Silom" said:
Trotzdem komisch. Die Debatte läuft über Jahre hinweg. Und nu kurz vor der Gerichtsverhandlung plötzlich diese Verteidigungsstrategie.
Dies ist aber nichts Aussergewöhnliches.
Zunächst die Phase der Gelbhemden-Proteste unter Führung von Sondhi L, die einen Putsch herbeiführen wollten.
Dann die Junta selbst, die ja auf allen moeglichen Feldern Kommissionen eingesetzt hat, um etwas Verwerfliches bei Thaksin zu finden. Der ja während seiner Amtszeit nun nicht so doof war, alles wesentlichen Schritte etwa nicht vorher juristisch prüfen zu lassen. Vieles, was die Junta dann anstiess, ist inzwischen irgendwie erledigt: Aus der Ratchadapiesek-Korruption wurde ein mager bestrafter Interessens-Konflikt, der so überaus symbolisch bedeutsame Gummibaum-Setzlinge Skandal hat - wie wir heute wissen - garnicht stattgefunden, jetzt steht halt das Urteil über das aus, was man damals "polict corruption" nannte und auch sonst kaum verstand.
Seit Beginn des Tätigwerdens durch von der Junta handverlesene Kommission (z.B. Drogenkrieg) oder Gerichte (Spezial-Kammer für Politiker beim thail. Gerichtshof) gibt es die Vorwürfe und die Verteidungsaussagen. Das alles kann schon in 2006 bzw. 2007 nachgelesen werden.
Nur die Hauptverfahren haben sich immer wieder verzögert, weil die Gerichte halt feststellen mussten, dass die Ankläger einfach saumäßig, wenn auch hoch motiviert, recherchiert hatten. Das gilt für die Ermittlungsarbeiten im Rahmen der Gummibaum-Setzlinge-Verfahren - man erinnere sich an die internen Krieg zwischen Staatsanwaltschaft und anderen - parallel ebenfalls zur Anklageerhebung berechtigten - Ämtern. Das ASC, das das jetzt zur Entscheidung Verfahren angestoßen hat, war hauptsächlich aus vornehmlich ausgessprochenen Thaksin-Gegnern zusammengesetzt, die in jedem anderen Land sofort wegen Befangenheit aus dem Verkehr gezogen worden wären.
Konsequenz: Das Gericht selbst mußte bis in den Januar 2010 hinein selbst ermitteln! Die Schuldigen der stümperhaften Ermittlungen haben dann später gesagt, sie hätten eigentlich ja garnicht genügend Zeit gehabt, bis zum Abtritt der Junta zu ermitteln. Insbesondere hätten sie nie daran gedacht, dass ein Gericht auch Beweise in schriftlicher Form erhalten möchte. Nicht nur eidesstattliche Erklärungen von politischen Gegnern.
So ist es nun Mitte Februar zu den Schlußworten der Anklage und natürlich auch zu den Schlußworten der Verteidigung gekommen. Dass sich die Argumentation der Staatsanwaltschaft immer mehr von der Ausgangs-Argumentation der Ermittlungsbehörden entfernte, spiegelt eben die schlechte Ermittlungsqualität wider, s.o.