Die Legende von der Reisgoettin

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Jinjok

Jinjok

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Wer lange mit Thailand zu tun hat, kennt sie bestimmt. Aber die neueren Semester koennte es vielleicht interessieren ...

Eines Tages erfuhr ein Einsiedler davon, dass die Leute in einem entfernten Dorf wegen ihrer Armut sehr unter Hunger zu leiden hatten obwohl sie hart fuer ihre taegliche Nahrung arbeiteten. So segnete er einen Stein der heiligen Reis erzeugte und liess ihn zu den armen Dorfbewohnern fliegen. Als diese jedoch den heiligen Reis vom Einsiedler erhalten hatten, wurden sie faul und hoerten ganz auf zu arbeiten, da sie nun Essen auch ohne eine Hand zu ruehren hatten.

Eine morgens flog der Wunderreis durch das Fenster einer alten schlafenden Witwe im Dorf der Faulen, wobei er ein rauhes Geraeusch machte, was die Schlafende stoerte. Sie verfluchte den Wunderreis welcher darauf beschloss fuer immer von den faulen Dorfbewohnern davon zufliegen.

Da machte sich eine Frau mit dem Namen Bhosop auf dem Weg zum Einsiedler und sagte ihm, sie ist bereit sich zu opfern und sich selbst in Reis fuer die hungrigen Dorfbewohner verwandeln zu lassen. Der Einsiedler tat, worum die Frau ihn gebeten hatte. Jedoch war die der neue Samen nun sehr viele anders als der heilige Reis zuvor. Die Leuten mussten sich sehr mit dem Samenkoernern abmuehen und Phra Mae Bhosop ehren um daraus Reis zum Essen zu bekommen oder sie blieben hungrig.
 
A

Anonym

Gast
Wie war das noch mit den Bienen und den Blumen? Die Blumen bieten den Bienen Nahrung und bekommen dafür den Pollen. Sie wollen befruchtet werden. Wer hier wen benutzt, das lässt sich nicht eindeutig sagen. Als objektive Beobachter sehen wir Menschen beide Seiten. Wenn wir aber selbst in eine solche Wechselbeziehung einbezogen sind, fehlt uns der klare Blick. Wir sehen uns gern als die Gestalter, die Nutzer, und Tiere und Pflanzen sehen wir als Objekte. Aber sind es nicht auch die Pflanzen, die sich des Menschen bedienen? Michael Pollan denkt in seinem Buch diesen Gedanken weiter. Und - was neu ist - er denkt ihn aus pflanzlicher Sicht:
"Unsere Grammatik mag uns dazu verleiten, die Welt in aktive Subjekte und passive Objekte einzuteilen, aber in einer koevolutionären Beziehung ist jedes Subjekt gleichzeitig Objekt, jedes Objekt gleichzeitig Subjekt. Deswegen ist es auch nicht unlogisch, den Ackerbau als etwas zu betrachten, was die Gräser mit den Menschen angestellt haben, um sich gegen die Bäume durchzusetzen."

Koevolution - das bedeutet: Man beeinflusst sich gegenseitig, passt sich aneinander an und nutzt sich letztlich gegenseitig aus. Der Mensch benutzt die Pflanzen zur Befriedigung der eigenen Begierden und ist doch gleichzeitig Objekt pflanzlicher Begierde. Michael Pollan wählt in seinem Buch "Die Begierde der Botanik" vier Beispiele. Die Kartoffel für die Ernährung; den Apfel für den Geschmack; die Tulpe für die Schönheit und Marihuana für den Rausch. In vielen Geschichten beschreibt er, wie die Pflanzen die Kultur und die Wirtschaft der Menschen geprägt haben. Das reicht von der Rolle des Apfels für die Besiedlung Nordamerikas über die Tulpenkultur der Niederlande, die wirtschaftliche Abhängigkeit Irlands von der Kartoffel bis zur Bedeutung von Marihuana für die Hippies.

In allen Fällen haben auch die Pflanzen von den kulturellen Entwicklungen der Menschen profitiert. Der Apfelbaum oder die Kartoffel eroberten ganze Kontinente, die Tulpe wurde zur häufigsten und zeitweise wertvollsten Pflanze der Niederlande, und kaum ein Kraut wird so gut gepflegt wie verbotenes Marihuana hinter dem Haus. Die Pflanze hat die beste Strategie, die es schafft, dass der Mensch für ihre Pflege, ihre Verbreitung und Fortpflanzung sorgt. Das ist genauso wie bei den Bienen und den Blumen.

Für die Pflanze ist der Mensch nicht die Krone der Schöpfung oder der Herrscher der Natur, sondern nur ein weiteres Lebewesen neben Bienen und anderen, das dumm genug ist, sich für die Verbreitung der eigenen Art einspannen zu lassen.

"Viele Blumen haben mit der Zeit die Menschheit zur großen Liebe ihres Lebens erkoren. Die erwartungsvoll vorgebeugten Taglilien? Sie wenden tatsächlich uns ihr Antlitz zu, denn unsere Gunst sichert ihnen den Erfolg mittlerweile besser, als jeder Käfer es könnte."
Die meisten Pflanzen freilich nutzen uns aus, ohne dass wir sie überhaupt zur Kenntnis nehmen. Die Klette reist an unserem Hosenbein durch die ganze Welt. Und am europäischen Wegerich erkannten einst die Indianer, ob die Siedler bereits in eine Region vorgedrungen waren. Sie nannten den Wegerich die Fußstapfen des Weißen Mannes. Gerne nutzen Pflanzen auch moderne Verkehrsmittel. Das Greiskraut kam mit der Eisenbahn aus Sibirien bis nach Westeuropa - immer entlang der Bahngleise. Der Fahrtwind der Züge transportierte die Samen nach Westen. Auch per Schiff und neuerdings per Flugzeug reisen Pflanzen um die Welt.

Zum Problem wird das immer dann, wenn die Neuankömmlinge die alteingesessenen Pflanzen verdrängen. Damit bringen sie Bewegung in ein eingespieltes Ensemble von Pflanzen und Tieren. Wie es letztlich ausgeht, können auch die Experten nicht vorhersagen.

Hier kann das Buch von Michael Pollan helfen. Es macht bewusst, was sonst unbewusst passiert, indem es dem Menschen die Perspektive der Pflanzen offenbart. Evolution und Ökologie werden dadurch erfahrbar. Ein Spaziergang durch einen Wald, eine Wiese oder einen Garten wird zu einem neuen Erlebnis:
"Wenn wir die Pflanzen als bereitwillige Partner in einer intimen, wechselseitigen Beziehung ansehen, bedeutet das, dass wir uns selbst ein wenig anders betrachten: als Objekt der Absichten, Wünsche und Bedürfnisse anderer Arten, als eine der jüngeren Bienenarten im Darwin'schen Garten - genial, manchmal leichtsinnig und unser selbst erstaunlich wenig bewusst. Stellen Sie sich dieses Buch als Spiegel der menschlichen Biene vor."

Die Botanik der Begierde - Vier Pflanzen betrachten die Welt
Von Michael Pollan
Claassen Verlag, München 2002
376 Seiten
? 19,00
ISBN 3-546-00309-8
 
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