Eine Geschichte die das Leben schrieb! Teil XX
Verdammt ich liebe Dich!
„Ich lasse Dich ja nicht lange alleine, bereits in 4 Monaten bin ich wieder hier. Am Montag muss ich wieder zur Uni, sonst kann ich mein Studium an den Nagel hängen und stehe ohne nichts da.“ „Ja, das sehe ich, aber ich habe Angst, dass ich Dich verliere. Ich habe Angst, das Du nicht wieder kommst. Ich habe Angst, dass ich nie mehr wieder von Dir höre.“
Schei..., ich wollte eigentlich den letzten Abend mit einer Prise Romantik ausklingen lassen und jetzt waren wir Mitten in einem Problemwälzungsprozess. „Ich verlasse Dich nicht wirklich, einen Teil von Dir nehme ich in meinem Herzen zurück in die Schweiz. Und in Deinem Herzen bin ich ja immer bei Dir – oder?“ „Natürlich, aber die Trennung schmerzt mich!“ „Lass uns das hier und heute geniessen ohne schlechte Gedanken.“ Wir kuschelten eng umschlungen und sie hielt mich fest im Griff. So sind wir nach einer Weile friedlich und glücklich eingeschlafen.
Nach dem Morgenessen gingen wir in einen Thai-Gold-Shop. Phet wollte für mich ein Andenken an sie kaufen. Sie wählte eine dicke Armkette aus. „Das musst Du nicht kaufen, das ziehe ich nicht an. Da sehe ich ja aus wie ein Zuhälter oder ein Sextourist, schau da drüben gibt es Halsketten, kaufen wir eine davon und später kannst Du mir einen Buddha dazu schenken.“ Ich bin mir heute noch sicher, dass ich einen dicken Kuss gekriegt hätte, wenn wir alleine gewesen währen. Da ich das Zimmer bis 20:00 behalten konnte, fragte ich Phet, was wir an unserem letzten Tag unternehmen sollen. „Wir gehen in einen besonderen Tempel, lass Dich überraschen.“
Mit dem Taxi fuhren (standen währe wohl der bessere Ausdruck, aber ich bin und bleibe ein Optimist) wir durch Bangkok. Nach rund 45 Minuten hielten wir vor einer grossen Tempelanlage. Wir sind erstmal in der Anlage rum gelaufen, haben Räucherstäbchen angezündet, Kerzen angezündet und eine Buddhastatue mit Gold beklebt. Standartablauf, selbst für mich, der noch grün hinter den Ohren war. Dann hat Phet jemanden etwas gefragt und wir sind in ein Gebäude gegangen, das neben dem Tempel stand. Dort haben wir uns auf den Boden gesetzt und gewartet. „Was machen wir hier?“ „Kann ich Dir nicht sagen, sei ruhig und warte“ „Das habe ich gar nicht gerne, wieso kannst Du nicht sagen, was abläuft?“
’Was will sie mit mir hier, will sie mich hier und jetzt heiraten, ohne dass ich es mitentscheiden kann?’ Ich merkte gar nicht, wie ich mich in die Situation reinsteigerte und immer misstrauischer wurde. ’Das ist eine Falle, nichts wie weg hier.’ Doch mein Bauch sagte mir etwas anderes: ‚Ganz Ruhig, noch bist du Herr der Lage, bleib hier und warte erstmal ab was kommt.’
Ich merkte gar nicht, wie ein Mönch vor uns auf einem kleinen Podest Platz genommen hatte. Er sprach zu Phet und nach einigen Minuten auch zu mir. In einem reinen Oxfordenglisch fragte er „An welchem Datum und um welche Uhrzeit bist Du geboren?“ Dabei deutete er mir, näher zu kommen. Ich rutschte im Schneidersitz näher zu ihm heran und sagte: „18.03.1967 um 12:32.“ Er nahm meine rechte Hand und schaute in meine Vergangenheit. Ich konnte es kaum glauben. Er hatte von mir keinerlei Angaben ausser der Geburtsstunde und –tag. Trotzdem trafen seine Aussagen zu 100% zu. Ich glaube nur das was ich sehe. Ergo hatte ich bis zu diesem Ereignis grosse Zweifel an solchen Hokuspokus. Der Mönch hatte mich eines besseren belehrt. Er sagte auch Phet und mir unsere gemeinsame Zukunft voraus. Bis heute ist jedes grosse Ereignis, das er vorausgesagt hatte, eingetroffen.
Wie kann man da einer Thailänderin böse sein, wenn sie es gut meint? „Bitte sag mir das nächste Mal, was Du vorhast. Ich werde nicht gerne Überrascht (jedenfalls nicht auf diese Art und Weise).
Wir fuhren ins Hotel zurück. Wir haben ausgiebig geduscht und noch eine Runde das Bett benutzt. So intensiv, fordernd und zärtlich zugleich, habe ich Phet noch nie erlebt. Vielleicht wollte sie mir ein Zeichen mit auf den Weg geben.
Wir packten und brachten unser Gepäck zum Portier. Wir gingen ins Hotelrestaurant und bestellten und viele leckere Speisen. Nüa Naman Hoi, Jam Hun Sen, Krapao Moo und Plaa priau waan (jetzt, wo ich das schreibe, bekomme ich gleich wieder Hunger. Nur leider haben wir solche Leckereien zur Zeit nicht im Haus). Wir haben von allem gegessen, aber lange nicht alles aufgegessen. Phet hat die Resten einpacken lassen und mitgenommen.
Auf der Fahrt zum Flughafen, kuschelte sie sich nahe an mich ran. Es fiel mir auf, dass Phet zu ersten Mal nicht mit dem Fahrer sprach. Na ja, wenigstens nicht ununterbrochen. Sie wirkte traurig und nachdenklich. Am Flughafen mussten wir erst die richtige Check-In Zone finden. Dann wurde mein Gepäck durchleuchtet und mit einem Band verschlossen. „Hey, wie bekomme ich jetzt mein Buch im Flugzeug aus meinem Handgepäck?“ „Sorry sir, sie hätten die Tasche nicht auf das Förderband legen müssen. Schneiden sie einfach das Band durch. Aber nur bei dem Gepäck, das sie als Handgepäck mittragen.“ Eingecheckt war schnell. Ich hatte mir einen guten Fensterplatz bei einem Notausgang geangelt (rauchen war damals noch erlaubt, ich wollte jedoch ins Nichtraucherabteil – da ist die Luft wesentlich besser und um dem Laster zu frönen ging ich ins Raucherabteil).
Von Willi keine Spur. Wieso fällt mir Willi gerade zu diesem Zeitpunkt wieder ein? Ich ging mit Phet ein wenig spazieren und in einem Restaurant tranken wir etwas. Phet wirkte sehr bedrückt und die Tränen standen ihr zuforderst. „Ich komme in meinen nächsten Semesterferien wieder und dann kannst Du mir Dein Land zeigen. Ich möchte wieder nach Phuket gehen und Mr. Ek besuchen. Vielleicht reisen wir mal in den Norden? Dabei können wir bei Deiner Familie halt machen. Ich möchte sie gerne kennen lernen.“ „Sie begann zu weinen (erst viel später erfuhr ich, dass wenn ein Farang die Eltern seiner Freundin besucht, es moralisch einer Verlobung gleichkommt). Mitten im Weinen lächelte sie mich an und weinte weiter. Für mich war die Situation sehr grotesk.
Bald war es Zeit, durch die Passkontrolle zu gehen und im Gate auf den Aufruf zum boarden zu warten. Beim Abschied weinte Phet immer noch. Jetzt hatte auch ich tränen in den Augen. „Ich rufe Dich morgen an. Warte um 18:00 beim Telefon. Ich liebe Dich“ „Chan rak khun duai!“
Schnell durchschritt ich die Passkontrolle und ich war erst mal froh, dass sie mich nicht mehr sah. Eine unsichtbare Hand umfasste mein Herz und drehte es nach links und nach rechts. Es tat weh, verdammt weh sogar.
Du hast mich verletzt! In der nächsten Folge.