Dumm gelaufen... Oder?

Diskutiere Dumm gelaufen... Oder? im Literarisches Forum im Bereich Thailand Forum; Kurzes Vorwort: Bei der folgenden Geschichte geht’s um: Einen verschwundenen Reisepass, nämlich meinen. Ein nicht mehr vorhandenes Visa...
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waldi

Gast
Kurzes Vorwort:


Bei der folgenden Geschichte geht’s um:

Einen verschwundenen Reisepass, nämlich meinen.
Ein nicht mehr vorhandenes Visa, nämlich meins...
Ein abgelaufenes Work Permit, auch meins...
Einen längeren Overstay – meiner!
Einen illegalen mehr in Thailand, - na? ...natürlich auch ich!



So fing’s an:

Auch das schönste NON Emigrant B multiple Visa geht nach 15 Monaten zu Ende!

Ich weiß, das jetzt viele hier im Forum aufschreien, so ein Visa gibt’s doch gar nicht! Stimmt, ihr habt recht! Die werden nur auf 12 Monate ausgestellt. Aber wenn man am letzten Tag der Gültigkeit ausreist, und zehn Minuten später wieder ein, bekommt man so noch mal 90 Tage. Also sind es fast 15 Monate. Einverstanden jetzt?

Somit stand ich wieder vor dem Problem, das alle Expats haben, außer die mit Jahresvisa.

Der normale und jahrelange Weg war, ein Visa von einen sehr guten Freund, in München „machen“ zu lassen. Er kam eh jedes Jahr in Urlaub zu uns, er nahm den Pass mit oder er brachte ihn mit, je nach Bedarf. Dies funktionierte auch immer tadellos. Mein Reisepass traute sich auch ohne mich auf Reisen, der ist da nicht so pingelig.

Dieses Mal managte dies aber jemand anders. Das Visa wurde auch wieder problemlos erteilt und der Reisepass wurde von diesen jemand auch wieder per Post auf Reisen geschickt. Nämlich zurück zu mir.

Das der Reiseweg beschwerlich und anstrengend ist, wusste ich, somit rechnete ich auch locker zwei Wochen ein, - können auch drei werden. Der nächste Ausreisetermin war eh erst in fünf Wochen, also was soll’s.

Nun gut, drei Wochen waren vergangen, aber mein Pass war noch nicht da. Na ja, der kommt schon noch, hat ja immer alles so wunderbar geklappt. Nach vier Wochen wurde ich dann so richtig aufmerksam, aber nicht aufgeregt. Man ist ja so einiges gewohnt im Land des Lächelns. Trotzdem wollte dieses kleine Büchlein, das ich jetzt bald benötigte, einfach nicht auftauchen bei mir. Schon blöd!

Die Tage vergingen und ich dachte mir: „Na, das wird doch jetzt kein Problem werden, oder?“

Ich erzählte sogar meiner damaligen, monatlichen Lebensabschnittspartnerin, das ich keinen Passport mehr habe, natürlich unter dem Deckmantel höchster Verschwiegenheit. Sie versprach mir auch, das sie schweigen kann wie ein Grab. Einen Tag später wurde ich dann aber von einer ganz anderen Dame in einen ganz anderen Ort schon gefragt, ob ich denn meinen Passport schon wieder habe. Thais müssen Gedanken lesen können, anders wäre das nicht möglich!

Der Tag der Ausreise kam und ich hatte natürlich keinen Pass!

Immer noch guter Dinge, na ja, das kriegen wir schon hin, problematisch wird’s aber mit dem Workpermit. Das ist nämlich genau auf die gleiche Zeitspanne des 90 Tages Visa an der Grenze ausgestellt.

Nach einer weiteren Woche war ich nun aber überzeugt, das ich jetzt wirklich ein Problem hatte. Die mehrmaligen „Nachfrager“ unter den bekannten Damen waren aber inzwischen durch meine beschwichtigten Worte überzeugt, das ich „ihn“ schon längst wieder hatte.

Bullshit! Gar nix war in Ordnung! Jetzt gab ich sogar die berühmte Hoffnung auf, die angeblich zuletzt stirbt. Welcher Dummkopf hat diesen Spruch erfunden?

Mit Aussitzen konnte ich jetzt auch nix mehr lösen – funktionierte dies doch bei Thais so gut, aber natürlich nicht bei mir.

Also gut, stellen wir uns dem Problem. Ich rief mal bei meiner Botschaft in Bangkok an, was ich denn jetzt so für Möglichkeiten hätte. Ein durchaus freundlicher Herr erklärte mir, wenn ich wieder einen richtigen Reisepass haben möchte, müsste ich nachweisen, das ich auch seines Stammes sei, ansonsten gibt er mir nur einen Notpass, damit ich nach Austria fliegen kann, um dort wieder einen richtigen zu beantragen. Das wollte ich aber nicht, ich legte auf. Inzwischen hatte ich um die 8 bis 9 Tage Overstay.

Ich wusste, das mein lieber, kleiner Bruder mit zwei weiteren Kultur Touristen, die er vom Bundesheer (Bundeswehr in D) bei wichtigen Kriegseinsätzen im österreichischen Wald bei einer Kiste Bier kennen gelernt hatte , nächste Woche hier auf der Insel aufschlagen werden. Clever wie ich nun mal bin, schickte ich ihm eine E-Mail, er würde doch bitte meine Geburtsurkunde und meinen Staatsbürgerschaftsnachweis, welche in Mutters Keller fein säuberlich abgeheftet sei, mitbringen. Er bestätigte, fragte aber nicht nach, warum? Er wusste, das ich manchmal etwas seltsame Ideen habe.

Bei Eintreffen der Jungs hatte ich 15 Tage Overstay. Workpermit konnte ich wegen des fehlenden Büchlein auch nicht verlängern, auch blöd.

Nachdem ich bei einer Kiste Bier mit den Kriegsveteranen (die haben die hingestellt) meines Bruders endlich die erforderlichen Papiere hatte, buchte ich für kommenden Tag, ein Donnerstag, den ersten Flug in die Stadt der Engel.

Um 10.30 Uhr lief ich in der österreichischen Botschaft ein. Übrigens ein feines, schickes Häuschen im Grünen, nicht weit weg von der deutschen Botschaft. Da Österreicher nun mal etwas eigen sind, haben die auch einen eigenen Schalter für ihre Landsleute. Da ist nix mit warten, bis die ganzen Damen fertig sind, die wegen Opernbesuch und der schönen Landschaft nach Österreich in Urlaub fahren wollen. Ja ja, da sind wir eigen, wir schauen zuerst auf uns und erst dann, na ja, lassen wir das.

Da an diesen Tag wenig Ösis mit Reisepassproblemen vor Ort waren, kam ich natürlich sofort dran. Mein Landsmann hinter der Scheibe, na ja er war Wiener, fragte mich meines Begehr. Ich sagte ihm gerade aus ins Gesicht, was Sache ist und wie es gelaufen ist. Keine Lügen, nein, sondern die ganze Story mit Visa in München, Postweg, nix mehr angekommen, usw....

Er sagte dann wortwörtlich: „Jo, des is bled.“ Er war so in meinen Alter, um die Dreißig. „Und Ham fliegen wollen’s a net, oder?“ „Na!“ war meine kurze Antwort. „Ich wohne doch in Phuket, da ist doch schön!“ Am Nebenschalter wurde jetzt eine der zukünftigen Austria Touristinnen auf mich aufmerksam. „Mei, lächelte die mich an!“ Ich denke fast, die wäre lieber mit mir auf den Wiener Opernball gegangen, als mit dem etwas reiferen Herrn hinter ihr.

„Haben’s die Papiere dabei?“ „Logisch“ verfiel ich in meinen bayrischen Slang, korrigierte mich aber gleich und antwortete „Eh klor!“ „Guat, dann füllen’s des do aus und i schick des dann nach Wien zum überprüfen, ob sie kaner sucht in Österreich“. „Eh klar“, nun war ich wieder voll artikulierender Ösi geworden. Dahinter war ein kleines Tischchen, sogar der TIP vom Roy lag da, ich füllte den Antrag fein säuberlich aus und gab ihn wieder dem Beamten. „So, ok, aber de Story mit da Post schreib ma do net eine, do brauch i schon a Diebstahlanzeige oder Verlustanzeige von da hiesigen Polizei. De bringans morgen, weil so lang dauerd eh de Überprüfung im Ministerium in Wien.“

„Eh klor, brauch i sonst a noch was?“ „Jo, 4 Büldl“. „Aha, und wos mach i mit de Thais? Hab ja ka Visa mehr in dem neien Pass?“ „Des is ihr Problem, Habedere, bis morgen!“ Ich warf noch schnell ein: „Wie long dauert des denn, bis i an neien hab? Bei de Deitschen dauert des 6 Wochen!“ „San mir de Deitschen? Net, oder? Bei uns eine Woche nach Antragstellung isser do!“ „Aha!“

Ich dackelte wieder von dannen.



Hang on, Guys...

Ich schreibe heute noch weiter, die Story wird noch richtig lustig!


 
dms

dms

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Wie long dauert des denn, bis i an neien hab? Bei de Deitschen dauert des 6 Wochen!“ „San mir de Deitschen? Net, oder? Bei uns eine Woche nach Antragstellung isser do!“ „Aha!“

deswegen hat ein richtiger deutscher auch 2 von den dingern falls einer mal verlusticht geht ;-D


bin gespannt wie es weiter geht :wink:
 
Bieris

Bieris

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Dumm gelaufen... Oder?
Das "oder" lässt mich hoffen, dass Du es doch noch auf die Reihe gekriegt hast......

Warte gspannt uf d´Fortsetzig, Bieris
 
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Chak

Gast
Was, es wird noch lustiger? :super:
Ich kann mir die Dialoge so richtig lebhaft vorstellen.
 
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Mandybär

Gast
Hallo Freunde,

mir wurde auch mal vor einigen Jährchen der Pass in THL geklaut.
Lässig wie wir sind und da ja noch nie was passiert ist, auch keine Passkopie oder sonst irgend ein Identitätsnachweis mit.

Was soll ich Euch sagen, mit Polizeiprotokoll und ausfüllen einiger Formulare ein nagelneuer, 10 Jahre gültiger Reisepass innerhalb von 2 Tagen. :bravo:

Grüsse aus Salzburg
Mandybär
 
C

Chak

Gast
Übrigens müssen auch bei der Deutschen Botschaft die Landsleute nicht hinter den ganzen Touristenvisumantragstellern warten, sondern bekommen eine bevorzugte Wartenummer.
Auch dort gibt es da einen eigenen Schalter, wo man dann, im Gegensatz zu den Visafällen, von einer echten deutschen Beamtin bedient wird, wie ich im Falle meiner Konsularbescheinigung zum Zwecke der Eheschließung feststellen konnte; es sei denn, sie haben das mittlerweile geändert.
 
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waanjai

Gast
Chak" schrieb:
Übrigens müssen auch bei der Deutschen Botschaft die Landsleute nicht hinter den ganzen Touristenvisumantragstellern warten, sondern bekommen eine bevorzugte Wartenummer. Auch dort gibt es da einen eigenen Schalter, wo man dann, im Gegensatz zu den Visafällen, von einer echten deutschen Beamtin bedient wird, wie ich im Falle meiner Konsularbescheinigung zum Zwecke der Eheschließung feststellen konnte; es sei denn, sie haben das mittlerweile geändert.
Nee, es gibt keine "bevorzugten Wartenummern" für die eigenen Landsleute :heul:
Es werden ja nachdem man die Security passiert hat und eine gewisse Vorsortierung: Besuchsvisa vs. andere Visa/sonstiges durchlaufen hat, am Eingangsschalter nach kurzer Darstellung des Anliegens Wartenummern für drei verschiedene "Häuser" ausgegeben:
Haus 1: Visa über 90 Tage & Legalisierungen
Haus 2: Besuchsvisa (Schengenvisa bis 90 Tage)
Haus 3: Bescheinigungen aller Art
Diese Wartenummern werden strikt in chronologischer Reihenfolge verteilt.

Kommt also ein deutscher Staatsbürger mit dem Anliegen, für seine Freundin ein Schengen-Visum zu bekommen (Haus 2), dann wird er gegenüber der Thailänderin, die allein mit gleichem Anliegen kommt, nicht bevorzugt.
Gleiches gilt für alle anderen Aufgaben/Häuser.

Im Haus 3 kann man am ehesten den von Dir geschilderten Eindruck gewinnen, weil da einfach überwiegend Deutsche hinkommen. Aber wenn die thailändische Ehegattin die ´mal wieder erforderliche Lebensbescheinigung ihres deutschen Ehemannes abholen kommt, dann bekommt sie keine benachteiligende Wartenummer. :-)
 
W

waldi

Gast
hi

ich sehe, euch gefällt meine kleine geschichte... ich muss jetzt ein paar stunden ein wenig arbeiten, aber es gibt heute noch eine fortsetzung, versprochen...

Das "oder" lässt mich hoffen, dass Du es doch noch auf die Reihe gekriegt hast......
@bieris

ja, hab ich, aber bis dahin werden noch einige tage und sehr skurile situationen geschehen, lasst euch "die" nicht entgehen...

waldi :cool:
 
conny

conny

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Nee, es gibt keine "bevorzugten Wartenummern" für die eigenen Landsleute
Ja wo kämen wir da auch hin ;-) Sicherlich würde uns deutschen dann gleich wieder Ausländerfeindlichkeit vorgeworfen.

Andere Länder sind da ja frei von jedem Verdacht :lol: :lol:

Gruß
Conny
 
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Chak

Gast
Naja, den Haider würde ich nicht gerade als "frei von jedem Verdacht" bezeichnen, und mit Herrn Waldheim gab es ja auch einige Probleme auf internationeler Ebene.
 
conny

conny

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@ Chak

Deshalb (aber nicht nur wegen der von dir genannten Beispiele - da gibt´s nämlich international noch viel mehr) auch " :lol: :lol: "

Aber Deutschland ist da ja sehr sensibilisiert :-(

Gruß
Conny
 
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waldi

Gast


Es geht weiter:

Nachdem ich in der Soi 7/1 Sukhumvit im Hotel World Inn (gegenüber des berüchtigten Eden Club) eingecheckt hatte, suchte ich mal die nächste Polizeiinspektion.

Ich erklärte den wachhabenden Polizei Officer das mein Passport auf wundersame Weise vom Weg, Flughafen in die Stadt, verschwunden war. Er meinte auch, das wäre blöd. Dieser Mann musste sehr weise gewesen sein, er erkannte mein Problem sofort. Ob er mir eine Verlustanzeige ausstellen könnte, für die Botschaft? Kann er, erwiderte er souverän. Ob ich mich den ausweisen kann, wollte er dann wissen? „Nein, das wäre schwierig ohne Reisepass“, erwiderte ich. „Ach ja, der ist ja weg!“ stellte er wieder fest.

Nachdem ich ihn meine Daten auf einen so genannten Police Memo Zettel geschrieben hatte, füllte er ein hoch offiziell aussehendes Blatt Papier mit Adler (oder so ähnlich) oben auf dem Briefkopf, aus, danach stempelte er es dreimal ab, übernahm die Daten in sein dickes Buch und überreichte mir dann lächelnd die Verlustanzeige. Ich sollte doch besser aufpassen, gab er mir dann bei der Verabschiedung auf dem Weg. Ja, da hatte der gute Mann nicht unrecht!

Der Abend verlief relativ ruhig, ich besuchte einige bekannte Spots in der Suk Area. Natürlich kam ich nicht umhin, zwei recht hübsche, einheimische Mädchen kennen zu lernen. So ein Zufall! Diese Beiden waren von auswärts, neu in der Stadt, und mussten wohl auf Wohnungssuche gewesen sein. Da sie für diese Nacht noch keine Bleibe hatten, erbarmte ich mich, das sie doch bei mir übernachten könnten, mein Zimmer wäre auch groß genug für Drei. Am Morgen gab ich ihnen dann ein kleines Startkapital für ihre weitere Zukunft. Leider habe ich die Beiden nie wieder gesehen, na ja, sie werden wohl in einen anderen Stadtteil gezogen sein, Bangkok ist doch wirklich sehr groß.

Um 10.00 Uhr erschien ich wieder auf meiner Botschaft. Der freundliche Wiener von gestern war heute auch wieder da. Er konnte sich auch gleich wieder an mich erinnern. „Wir ham des OK von Wien, bei Interpol kennt sie a kaner! Hams de Verlustanzeige von de Thais?“ „Hab i“, ich gab ihm das Blatt Papier vom Polizei Officer und richtig schöne Bilder von meinen großen Kopf. Natürlich lächelte ich auf den Bildern, -bin ja kein Thai!
„Also guat, rufen’s Ende nächster Wochen amal bei uns on, da müsst er dann do sein!“ „Wos kosten de Gaude überhaupt?“ fragte ich noch. „Is net so schlimm, 900 Baht“, erwiderte er. „Habedere“ Ich auch: „Habedere“.

Heute waren wenig Touristinnen anwesend, der Opernball musste wohl an diesen Wochenende sein.

Ich fuhr wieder zum Domestic und flog wieder nach Phuket. Mein Bruder und die Kriegsveteranen hatten sich inzwischen gut eingelebt. Einer der Kumpels meines Bruder hatte auch schon eine Begegnung mit einer Ex von mir. Das wusste er aber nicht, Sie dafür umso mehr. Ich wusste sogar, das sie nicht auf Wohnungssuche war, wie die Beiden in der Großstadt. Böse Zungen würden behaupten, sie hätte das bewusst gemacht, um mich zu ärgern. Man sollte da aber nicht pauschalisieren.

Natürlich machte ich mir jetzt auch Gedanken, - nachdem mein Reisepass Problem bald der Vergangenheit angehört, über mein Visa und Workpermit. Aber zuerst mal das Visa. Ich wusste, das ich bei diesen Problem nun professionelle Hilfe brauchte. Im Internet fand ich damals die Seite (thaivisa.com) von Khun Lars, ein Schwede, soweit ich mich erinnern kann. Irgendein Member hier im Forum kennt ja diese Seite sehr genau, aber ich denke, da hat sich in den letzten Jahren einiges sehr verändert. Wir machten einen Termin für die nächste Woche in Bangkok.

Die nächsten Tage vergingen wie im Fluge, am Tag arbeitete ich meistens (es wusste ja keiner, das ich kein Workpermit mehr hatte), die Nächte verbrachte ich mit meinen Besuch. Ganz schön anstrengend, aber was tut man nicht alles für nette Leute aus der Heimat. Es war wieder Freitag und mein Overstay war inzwischen auf 24 Tage angewachsen. Ich rief mal bei dem freundlichen Wiener in Bangkok an. „Nein, der Pass ist noch net do.“ Lange Rede, kurzer Sinn, es dauerte dann doch zwei Wochen. Mein Overstay betrug jetzt schon 31 Tage. Es war wieder ein Freitag, als ich anrief, inzwischen eh täglich.

„Jo, der Reisepass is heit kumman!“ lauschte ich sehr erfreut der Hörermuschel. Es war jetzt 09.00AM. Ob ich denn heute noch das Dokument abholen könnte, schließlich ist das Büchlein ja doch ganz schön wichtig. „Klor, wenn Sie bis 12.00 Uhr da sind, ka Problem!“ „Des is aber schon wieder bled, ich bin jetzt noch in Phuket, aber bis 14.00 Uhr müsste ich es schaffen.“ „Na, des geht net, do is jo kaner mehr do!“ Da ich zu dieser Zeit schon einige Zeit in Thailand lebte, wusste ich schon, wie man so richtig „den Bückling“ machen konnte vor Beamten. Ich erzählte ihm was von ganz wichtig und so weiter. Der Wiener labberte kurz im breitesten Wiener Slang mit jemanden im Hintergrund. „Jo, ok, kummans vorbei, da Kollege is eh den gonzen Nachmittag noch do.“ (KEIN SCHERZ)

Sofort raste ich zum Flughafen und bekam tatsächlich den nächsten Flug nach Bangkok. Um 14.30 Uhr stand ich vor verschlossenen Toren vor der österreichischen Botschaft. Den aufmerksamen Wachmann musste ich erst mit lauten Klopfen an das Eisengitter locken. „Mai open, Mai open“, war seine lapidare Antwort. „Jo, das weiss ich auch, aber Khun weiss nimmer den Namen wartet auf mich!“

Ok, er frage mal. Tatsächlich kam er gleich wieder zurück und öffnete mir das schwere Eisengitter.

„Ah, sie san der aus Phuket“, wurde ich empfangen. „Jo, der bin i. Danke, dos sie Zeit haben für mi.“

„Eh klor, wie geht’s denn so in Phuket?“ Wir hatten wirklich einen netten „Ratsch“ (Plausch) und später dann hielt ich meinen neuen roten EU Pass in den Händen. Da soll noch mal einer sagen, Botschaftsangestellte sind nicht flexibel. Ich behaupte das Gegenteil, zumindest, was die Ösis betrifft.

Cool, nun hatte ich wieder einen Reisepass in den Händen. Nur waren alle Seiten weißer als weiß. Meine ganzen schönen, bunten Stempel des letzten Passes waren da nicht drin. Schon schad!

Ich wollte ja eigentlich über das Wochenende in Bangkok bleiben, da ich meinen (verschobenen) Termin mit Khun Lars hatte, aber es erreichte mich ein dringender Handy Anruf eines Hoteliers aus Patong, ich sollte doch so schnell wie möglich kommen, meine ihm verkaufte Hotelmanagementsoftware wäre total im Eimer. Er kann keine Rechnungen mehr ausstellen und die Telefonanlage rechnet auch nicht mehr ab, seine Gäste telefonierten kostenlos in die ganze Welt. Chaos Pur! Ok, natürlich komme ich, bin zwar jetzt in Bangkok, aber ich versuche den nächsten Flug zu bekommen. Was soll’s, Bangkok hätte mich eh wieder einen Haufen Geld gekostet, so verdiente ich Geld und dann fliege ich halt am Montag wieder her. Ich machte noch einen kurzen Abstecher ins Phantip Plaza, nahm diverse Hard- und Software mit, - die konnte ich immer gewinnbringend in Phuket verkaufen.

Ich flog mit meinen neuen roten Büchlein ohne Stempel zurück, fuhr direkt zum Hotel in Patong und um 23.00 Uhr war ich wieder zu Hause. Es war nicht besonders schwierig, meinen Bruder und die Kriegsveteranen zu finden. Na, was denkt ihr, wo sie wohl waren?

So um 03.00 Uhr morgens kam mein Bruder dann auf die glorreiche Idee, er und die Veteranen könnten doch das nächste mal mitkommen, ich fliege eh bald täglich zwischen Phuket und Bangkok hin und her.

„Jo, warum net. Ihr warts eh noch nie in der Hauptstadt.“

Ein Veteran wollte aber unbedingt mit dem Zug fahren, das sollte ja auch gehen, oder? Wir könnten doch am Sonntag losfahren, dann wären wir ja am Montag in Bangkok. „Jo, wieso net“, erwiderte ich am Jonny Walker Glas nippend, die 31 Tage Overstay, kein Visa, kein Workpermit war zu diesen Zeitpunkt sekundär.

Aber die lustigen Situationen sollten jetzt erst richtig losgehen.


Hang on, Guys...



 
W

woody

Gast
.... Natürlich kam ich nicht umhin, zwei recht hübsche, einheimische Mädchen kennen zu lernen. So ein Zufall! Diese Beiden waren von auswärts, neu in der Stadt, und mussten wohl auf Wohnungssuche gewesen sein. Da sie für diese Nacht noch keine Bleibe hatten, erbarmte ich mich, das sie doch bei mir übernachten könnten, mein Zimmer wäre auch groß genug für Drei. Am Morgen gab ich ihnen dann ein kleines Startkapital für ihre weitere Zukunft. Leider habe ich die Beiden nie wieder gesehen, na ja, sie werden wohl in einen anderen Stadtteil gezogen sein, Bangkok ist doch wirklich sehr groß.
Waldi, das war schön von dir, Nächstenliebe pur :super:
 
Tommy

Tommy

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Schöne Story - freu' mich auch schon auf die Fortsetzung.

Gruß Tommy
 
Serge

Serge

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Bangkok
Hehehehe - 7/1 - Eden - gross genug fuer drei :super:

Ich wette die wohnen jetzt in Pattanakarn :lol:

Bis dann Waldi
Serge
 
moselbert

moselbert

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Mosel / BKK-Nongkaem
@Waldi :super: Schön zu lesen. :wink:

:ohoh: Werde beim nächsten Aufenthalt mal wieder an Kopien von Dokumenten denken. Habe das in den letzten Jahren nicht gemacht, aber ist vielleicht besser. Im Fall der Fälle erspart man sich den Streß. :ohoh:
 
lacher

lacher

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@ waldi :bravo: :bravo: :bravo: :bravo:

Klasse Geschichte hoffe auf schnelle Fortsetzung. :super:

Servus
Lacher :cool:
 
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Dumm gelaufen... Oder?

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