Ein etwas anderer Blickwinkel

Diskutiere Ein etwas anderer Blickwinkel im Literarisches Forum im Bereich Thailand Forum; Nachdem ich gestern 3 Stunden in Bangkok zu verbummelen hatte, da meine Freundin Business Englisch in der "Thammasat University" hatte, bin ich...
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amnesius

Gast
Nachdem ich gestern 3 Stunden in Bangkok zu verbummelen hatte, da meine Freundin Business Englisch in der "Thammasat University" hatte, bin ich nochmals zum Phra Kaeo um die Ecke gegangen.

Zum einen um nocheinmal ohne Eile ein paar Fotos zu schiessen, zum anderen, weil ich keine Lust hatte mich in den dieser Tage noch schlimmeren Verkehr zu stürzten um woanders hin zu fahren.
Einen Tag vor dem Geburtstag des Königs scheint ganz Bangkok mit allem was irgendwie fahrbar ist auf der Strasse zu sein.

Zuerst hatte ich noch die Befürchtung der Royal Palace und Phra Kaeo wären für die Geburtstagsfeierlichkeiten geschlossen, aber zu meinem Glück war das nicht der Fall.

Das übliche Gewusel von Touristen, Gläubigen, Mönchen und Aufpassern auf dem ganzen Gelände des Phra Kaeo. Untermalt vom Sing-Sang der Mönche gab ich mich einfach der Strömung hin und folgte mal einer Gruppe japanischer Touristen, danach einer russischen, oder polnischen Führung.

Ich lies mich einfach treiben, wenn irgendwo eine Gruppe meine Aufmerksamkeit erregt hatte, dann folgte ich ihr.

Mitten im Geschehen fiel mir auf, das es doch teilweise viel interessanter ist die Touristen zu beobachten und zu fotografieren, wie sie sich verrenken und sich gegenseitig versuchen aus dem Bild zu scheuchen.

Es scheint so als würde jeder Tourist dem Ideal hinterher hängen das er mit seiner Familie der einzige Mensch ist, der diesen Ort besucht. Da wird entweder stundenlang gewartet um einen für 5 Sekunden Menschenmassen freien Blick für einen Schnappschuss zu erheischen.
Oder andererseits wird lautstark versucht andere in den Blickwinkel der Linse tretende Touristen zu verscheuchen, welches manchmal gelingt und kleine Staus verursacht.

Mit aller Seelenruhe wird dann minutenlang an der Kamera herumgewerkelt und die Posen der restlichen Familienmitglieder korrigiert um dann eines der üblichen Urlaubsfotos zu schiessen.

--Etwas über oder unterbelichtet, ohne Kopf oder ohne Füsse, etwas unscharf, oder von allem in wenig--

Unterdessen wird die gestaute Menschenmenge immer größer, bis irgendwann nach ca. 30 Sekunden der Druck von hinten so gross wird und die ersten in ihrer Not nichts anderes übrigbleibt als in die Todeszone, den Objektivblickwinkel zu treten.
In diesem Moment hat dann aber auch der hartnäckigste Hobbyfotograf verstanden, das ein erneutes Foto dieser Art wohl schnell in Lynchjustiz umschlagen könnte und zieht mit seiner Familie vondannen, um das gleiche Spiel 30m weiter wieder von erneut zu beginnen.
Eine weiter Art einen ungestörten Schnappschuss zu tätigen ist die meist von Thais praktizierte Methode die Familie einfach vor einem Ort aufzubauen, der von den umherstreifenden Touristen nicht als Fotowürdig erachtet wird.
Habe sie dann die Aufmerksamkeit der Anderen Touristen auf sich gelenkt und somit die Horden angelockt, ziehen sie manchmal auch ohne Foto fürs Familienalbum vondannen...

Mitten in diesem Treiben stehe ich und beobachte das Treiben mit zoologischem Interesse.
Herdentier Mensch? Der Ort an dem vor mir schon 10 Andere Hobbyfotografen den Touristenfluss aufgestaut haben, kann nur von einer ausserordentlichen Motivqualität sein.

--Also habe ich mich zu einem Experiment entschlossen, möglichst auffällig irgendwelche belanglosen Dinge zu fotografieren und darum möglichst viel Aufhebens zu machen--

Was soll ich sagen? Das funktioniert sogar recht gut. Vielleicht sollte ich bei meinem nächsten Besuch dort eine größere Kamera, die mehr aufmersamkeit erregt und mehr nach Profi ausschaut mitnehmen?

Erstaunlich ist die Reaktion von Touristen, wenn sie beim Fotografieren fotografiert werden.

Die überwiegende Mehrheit scheint sich dabei unwohl zu fühlen. Nachdem sie mich entdeckt hatten, brachen sie die Motivsuche ab und wanderten betreten umher, solange bis ich scheinbar die Szenerie verlassen hatte.

Alles in allem ist es garnicht so einfach Touristen bei ihrer Lieblingstätigkeit, lärmen und fotografieren, zu fotografieren.
Vor allem sieht man sich selbt als Tourist auch in einem etwas anderen Licht.
Ich persönlich verzichte in einigen Situationen aufs fotografieren, besonders wenn es darum geht Menschen in ihrer privaten Umgebung zu fotografieren.

In solchen Situationen stellt sich mir immer die Frage:
--Wie würde Sie reagieren, wenn sie jemand auf dem Liegestuhl in ihrem Garten fotografiert?--

Ich persönlich finde diesen etwas anderen Blickwinkel durchaus interessant und werde wohl öfters die Sehenswürdigkeiten so fotografieren wie sich wirklich sind, mit hunderten von Touristen...

Grüße aus BKK

Stefan

Die ersten Bilder zu der Geschichte gibts hier:
http://amnesius.am.funpic.de/thumbnails.php?album=24
 
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Chonburi's Michael

Gast
amnesius" schrieb:
In solchen Situationen stellt sich mir immer die Frage:
--Wie würde Sie reagieren, wenn sie jemand auf dem Liegestuhl in ihrem Garten fotografiert?--
Ein Paparazzi . ;-D

Ich bin leider ueberhaupt kein Fotomotiverkenner, desshalb schaue ich mir die Bilder lieber an, und traume davon das irgendwann auch ich ein tolles Motiv vor die Linse bekomme.

Gut geschrieben amnesius, ein Eindruck aus der Hochburg Bangkok, mit seinen Sehenswuerdigkeiten und Touristenverhalten.

Wie fuehlst du dich, wenn dich jemand ablichtet, waerhrend du auf der Suche nach dem Motiv bist??

Interessiert mich wirklich. :-)
 
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amnesius

Gast
Chonburi's Michael" schrieb:
(...)
Wie fuehlst du dich, wenn dich jemand ablichtet, waerhrend du auf der Suche nach dem Motiv bist??

Interessiert mich wirklich. :-)
Danke für Deinen Kommentar Michael.

Mir persönlich machts nichts aus fotografiert zu werden, hab also kein Problem damit.

Nur hat sich jemals einer der umstehenden Touristen Gedanken gemacht was die Mönche denken, wenn plötzlich in der Touristenmenge Hektik ausbricht nur, weil sie (Die Mönche) grade an einer Tempelwächter Statue vorbeigehen?

Grüße

Stefan
 
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Chonburi's Michael

Gast
amnesius" schrieb:
Nur hat sich jemals einer der umstehenden Touristen Gedanken gemacht was die Mönche denken, wenn plötzlich in der Touristenmenge Hektik ausbricht nur, weil sie (Die Mönche) grade an einer Tempelwächter Statue vorbeigehen?
Interessante Ansicht ueber der es sich lohnt mal Nachzudenken. Nicht nur ueber die Moenche, sondern das Fotografieren von Personen ohne das es bemerkt wird. :O
 
DisainaM

DisainaM

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Fotos von Thais und Fotos von Farangs sind ja auch sehr unterschiedlich.
Während eine Gruppe von Thais andere Ansprüche an ein Gruppenfoto stellt, sind Farangs meist nur um Hintergrundkulisse und Postieren interessiert.
 
zipfel

zipfel

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moin

Mit dem "Foto machen" ist das allgemein so eine Sache:

Da gibts`die von Dir beschriebenen Herdentiere,welche in der Regel in Gruppen nicht unter 10 auftreten und so ziemlich alles was der Fremdenführer auch nur als erwähnenswert findet mit ihren Linsen abgrasen.
Familienclans suchen sich in der Regel einen neutralen aber doch wenn möglich markanten Punkt um zu Hause darüber sprechen zu können oder den Anschauenden das Ziel des Ausfluges zu präsentieren.
Bei Paaren wird es schon sehr speziell,da man sich ja allein ziemlich einfach irgendwo kurz in Pose stellen kann(auch mal in etwas gewagteren)
Als Einzeljäger kann man meines Erachtens die absolut Besten "Schüsse" anbringen: auf Niemand Rücksicht nehmen müssen sondern nur mein Ziel vor Augen.
Mich da einzuordnen fällt mir recht schwer da ich von jedem etwas bin,am liebsten aber als Paar durch die Welt ziehe und versuche meine "shoots" zu machen.
Interssanterweise sehen das allerdings die Leute meist anders, aber damit muß/und kann ich leben...

Wo und wann sich solche Begebenheiten auf der Welt abspielen
ist völlig irrelevant da meines Erachtens immer gleich.

Danke für diesen Thread

tschüssel
 
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mrhuber

Gast
@amnesius

Fotografieren ist eng verbunden mit er >eigenen Sicht der Dinge<.

Fotografieren, so man es etwas ernster betreibt, ist schon ein Ausdruck der eigenen Gedanken- und Gefühlswelt, man will anhand von Fotos andere daran teilhaben lassen.

Was Du mit dem etwas anderen Blickwinkel meinst, ist nur ein etwas anderes Motiv, indem Du das Bild mit Menschen belebst. Mach ich auch gern, und die Reaktionen sind unterschiedlich. Es ist manchmal, wie wenn sie sich ertappt fühlen, bei irgendwas persönlichem, nämlich >ihrer Sicht der Dinge. So ungefähr vergleichbar, wie wenn Du ihnen eine ehrliche Frage stellst, die ihre Person betreffen. Direkte Ehrlichkeit wird sowieso kaum erwartet.

Interessanter ist für mich eine etwas andere "Perspektive". Auch das kann man aufs Leben allgemein beziehen, denn ich denke schon, daß man so einiges leichter lösen könnte, würde man sich die Mühe machen, von seinem eigenen "festen" Standpunkt ab und an zu einer anderen Perspektive zu wechseln, zumindest den Versuch dazu zu unternehmen.

Was zipfel noch anspricht, natürlich ist es besser, allein loszuziehen, denn da kann ich mir die Zeit nehmen, die ich brauche. Wenn man nicht gerade nur Urlaubsfotos schießen will, braucht man ziemlich viel Zeit, um die Ergebnisse zu erzielen, die man sich vorstellt. Da ist es für eine Begleitung fast unzumutbar, ständig auf mich warten zu müssen.

Schöne Fotos, amnesius!

Karlheinz
 
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mrhuber

Gast
Chonburi's Michael schrieb:
irgendwann auch ich ein tolles Motiv vor die Linse bekomme.
Die Motive hast Du immer, jederzeit und überall. Du musst sie nur sehen. Eigentlich würde ich Dir das schon zutrauen.

Karlheinz
 
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Kali

Gast
Es gibt viele Gedanken zur Photographie, ungeachtet der Beschreibung der technischen Mögichkeiten, ein Motiv in´s rechte Licht zu rücken.
Und jeder, der photographiert, hat sein eigenes Motiv zur Motivsuche. Am beeindruckensten sind für mich die Gedanken, die sich Susan Sontag zur Photographie gemacht hatte, diese in den Bereich des Voyeurismus schiebt. Kann ich allerdings lediglich für das Gebiet der Boulevardpresse nachvollziehen.

mrhuber" schrieb:
...Fotografieren, so man es etwas ernster betreibt, ist schon ein Ausdruck der eigenen Gedanken- und Gefühlswelt, man will anhand von Fotos andere daran teilhaben lassen.
Auch das ist mein eigener Beweggrund zu photographieren, das Einfangen eines Momentes, dem bei mir selbst allerdings eine Assoziation vorangegangen ist, eine Gedankenverbindung, die mich bei der Sicht des entspechenden Motives auf den Auslöser drücken lässt, dabei die technischen Möglichkeiten ausnutzend, um dieses mein Gefühl entsprechend photographisch auszudrücken, mitunter zu intensivieren.

Keine Sogre, ich photographiere nicht so kompliziert, wie ich es beschreibe. Es ist wie beim Dreiradfahren: Wenn ich erst mal drauf sitze, dann denke ich nicht mehr drüber nach, was ich beim Treten zu beachten habe ;-D
 
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Chonburi's Michael

Gast
mrhuber" schrieb:
Chonburi's Michael schrieb:
irgendwann auch ich ein tolles Motiv vor die Linse bekomme.
Die Motive hast Du immer, jederzeit und überall. Du musst sie nur sehen. Eigentlich würde ich Dir das schon zutrauen.

Karlheinz
Ich sage es ganz ehrlich, ich sehe ein tolles Motiv und dann kann ich es aber nicht in die Camera bringen :-(
 
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Marco

Gast
Hallo Michael
Das geht mir genauso :-( . Wenn ich aber den Karlheinz beim photografieren zuschaue, dann sehe ich einen Eimer voll Geduld. Etwas, das mir beim photografieren leider fehlt. So kommt denn auf 100 Bilder mal ein brauchbares heraus.

:byebye: Marco
 
M

Marco

Gast
Hallo amnesius
amnesius" schrieb:
Ich persönlich finde diesen etwas anderen Blickwinkel durchaus interessant und werde wohl öfters die Sehenswürdigkeiten so fotografieren wie sich wirklich sind, mit hunderten von Touristen...
:super: und vielfach sind Menschen interessanter als die Sehenswürdigkeiten.

:byebye: Marco
 
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Chonburi's Michael

Gast
Marco" schrieb:
Wenn ich aber den Karlheinz beim photografieren zuschaue, dann sehe ich einen Eimer voll Geduld.
Das ist sicher ein Punkt. Wenn ich eine Geschichte schreiben moechte, zum Beispiel eine neue Zuckerrohrgeschichte, die sich aber von der alten unterscheidet, dann sehe ich schon die Motive und mache auch Fotos damit die Geschichte einfach ein Erlebniss wird.

Aber da habe ich das im Kopf.

Bei einem spontanen Motiv, fehlt mir die Geduld es richtig abzulichten. Aber du weisst ja Marco, ich habe Zeit und bin lernwillig, so werde ich schon noch lernen meine Geduld zu finden. :-)
 
MichaelNoi

MichaelNoi

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Gute Fotos haben viel mit der Begabung des Fotografen zu tun.
Schwer zu lernen, man hat es oder man hat es nicht...nicht so wie bei dem Erlernen der rein technischen Aspekte der Fotografie.
Ich mag Fotos sehr gerne, die gewisse Stimmungen ´rüberbringen und nicht nur das Motiv als solches zeigen.
 
DisainaM

DisainaM

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Thai-Gruppenfotos sind sehr anspruchsvoll,
der Fotograph muß abdrücken,
wenn alle den richtigen 'spirit' im Augenausdruck haben.

Farang stören dabei meist /passen nicht ins Bild/
weil sie den Blick nicht draufkriegen können.
 
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amnesius

Gast
Ich würde mich als reiner Hobbyfotograf bezeichnen. Natürlich bin ich wie viel bemüht interessante Bilder zu machen, die sich von den üblichen Familie-am-Strand Bildern abheben.

Auch technisch gesehen bin ich eher unterdurchschnittlich ausgerüstet, wenn man meine Ausrüstung mal mit den der Anderen Touristen hier vergeleicht.
Ich reise seit 3 Jahren mit einer Canon Digital Ixus (2 Megapixel) und einem Hama Ministativ.
Meine Ausrüstung schränkt mangels Tele und Fisheye schon die Motivwahl etwas ein.
Dafür ist die ganze Ausrüstung klein und unauffällig, sodas man auch mal eben schnell aus der Hüfte ein Foto schiessen kann.
Bei einigen Motiven habe ich durchaus Skrupel auf den Auslöser zu drücken.

So habe ich noch nie die Wohnung meiner Freundin, noch das Haus ihrer Mutter oder das Haus ihrer Tante fotografiert.
Ich meine ich würde mir warscheinlich auch komisch vorkommen wenn meine Freundin meine Wohnung von innen fotografiert.

Das meinte ich vorher mit privaten Situationen. In diesen fotografiere ich eigentlich nie.

Wenn ich mal wirklich auf Bilderjagt gehe, dann gehe ich alleine, da dann niemand auf mich warten muss und sich niemand ausser mir selbst für meine Verrenkungen schämen muss.

Ich muss ganz ehrlich sagen, das ich das fotografieren erst so langsam für mich entdecke. Früher hab ich eigentlich eher wenig fotografiert. Ok auf Reisen mal ausgenommen.

Gestern hab ich festgestellt das Schnappschüsse aus der Hüfte auch so ihren Reiz haben können.

Wen meine Fortschritte in der Fotografie interessieren kann sich mal hier umschauen: [LINK] http://amnesius.am.funpic.de/

Ich werde die Gallerie alle paar Tage aktualisieren!

--Schönheit liegt immer im Auge des Betrachters--

Ich denke mit Fotos ist es genauso. So wie man über Kunst streiten kann, so kann man das auch über die Qualität von Fotos.

Grüße

Stefan
 
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