21. Der Unfall
Teil 1 von 3:
Sepp saß, wie meist um diese Zeit, in der Weapon Bar in Karon Beach. Wir hatten uns um 18.00 Uhr verabredet. Als ich mit meiner Suzuki Crystal vor der Kneipe einparkte, war Sepp gerade mit Tum, der Besitzerin, in ein sehr intensives Gespräch vertieft.
Touristen waren um diese Zeit wenig anwesend, aber dafür mindestens zwanzig Service Damen. Die meisten kannten wir natürlich, und heute waren einige der Mädls, wieder besonders nett anzuschauen. Ket, die Ex-Freundin vom Nürnberger Micha, glänzte wieder mit einen hautengen Minirock der kürzesten Sorte, man könnte dieses Teil auch als breiteren Gürtel bezeichnen. Ihre perfekte Figur sah wieder mal atemberaubend aus. Keine Touristen (auch wenige Expats) errieten das richtige Alter dieser Superbraut. Vom Äußeren sah Ket wie neunundzwanzig aus, in Wirklichkeit war sie einundvierzig. Sie und Miss Nok waren die absoluten Zugpferde der Weapon Bar. Miss Nok war auch schon so um die vierzig, aber durch ihre professionellen Make Up Künsten sah sie auch viel jünger aus. Diese beiden Damen schafften es immer wieder, sich selbst so herzurichten, das sie zwar auf hundert Meter als Service Damen zu erkennen waren, aber sie wirkten niemals billig, sondern sehr elegant und überirdisch sexy. Ich selbst hatte mit beiden niemals das Vergnügen, und inzwischen kannten wir uns zu gut, und somit war auch nicht mehr daran zu denken. Außerdem war mir ein freundschaftliches Verhältnis wichtiger und die beiden Damen waren sowieso der gehobenen Preisklasse (also nichts für einen Expat) zuzuordnen.
Ket war auch Mitbesitzerin eines traditionellen Massage Saloon in Chalong, und fuhr einen Toyota Micra. Miss Nok war auch übermäßig intelligent und spekulierte an der Börse. Das ist wirklich kein Witz (ich lachte auch, als ich dies das erste mal hörte, wurde aber später nachweislich eines besseren belehrt), ich weiß sehr gut, das die meisten Thaikenner da skeptisch sind, aber diese beiden Damen waren das Paradebeispiel, das es durchaus Damen gibt, die sich um ihre Zukunft Gedanken machten. Mit Heiraten eines Farangs hatten beide überhaupt nichts am Hut, sie hatten beide ihre langjährigen, betuchten Stammfreier, die jedes Jahr mehrmals kamen. Miss Nok hatte sogar einen sehr reichen Araber aus Dubai an der Angel. Dieser Araber wohnte immer in einer Suite im Arcadia Hotel und buchte sie immer für eine Woche. In dieser Zeit verließen sie nie das Hotel. Einmal zeigte mir Miss Nok hundert Tausend Baht in bar, die sie kurz vorher, nach so einer Woche, zugesteckt bekam. Was sie dafür tun musste, sagte sie mir auch, aber das muss nicht unbedingt niedergeschrieben werden.
Die Weapon Bar ist sowieso nichts für Geizhälse. Tum, die Chefin, verlangt 1.600 Baht Barfine und die Mädls wissen auch sehr genau, welchen Preis sie aufrufen können. Normalerweise wird das Geschäft im hinteren Bereich der Weapon Bar abgeleistet. Die wenigsten lösen eine Service Kraft da aus.
Ich setzte mich zu Sepp und wir unterhielten uns über die neuesten Gerüchte auf Phuket. Da ich heute, einen sehr gut bezahlten Auftrag, eines Hotels in Patong Beach, an Land gezogen hatte, wollte ich etwas mit Sepp feiern.
Inzwischen war es 19.00 Uhr und der tägliche Touristenstrom in der Patak Road, Richtung Kreisel, begann sich, in Bewegung zu setzen. Es war eine Lieblingsbeschäftigung von uns, den vorbeilaufenden Touristen zuzusehen bzw. sie zu beobachten. Wir mussten nicht lange warten, bis wieder ein klassischer Fall, an unseren Augen, vorbei zog. Er, so an die dreißig, normal gebaut, sie, auch so um die dreißig, aber einen Hintern in der Größe einer dreieinhalb Zimmer Wohnung. Vermutlich, erkennbar durch ihre hellhäutige Haut und der naturblonden Haare, irgendwoher aus Skandinavien.
Er, als hätte er gerade eine göttliche Erscheinung, gaffte mit starren, blutleeren Augen auf die durchaus appetitlichen Häppchen, die um uns rumturnten. Durch ein aggressives Ziehen an seinem Arm wurde er von seiner Dreieinhalb Zimmer Begleitung unsanft aus seinen Träumen gerissen. Ich bin mir hundert Prozent sicher, das viele dieser Männer dachten: „Warum bin ich bloß mit meiner Alten hierher gefahren?“ Ich weiß nicht, wie oft wir, genau solch eine Situation erlebt hatten, aber es war sehr oft.
Sepp erzählte mir, das Sarinee heute, zwischen Kata Beach und den Chalong Kreisel, ihren neuen Sing a Song eröffnet. Sarinee kannten wir schon länger, sie kam mit ihren Thai Ehemann aus Trang, vor rund zwei Jahren, nach Phuket. Anfangs arbeitenden beide in einem Hotel, am Kata Noi Beach.
Ihr Mann, Tschip, orientierte sich recht schnell an den überaus großzügigen, weiblichen Überangebot. Natürlich nicht an den unzähligen Touristenbars, sondern in den Sing a Songs, die hauptsächlich von den Einheimischen, den auf Phuket arbeitenden, männlichen Thais und manchmal von den Expats, besucht werden. Dies blieb Sarinee natürlich nicht lange verborgen und sie schmiss Tschip vor einem guten Jahr unverzüglich aus der gemeinsamen Wohnung. Das war nicht weiter schlimm, da sie keine Kinder hatten, außerdem wäre dies auch kein wirklicher Grund.
Danach hatte Sarinee eine kleine Bar, in der Nähe des Golden Sand Hotel, in einer Seitenstrasse. Diese lief aber überhaupt nicht gut, sodass auch die Chefin mit manchen Gästen mitging. Nach ein paar Monaten war aber Schluss, und Sarinee schloss ihre Bar wieder.
„Natürlich müssen wir dahin“, entgegnete ich Sepp. Wir tranken noch unser Carlsberg Bier (Chang Bier gibt es in der Weapon Bar nicht) aus, und machten uns, mit unseren Flitzern, auf dem Weg nach Chalong. Schnell fanden wir diesen Sing a Song (rd. 200m vorm Kreisel auf der linken Seite) und wurden sehr freundlich von der frischgebackenen Chefin empfangen.
Es waren so sieben Service Damen mit mehr oder weniger Gesangskünsten anwesend, natürlich alle aus der Gegend von Trang.
Sarinee gab uns, zur Feier des Tages, eine Flasche Sangthip mit Soda und Eis aus. Wir hatten eine Menge Spaß und unser Alkoholspiegel stieg unaufhaltsam von Minute zu Minute.
Nach zwei Stunden machten wir uns wieder auf den Weg und wollten einen kurzen Abstecher in der Phuketaner Bar, ganz in der Nähe von Marios Bakery, machen. Wir wussten zwar, das wir viel zu früh da auftauchten (es war vielleicht erst 22.00 Uhr), aber auch hier kannten wir die meisten Leute. Sepp und ich testeten hier, in der Vergangenheit, die eine oder andere Service Dame, auch sehr intensiv.
Es war aber wirklich wenig los, die Service Damen gingen uns ganz schön auf die Nerven, sodass wir recht schnell wieder abhauten.
Wir fuhren in das Kata Barcenter und setzten uns in die Bar von Jaclyn. Das ist die beste und erste Bar in diesen Barcenter. Jaclyn ist mit einen Amerikaner verheiratet, lebte auch sehr lange mit ihm in San Francisco, sprach hervorragendes Englisch mit kalifornischen Akzent, und sah natürlich grandios aus. Der Amerikaner arbeitete als Ingenieur auf den verschiedensten Ölplattformen im indischen Ozean und war immer 4 Wochen auf Urlaub in Phuket und dann wieder 2 Monate auf der Ölplattform. Mit Farangs ging sie für Geld natürlich nicht, das hatte sie überhaupt nicht nötig. Trotzdem war sie manchmal, wenn ihr ein junger Farang vom Äußern gefiel, nicht abgeneigt. Dies hatte dann aber den westlichen „One Night Stand“ Charakter und Geld spielte überhaupt keine Rolle.
Bei Jaclyn wird auch die beste Musik (klassischer Rock, 70er, 80er Jahre) aufgelegt, sodass wir sehr oft da waren, und wir zu den Stammgästen gehörten. Wenn die Mädls nicht gerade mit welchen Blödmännern beschäftigt waren, saßen sie bei uns am Tisch, und tranken den einen oder anderen Whiskey mit.
Die Stimmung war hervorragend, so blieben wir bis 01.00 Uhr. Inzwischen waren wir ganz schön besoffen. In der Regel verschwendeten wir nie einen Gedanken daran, das Mopedfahren im stark alkoholisierten Zustand, eigentlich ganz schön dämlich und dumm ist.
Wir starteten und im Karon Center, in der sogenannten Schweinestraße, legten wir noch einen kurzen Stop beim Jeap, der Backgammon Profi, ein. Danach wollten wir ins Kon Tai Pub zum Absacken und eventuell ergibt sich ja noch etwas. Das Kon Tai Pub war zu dieser Zeit der angesagteste Laden im Umkreis von Karon bzw. Kata Beach. Ab 02.00 Uhr morgens ist da ein Überangebot von Service Damen, welches sich viele Männer in ihren kühnsten Träume nicht vorstellen können.
Wir verließen die Schweinestrasse um circa 01.45. Sepp hatte damals noch die Angewohnheit im Suff so richtig Gas zu geben. Ich war genauso doof und folgte ihm rasend schnell. Während mir eine frische Brise Meeresluft um die Nase blies, wurde mir erst so richtig bewusst, wie besoffen ich eigentlich war. Egal, wird schon nichts passieren, beruhigte ich mich.
Wir fuhren die Strandstraße entlang, die Straßenbeleuchtung war mal wieder kaputt, und somit war es finsterste Nacht. Am Phuket Arcadia, ein fünf Sterne Bunker, vorbei, und wir waren guter Dinge und freuten uns schon auf das Kon Tai Pub.
Wir waren so dreihundert Meter vom Karon Kreisel entfernt, da passierte es.
Ich sah, wie Sepp ein sehr langsam fahrendes Tuk Tuk überholte, und ich hinterher. Dann machte ich einen sehr schwerwiegenden Fehler und scherte, nachdem ich das Tuk Tuk überholt hatte, wieder links ein und plötzlich machte es einen derart lauten Knall, und plötzlich war es sehr, sehr still.
Sepp machte diesen Fehler nicht, er blieb auf der Überholspur, und fuhr auch noch an den unbeleuchteten Müllwagen, der ganz links parkte, gekonnt vorbei. Mir war das nicht vergönnt und ich klebte zwischen der hydraulischen Hebevorrichtung und der großen Öffnung des Müllschluckers, am Ende des Trucks.
Bis heute weiß ich nicht genau, wie dieses Malheur passieren konnte – ich kann mich wirklich nur mehr an das Tuk Tuk und den lauten Knall erinnern. Das da ein unbeleuchtetes Müllauto stand, wurde mir erst klar, als ich wieder aufwachte. Laut Sepp war ich einige Minuten bewusstlos, aber genau konnte er es auch nicht sagen, da er erst am Parkplatz vom Kon Tai Pub merkte, das ich nicht mehr hinter ihm war. Er fuhr dann die Strecke zurück und fand mich dann schließlich auch sehr schnell.
Ich saß am Straßenrand und fühlte mich eigentlich gar nicht so schlecht. Natürlich hatte ich einen Schock vom feinsten und das ganze Blut, das von meiner Schläfe runtertropfte, nahm ich gar nicht so richtig wahr.
Sepp sah mich und kümmerte sich sogleich um mich. Für die anwesenden Thais war das natürlich wieder ein Volksfest und sie amüsierten sich über diesen dummen Farang und über das total zerstörte Moped. Die Suzuki Crystal konnte nur mehr auf eine Ladefläche eines Pick Up’s geworfen werden, an eine Weiterfahrt war nicht mehr zu denken. An dem Müllauto war natürlich keinerlei Schaden, wie auch? – die ganze Vorrichtung ist ja komplett aus sehr harten Stahl. Da ich natürlich, wie immer, keinen Sturzhelm trug, bremste ich mit meinen Kopf bzw. Körper.
Mit meinen T-Shirt als provisorische Mullbinde, versorgte Sepp erst mal meine starkblutende Wunde am Kopf. Da ich unter starken Schock stand, war mir die schwere Verletzung über meinen linken Auge gar nicht bewusst. Sepp wollte mich sofort ins Phuket International Krankenhaus bringen, aber ich winkte gelassen ab und wollte mich partout nicht ins Krankenhaus bringen lassen. Indianer kennen keinen Schmerz, war damals unsere dümmliche Devise. Ist ja alles nicht so schlimm, ein paar Pflaster und in ein paar Tagen ist die Welt schon wieder in Ordnung.
Ich konnte Sepp überzeugen, das er mich lediglich nach Hause fahren sollte. Nach einer kurzen Diskussion gab er nach und brachte mich auf seinen Sozius nach Hause.
Ich wohnte zu dieser Zeit alleine in meinen Haus und als erstes begab ich mich mal ins Bad und versuchte meine klaffende Wunde am Kopf zu versorgen. Ich sah schon, das ein zwölf Zentimeter langer und sehr tiefer Schnitt über meinen linken Auge war, aber ich beruhigte mich selbst und so richtig schlecht ging es mir auch nicht. Im Gegenteil, ich verspürte keinerlei Schmerzen! Die ganzen Abschürfungen und Prellungen am ganzen Körper nahm ich gar nicht wahr. Der Alkohol und der Schock unterdrückten alles.
In meinen Suff legte ich mich einfach ins Bett und schlief ein.
So gegen sechs Uhr wachte ich mit höllischen Kopfschmerzen auf und wusste erst mal nicht, was überhaupt los sei. Dann schoss mir der laute Knall, wieder wie ein Blitz durch meinen sehr schmerzenden Kopf. Ich stand auf, und wunderte mich schon über das ganze Blut im Bett. Das ganze Haus war am Boden überseht von getrockneten Blutlachen. Was habe ich da letzte Nacht wieder angestellt? Ich erreichte das Bad und riskierte einen Blick in den Spiegel.
Mich traf fast der Schlag und ich war einen Herzinfarkt nahe.
„Wer, bitteschön, ist diese Fratze da im Spiegel, dieser Zombie, dieser Mutant, wer zur Hölle ist das???“
Jetzt wurde mir so richtig schlecht und mir wurde schlagartig bewusst, das ich sofort ins Krankenhaus muss.
- Fortsetzung folgt -