Ein Bayer in Bangkok

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Jinjok

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Aus dem Bayernwald Boten vom 26.04.2002

Bei 40 Grad im Schatten ein sehnsuchtsvoller Blick per internet auf den verschneiten Arber

Willi Zwickenpflug und seine Familie haben sich in Bangkok gut eingelebt

Von Ingrid Frisch

Regen/Bangkok. Vom kleinen Dorf in Niederbayern in die Millionenmetropole Bangkok - vor neun Monaten hat Willi Zwickenpflug seinen Dienst bei Rodenstock Thailand angetreten. Frau und Söhne flogen mit. Bei aller Umstellung genießen die Vier ihren Alltag in Fernost.

Wie lange hat's gedauert, bis ihr euch eingelebt hattet?
Zwickenpflug: Die ersten vier Wochen unseres Aufenthaltes haben wir in einem schönen Hotel verbracht, da der Container mit unseren persönlichen Sachen noch nicht hier war. Die Eingewöhnung war eigentlich sehr kurz. Jeder von uns hat sich schnell aklimatisiert und schon nach kurzer Zeit Bekanntschaften gemacht. Die Buben haben schon am ersten Schultag Freunde gefunden und auch bald mit nach Hause gebracht.

Welche positiven oder auch negativen Überraschungen habt ihr erlebt?
Zwickenpflug: Äußerst positiv hat uns der reibungslose Umzug nach Thailand überrascht. Das Angebot an Waren wie Lebensmittel und Kleidung ist hier sogar noch größer als in Deutschland. Die meisten Geschäfte haben bis spät in die Nacht geöffnet. Der Service ist erstaunlich, zum Beispiel werden die Waren beim Einkaufen sauber vertütet oder sogar zum Auto gebracht und eingeladen. Grundnahrungsmittel sind um einiges billiger als in Deutschland. Importierte Sachen wie
Nutella ist ein
teures Vergnügen

Nutella, Käse oder Wein sind dagegen teurer. Weil Arbeitskräfte noch relativ billig sind, wird man überall sehr gut betreut - beim Arzt genauso wie im Restaurant. Wir wohnen in einer Gegend, wo sich die Kinder ohne große Gefahren bewegen können, fast wie in einem Dorf. Das öffentliche Verkehrsnetz ist, wenn man es einmal durchschaut hat, sehr gut organisiert. Negativ aufgefallen ist uns: Fachverkäufer, die sich wirklich auskennen, sind Mangelware. Es gibt doch noch mehr Verständigungsschwierigkeiten als erwartet. Viele sprechen nur wenig Englisch. Der Verkehr ist für einen Neuankömmling die Hölle!!! Auch die Luft- und Umweltverschmutzung sind sehr hoch. Ein Problem der Kinder ist, dass sie ihre Freunde wegen der weiten Wege nicht spontan besuchen können. Und die Hitze! Schön ist, dass wir nur leichte Kleidung brauchen. Wenn's schon im April über 40 Grad heiß ist und das kontinuierliche Schwitzen kein Ende nimmt, wird die Hitze aber lästig. Drei bis vier mal täglich duschen hilft ein bisschen.
Habt ihr euren Entschluss nach Thailand zu gehen schon mal bereut?
Zwickenpflug: Nein, bereut haben wir es bis jetzt noch nicht. Auch die Kinder sagen es ist ok. Es lässt sich hier wirklich sehr gut und angenehm leben.

Wie sieht euer Alltag aus?
Willi Zwickenpflug: Ich steh' um 6.30 Uhr auf und fahr' mit dem eigenen Auto zur Arbeit, wo ich die Instandhaltungsabteilung von Rodenstock leitet. Die Fahrt dauert zwischen 30 und 45 Minuten. Gegen 19 Uhr komme ich heim.
Andreas und Martin: Wir stehen um 6 Uhr auf und fahren mit einem privaten Busunternehmen zur deutschsprachigen Schule. Die dauert von 7.30 bis 13 oder 14 Uhr. Nachmittags machen wir Hausaufgaben, zwischendurch geht's in den Pool zum Abkühlen. Ansonsten spielen wir an Computer, an der Play-Station oder schauen fern. Alle Sendungen sind in Englisch.
Barbara: Wie soll man es erklären: Sogar die eigenen Kinder sagen: Mama hat's am allerschönsten - den ganzen Tag zur freien Verfügung. Kochen, putzen, waschen und bügeln übernimmt unsere Haushaltshilfe. Nur am Wochenende, wenn sie frei hat, mach' ich alles selber. Für einkaufen und Sachen organisieren bin ich zuständig, das nimmt sowieso schon viel Zeit in Anspruch. Ansonsten geh' ich meinen Hobbys nach, lesen, sporteln oder mal Handarbeiten. Am Wochenende machen wir meistens einen Faulenzertag und an einem Tag unternehmen wir was. Es gibt hier gute Freizeitparks zu erschwinglichen Preisen, in der Nähe gibt es auch einen See, an dem man Wasserski fahren kann. Sonntags gehen wir auch manchmal in die deutschsprachige Messe. Weil die Kirche fast am anderen Ende der Stadt ist, sind wir dafür drei Stunden unterwegs. Ab und zu fahren wir am Wochenende auch mal ans Meer. Pattaya ist nur zwei Fahrstunden von uns entfernt.

Habt Ihr auch sonst schon viel von Thailand gesehen?
Zwickenpflug: Wie schon gesagt, fahren wir manchmal fürs Wochenende in die nähere Umgebung von Bangkok. Leider hatten wir bis jetzt erst einen gemeinsamen längeren Urlaub und da sind wir in den Norden gefahren. Nach Chiang Mai und Chiang Rai, wo es wirklich landschaftlich sehr reizvoll ist. Die Touristenattraktionen in und um Bangkok haben wir mit unseren Besuchern angeschaut. Wir werden uns nach und nach das ganze Land anschauen.

Wie haltet Ihr Kontakt mit daheim?
Zwickenpflug: Weil telefonieren relativ teuer ist schreiben wir viele Briefe und dank Computer haben wir schon sehr viele Angehörige und Freunde, die uns regelmäßig mails zukommen lassen. So sind wir eigentlich immer ziemlich auf dem Laufenden. Auch die Passauer Neue Presse lesen wir regelmäßig und wenn wir mal sehen wollen, wie das Wetter zu Hause ist, schauen wir uns die Web-cam vom Arber oder Geißkopf an.

Was fehlt euch besonders?
Zwickenpflug: Das ist eigentlich schnell gesagt. Unsere Familie und unsere Freunde. Manchmal wünschen wir uns einen Biemer wie bei Raumschiff Enterprise und ab und zu kalte Füße, wenn es wieder mal arg zu heiß ist.

Wie war euer Weihnachten - so ganz ohne Schnee, Christbaum und Plätzerl?
Zwickenpflug: Selbstverständlich haben wir auch hier Weihnachten gefeiert. Plätzchen haben wir auch gebacken. Zwar nicht viele, weil der Teig wegen der Wärme nicht einfach zu bearbeiten war. Der Christbaum war nicht ganz so groß wie die letzten Jahre und hat nicht nach Tanne gerochen, weil er aus Plastik war. Die richtige Stimmung ist nicht aufgekommen, obwohl die Kaufhäuser und Straßen auch dekoriert waren. Ski fahren wären wir auch gerne gegangen, vor allem weil daheim so ein Traumwinter war.

Wie kommt ihr mit der Mentalität zurecht? Wie ist es als Europäer in Thailand zu leben, zu arbeiten oder zur Schule zu gehen?
Zwickenpflug: Im Großen und Ganzen haben wir bis dato sehr viele positive Erfahrungen gemacht. Wir empfinden die Thailänder als sehr freundlich und hilfsbereit - obwohl ihr berühmtes Lächeln viele Gesichter hat. Eher schlechte Erfahrung haben wir an den Touristenplätzen gemacht. Da findet
An jeder Ecke
wird gebrutzelt
man viele geschäftstüchtige Leute, die Geld verdienen wollen. Was uns noch sehr gut gefällt, ist das Leben auf der Straße. An jeder Ecke wird gebrutzelt und gekocht. Gut finden wir auch das korrekte Verhalten der Thaimänner gegenüber Frauen, es ist kein Problem sich als "Farangfrau" frei und unbelästigt zu bewegen. Hier zu arbeiten ist eine dauernde Gradwanderung zwischen Lob, Rüge und Geduld. Ein gutes Mittelmaß zu finden ist manchmal sehr schwer. Es ist jedoch erstaunlich, mit wie viel Geschick Arbeiten erledigt werden. Die Lebensfreude ist bei den Thais sehr ausgeprägt und oft ansteckend. Die Religion spielt eine dominante Rolle. Nur dieser starke Glaube vermag es, dass "Reich" und "Arm" ohne Neid nebeneinander leben können.
Da es ja eine deutschsprachige Schule ist, in die Andreas und Martin gehen, sind die Unterschiede im schulischen Leben nicht so gravierend. Es ist zwar eine Schweizer Schule, unterrichtet wird aber nach dem Thüringer Lehrplan. Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Notengebung: Eine 6 bedeutet hier ein sehr gut.
 
A

Airport

Gast
Hey,
endlich mal ein Statement, von Einem, der anscheinend ohne jegliche Vorurteile sein Leben in Thailand aufbaut und angenehm ueberrascht wurde.
Endlich kein Geschwafel oder Sexstorys, wie man es ja so gewohnt ist.
Interressant waere es vielleicht, in ca. 6 Monaten diese Familie erneut zu besuchen und zu befragen, oder???

In diesem Sinne.......
 
Jinjok

Jinjok

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Airport,
Er ist ja mit Frau und Kindern dort und bei einem westlichen Unternehmen beschäftigt. Also schon mal gute Randbedingungen um in TH klar zu kommen. Ich denke mal, die Familie verkehrt unter ihresgleichen. Aber wie Du schon bemerkt hast, nach einem 3/4 Jahr noch keinen nenneswerten Kritikpunkte anzubringen ist schon bemerkenswert. Das wird sich auch nach 6 weiteren Monaten nicht sehr ändern. Allein um die Frau mache ich mir etwas Sorgen. ;- ) Sie scheint mir als einzige nicht ausgelastet und wenn sie sich nicht diesem Zirkel der Bangkokker Farangfrauen anschließt, könnte sie die Idylle zum kippen bringen.
mfg jinjok
 
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