Deutsche Botschaft BKK aus Mitarbeiter-Blickwinkel

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Dieser nicht ganz taufrische Bericht (zu DM Zeiten), zeigt, wie die Deut. Botsch. BKK ihr Visaerteilungsverfahren organisiert hat.


Studieren in Bangkok

Institution : Deutsche Botschaft
Autor: Detlef Karioth

Erfahrungsbericht:

Für welche Botschaft soll man sich entscheiden? Wo ist es wohl am interessantesten? Die Bewerbungen sind für Praktika direkt an die betreffende Botschaft zu richten. Anders bei den Wahl- oder Verwaltungsstationen im Referendariat. Dort sind die Bewerbungen zentral an das Referat AF 1 bei der Fortbildungsstätte des Auswärtigen Amtes zu senden. Bewerbungen sind mindestens sechs Monate im Voraus an die Wunschvertretung zu senden. Dabei kann es durchaus vorkommen, daß über einen längeren Zeitraum bereits Praktikantenstellen ausgebucht sind (siehe Paris). Andere Vertretungen können aufgrund der vielen Referendare, oder aus Platzgründen keine Praktikanten aufnehmen (so z. B. Washington und Singapur). Bereits nach wenigen Tagen kam für mich die überraschende Antwort: Die Botschaft in Bangkok bot mir einen Platz für das vierwöchige Wahlpraktikum an.
Die deutsche Botschaft in Bangkok besteht aus insgesamt 85 Mitarbeitern, zu denen auch die Ortskräfte zählen. Sie befinden sich in der Nähe der bekannten Silom Road, also im pulsierenden Zentrum der siamesischen Hauptstadt. Mit nahezu 200.000 Deutschen, die in Thailand leben, hat die deutsche Botschaft eine große Gemeinde zu betreuen. Hinzu kommen die Touristenmassen aus Deutschland, die fast ganzjährlich in Thailand ihren Urlaub verbringen. Entsprechend hoch ist der Arbeitsanfall im Rechts- und Konsularreferat. Dies sollte auch mein Einsatzbereich werden. Nach einem persönlichen Gespräch mit dem Botschafter, in welchem er signalisierte, daß jede Arbeitskraft willkommen sei, sollte es gleich losgehen.

Im Rechts- und Konsularreferat wurde ich herzlich willkommen geheißen. Aufgrund meiner bereits vorhandenen Verwaltungserfahrung wurde ich gleich in den Arbeitsablauf integriert. Die Arbeit teilte ich mir mit zwei weiteren Referendaren aus Berlin, die ebenfalls dort tätig waren.

Das Arbeitsfeld des Rechts- und Konsularreferats reicht von der Visaerteilung über die Betreuung von Gefangenen bis zur Heiratslegalisation von Deutschen in Thailand. Die Arbeitsbereiche sind auf die einzelnen Sachbearbeiter des gehobenen Konsulardienstes (diplomatisch »Vizekonsul« genannt) aufgeteilt

Allein die Erteilung von Visa und Reisepässen beschäftigt einen Beamten des gehobenen Dienstes und acht Ortskräfte. Die Botschaft stellt jährlich ungefähr 36.700 Visa aus.

Weiterhin ist die Betreuung der Strafgefangenen und Abschiebehäftlinge sehr zeitintensiv. Allein der Besuch von ein bis zwei deutschen Häftlingen im Zentralgefängnis von Bangkok, den Klong Prem Correctional Facilities, beansprucht meist einen ganzen Arbeitstag und ist ein Kampf gegen die thailändische Bürokratie. Amtssprache ist thailändisch; nur wenige der Beamten sprechen englisch. So ist man ständig auf einen Dolmetscher angewiesen. Ebenso sind eine Vielzahl junger deutscher Touristen im Abschiebegefängnis zu betreuen, die es trotz eindringlicher Mahnungen nicht lassen konnten, Drogen zu konsumieren. Wer dabei erwischt wird, kann sich auf einen Aufenthalt in den thailändischen Gefängnissen einrichten. Nach der Verurteilung wird dieser Personenkreis sofort des Landes verwiesen. Diese Arbeit wird dadurch erleichtert, daß das Abschiebegefängnis in der Nähe der Botschaft liegt. Die Bundesrepublik hat die Zusammenarbeit mit dem Königreich Thailand im Deliktsfeld der Drogenkrimimalität und Kinder- prostitution intensiviert. So ist mittlerweile ein Auslieferungsabkommen ratifiziert, welches die Überstellung von deutschen Staatsangehörigen vorsieht, die in den oben genannten Deliktsbereichen überführt worden sind. Das Strafrecht in Thailand sieht für bestimmte Deliktsbereiche drakonische Strafen vor. So wurde im März 1996 ein Deutscher wegen Kinderpornografie zu 43 Jahren Gefängnis verurteilt. Die Verfahrensregeln vor Gericht entsprechen nicht unbedingt unseren europäischen Vorstellungen. Die relativ hohe Strafzumessung wird jedoch durch eine Vielzahl von Amnästien des Königs Bumipol kompensiert. Der Strafvollzug ist in keinster Weise mit dem hiesigen zu vergleichen, das Strafverfahren und die Rechte des Beschuldigten weichen ebenfalls von unseren Standards ab.

Als besonders schwierig gestaltet sich der Bereich des Ehe- und Familienrechts, Kindschafts- und Adoptionsrecht sowie Unterhalts- und Erbrecht. Hier bewegt man sich mitten im Internationalen Privatrecht. Die Vielfalt der Fallgestaltungen fordert von den Sachbearbeitern einen hohen Grad an Fach- und Sachkompetenz, zumal die Versorgung mit aktueller Literatur und Rechtsprechung sehr dürftig ist. So sind Kontakte zu anderen Juristen von Vorteil. Es gibt in Bangkok mehrere deutsche Rechtsanwälte, die vor allen auf dem wirtschaftlichen Sektor tätig sind. An der Thammasat Universität lehrt Prof. Dr. Kittisak Prokati, der in Deutschland Jura studiert hat und auch deutsch spricht. Er hatte immer ein offenes Ohr für uns.

Die Stadt
Die Stadt Bangkok ist ein Schmelztiegel der Nationen. Sie pulsiert 24 Stunden am Tag. Die Luftverschmutzung ist katastrophal, der Verkehr treibt einen zum Wahnsinn. Sobald man auf der Straße steht, ist eine Konversation nicht mehr möglich. Der Geräuschpegel der Tuk-Tuks und Motorrad-Taxis übertönt alles. Dennoch kann man die Stadt aus den hohen Türmen der Hotels genießen. Der Blick bei Nacht über Bangkok ist atemberaubend.

An den Wochenenden versucht jeder, die Stadt zu verlassen. Ob nach Ko Samet im Osten in fünfstündiger Busfahrt oder mit dem Zug nach Hua-Hin, zweihundert Kilometer im Süden. Zwei Tage Entspannung an einsamen Stränden. Danach geht es wieder in die Dunstglocke der Großstadt.

Das Leben in Thailand ist äußerst preiswert. Die Referendare und Praktikanten wohnen meist in Appartments oder im Hotel. Die Appartments werden oft nur für mehrere Monate vermietet und kosten ca. 400 DM. Für Praktikanten bleiben fast nur Hotels übrig, so daß mit ca. 1000 DM Logiskosten im Monat gerechnet werden muß. Die günstigeren Unterkünfte fordern einige Einschränkungen im Lebensstandard. Dafür spart man enorm bei der Lebenshaltung. Wegen der Vielfalt der thailändischen Küche kann man in jedem Straßenlokal gut, abwechslungsreich und preiswert essen.

Entertainment wird in Bangkok groß geschrieben. Die Stadt bietet für jeden Geschmack etwas. Neben den zahlreichen kulturellen Sehenswürdigkeiten, erhält man einen phantastischen Einblick in die verschiedenen asiatischen Lebensweisen. Bei einem Bummel durch Chinatown oder durch's indische Viertel ergibt sich so manche günstige Kaufgelegenheit.

Das Fazit
Vier Wochen sind ein reichlich kurzer Zeitraum, die Hauptstadt von Siam und deren Einwohner kennenzulernen. Jedoch scheint es für den Juristen ein umfassendes Tätigkeitsfeld zu sein. Die Referendare, mit denen ich zusammen war, konnten dies bestätigen. Juristisch gesehen, war es eine praktische Erfahrung, die niemand missen möchte. Neben einem guten zwischenmenschlichen Klima herrschte eine außerordentlich gute kollegiale Beziehung zu den Mitarbeitern der Botschaft.

Ein Einstieg im Ausland, der mit Sicherheit nicht der letzte Auslandsaufenthalt im Rahmen des Juristischen Studiums war
Quelle :
 
U

UAL

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Wäre ich Beamter oder Praktikant in BKK :rolleyes: , ich würde mit Sicherheit hängenbleiben... :lol:
 
Loso

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Weil es passt link ich mal den Brief des Botschaftssprechers an das Farang-Magazin in Tinis-Thaipage hier rein.

Die oben genannten 200.000 Deutschen in Thailand sind doch ein Druckfehler, oder? Habe irgendwo etwas von 20.000 gelesen.
 
Otto-Nongkhai

Otto-Nongkhai

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Was mich immer wundert und erschreckt ist ,dass die Macht der Botschaft vor den Toren von Bangkok endet ,d.h.die Botschaftsangehörigen nicht in der Lage sind aussserhalb einem Radius von 50 km tätig zu werden.
In Kambodscha (Phnom Phen) ist dieser Radius sogar nur auf das Botschaftsgebäude beschränkt.
Wäre es da nicht gut ,wenn die Botschaft in verschiedenen Landesteilen ehrenamtliche Mitarbeiter (Expats) rekrutiert,

oder bin ich sogar automatisch verpflichtet notgeratenen Deutschen bei der Thai Polizei zu helfen ,oder ihnen auf Vertrauensbasis das Fahr/Essensgeld bis zur Botschaft zur Verfügung zu stellen?

Gruss

Otto
 
W

waanjai

Gast
@ Otto

Ja, dies ist eine der noch nicht so richtig erkannten Schwachstellen der Deutschen Botschaft in Thailand (Bangkok). Im Gegensatz zu anderen Botschaften anderer Länder verläßt sich unsere Auslandsvertretung viel zu wenig auf die informelle Mithilfe von deutschen Staatsbürgern in Thailand. Was würde eigentlich dagegen sprechen, bestimmte Leute als "Vertrauensleute" der Botschaft in verschiedenen Regionen zu rekrutieren? Ein Job, sicherlich ohne große besondere Rechte, aber zumindest die Anerkennung und vorzugsweise Bearbeitung von Einreichungen dieser Vertrauensleute. Ob sie nun Otto in Nong Khai oder Johann in Khon Kaen heißen würden.

Schlechte Zeiten für das Diskutieren und Vorschlagen von zukunftsweisenden Konzepten. Hast Du Dir eigentlich schon einmal die neue website der Deutschen Botschaft in Bangkok angesehen? Hier heißt es inzwischen: Zurück zur Selbstdarstellung der Groß-Kopferten anstelle Service-Orientierung für die Kunden.

Jedem, der die neue website weniger service-orientiert findet als die frühere, sei anempfohlen, dies der Botschaft auch per e-mail mitzuteilen. Nehmt dabei aber bloß nicht die e-mail Adresse der Rechts- und Konsularabteilung - denn die ist auch noch falsch. :fertig:
 
Thema:

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