Teil 7:
Es schüttete wie aus Eimern, ein tropischer Regenschauer, wie er normalerweise nur in der Regenzeit vorkommt.
Inzwischen saßen wir nun fast zwei geschlagene Stunden in dieser Raststätte fest. Sepp hatte seine vollgeladene Batterie auch schon wieder ins Motorrad eingebaut.
Plötzlich schien Petrus auch auf dieser Seite der Erde mit uns Mitleid zu haben und der Himmel wurde wieder etwas freundlicher. Wir machten uns wieder auf den Weg. Wir hatten noch rund fünf Kilometer bis die Autobahn bei Phatthalung für uns zu Ende war und wir Richtung Trang abbogen. Motorradfreunde können sich sicher vorstellen, das es nach einen Platzregen keinen Spaß macht, auf der Autobahn zu fahren, aber wir mussten einfach schnell weiter, wir hatten schon viel zuviel Zeit verloren. Wir wollten Ao Nang unbedingt noch vor Einbruch der Dunkelheit erreichen. Nicht zuletzt, da Sepp seine elektrischen Bauteile am Motorrad, wie Licht, nicht mehr einschalten wollte. Sein Bremslicht ging natürlich auch nicht mehr, da wir alle Sicherungen, außer die, für die Zündung, entfernt hatten.
Es ging den Umständen entsprechend, recht flott, trotz leichten Nieselregen, dahin. Sogar Hugo und Sepp fuhren jetzt mit Helm. Wir erreichten das Gebirge und der Regen wurde wieder stärker.
Wir machten aber keine weitere Pause, sondern zogen nur unseren Regenschutz über. Als wir den höchsten Punkt des Gebirges erreicht hatten, regnete es wieder aus vollen Rohren. Bei der Abfahrt durch die Serpentinen tuckerten wir nur mehr so mit vierzig, fünfzig Stundenkilometern dahin, es war in den Kurven einfach zu gefährlich. Zum Glück machte Sepps CB 1 nicht schlapp, weil hier gibt es wirklich nichts, weit und breit keine Häuser oder Hütten, geschweige denn eine Werkstätte.
An der nächsten Kurve kam die nächste Überraschung, ein Überlandbus, der nach Trang unterwegs war, lag quer über die Fahrbahn auf der Seite. Wegen des schwachen Verkehrs war der Stau auch noch nicht übermäßig lang, und es gab kein Vorbeifahren für die Autos. Der Bus blockierte den gesamten Verkehr in beide Richtungen. Na fein, das auch noch, heute war wirklich nicht unser Tag.
Überall lagen die Verletzten blutüberströmt rum, weit und breit kein Notarzt oder ähnliches, kein schöner Anblick. Für die anderen Verkehrsteilnehmer war jetzt natürlich „Gaffen“ angesagt, das ist auch eine Lieblingsbeschäftigung der Thais. In diesen Bezug, sind sie für mich, einfach nur pervers und krank.
Anmerkung vom Autor: Es gibt in Thailand eigene, sehr beliebte Zeitungen bzw. Illustrierte, die über nichts anderes berichten, als über die schlimmsten Unfälle und Verbrechen mit den entsetzlichsten Bildern, bis ins kleinste Detail. Nahaufnahmen von entstellten Toten oder Mordopfern ist ganz normal, aber wehe, es wird im Fernsehen ein kleines Stückchen Busen gezeigt, da schlägt die Zensur gnadenlos zu. Da sollte jeder seine eigenen Schlüsse daraus ziehen, - ich habe meine Meinung dazu.
Irgendwie schafften wir es, uns, mit unseren Motorrädern durchzudrücken, zwischen all den blutverschmierten Menschen und dem Bus.
Sicherlich fährt man jetzt etwas geschockt und vorsichtiger weiter, aber so was besonderes ist es auch nicht, weil jeder, der länger in Thailand lebt, sieht früher oder später solch schreckliche Unfälle, und man gewöhnt sich an alles, so schrecklich das auch klingen mag. Außerdem würde ich jedem raten, falls er zufällig zu einen unmittelbar, passierten Unfall dazu kommt, fahrt unbedingt weiter, und macht euch nicht wichtig, es könnte euch sehr zum Nachteil ausgelegt werden. Ist alles schon oft genug passiert!
Sehr langsam ließen wir das Gebirge hinter uns. Jetzt wurde es erst richtig lustig, weil die nächsten fünf Kilometer wurde die Straße ausgebaut. Das hieß für uns, fünf Kilometer auf überschwemmter Schotter bzw. Lehm Piste, im strömenden Regen, das Motorrad wie ein Schiffskapitän, durch die Pfützen zu leiten. Natürlich sah man die ausgehöhlten Löcher im Belag durch das viele Wasser auch nicht, also wirklich eine feine Sache. Hugo verschwand einmal kurz in einen dieser Löcher und machte einen Abstieg wie John Wayne vom Pferd, in seinen besten Zeiten. Nachdem wir uns überzeugt hatten, das er sich nicht weh getan hat und dem Motorrad auch nichts passiert ist, lachten Sepp und ich, uns natürlich halbtot über den dreckverschmierten Hugo. Sanuk muss sein, da waren wir schon richtige Thais.
Irgendwie schafften wir auch dieses Teilstück und konnten, weil es wieder zu regnen aufgehört hatte, wieder Gas geben. Unser Zeitplan war komplett im Arsch. Wir erreichten Trang und machten kurz Rast, um zu tanken und etwas zu Essen. Hugo war auch schon ganz grantig, weil er solange nicht zu seinen Glas Sangthip mit Coke kam. Der Regen hatte ihm, auch auf ganz natürliche Weise, den ganzen Dreck von der Straße wieder weggewaschen, und somit waren wir alle wieder happy, im Grunde konnte uns eh nix mehr erschüttern.
Sepp war der Meinung, seine Batterie hält noch locker, ohne weitere Aufladung, bis Ao Nang durch. Leider war das aber ein Trugschluss.
Die Uhr zeigte uns jetzt 15.30 Uhr an, und wir dachten, bis zur Dunkelheit schaffen wir es noch leicht bis Ao Nang. Wir starteten durch und verließen Trang, ohne uns zu verfahren.
Bis kurz vor Krabi lief es jetzt ganz gut, es regnete meist nicht, und wir gaben jetzt wieder ein bisschen Gas, um die verlorene Zeit etwas aufzuholen. Das durch die höhere Geschwindigkeit, Sepps Batterie auch mehr beansprucht wurde, ließen wir außer Acht.
Kurz vor Ban Nua Khlong war wieder mal Pause angesagt. Sepp merkte, wie die Batterie immer schwächer und schwächer wurde, auch die Zündung funktionierte nicht mehr richtig, er wurde immer langsamer und langsamer. Er wusste, er schafft es nicht mehr weit. Wir erreichten den Ort Ban Nua Khlong und suchten so schnell wie möglich, eine Werkstätte.
Wir wurden, wie üblich, recht schnell fündig, und Sepp hoppelte inzwischen wie ein Hase mit seiner CB 1 in die Garage. Natürlich, wie immer, ein Riesen Auflauf an Leuten, und der Werkstattmeister wollte schon loslegen mit seinen Künsten. Sepp war inzwischen auch nicht mehr der freundlichste (kann man es ihm verdenken? – denke nicht) und schnauzte den Werkstattmeister in Thai an. „Du brauchst nichts messen, ich weiß, das die Batterie leer ist.“ „Hast du ein Ladegerät?“ „Khap“, war seine Antwort, leicht verduzt. Woher kannte dieser arrogante Farang das thailändische Wort für Ladegerät, dachte er sich vermutlich.
Hugo und ich wollten an dieser geistigen Konversation auf hohen Niveau nicht teilnehmen und wir setzten uns an den, um die Ecke gelegenen Fressstand. Ich kaufte mir ein Soda Nam, und Hugo, ja, was, lieber Leser?
Nach einiger Zeit kam dann auch schon Sepp mit hochroten Kopf wieder auf uns zu und erzählte das dieser Werkstattmeister zwar ein Ladegerät hatte, aber es dauerte fünfzehn Minuten, bis er Sepp sagte, das es kaputt sei. Nachdem (?) es schon an der Batterie angeschlossen war - natürlich. Aber er war noch so freundlich, ihm zu sagen, das sein Nachbar, ein Möbelschreiner, auch eines hat. Also bauten sie die Batterie schnell aus, und die hängt jetzt in der Schreinerei am Ladegerät. Circa 100m weiter, auf der anderen Straßenseite. Inzwischen war es 17.30 Uhr!
Wir wussten, das wir Ao Nang nicht mehr bei Helligkeit erreichen werden.
Sepp meinte, er ließe die Batterie jetzt mit vollen Ladestrom laden, damit wir so schnell wie möglich weiterkommen. Eine halbe Stunde Ladezeit muss reichen, die Batterie sollte dann die letzten Kilometer mit Abblendlicht durchhalten.
Um 18.15 Uhr gingen wir in die Schreinerei und bauten die Batterie wieder ein. Die CB 1 lief auch wieder und sogar das Vorderlicht brannte, weil inzwischen wurde es schon leicht dunkel. Sepp gab dem Schreinermeister einen Hunderter und wir düsten los.
Wir ließen den Ort Ban Nua Khlong und machten uns auf den Weg, weiter nach Krabi. Als wir den Stadtrand von Krabi erreichten, war es stockfinstere Nacht. Sepp fuhr jetzt immer in der Mitte, da er ja nur ein Vorderlicht und kein Rücklicht, geschweige Blinker oder Bremslicht hatte. Ich fuhr als erster und plötzlich war das Licht von Sepp hinter mir verschwunden.
Wir stoppten, Sepp hielt die Maschine gerade noch am Laufen, aber das Abblendlicht war aus. „Was ist denn jetzt schon wieder los?“, schrie ich hinter. „Keine Ahnung“, war die Antwort, „Das Licht geht nimmer, aber der Motor läuft noch, trotz Zündaussetzer“, war seine Antwort. „Und nun?“, war meine Frage. „Weiter geht’s, fahr du hinter mir, dein Licht ist besser als Hugos“. Hugo fuhr jetzt vor, Sepp in der Mitte, ohne irgendein Licht in stockfinsterer Nacht, und ich hinten.
Ein jeder Motorradfahrer wird jetzt wissen, was das heißt. Bei absoluter Dunkelheit fuhr Sepp jetzt ohne Licht! Er hatte nur meinen Lichtkegel von hinten und Hugos Rücklicht zur Orientierung. Aber Sepp ist auch ein sehr routinierter Fahrer, sodass wir die letzten 25km (!!!) auch noch schafften. Zum Glück regnete es wenigstens nicht mehr.
Wir erreichten endlich Ao Nang und parkten unsere Bikes vor dem Austrian Meeting Point.
Miguel sah uns, lief auf den Parkplatz und bekam erst mal einen Lachanfall. So, wie wir aussahen.
Dreckig, durchnässt, gegen den Wind stinkend, setzten wir uns in die Kneipe, bestellten ohne weiter auf Miguel zu achten, eine große Flasche Sangthip mit Soda und Coke.
Als Hugo sein Glas Sangthip Coke in der Hand hielt schrie er erst mal durch das ganze Lokal:
„Heit is Party Time!!!” Sepp und ich nickten nur wohlwollend mit dem Kopf.
Hang On, Guys