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Das wahre Leben

Diskutiere Das wahre Leben im Literarisches Forum im Bereich Thailand Forum; 0. Vorgeschichte Die Geschichte handelt von einem Menschen. Es ist zwar für die Geschichte völlig unerheblich, ob dieser Mensch ein Weiblein oder...
moselbert

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0. Vorgeschichte

Die Geschichte handelt von einem Menschen. Es ist zwar für die Geschichte völlig unerheblich, ob dieser Mensch ein Weiblein oder ein Männlein ist, aber es ist vielleicht besser, wenn ich ihm ein Geschlecht zuweise. Da viele der Leser, wie auch der Erzähler, männlichen Geschlechts sind, bietet sich dieses geradezu an.
Bei solchen Geschichten kann man sich wie Gott fühlen. Man kann Figuren erschaffen, seinen Figuren ein Geschlecht geben, sie leben und sterben lassen. Und man kann sie taufen.
Da sind wir beim nächsten Problem. Welchen Namen gebe ich diesem Menschenmann? Einen bekannten Namen werde ich nicht nehmen, denn viele der Leser würden so ihren Nachbarn zu erkennen glauben. Aber das möchte ich nicht. Das wäre der Geschichte abträglich. So muss ich mir einen sehr seltenen Namen überlegen, den mit Sicherheit keiner der Leser hat.
Ich nenne mein Wesen Holledau. Das ist gewiss ein sehr seltener und überaus seltsamer Vorname. Und ich bin mir deshalb ziemlich sicher, dass keiner der Leser so heißt. Außerdem klingt dieser Name besser als Kraichgau.
Und mit diesen Dingen ausgestattet, Name und Geschlecht, ist unser Held nun in der Lage in die Welt entlassen zu werden. In das wahre Leben.
 
moselbert

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1. Der Freund

Holledau war ein junger Mann, der in einem großen Betrieb arbeitete. Er hatte eine schöne Arbeit, verdiente gutes Geld, war gesund, hatte nette Kollegen und viel Urlaub. Allerdings war er nicht glücklich.
Das fiel auch seinen Kollegen auf. Sein bester Freund unter diesen sprach ihn eines Tages beim Mittagessen darauf an.
„Dir fehlt irgendetwas.“ sagte er. „Aber was?“
„Ich weiß nicht. Eigentlich müsste ich theoretisch sehr zufrieden sein. Aber ich bin anders als Du. Du strahlst vor Glück, dabei hast Du viel mehr um die Ohren mit Deiner Familie.“
„Vielleicht ist es ja das.“ vermutete der Kollege. „Dir fehlt eine Familie.“
„Mag sein.“ Holledau dachte nach. „Aber leider hat mir der Erzähler zwar ein Geschlecht und einen Namen gegeben, eine Familie hat er aber anscheinend vergessen. Die werde ich mir wohl selber suchen müssen. Aber keine der Kolleginnen hier in der Firma spricht mein Innerstes an. Ich habe mich noch nicht verliebt. Sie sind zwar sehr nett, die meisten jedenfalls, aber es fehlt etwas.“
„Ich habe meine Frau auch nicht im Betrieb kennen gelernt. Es war auf einer Urlaubsreise nach Sonthofen. Wahrscheinlich findet man seine wahre Liebe nur im Urlaub.“
Holledau fand die Idee gar nicht so schlecht. Er hatte sowieso noch seinen Jahresurlaub zu nehmen.


Bald folgt Teil 2: "Die Reise"
 
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2. Die Reise

Nach Feierabend nahm er sich seinen Atlas vor und blätterte durch die Seiten.

„In Deutschland habe ich schon oft Urlaub gemacht. Da war nichts dabei für mich.“ Er blätterte weiter.

„Die Französinnen sind auch sehr nett, die Spanierinnen heißblütig. Aber das ist alles nichts. Lassen wir das Schicksal entscheiden.“

Er nahm seine Nagelfeile, schloss die Augen und piekste mit der Feile in die Seiten des Atlanten. Als er die Seite aufschlug, sah er eine weiße Fläche mit Gletschern vor sich: Die Antarktis.

„Ich glaube da wohnen nur Pinguine. Kein Platz für einen Urlaub. Also noch mal das Ganze.“

Bei dem zweiten Versuch schlug ihm das Feilenorakel Südostasien vor. Er dachte nach. Welches der Länder dort sollte er nehmen? Er ließ die Feile über der Karte kreisen. Dann brach er den Vorgang abrupt ab.

„Ich lasse mich doch nicht zum Spielball einer Nagelfeile machen.“ Thailand stach ihm ins Auge. „So sei es denn.“ dachte er.

In den nächsten Tagen buchte er eine Urlaubsreise. Natürlich wollte er bei der Gelegenheit nicht nur nach einer Frau Ausschau halten, sondern auch das Land als solches kennen lernen. Und so entschied er sich für eine Rundreise durch den Norden, einen Badeurlaub im Süden und ein paar Tage Hektik in der Mitte.

Seine Kollegen wünschten ihm einen guten Flug. Manche tuschelten auch hinter vorgehaltener Hand.

Schließlich kam der Tag des Abfluges. Er freute sich.

Auf die Beschreibung des Fluges und die Begleitumstände soll an dieser Stelle verzichtet werden. Jeder mag sich seinen letzten Flug in seiner Phantasie vorstellen. Mit dieser Methode erspart der Leser dem Schreiber, oft Gesagtes zu wiederholen. Und es treibt die Geschichte voran.
;-)

Schließlich landete er in Thailand. Die Hitze und die Schwüle nahmen ihm den Atem. Tapfer stürzte er sich ins Abenteuer.



Bald folgt Teil 3: "Der vorletzte Tag"
 
moselbert

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3. Der vorletzte Tag

Ich muss schon wieder zum Trick der Phantasie greifen und den werten Leser bemühen. Wer hat denn schon eine Busrundreise im Norden gemacht, ein paar Tage am Strand im Süden genossen und die Hektik der Hauptstadt erlebt? Okay, dann mag doch der Leser an dieser Stelle sich seine schönen und weniger schönen Erlebnisse in Gedanken zurückholen und sie hier einfügen. Wir treffen uns dann am vorletzten Tag in Bangkok wieder. Bis gleich.

Ich gebe zu, einige Leser werden enttäuscht sein, wenn sie selber etwas dazugeben müssen zu der Geschichte. Aber wie oben schon gesagt, ich habe weniger zu tun und es treibt die Geschichte voran. Diese Geschichte handelt ja nicht vom Urlaub in Thailand, sondern -wie man aus der Überschrift erkennen kann- vom wahren Leben. Aber viel muss der Leser nicht arbeiten, ein bisschen werde ich auch beisteuern.

Am vorletzten Tag hatte Holledau keine gute Laune. Es war wie in den vergangenen Urlauben gewesen. Er hatte viele nette Menschen getroffen und auch einige weniger nette. Allerdings musste er zugeben, dass in Thailand die Menschen im Durchschnitt wesentlich netter, zufriedener und glücklicher wirkten als in seiner Heimat. Obwohl es ihnen materiell nicht so gut ging. Oder vielleicht gerade deshalb?

Warum Holledau an diesem Tag weniger gut gelaunt war, lag auf der Hand. Er hatte ja ein Ziel gehabt. Er hatte die Bekanntschaft einer Frau machen wollen, in die er sich verlieben konnte. Aber er hatte niemanden kennen gelernt. Und so ging er ziemlich missmutig in ein kleines Restaurant, wo er zum Abschluss der Reise noch einmal ein echtes thailändisches Gericht zu sich nehmen wollte. Er setzte sich auf einen freien Platz und schaute die ausliegende Speisekarte durch.
 
moselbert

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4. Die Bekanntschaft

Von ihm unbemerkt hatte sich die Bedienung an seinen Tisch gestellt.

„Was darf ich Ihnen bringen?“ fragte sie auf Englisch. Er schaute auf.

Es traf ihn wie der Blitz. Diese braunen mandelförmigen Augen. Diese lächelnden schmalen Lippen. Diese halblangen blauschwarzen Haare. Diese goldbraun schimmernde Haut. Diese schlanke Erscheinung. Diese gut gepflegten Hände. Diese ...

Er wurde in seinen Beobachtungen unvermittelt unterbrochen, denn sie schwankte etwas und musste sich am Nachbarstuhl abstützen.

„Ist Ihnen nicht gut?“ Holledau war besorgt.

„Doch, es geht schon. Ihre Bestellung bitte.“ Sie schien etwas kurz angebunden zu sein.

Er hatte sich nur ein Gericht bestellen wollen. Jetzt disponierte er kurzfristig um. Er nahm eine kleine Vorspeise, ein Süppchen, ein kleines Hauptgericht und ein Dessert. Alles, damit sie noch etwas öfter an diesen Tisch kommen möge.

Die Bedienung hatte allerdings etwas anderes im Sinn. Sie wollte am liebsten gar nicht mehr an diesen Tisch kommen.

Denn als sie diesen Gast angesehen hatte, traf es sie wie der Blitz. Diese melancholischen blauen Augen. Diese leicht rötlichen Lippen. Diese strähnigen blonden Haare. Diese herrliche helle Haut. Dieser zarte Anflug eines Bäuchleins. Diese gut gepflegten kräftigen Hände. Diese ...

In diesem Moment hatte sie der Schwindel ergriffen. Sie hatte sich verliebt.

Hoffentlich hatte der Farang nichts gemerkt. Er würde nach dem Essen die Gaststätte verlassen, irgendwann wieder nach Hause fliegen und sie hier vergessen. Und dann war es besser, wenn sie sich nicht allzu sehr in Gedanken mit ihm beschäftigen musste.

An dieser Stelle muss ich die werten Leser noch mal bemühen. Ich habe mir jetzt schon den Namen des männlichen Hauptdarstellers ausgedacht. Ich glaube, es ist an der Zeit, dass ihr auch mal etwas für mich tut. Mir fällt nämlich kein schöner Name für die Bedienung ein, die in der Geschichte noch eine große Rolle spielen wird. So bitte ich Euch, mir einen schönen Namen zu nennen. Er sollte mindestens so schön sein wie Holledau.


Wie lange Ihr auf Teil 5: "Das Versprechen" warten müsst, liegt an Euch. ;-)
 
Ampudjini

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Die Bedienung heisst Patcharin.
Ihren Spitznamen kenne ich nicht.
 
moselbert

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@Ampudjini: Das ging aber flott.

Wer zuerst kommt mahlt zuerst. Ich werde also meine Patschehändchen über die Tastatur gleiten lassen und ihr diesen Namen geben.

Was bedeutet er, Jini?
 
moselbert

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5. Das Versprechen

Keine Kollegin wollte diesen Tisch von ihr übernehmen. Also musste sie notgedrungen noch öfter zu diesem netten Farang kommen und ihm die Speisen servieren. Und so kamen sie dann doch ins Gespräch. Und sie kamen überein, dass sie sich noch länger unterhalten sollten. Patcharin bekam für eine Stunde frei und ging mit dem Farang in ein benachbartes Café.

Sie gestanden sich ihre Liebe und waren beide sichtlich ergriffen und glücklich.

Auf der anderen Seite war es wie Patcharin befürchtet hatte. Es war sogar noch schlimmer. Er flog schon morgen wieder zurück.

„Wir müssen in Kontakt bleiben.“ sagten beide gleichzeitig und fingen daraufhin an zu lachen.

„Hast Du Telefon?“ fragte er sie.

„Ja, aber das ist zu teuer.“ bemerkte sie. „Hast Du eine eMail Adresse oder eine ICQ Nummer?“

Er schaute etwas irritiert.

„Wir leben in Bangkok doch nicht mehr im Wald, sondern in einer gut entwickelten Weltstadt. Also, was ist?“

Sie tauschten diese neuen elektronischen Adressen aus, ohne die man in der heutigen Zeit nicht mehr auskommt.

Sie bekam am nächsten Tag sogar frei, damit sie ihn zum Flughafen bringen konnte. In der Licht durchfluteten hochmodernen Empfangshalle des gerade eröffneten neuen Flughafens im Osten der Stadt umarmten sie sich und schauten sich tief in die Augen.

„Ich warte auf Dich.“ sagte sie.

„Ich komme wieder.“ versprach er.

Ihre Lippen fanden sich und Tränen liefen der Schwerkraft folgend in breitem Strom über beider Wangen.

 
Ampudjini

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Hallo Moselbert,

ich weiß leider nicht, was der Name "Patcharin" bedeutet. Er fiel mir nur gerade ein, weil ich diese Woche von einer Frau gehört habe, die so heisst. Werde sie aber erst am Montag persönlich kennen lernen. Dann kann ich danach fragen (hoffentlich denke ich dran :gruebel:).
Mir ist nur bekannt, dass "Charin" auch ein Männername ist.

Brauchst du sonst noch Namen oder Anregungen?? Ich bin grad sooooo kreativ, das könnte man ausnutzen. :lol:

Gruss an die Mosel.
Ampudjini
 
moselbert

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6. Zu Hause

Wieder zu Hause angekommen, saß er jetzt jede freie Minute an seinem Computer und schrieb eMails. Manchmal hatte er auch über ICQ direkten Kontakt mit Patcharin. Jedes Mal liefen ihm die Tränen wieder aus den Augen.

Sie hatte sich schon einen Reisepass besorgt. Und er lief zu den Behörden und suchte die nötigen Papiere für eine Heirat zusammen.

Sein bester Freund sprach dann wieder einmal beim Mittagessen an.

„Du bist so verändert seit Deinem Urlaub. Richtig zufrieden“ sagte er.

„Das stimmt. Ich bin glücklich. Eigentlich müsste ich theoretisch sehr unglücklich sein, weil ich viele Probleme um die Ohren habe. Meine Freundin ist weit weg und ich kann sie nicht in die Arme schließen. Schon komisch, wenn alles gut läuft ist man unglücklich und wenn man Probleme hat, ist man glücklich.“

„Vielleicht ist es ja gerade das.“ vermutete der Kollege. „Wenn man auf dem Wege ist die Probleme zu meistern, dann bringt einem das mehr Energie und Freude.“

Holledau hatte inzwischen auch durch seine ständige Beschäftigung mit dem Computer die elektronische Kommunikation kennen und schätzen gelernt. Er hatte sogar im weltweiten Netz einige Bekannte mit ähnlichen Problemen und Vorlieben gefunden, mit denen er sich in einem Forum austauschte.

Er erzählte seine Geschichte in diesem Forum. Viele freuten sich mit ihm, einige bezeichneten ihn als Liebeskasper. Das war ihm egal, denn das war ja nur ein Forum.

Das wahre Leben spielte sich in seinem Herzen ab und dann, wenn er sich mit seiner Patcharin austauschen konnte.


Das Tempo der Geschichte ist geradezu atemberaubend. Deshalb werde ich mal ein bißchen Pause machen, bevor ich den nächsten Teil hier hereinstelle. Demnächst in diesem Theater Teil 7 "Das Wiedersehen"
 
moselbert

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Ampudjini" schrieb:
... Brauchst du sonst noch Namen oder Anregungen?? Ich bin grad sooooo kreativ, das könnte man ausnutzen. :lol:

Gruss an die Mosel.
Ampudjini
Danke nein, die Geschichte ist schon fertig. Aber der Name war gut, vielen Dank.

:wink: Gruß an die Donau. :wink:
 
W

woody

Gast
moselbert" schrieb:
........Sie bekam am nächsten Tag sogar frei, damit sie ihn zum Flughafen bringen konnte. In der Licht durchfluteten hochmodernen Empfangshalle des gerade eröffneten neuen Flughafens im Osten der Stadt umarmten sie sich und schauten sich tief in die Augen.

„Ich warte auf Dich.“ sagte sie.

„Ich komme wieder.“ versprach er.

Ihre Lippen fanden sich und Tränen liefen der Schwerkraft folgend in breitem Strom über beider Wangen.
@moselbert

Das ist eine sehr schöne Geschichte :super: und so romantisch ;-D ,
ich befürchte jedoch das es noch dramatisch wird, bin neugierig wie es weitergeht :cool:

gruss woody
 
moselbert

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7. Das Wiedersehen

Nach einigen Monaten war es dann wieder so weit. Er hatte sich nur Flugtickets besorgt, für Patcharin auch eins für den Flug aus Thailand in seine Heimat. Um ein Hotel brauchte er sich nicht zu kümmern, denn Patcharin hatte ihm gesagt, dass in ihrer kleinen Wohnung genug Platz für ihn sein würde.

Wieder wurde er von der Hitze und Schwüle des Landes empfangen. Er bewunderte wieder die luftige Glaskonstruktion des Flughafens. Anders als beim letzten Mal wurde er aber diesmal von Patcharin erwartet. Er konnte gar nicht abwarten, sie wieder in die Arme schließen zu können. Denn eMail und ICQ waren doch nur virtuelle Krücken.

Das wahre Leben stand dort hinten. Er hatte Patcharin schon entdeckt und eilte so schnell es der schwere Koffer auf dem Wägelchen erlaubte zu ihr. Und wieder lagen sie sich in den Armen. Und wieder flossen die Tränen. Aber dieses Mal war es kein Abschied sondern ein Wiedersehen. Und daher schmeckten die Tränen viel süßer.

Patcharin organisierte ein Taxi. Nachdem der Fahrer den viel zu großen Koffer in den viel zu kleinen Kofferraum verstaut hatte, fuhren sie zu Patcharins Wohnung. Es war eigentlich nur ein Zimmer in einer großen Wohnanlage in einer namenlosen Siedlung in irgendeinem Stadtteil. Aber das Zimmer hatte Patcharin lange Zeit gute Dienste geleistet.

Jetzt bot es auch Holledau Unterschlupf für die nächsten Wochen. Eine Küche gab es eigentlich nicht. Ein Reiskocher stand irgendwo herum. Auf dem Minibalkon hatte Patcharin noch einen kleinen Kochplatz eingerichtet. Eine Tür führte zu einem kleinen Bad mit WC und Dusche. Alles war irgendwie einfach und praktisch.

Besonders stolz zeigte Patcharin ihm ihren Computer auf einem kleinen Schreibtisch. „Hier habe ich oft gesessen, gelacht und geweint. Mit Dir. Jetzt bist Du da. Und ich bin glücklich.“

„Ich bin auch sehr glücklich.“ erwiderte Holledau.

„Ich liebe Dich.“ sagte Patcharin.

„Ich liebe Dich auch.“ sagte Holledau.

Sie lagen sich in den Armen.

Liebe Leser, hier blenden wir uns erneut aus der Geschichte aus. Wie Ihr schon bemerkt habt, habe ich keine große Lust, Dinge zu beschreiben, die jeder schon selber einmal erlebt hat. Wieder werde ich Eure Phantasie bemühen müssen. Also, was würdet Ihr jetzt tun?

Bitte? Wer sagt da, er würde dem Forum berichten? So wichtig ist das doch jetzt im Moment nicht, oder?

Denkt mal an Dusche und Bett und Ihr seid schon auf dem richtigen Wege. Lasst Eure Phantasie so richtig spielen. An dieser Stelle hat das auch noch den Vorteil, dass ich nicht wegen Verbreitung pornografischer Schriften an Leser unter 18 beschuldigt werden kann, die sich eventuell hierher verirrt haben.

Inzwischen dürften die beiden ihr Wiedersehen richtig gefeiert haben und wir können uns wieder einblenden.

 
moselbert

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8. Das neue Leben

Die nächsten Tage waren ein einziger Kampf mit den Behörden. Nette und unfreundliche Beamte der Deutschen Botschaft sowie der thailändischen Behörden mussten davon überzeugt werden, dass Holledau und Patcharin zusammengehörten. Schließlich war es soweit und sie wurden auch vor den Augen des Gesetzes ein Paar. Sie fuhren zu Patcharins Verwandten nach Chonburi und richteten eine große Feier aus. Anschließend erholten sie sich am Meer von den ganzen Strapazen.

Liebe Leser, alle diese Begebenheiten sind eigene Geschichten, die von anderen in anderen Threads erzählt werden können. Vielleicht hat ja auch der eine oder andere schon einmal etwas in dieser Richtung erlebt und auch beschrieben. Für diese Geschichte sind die Begebenheiten allerdings eher Nebensache, deswegen machen wir einen kleinen Sprung.

Glücklich kamen Patcharin und Holledau in Deutschland an. Seine im Vergleich zu Thailand große Junggesellenwohnung hatte es ihr gleich angetan. Es fehlten zwar einige Dinge, die zum Leben einer Thai unbedingt dazugehören mussten, wie Reiskocher und Buddha, aber die hatte Patcharin schon in weiser Voraussicht in Thailand eingekauft. Jetzt stand dem neuen Leben in Deutschland nichts mehr im Wege.

Nach einiger Zeit hatte sich Patcharin in Deutschland eingelebt. Manchmal fror sie zwar, nicht nur wegen der Temperaturen, sondern auch wegen der unfreundlichen Kühle, die ihr von manchen Mitmenschen entgegengebracht wurde. Aber es gab auch sehr nette Menschen. Die Kollegen von Holledau waren fast alle sehr nett und auch mit der Familie von Holledaus Freund hatte sie sich inzwischen angefreundet.

Eines Tages klagte Patcharin über unerklärliche Beschwerden im Unterleib und Übelkeit. Voller Sorge begleitete Holledau sie zum Arzt. Obwohl Patcharin schon etwas Deutsch gelernt hatte und alleine einkaufen konnte, zog sie bei Behördengängen und Arztbesuchen doch gerne Holledau hinzu.

Der Arzt machte nach der Untersuchung ein ernstes Gesicht. Er sagte, Patcharin müsse jetzt gut auf sich aufpassen, nicht rauchen und auch nur wenig Alkohol trinken, wenn überhaupt. Denn sie trage jetzt nicht nur für sich Verantwortung, sondern auch für ein kleines neues Leben, das sich in ihr zu entwickeln begann.

Hatten Patcharin und Holledau anfangs besorgt gewirkt, waren sie jetzt voller Glück und begossen die freudige Nachricht mit einer Flasche Wein. Besser gesagt, Holledau begoss. Denn ihm hatte der Arzt den Alkoholkonsum nicht untersagt. Trunken vor Freude und vor Wein loggte er sich in das Internet ein und unterrichtete seine Forengemeinde von der freudigen Nachricht. Alle beglückwünschten ihn dazu und baten Grüße an Patcharin auszurichten. Keiner nannte ihn mehr einen Liebeskasper.

Auch auf der Arbeit freuten sich alle mit ihm und keiner tuschelte mehr hinter vorgehaltener Hand.

Das war das wahre Leben. Holledau war glücklich. Auch Patcharin war glücklich und das Glück sollte auch noch einige Zeit anhalten.


Demnächst geht es weiter mit Teil 9: "Das Forum"
 
Tomad

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moselbert :super:

Aber lass uns mit der Fortsetzung bitte keine 9 Monate warten. :lol:

Thomas
 
bigchang

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klasse story moselbert
ich kann mich da an einigen stellen wiedererkennen,kennnst du mich etwa? :lol:
warte schon auf den naechsten teil,den ich wahrscheinlich aber erst im dezember lesen kann,schade,das ist ja sooooo gemein

gruesse matt :wink:
 
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bigchang" schrieb:
... ich kann mich da an einigen stellen wiedererkennen,kennnst du mich etwa? :lol:
Nein, aber die Gefahr, die erst in den kommenden Teilen der Geschichte sichtbar wird, besteht auch bei mir, vielleicht bei einigen hier. Deswegen ist es nicht ausgeschlossen, dass sich noch einige wiedererkennen werden, obwohl die Personen in der Geschichte frei erfunden sind.
bigchang" schrieb:
... warte schon auf den naechsten teil,den ich wahrscheinlich aber erst im dezember lesen kann,schade,das ist ja sooooo gemein
gruesse matt :wink:
Matt, sooooo gemein will ich nicht sein. Vielleicht kannst Du den Rest ja heute noch lesen. ;-)
 
moselbert

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9. Das Forum

Er hatte nicht den Mut der Geburt beizuwohnen und wartete außerhalb des Kreißsaales.

„Es ist ein Junge.“ rief ihm die Schwester kurze Zeit später zu. Er lief ins Zimmer, in dem Patcharin lag. Er umarmte seine Frau und streichelte den Nachwuchs. Sie waren sooo glücklich.

Nach einigen Monaten war Patcharin erneut schwanger und brachte diesmal ein gesundes Mädchen zur Welt. Bald zogen sie in eine größere Wohnung um. Patcharin kümmerte sich aufopferungsvoll um die Kinder.

Und so hatte sie natürlich weniger Zeit für Holledau. Aber das machte nichts, denn er hatte sich inzwischen so an seinen PC und das Internet gewöhnt, dass er seine Zeit auch gut hier verbringen konnte.

Auch in seinem Lieblingsforum, in dem es sich vor allem um Thailand drehte, war er gerne zugegen. Er erzählte von seinen Erlebnissen, gab Rat und Hilfe wo er nur konnte. Ab und zu gab es Streit unter den Mitgliedern. Er versuchte zu schlichten. Er war auch in anderen Foren vertreten. Wenn dort über sein Lieblingsforum geschimpft wurde, verteidigte er dieses mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln.

Holledau fühlte sich bald wie Psychologe, Feuerwehr und Polizei gleichzeitig. Er wäre auch gerne Moderator geworden, aber das Forum hatte schon zehn davon. Das hielt ihn aber nicht davon ab, für Gerechtigkeit in der Forenlandschaft zu kämpfen. Er hatte zwar bisher nur ganz vereinzelt Mitglieder des Forums kennen gelernt. Aber ihm kam es vor, als wäre das Forum seine zweite Familie.

Bald verbrachte er mehr Zeit am Computer als mit seiner jungen Frau und den Kindern. Natürlich liebte er sie, keine Frage. Aber in der Familie lief alles seinen Gang. Alles war eingefahren. Manch einer würde sagen, es war langweilig.

Im Forum gab es immer neue Geschichten und Probleme, an denen er teilhaben konnte. Überall gab er seine Meinung dazu. Und seine Meinung war in der Forengemeinde geschätzt. Was wiederum ihm gefiel.

Ja, da draußen im Forum erfuhr man wirklich etwas vom wahren Leben außerhalb seiner vier Wände.
 
moselbert

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10. Der Helfer

Patcharin war über die ganze Entwicklung natürlich nicht gerade begeistert. Das war nicht mehr der Mann, in den sie sich vor wenigen Jahren noch verliebt hatte. Sie beschloss, Holledaus Freund aufzusuchen und ihn um Hilfe zu bitten.

Dieser hörte sich Patcharins Geschichte an.

„Der Alltag hat die Liebe verschluckt wie die schwarzen Schatten das Land Phantásien in Michael Endes Geschichte.“ bemerkte er.

Das sagte Patcharin zwar nichts, weil sie die Geschichte nicht kannte, aber es hörte sich gut an.

„Holledau wird bald selber ins Internet gesaugt werden, wenn er nicht aufpasst.“ sagte er bissig. Aber ein guter Freund hat immer einen Rat. So auch dieses Mal.

-----

Wie jetzt immer saß Holledau am PC und ließ die Finger in wildem Stakkato über die Tasten fahren. Er war wieder im Forum, wo er sich wieder bei einem Problem als Psychologe versuchte. Gleichzeitig war er Polizei, weil er einem Fake auf der Spur war. Und auch sein Talent als Feuerwehr war wieder gefragt, weil zwei Mitglieder sich zofften.

Allmählich verlor er den Überblick. So hatte er in einem Thema eine Antwort geschrieben, die er eigentlich in einem anderen Thema hätte schreiben wollen. Da sie nur kurz war, hatte sie an der falschen Stelle zu Missinterpretationen geführt. Jetzt musste er seinen Fauxpas wieder ausbügeln. Ja es war manchmal schon ganz schön stressig.

Das Fake ließ ihm auch keine Ruhe. Da hatte sich doch eine angeblich weibliche Person unter dem Usernamen Dierfeld angemeldet. Diese erzählte gerade eine wilde Geschichte über eine im Sumpf des Alltags versinkende Partnerschaft. Sie hatte einen Mann geheiratet, der sich nicht mehr mit ihr beschäftigte, sondern nur mit dem PC und dem Internet.

Er schrieb zurück, er könne sich so etwas nicht vorstellen. Nun gut, auch er sitze ab und zu am PC, sogar jetzt (danach fügte er ein augenzwinkerndes Smiley ein). Aber er liebte seine Frau und die Kinder. Und er würde niemals die Liebe wegen dieser elektronischen Spielzeuge aufs Spiel setzen. Außerdem sagte er ihr, dass er sie für ein Fake halten würde.

Dierfeld antwortete, dass sie ganz gewiss die Wahrheit erzählt hatte. Sie habe sogar die Vermutung, dass er ihren Mann kennen würde, denn dieser habe schon öfter von ihm gesprochen.

Jetzt war Holledau doch etwas irritiert. „Wer ist denn dieser Mann?“ schrieb er. „Wenn ich Euch helfen kann, würde mich das freuen. Du kannst mir das auch gerne über PN mitteilen.“ Jetzt war er vom Polizisten wieder ganz zum Psychologen mutiert.
 
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