dort einzahlen muss. Die Suche zieht sich, das ganze Haus wird auf den Kopf gestellt, aber die Handyabrechnung will einfach nicht auftauchen. Dann, es ist bestimmt eine gute halbe Stunde vergangen, entdeckt sie das Papier doch noch in einer selten gebrauchten Tasche. Nach der Aktion will ich doch erstmal sehen, was da so Wichtiges draufsteht. Ueber 900 Baht?! stutze ich, aber dann wird mir schnell klar, warum. Sie hatte mich in Vorbereitung meiner Reise oft in Deutschland angerufen, und das bequemerweise von ihrem Handy aus...

Natuerlich schaffen wir es nicht, rechtzeitig am Postamt zu sein, so wird erstmal wieder das Restaurant am Marktplatz angesteuert. Mittlerweile habe ich mich an den thailaendischen Rythmus gewoehnt, alle 2 bis 3 Stunden etwas zu essen. Leider ist heute kein taalaat, dafuer spielen einige Maenner Fussball auf dem Platz, was aber auch interessant ist. Bis auf 2 alle barfuss, nicht gerade zimperlich beim Einsteigen in den Gegner, und um die Teams auseinanderhalten zu koennen, spielt die eine Manschaft ohne T-Shirts. Dadurch sieht man, das fast alle heilige Schutz- und Krafttattoos haben.
Wir sitzen vielleicht seit 10 Minuten dort, als mehrere Offiziere der Marine kommen, um ebenfalls etwas zu essen. Schicke weisse Uniformen, auch 2 Frauen sind dabei. Wo bitte sind die denn stationiert, in den gefluteten Reisfelden??
Der chinesisch staemmige Koch klaert uns auf: Es handelt sich um eine Delegation aus Bangkok, die in Kuchinarai an einem meeting von Militaers teilnimmt. Wieder kommt man schnell ins Gespraech, denn sie wollen wissen, wer ich bin, woher ich komme usw... Ihr gutes englisch macht die Sache fuer mich sehr viel leichter als ueblich.
Nach einer halben Stunde ziehe ich mit meiner Freundin weiter, verabschiede mich voher aber mit Salutieren von den Marineleuten, ein leichtes Grinsen im Gesicht, denn ich habe nicht gedient. Und das mit dem Hacken zusammenschlagen funktioniert auch nicht so richtig in meinen Flip-Flops.
Freundlich wird zurueck-salutiert, unter gegenseitigem Glueck wuenschen steigen wir auf unsere Honda. Eigentlich sind es nur ein paar hundert Meter bis zum Fotoladen, aber mittags bei 40°C laeuft niemand gerne in Thailand, auch ich nicht. Die Fussballspieler mal ausgenommen, bloss so wie die sich gegenseitig die Beine wegtreten, haben die eh schon laengst einen an der Waffel...?!

Die Bilder vom Sonkran-Umzug sind fertig, und wie es in Thailand ueblich ist, bekommen wir die Fotos in kleinen Klappalben. Natuerlich werden erstmal alle durchgesehen, und oft laut aufgelacht. Auch die Angestellten des Fotoshops haben ihren Spass, denn alles 3 stehen um uns herum und gucken mit. Es war wohl schon beim Entwickeln aufgefallen, das es viele bekannte Gesichter zu betrachten gibt. 12 Kilometer sind im Isaan nix, und man kann sicher sein, das in diesem Umkreis Verwandte und Freunde wohnen. So kommt es also, das einer der Angestellten -er kommt mir irgendwie bekannt vor- sich speziell fuer eine Fotoserie interessiert, worauf einige Leute mehrfach zu sehen sind. Meine Freundin uebersetzt mir seine schuechterne Frage, ob er von 5 Bildern einen Abzug haben duerfe, da er seine Familie erkannt habe.
"Khrap, mai mii pannhaa!" erwidere ich breit laechelnd, und er strahlt ueber das ganze Gesicht, bedankt sich mit einem dicken Wai. Dabei kommt mir der Gedanke, das ich die Bilder auch gleich 2mal entwickeln haette lassen sollen, und nun geht es richt los. Alle 4 Alben werden abermals durchgestoebert, und viele der Fotos muessen dubliziert werden. Dazu nimmt der Angestellte das jeweilige Index-Bild, steckt es in eine Folie, und die ausgesuchten Aufnahmen werden mit einem weissen Fettstift markiert.
"Wie lange dauert es?" frage ich meine Freundin, und sie gibt es weiter.
"Nueng tschua moong" (=1 Stunde) lautet die verblueffende Antwort, denn sonst dauern Fotoarbeiten hier immer nueng wan (=1 Tag).
Also sind wir eine Stunde spaeter wieder da, und niemals habe ich irgendwo so wenig fuer so viele Fotos bezahlt. Kuchinarai scheint sich ausserdem als Hauptlager der Einkaufstueten in Thailand zu entpuppen, denn die Alben werden nach ´urspruenglich´ und ´nachbestellt´ in verschienen verpackt, damit wir auch ja nicht durcheinander kommen. Die Wartezeit hatten wir genutzt, um noch eine Bluse fuer meine Freundin, und einige Spielzeuge fuer die Kurzen im Dorf zu kaufen, also weitere 3 Tueten.

Jetzt sollte aber die Post langsam mal wieder aufmachen, und wir starten einen erneuten Versuch dort...
 
Claus

Claus

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:bravo:

Danke, Kolja !!!

Der Bericht kommt klasse !!!
 
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Chak

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Nein, Kuchinarai ist nichts besonderes mit den Einkaustüten. Damit gehen die Thais im allgemeinen etwas verschwenderisch um. Eine Dose Cola oder die "Nation" werden auch gerne mal in eine Plastiktüte gepackt. :rolleyes:
 
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hello_farang

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Eine Monat im Isaan... (Teil 7)

Die Hauptstrasse runter, an der grossen Kreuzung rechts abbiegen, dann links in eine Einfahrt. Zunaechst kommt dort die Polizeiwache, dann ein Schulgelaende, und schliesslich das Postamt. Leute gehen hinein, also ist wieder geoeffnet, prima. Ich parke die Honda, und wir betreten die kleine Schalterhalle. Da wir etwas warten muessen, schaue ich mich um. Ueberall haengen wunderschoene Briefmarken, zum Teil einzelne, aber auch ganze Serien. Unterteilt in Themenbereiche wie Tiere, Vegetation, Eisenbahn, Bauwerke, usw... Natuerlich gibt es auch welche zum Koenigshaus, die sogar in Bilderrahmen gefasst sind.
Waerend ich schaue, merke ich wie meine Geldboerse aus der Gesaesstasche gezogen wird. Ein kurzer Blick, ein gespielt erstauntes: "Khun thalueng!" (= Du bist frech!"), denn meine Freundin ist an der Reihe und muss bezahlen. "Take your own money." schlage ich ihr vor, und einen Augenblick ueberlegt sie sogar, ob ich das jetzt ernst meine. Aber das Grinsen in meinen Augen verraet mich, sie muss lachen und laesst einen schnellen Wortschwall auf lao ab. Nun grinst auch der Beamte, und nickt mir zu. Das Einzahlen des Geldes nimmt erstaunlich viel Zeit in Anspruch, denn es muessen 2 Formulare ausgefuellt werden, und das sehr penibel.

Ich habe mich waerenddessen fuer einen Briefmarkensatz entschieden, der im englischen Text erlaeutert, worum es sich handelt:
"H.M. the King´s 6th Cycle Birthday Anniversary Commemorative Stamps (3rd Series) Date of Issure 21 October 1999"
Auf 9 Briefmarken (zu 3x3 Baht, 3x6 Baht, und 3x12 Baht) sind Szenen aus dem Leben Seiner Majestaet dargestellt. Im Holzrahmen hinter Glas kostet das 199 Baht.



Mit einer weiteren Tuete, dafuer um gut 1100 Baht aermer, verlassen wir das Postamt, um uns erstmal ein Augenblick aufzuwaermen. Man, war die Aircon auf ´polar´ eingestellt da drinnen?

Mittlerweile knurrt der Magen schon wieder, und ich habe Durst, also wird nach kurzer Fahrt an einer kleinen Garkueche gehalten fuer einen snack und ein bia chang lek. Da wir uns am anderen Ende von Kuchinarai befinden, fahren wir anders als sonst nach Hause. Der Weg ist aber in seiner Substanz auch nicht besser als der uebliche. Gemuetlich zuckeln wir nach Ban Sam Kha, nicht ohne an einem Stand noch 2 Portionen som tham zu kaufen.

Auf der Heimfahrt fallen mir die ersten grossen Wolkentuerme auf, die sich am Horizont erheben...
 
H

hello_farang

Gast
Eine Monat im Isaan... (Teil 8)

Die ganze Nacht ueber ist es maechtig am regnen und stuermen. Wir kommen kaum zum Schlafen, da das Blechdach ungeahnte Resonanzen verursacht unten den Unmengen von niederprasselndem Wasser. Zudem offenbaren sich einige Rostloecher, und man hoert es in den Raum tropfen, jedoch gluecklicherweise nicht ins Bett. Schon am Abend vorher hatte sich etwas angekuendigt, denn starker Wind kam auf und die Wolken wurden immer groesser und dunkler.



Meine Freundin liegt bereits seit Stunden eng an meiner Seite, hellwach und deutlich irritiert, denn das maechtige Unwetter mit den vielen Blitzen und lautem Donnern kann nur bedeuten, das dort draussen gerade boese Geister zugange sind. Ich finde ein solchen Ausbruch der Natur ja immer interessant, und versuche daher mehrfach, die Vorhaenge etwas zu oeffnen, um besser sehen zu koennen, denn schlafen kann ich eh nicht mehr. Komplett falsch, denn jedesmal zieht sie meine Freundin sofort wieder zu, unter dem aengstlichen thai-lao-englischen Hinweis auf die schlimmen phie. Gut, also bewundere ich die Siluetten der zitternden Baeume, die auf den Stoff vor den Fenstern gezaubert werden, jedesmal wenn der naechste Blitz in der Nachbarschaft einschlaegt. Der darauf folgende Donner laesst das ganze Haus erbeben, und so langsam bekomme auch ich meine Zweifel...
Irgendwann schlafe ich dann aber doch ein, um jedoch einige unruhige Stunden spaeter in einer Ueberraschung aufzuwachen. Es ist gegen 6:00 Uhr in der Fruehe, und ich steige aus unserem Doppelbett. Mitten hinein ins Nass! Das ganze Haus steht gut 2 cm hoch unter Wasser, denn da es etwas unterhalb des Strassenniveaus liegt, musste es wohl irgendwann volllaufen.
Der Sturm hat sich zwar gelegt, aber es regnet immer noch. Mutti fegt das Wasser mit einem Besen in die Richtung der Hintertuer, wo es das Haus wieder verlaesst.
Immerhin hat es auch sein Gutes, so frueh wach zu sein, denn ich kann mich mit dem Vater unterhalten, der immer noch ueberlegt, ob heute wohl gearbeitet wird. Er bittet mich um mein Handy, damit er bei seinem Chef nachfragen kann. Haette er besser lassen sollen, denn natuerlich gibt es genug zu tun, und er muss kurz danach durch den Regen zur Baustelle tappern. Diemals jedoch ohne gekochten Reis als Mittagsmahlzeit, denn seit gestern Abend gibt es keinen Strom mehr, und somit funktioniert der praktische Reiskocher nicht, und um das Getreide auf dem Gasherd zu kochen, fehlt die Zeit. Mutti hat genug damit zu tun, die Wassermassen mit ihrem Besen im Zaum zu halten, wobei mich ihre grenzenlose Geduld und Gleichmuetigkeit beeindruckt.

Da es noch so frueh ist, mein Schatz noch schlaeft, bei dem Sauwetter keine Kunden kommen, und Mutti die Situation anscheinend im Griff hat, lege ich mich wieder hin. So um 10 Uhr wachen wir beide auf, weil es ploetzlich Nachrichten auf thai gibt, und ein deutlicher Wind aufkommt?! Der Strom ist wieder da, und somit springt auch der Fernseher an, sowie unser Ventilator am Bett. Die immer hoch angebrachten Steckdosen verhindern anscheinend einen Kurzschluss im Haus, wenn Wasser eindringt, man muss diese Zeichen nur zu lesen wissen...

Der kurze Blick nach draussen in den grauen Himmel, sowie das unablaessige Trommeln auf´s Blechdach verraten uns aber, das es nicht aufgehoert hat zu regnen. Mutti hat mittlerweile das Haus trocken bekommen, ist dafuer nun aber vor dem Eingang damit beschaeftigt, weiteres Eindringen von Wasser zu verhindern. Im Minutentakt wischt sie es von dem Vorplatz mit ihrem Besen.

Der Sturm hat die Planen am Vordach maechtig in Mitleidenschaft gezogen, und ich repariere das erstmal so gut es geht. Meine Freundin gesellt sich zu ihrer Mutter, und gemeinsam beobachten sie belustigt, das ich zum Abspannen keinen Stuhl benoetige. Die 43 cm Groessenunterschied werden mal wieder auffaellig. Mir hingegen entgeht nicht, das die Tochter des Hauses immer noch ihr Nachthemd an hat?!



Naja egal, heute werden wir eh nirgends hin muessen, denke ich noch. Was meine Person angeht, sollte das auch stimmen. Wir sitzen also stundenlang vor dem Haus auf dem Holzpodest, und betrachten, wie der Regen faellt, mal ein Auto vorbei kommt, und abwechselnd fegen wir das Wasser vor dem Eingang weg. Wie alle Kinder hat auch der Knirps von gegenueber riesen Spass an den Pfuetzen, und flitzt den halben Tag mit seinen Freunden im warmen Regen rum.



Nach dem Essen ist mit nach einem Bierchen, also schlendere ich zum Kuehlschrank. Der ist gut gefuellt mit allem Moeglichen, aber ein Bier suche ich darin vergebens. Also wieder nach vorne, und ich fordere meine Freundin mit einer Handbewegung auf:
"Bia finish, gundschaeae motorbike" (frei uebersetzt: "Bier ist alle, gib mal den Mopedschluessel")
"Mai motorbike!"
"What? Here - motorbike!" verstehe ich nicht, und zeige auf die Maschine, welche direkt neben mir im Haus steht.
"Uii, I clean the motorbike yesterday, you know? You can not go now with the motorbike!"
Sie hatte es gestern nach unserer Ankunft wirklich blitzblank bekommen, und das ist der Grund. Wenn ich damit durch die Pampe auf der Strasse fahren wuerde, muesste sie es nochmal putzen.
"Thii rak, phom mai pai supermarkt, it is raining!"
"No problem, I go. What you want? Bia chang? Nueng, soong?"
"Soong khuad bia chang yai na khrap"
Ich gebe ihr 100 Baht, und mit Schirm und Jacke marschiert sie los. Erst als sie nach 5 Minuten wieder zurueck kommt, faellt mir auf, das sie ja im Nachthemd unterwegs ist?!! Irgendwie schaffe ich es, schnell meine Kamera zu schnappen, und davon ein Foto zu machen.

 
K

Kali

Gast
Hallo Kolja, ein sehr schöner, einfühlsamer Bericht. :-)
 
H

hello_farang

Gast
Eine Monat im Isaan... (Teil 9)

Nachdem das Wetter in den letzten Tagen wieder deutlich besser wurde, haben wir uns gestern mittag dazu entschieden, heute einen Ausflug nach Mugdahan an den Mekong zu unternehmen. Nicht auf der Honda, sondern zusammen mit einer Cousine und ihrem Freund, sowie 2 Kids aus der Nachbarschaft. Sogar der Vater meiner Freundin hat frei, sodass er auch mitfahren kann, was mich ganz besonders freut. Alle freuen sich riesig, denn die Grosseltern kamen vor langer Zeit aus Laos nach Thailand, und das Ursprungsland der Familie wenigstens ueber den Fluss herueber zu sehen, macht alle ziemlich nervoes. Die gut 80 Kilometer stellen dann doch eine fast unueberwindliche Huerde dar fuer diese lieben Menschen.

Um die Tour zu realisieren, haben wir den Pickup-Fahrer mit seinem Wagen angeheuert, der schon an Sonkran bei dem Dorfumzug im Einsatz war. Hoffentlich ist er nicht wieder so voll wie neulich?

Frueh, sehr frueh stehen wir alle auf, und bereiten uns auf den Trip vor. Vati muss sich erstmal den Bart abrasieren, denn wir wollen in Mudgahan auch ein Wat besuchen, und mit seinem wilden Haar im Gesicht schickt sich sowas nicht. Er hockt sich also neben dem Haus vor einen kleinen Spiegel, und geht sorgfaeltig auch an diese Arbeit. Ich erkenne ihn danach kaum wieder. Selbst Mutti laesst sich zu einem lieben Scherz hinreissen, als sie das Ergebnis sieht: "Khun loo tschang loeoei!" (= "Du siehst sehr gut aus!")



Jedoch behaelt sie ihn mit der Pistole in der Hand dabei genau im Auge, damit er nicht noch auf dumme Gedanken kommt ob der Komplimente, auch von den Nachbarinnen...


(es ist nur ein Kinderspielzeug, keine Angst!)

Um 9:00 Uhr ist dann unser Fahrer da, nuechtern und guter Dinge. Wir nehmen auf der Ladeflaeche platz, bis auf Vati der vorne sitzen darf. Vermutlich kann man die Gelegenheiten, wo er mal IN einem Auto sitzen durfte, an 2 Haenden abzaehlen, und dementsprechend freut er sich. Ich muss erst mehrfach energisch darauf bestehen, das er endlich einsteigen soll. Aircon, kein Fahrtwind, und Musik so laut das einem die Trommelfelle reissen, all das sind fuer mich gute Gruende, immer hinten ´open-air´ zu sitzen. Die Cousine und ihr Freund nehmen auch im Wageninneren Platz, wir anderen machen es uns im Freien gemuetlich mit Strohmatten, Wasserbehaelter plus Alutasse, 2 Bieren und reichlich Proviant fuer den kleinen Hunger. Wieder einmal kommt anscheinend das halbe Dorf zusammen, um uns zu verabschieden, dabei ist es doch nur ein Tagesausflug?! Beutelweise werden uns Fruechte, getrocknete Fische, und andere Sachen mitgegeben, natuerlich auch Behaelter mit reichlich Klebreis.
"Na, es wird doch auch in Mugdahan hoffentlich ein Restaurant oder ´ne Garkueche geben?" denke ich bei mir, denn diese Fuersorge kommt mir etwas merkwuerdig vor...

Auch unsere Nachbarin mit dem Kurzen kommt vorbei. Er schaut so aus, als wuerde er denken, das ich nie wieder mit ihm Ball spielen wuerde, und ist sehr aufgebracht und traurig. Alle lachen, aber er muss heulen und Trost bei seiner Mutter suchen. Was auch immer ihm meine Freundin uebersetzt hat, er faengt jedenfalls gleich nochmal an zu heulen, und streckt seinen Arm nach mir aus. Alle lachen wieder, aber der Stoepsel wird irgendwie beruhigt.



Aber dann geht es doch endlich los, und bald sind wir auf der Landstrasse 2042 Richtung Mekong unterwegs. Es geht wesendlich schneller, als mit einem Zweirad, denn die Schlagloecher nimmt der Wagen mit 60 Sachen, und zwar ohne Probleme.



Die 2042 befindet sich zum Teil noch im Ausbau, und mehrfach durchfahren wir Baustellen. Auf der Strasse erscheinen erst schraeg gelegte grosse Zweige, dann kommen riesige Baumaschinen in Sicht, und alles ist mit feinstem Sand bedeckt. Es faengt an, fuerchterlich zu stauben, besonders wenn ein Bus oder LKW entgegen kommt. Da heisst es dann nur noch: Hoch ueber den Kopf mit dem T-Shirt, Augen zu, und durch. Ansonsten gleicht soetwas naemlich einem Hardcore-peeling!!!
Irgendwann tauchen auf der rechten Seite riesige Dinosaurier-Figuren auf, da sich dort eine Ausgrabungsstaette befindet, wo man alte versteinerte Knochen der Tiere gefunden hat. Wir fahren aber weiter durch diese herrliche gruene Landschaft, aus der sich mittelhohe bewaldete Berge erheben, immer weiter gen Osten.
Mittlerweile sind alle schon wieder am essen, auch ich. Da Mutti mir morgens noch extra Gemuese mit Tofu gegart und dies gut verpackt hatte, nehme ich mir einen grossen Klumpen Klebreis, und versenke ihn in meiner Ego-Tuete. Aroi maak, das faellt mir beim Thema Essen in Thailand immer wieder ein. Sogar an einen kleinen Beutel mit Prik pon (= Chilipulver) hat Mutti fuer mich gedacht, denn sie weiss ja, das ich es sehr scharf mag. Diesen dunkelroten Schatz muss ich nun aber sowohl gegen die anderen, als auch gegen den Fahrtwind eisern verteidigen.
Sanuk maak, ueberhaupt keine Frage das es eine gute Idee war, die Tour zu machen! Alleine schon, wenn ich die 2 Nachbarskinder betrachte, und sehe wie gut es ihnen gefaellt, dabei zu sein. Weiter als bis Kuchinarai waren sie vorher noch nie gekommen in ihrem Leben, und alles war genauso neu und beeindruckend fuer sie, wie fuer mich. Das Maedel ist zwar etwas ruhiger, aber dafuer brabbelt der 10-jaehrige ohne Ende, immer in irgendeine Richtung zeigend, wo er eben etwas neues entdeckt hat.

Irgendwo bei Nong Sung kommen wir an eine Polizei-/Militaerkontrolle, denn schliesslich geht es in Richtung Grenze. Der Pickup wird ploetzlich deutlich langsamer, und stoppt schliesslich an der aufgebauten Sperre. Ich lehne mich kurz vorher heraus, und erkenne die rot rotierenden Blinklichter an den Absperrungen mitten auf der Strasse. Links und rechts stehen einige schwer bewaffnete Militaers und Polizisten, die sehr ernst dreingucken. ´Meine Thais´ werden schlagartig ziemlich ruhig, aber sobald die Uniformierten den farang erblicken, scheint alles klar zu sein.
Nachdem unser Fahrer endlich den Lautstaerkeregler fuer die Anlage gefunden hatte -es droehnte hammerlaute Isaan Musik aus den nun geoeffneten Fenstern der Kabine des Pickup- werden wir sofort mit einem Laecheln weitergewunken. Alle anderen vor uns durften erstmal aussteigen, den Kofferraum oeffnen usw...
Selbst Mutti kramt nun all ihr englisch zusammen, und meint "Good luck!", mir auf die Schulter klopfend. Anscheinend haben die Thais doch einen grossen Respekt vor Uniformen?!

Ohne weitere Komplikationen erreichen wir Mugdahan, und recht schnell findet unser Fahrer auch das Kloster, wo wir hin wollen. Leider habe ich den Namen des Wat vergessen, aber der Buddha, welcher dort direkt am Mekong sitzt, und ueber den Fluss rueber nach Laos laechelt, ist wirklich beeindruckend.

 
Didel

Didel

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Hallo Kolja, ein sehr schöner und gutgeschriebener Bericht.

Weiter so, da liest man doch gerne.

:respekt:
 
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Einen Monat im Isaan...

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